Die stetige Weiterentwicklung macht auch bei Reifen nicht halt und optimiert dieses Produktsortiment stetig. Zusammen mit der Schweizer Vertretung der Bohnenkamp-Gruppe haben wir eine Neubereifung an einem älteren Radlader Kramer 418/2 vorgenommen und dabei erfahren, auf was geachtet werden muss, um letztlich den passenden Reifen korrekt am Fahrzeug aufgezogen zu haben. Als Premiere wurde ein Ridemax-Reifen der neusten Generation des indischen Herstellers BKT eingesetzt.
Hohe Lasten – verschiedene Untergründe
Radlader mit Allradlenkung kommt täglich, mitunter auch bei schwereren Arbeiten auf dem Testbetrieb zum Einsatz. Das Leergewicht von 4,8 t und die Hubkraft von 3 t stellen an die Reifen große Anforderungen. Hinzu kommt, dass der Reifen vielen Ansprüchen gerecht werden muss.
Zunächst wurden mit einem Experten von Bohnenkamp Schweiz sämtliche Anforderungen an den Reifen aufgenommen und danach ein passendes Modell ausgewählt. Die zu befahrenden Untergründe sind vielfältig, reichen von Asphalt über Kiesplätze bis zu Wiesen. Zudem muss der Reifen den hohen Lasten und den stetigen Laständerungen standhalten können. Weiter steht eine möglichst lange Nutzungsdauer weit oben auf der Anforderungsliste, was speziell bei der Vierradlenkung mit entsprechendem Abrieb nicht zu unterschätzen ist.
Die bestehende Serienbereifung war abgenutzt und für Fahrten abseits der Straße nicht zuletzt auch wegen der Reifenbreite nur bedingt geeignet. Aufgrund der Konstruktion des Radladers war der Abrollumfang gegeben. Einzig bei der Reifenbreite bestand noch Spielraum.

© Abderhalden
Neu gegen alt für mehr Wirtschaftlichkeit: Für eine Umbereifung sind ausführliche Vorabklärungen nötig. Links der serienmäßig verbaute Reifen vom Kramer Lader, rechts die Umbereifung von BKT mit dem Ridemax Reifen 500/45-22.5. Auch er ist fahrtrichtungsgebunden.
Tragfähige Stahlgürtel- reifen
Nach all den Vorabklärungen hat man sich für den Ridemax FL 693M 500/ 45R22.5 von BKT entschieden – ein Stahlgürtelreifen, montiert auf einer Felge vom Typ AG 16.00×22.5H2. Dabei handelt es sich um einen schlauchlosen Reifen, der in erster Linie für vielseitige Einsatzzwecke an unterschiedlichen Fahrzeugen und Anhängern in der Landwirtschaft sowie für den Straßentransport entwickelt wurde. Die Montage an einem Radlader war deshalb eine Premiere.
Hauptmerkmale des 50,3 cm breiten Reifens sind die große Tragfähigkeit von 4.080 kg bei 40 km/h und eine Zulassung bis 65 km/h. Der verstärkte Wulst verhindert ein Rutschen auf der Felge und schützt diese vor Beschädigungen. Ein modernes und laufrichtungsgebundenes Profil mit guter Selbstreinigung sorgt für guten Grip. Durch den geringen Rollwiderstand wird auch eine Kraftstoffeinsparung ermöglicht, obwohl der Reifen eine beachtliche Aufstandsfläche aufweist.

Genaue Abklärunge auch bei Felgen
Für den voluminösen Reifen musste eine passende Felge gefunden werden. Eine seriöse Vorabklärung und Beratung ist unerlässlich und erspart letztlich viel Ärger. Gerade bei speziellen Vorgaben ist es wichtig, das Fahrzeug mit seinen Eigenschaften exakt anzuschauen. Besonders in diesem Fall, da der neue Reifen fast doppelt so breit ist wie der bisherige. Lenk- und Pendelwinkel der Achsen gilt es optimal auszunutzen. Eine Berührung der Reifen am Fahrzeug muss verhindert werden. Das ist bei pendelnd aufgehängten Hinterachsen, wie bei den Radladern von Kramer, knifflig. Durch eine leichte Korrektur des Lenk- und Pendelanschlags hinten war es möglich, eine Standardfelge zu verwenden, um das optimale Ergebnis zu erreichen. Da das Rad so nahe wie möglich zum Fahrzeug montiert wurde, vergrößerte sich die Gesamtbreite trotz fast doppelter Reifenbreite nur um 20 cm auf 195 cm.

