Praxiseinsatz – Hafo - Die zieht ordentlich was weg

Ab und an ist die Dreipunkt-Winde im Forst etwas überdimensioniert oder es müssen nur wenige Stücke gezogen werden. Mit den kleinen hydraulischen Winden von Hafo können daher auch andere Maschinen aufgerüstet werden, was deren Arbeit flexibler macht. Wir haben die Sapi-Forstwinde Easy mit in den Praxiseinsatz genommen und waren überrascht von ihrer Leistung.

Praxiseinsatz – Hafo: Die zieht ordentlich was weg

Die Birkenstämme schafft die Winde locker, als Maximum konnten wir 4 m-Kiefern-Fixlängen bis etwa 35 cm Durchmesser rücken.

Praxiseinsatz – Hafo: Die zieht ordentlich was weg

Die Montage der Sapi-Forstwinde Easy am Frontgitter des Rückewagens erfolgte problemlos.

Wer sich etwas in der Forstarbeit auskennt und mit entsprechenden Maschinen arbeitet, hat folgenden Spruch sicherlich schon einmal gehört: Egal welchen Kran du verbaut hast, er ist immer zu kurz. Egal ob Rückewagen oder Greifer im Dreipunkt, kaum hat man die ersten Festmeter mit der neuen Maschine gerückt, liegt doch ein Stück Holz außerhalb der Reichweite. Und meist ist während dieser Arbeitsphase die Forstseilwinde schon wieder anderswo unterwegs. Kleinmengen wie etwa eine abgebrochene Nadelholzspitze oder einen einzelnen schwachen Windwurf-Baum erst mit der Winde und dann nochmals mit dem Rückewagen anzufahren, ist zudem meist nicht sehr wirtschaftlich. Vor dieser Herausforderung standen auch die vier Brüder der Familie Haselsteiner aus Österreich. Sie gehen in der dritten Generation professionell ins Holz, was früher zuweilen sehr mühsam war. Daher machten sich die Tüftler Gedanken, wie bestimmte Arbeitsschritte erleichtert oder effizienter gestaltet werden können. Um das oben beschriebene Problem der immer zu knappen Kranreichweite zu kompensieren, konstruierten sie eine leichte, hydraulische Winde, die sie inzwischen unter ihrer Marke Hafo (Haselsteiner Forsttechnik) vertreiben. Diese kann an allerlei Gerät montiert werden, egal ob Rückewagen, Holzspalter, Schaufel, Polterschild oder Baggerarm. In Anlehnung an das axtartige Holz-Herbeizieh-Werkzeug nannten die Brüder das Gerät Sapi-Forstwinde. Wir haben die kleinste Version Easy in der Praxis ausprobiert.

Simple Montage

Montiert haben wir die Winde dafür an einem 8 t-Rückewagen, der mit einem – natürlich – viel zu kurzen 5 m-Kran ausgestattet ist. Die Montage ist dabei relativ einfach, da die Winde mit einem Schnellwechselsystem ausgestattet ist. Dessen Grundplatte kann dank diverser Bohrungen recht einfach an diversen Stellen angebracht werden. So kann das etwa 20 kg schwere Gerät auch an unterschiedlichen Maschinen verschiedener Nachbarn oder in einem größeren Fuhrpark eines Unternehmens flexibel eingesetzt werden. Für das Umbauen müssen dann lediglich die beiden Hydraulikleitungen abgekuppelt und ein Bolzen gezogen werden. Danach lässt sich die Winde einfach an der nächsten Grundplatte einhängen. Ein sehr geschickter Platz dafür ist sicherlich direkt auf dem Kran, da die Winde so direkt an den Einsatzort dirigiert werden kann und das Holz direkt vor den Greifer zieht. Die hydraulische Versorgung könnte dann etwa der Rotator des Greifers liefern, einfach über 3-Wege-Hähne abgezweigt. So benötigt die Winde keine eigenen Leitungen im Kran. Das ist dennoch etwas aufwändiger zu realisieren, zudem muss die Winde dann dauerhaft vom Kran mitgetragen werden, was zulasten von dessen Tragkraft geht. Bei größeren Kränen fällt das aber nicht so sehr ins Gewicht.

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Da auch Hydraulikleitungen verlegt und Elektrik angeschlossen werden muss, sollte die Montage durch eine Fachwerkstatt erfolgen.

Wir haben für den Test einen einfacheren Weg gewählt und alles am Frontgitter angebracht, die Hydraulik wird direkt über ein freies doppeltwirkendes Ventil am Schlepper versorgt. Hier könnte aber auch die Rückewagenzuleitung der Kransteuerung wie oben beschrieben erweitert und so einfach generell zwischen Winden- und Kranbetrieb gewechselt werden. Als Erweiterung haben wir zudem die ebenfalls von Hafo konzipierte Funkbox direkt unter der Kransteuerung verbaut. Die Hydraulik wird hier ebenfalls nur angesteckt, die Stromversorgung kommt vom Lichtstecker des Anhängers. Dadurch kann der Nutzer die Sapi-Winde bequem vom Boden aus via Fernsteuerung bedienen und das zu ziehende Holz im Fall des Falles um Hindernisse wie Wurzelstöcke oder Jungbäume führen. Ohne die zusätzliche Funkbox würde direkt das Betätigen des DW-Ventils am Traktor für das Ab- bzw. Aufrollen der Winde sorgen. Die Funkbox kommt auch mit einem einfachwirkenden Ventil und einem zusätzlichen drucklosen Rücklauf zurecht.

