Verkehrssektor:

Biogas mit großem Potential

Verflüssigtes Biomethan könnte verstärkt in Lastkraftwagen und Schiffen zum Einsatz kommen – Für ausgeförderte Biogasanlagen würde sich dann der Wechsel zur Gaseinspeisung lohnen

Verkehrssektor: Biogas mit großem Potential

Das verflüssigte Biomethan gilt als nachhaltige Treibstoffalternative für den Schwerlasttransport.

Mit dem verstärkten Einsatz von verflüssigtem Biomethan (Bio-LNG) in Nutzfahrzeugen könnte sich speziell für ausgeförderte Biogasanlagen der Wechsel zur Gaseinspeisung lohnen. Das wurde deutlich bei einer Tagung, die der Fachverband Biogas (FvB) gemeinsam mit dem „3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie“ Anfang September im Krone TrailerForum in Werlte ausgerichtet hat.

Da Bio-LNG eine höhere Energiedichte aufweist als fossiler Diesel, gilt das verflüssigte Biomethan als nachhaltige Treibstoffalternative für den Schwerlasttransport per Lkw und Schiff. Hinzu kommt, dass LNG-betriebene Nutzfahrzeuge laut 3N und FvB vergleichsweise leise sind, was sie für die innerstädtische Warenauslieferung und kommunale Tätigkeiten prädestiniere.

Nach Angaben von Dr. Magnus Buhlert vom niedersächsischen Umweltministerium gibt es indes keine Pauschallösung für alle Anwendungsfälle. Mit dem Wechsel auf einen erneuerbaren Energieträger sei Biogas ein Baustein für die Energiewende im Verkehrssektor, sagte Buhlert. Bei der Fachtagung unterstrichen die Betreiber von Biogasanlagen, dass sie einen Beitrag zur Kraftstoffproduktion leisten wollten. „Wir brauchen dazu aber klare Rahmenbedingungen“, betonte FvB-Vizepräsident Hendrik Becker. Nach dem Auslaufen der Vergütung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wären sicherlich zahlreiche Anlagenbetreiber bereit, von der Strom- zur Gaseinspeisung zu wechseln, zeigte sich Becker in Werlte überzeugt. Die Gesetzgeber auf Bundesebene und in der EU würden das Potential von verflüssigtem Biogas zwar erkennen, seien in ihren Ausbauplanungen aber recht zurückhaltend, monierte der FvB-Vizepräsident.Derzeit sind nach Angaben von Michael Kralemann vom Netzwerk 3N in Niedersachen und Bremen insgesamt 18 LNG-Tankstellen in Genehmigung, Bau oder Betrieb. Mit der Verlängerung der Mautbefreiung für gasbetriebene Lkw um weitere drei Jahre sei in diesem Jahr bereits eine weitere wichtige Weichenstellung für den Einsatz von Biomethan im Schwerlastverkehr erfolgt, stellte Kralemann fest. Der Beschluss ergänze die bestehenden Anreize wie den reduzierten Energiesteuersatz und die Förderung der Anschaffung gasbetriebener Lkw. Alle Maßnahmen unterstützten das Ziel, die dringend notwendige Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu erreichen. Jürgen Muhle von Alternoil wies darauf hin, dass der Tankstellenbetreiber aus Vechta schon 2021 bei den LNG-Tankstellen einen Anteil von 10 % Biogas erreichen will. „Diesen Treibstoff nennen wir Refuel 10“, verriet Muhle.

Verdopplung des Biokraftstoffanteils möglich

Die nächsten Schritte in den Regionen sieht man beim Netzwerk 3N nun im vermehrten Einsatz von LNG-Lkw bei Speditionen und Flottenbetreibern sowie im weiteren Ausbau des Tankstellennetzes. Daneben müsse der Anteil von biogenem LNG durch die Verflüssigung von Biogas aus bestehenden Anlagen und die Errichtung neuer Kapazitäten erhöht werden. In den vergangenen Jahren seien umfangreiche Untersuchungen zu Erzeugung, Vermarktung, Potential und Treibhausgasminderungswirkung von Bio-LNG durchgeführt worden. Eine Studie bescheinige dem Kraftstoff großes Potential. Danach sei eine Verdopplung des Biokraftstoffanteils durch den verstärkten Einsatz von Biomethan möglich.

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