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Die bestehende Fahrzeugbreite wurde trotz voluminöser Umbereifung, aber bester Platzausnutzung lediglich auf 195 cm erhöht.
Besserer Stand – weniger Federungskomfort
Bereits bei der ersten Probefahrt fiel auf, dass der Rollwiderstand wesentlich geringer ist. Die Reifen fühlen sich bei 4,2 bar Innendruck steinhart an und walken definitiv erst dann, wenn man richtig überladen hat. Das hat auch die Bedenken beseitigt, dass die Lenkung durch die breiten Reifen mehr strapaziert werden könnte. Zumindest auf festem Untergrund war keine Veränderung bemerkbar.
Was man aber bei der ersten größeren Bodenunebenheit spürte, war der verminderte Federungskomfort. Vergleichbar mit einem Fahrwerk eines sportlichen Autos stellt man schnell jede Bodenunebenheit fest. Da ist es von Vorteil, wenn der Radlader über eine „Softdrive“-Funktion an der Schwinge verfügt. Vorzüglich ist die wesentlich verbesserte Standfähigkeit der Maschine. Dank breiter und fester Abstützung steht der Lader auch bei beladenem Vollaushub und maximalem Lenkeinschlag sicher. Lenkkorrekturen werden ohne Schaukeln, wie es bei der alten Bereifung der Fall war, gut übertragen. Bemerkenswert ist zudem die um ein Vielfaches verbesserte Geländetauglichkeit des Laders. Zuvor war das Befahren einer Wiese wegen der doch schmalen Bereifung meist vermieden worden. Durch die nun größere Aufstandsfläche und die abgerundeten Reifenflanken ist der „Ridemax“ recht bodenschonend und weist einen guten Grip auf. Auch wurde der Bodendruck merklich verringert, was die Grasnarbe und andere Untergründe zusätzlich schont.
Die Selbstreinigung des 21 mm tiefen Profils ist erstaunlich gut. Sind die Zwischenstollenräume doch einmal mit Dreck gefüllt, entleeren sich diese bei steigender Drehzahl schnell wieder. Die Bereifung kam auch bei 20 cm tiefem Schnee zum Einsatz. Da der Radlader doch über ein ordentliches Leergewicht verfügt und genügend Anpressdruck auf die Räder bringt, war die Schneeräumung mit der 1,5-m³-Schaufel ohne Schneeketten kein Problem. Ob nasser Neuschnee oder luftiger Pulverschnee bei minus 9,5 °C, die Griffigkeit war stets sehr gut. Auch bei solchen Verhältnissen entleeren sich die Stollen recht gut. Bei steiler Bergfahrt auf Feldwegen brachte der aufgeweichte Untergrund das Fahrzeug ins Stocken. Je mehr Last auf die Reifen kommt, umso besser hält sich das Fahrzeug, was sich beim Umlagern von Siloballen bestätigte.

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An der Vorderachse reichte es auch, die Kotflügelhalter leicht nachzubiegen, um denselben Lenkeinschlag beizubehalten.

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Ausgereizt bis zum letzten Zentimeter: Mit der Felgenpassung wurde das Rad so nahe wie möglich an das Chassis montiert.

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Zusammen mit den Konusscheiben werden die neuen Felgen perfekt zentriert und fixiert.

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An der Hinterachse wurde der Lenkeinschlag ganz wenig reduziert und der Pendelanschlag 10 mm unterlegt.

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Auch unter widrigen Bedingungen war mit den Reifen ein Durchkommen, wo es mit der alten Bereifung unmöglich gewesen wäre. Sobald sich die Radumdrehung erhöht, reinigt sich das Profil wieder.

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Auch im Schnee bot der Reifen ein sehr gutes Handling. Durch die gute Selbstreinigung vom Profil bietet dieses guten Grip.
FAZIT
Das Komplettpaket von Bohnenkamp Schweiz mit dem BKT „Ridemax FL 693M 500/45R22.5“ hat im praktischen Einsatz positiv überrascht, zumal der Reifen ursprünglich nicht speziell für Antriebsräder konzipiert wurde. Selbstreinigung und Profil passten. Der stabile sowie breite Pneu weist einen geringen Rollwiderstand auf und lässt sich auch mit der Allradlenkung prima fahren, ohne diese zu überfordern. Einziger Wermutstropfen ist der verminderte Federungskomfort, dem man aber mit angepasstem Fahrstil begegnen kann. Dank der Dämpfung der Schwingen konnte dies kompensiert werden. Nach dieser Neubereifung wurde der Radlader in seinem Einsatzgebiet wesentlich aufgewertet. Die merklich verbesserte Standfestigkeit, die bessere Geländetauglichkeit und der geringere Rollwiderstand zeugen von einer idealen Bereifungsvariante.