Praxiseinsatz – Hafo: Die zieht ordentlich was weg

Die kompakte Winde mit Schnellwechselrahmen in der Version Easy wiegt 20 kg.

Praxiseinsatz – Hafo: Die zieht ordentlich was weg

Die optionale Funkbox haben wir direkt unter die Rückewagen-Steuerung montiert.

Mehr Dampf als erwartet

Der Praxiseinsatz erwies sich als absolut unkompliziert: Die Hydraulik wird dauerhaft aktiviert, indem wir den DW-Hebel am Schlepper in die Raste stellen. Die Funkbox lässt dabei das Öl solange ungenutzt im Kreis zirkulieren, bis wir schließlich einen Knopf an der Fernbedienung betätigen. Erst dann wird das Öl an die Winde durchgelassen und rollt so das 50 m lange und 5 mm starke Kunststoffseil ab. Dabei sind bis zu 3 m/s bei 60 l/min Öldurchfluss möglich. Als Mindestmenge gibt Hafo 20 l/min an, was heute von beinahe jeder Hydraulikpumpe auch von kleinen, etwas betagteren Schleppern problemlos geliefert wird. Wird das Seil komplett abgerollt, musste bis vor kurzem noch darauf geachtet werden, den entsprechenden Knopf nicht noch länger zu betätigen, denn es gibt keinen Endschalter, der die Winde stoppt, sobald das Seil komplett draußen ist: Da die Haspel dann komplett leer ist, sich aber weiter dreht, beginnt mit der nächsten Umdrehung sofort das Aufrollen. Technisch wäre das kein Problem – allerdings sind dadurch die gewohnten Knöpfe nun vertauscht, zudem könnte es zu ungünstigen Verwicklungen auf der Trommel kommen. Ein zusätzliches Bauteil verhindert nun aber, dass die Winde am Seil- ende und dem dann folgenden gegenläufigen Aufwickeln Zugkraft entwickelt. Für den Einsatz ohne Funkverbindung: Ein optional verfügbarer Bypass kann dem ebenfalls teilweise entgegen wirken und der Winde einen Freilauf ermöglichen. Damit muss der Bediener nur das Aufrollen aktiv steuern.

Praxiseinsatz – Hafo: Die zieht ordentlich was weg

Die von uns getestete Version Easy hat eine Zugkraft von 850 kg, womit wir problemlos kleinere Stämme und komplette Kronen während verschiedener Pflegemaßnahmen aus dem Bestand ziehen konnten. Damit wären wir eigentlich schon sehr glücklich gewesen. Von den maximalen Fähigkeiten der Winde waren wir dann daher sogar etwas überrascht, da sie selbst nasse 4 m-Fixlängen einer 35 cm starken Kiefer noch bis zum Rückewagen zog. Diese Dimension sehen wir als obere Grenze der kleinen Winde. Wer etwas mehr Dampf will, muss den aber nicht missen, denn Hafo hat mit der Easy Plus eine größere Version im Programm, die bis zu 1.000 kg zieht, dafür aber 2 kg mehr auf die Waage bringt. Die größte Bauform nennt sich schließlich Sapi-Forstwinde Pro: Sie wiegt mit 30,5 kg einen Brocken mehr und benötigt mit dauerhaften 210 bar auch etwas mehr Hydraulikleistung (Easy und EasyPlus 180 bar), dafür kann sie allerdings auch 1.450 kg bewegen. Sie ist für größere Traktoren oder auch Bagger bis 7 t gedacht und kann ebenfalls im Schnellwechsler montiert werden. Ihr Gewicht spricht aber eigentlich für einen dauerhaften Einsatz an einer Maschine.

Prädestiniert für den stationären Handel

Praxiseinsatz – Hafo: Die zieht ordentlich was weg

Die Funksteuerung macht die Bedienung komfortabel. Ohne die optionale Fernbedienung erfolgt die Steuerung direkt über die Schlepperhydraulik.

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Das 6,3 mm Kunststoffseil inkl. Kausche und Haken ist ein 12-litziges, drehungsarmes Spezialseil aus hochfester HMPE-Faser, das exklusiv für Hafo-Forsttechnik gefertigt wird. Es kann selbst repariert und gespleißt werden. Ein 5 mm-Stahlseil ist ebenfalls zu haben.

Durch die zusätzliche Winde konnte der von uns ausgerüstete Rückewagen deutlich an Flexibilität gewinnen: Kleinere Sturmschäden, Erstdurchforstungen und Jungbestandspflege sowie viele andere Maßnahmen sind so komplett ohne eine größere Winde im Dreipunkt zu machen. Ihr Einsatzspektrum haben die Erfinder gut eingeschätzt: Alles, was für den eigenen Arm zu schwer ist und gleichzeitig eine größere Dreipunkt-Forstwinde aber noch nicht wirtschaftlich erledigen könnte. Da die Montage zwar nicht sehr kompliziert ist, aber eben auch nicht nur aus „Anhängen und Loslegen“ besteht, könnten hier auch Händler punkten, indem sie die Erstausrüstung inkl. Hydraulik und Elektrik an der jeweiligen Maschine vornehmen. Aber auch der reine Vertrieb an findige Selbst-Installierer bringt Vorteile, da je nach Einbauort entsprechende Hydraulikschläuche, Kupplungen und Absperrhähne benötigt werden. Die Beratung, welche Teile man hier im Komplettpaket benötigt, kann es diesen Kunden ebenfalls schmackhaft machen, die Hafo-Winden bei einem Händler vor Ort zu kaufen.
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