FOKUS GEBRAUCHTE – Teleskopen - Markt für Teleskoplader brummt

„Die Nachfrage an gebrauchten Teleskopladern ist höher als das Angebot“, weiß Markus Stangl von Zeppelin Rental. Im Gespräch mit dem eilboten berichtet er über das Vermietgeschäft und die anschließende Vermarktung der gebrauchten Rad- und Teleskoplader.

FOKUS GEBRAUCHTE – Teleskopen: Markt für Teleskoplader brummt

Zeppelin Rental stockte seinen Mietpark bei Teleskopladern auf 500 Einheiten auf.

Die Kunden von Zeppelin Rental kommen vermutlich in erster Linie aus der Bauwirtschaft. Wie sieht es mit der grünen Branche aus?

Markus Stangl: Insgesamt haben wir etwa 4.500 Baumaschinen in unserer Mietflotte, wovon mindestens 20 Prozent auch im Agrarbereich einsetzbar sind. Dazu gehören in erster Linie Teleskoplader, die einen Anteil von etwa zehn Prozent an der Baumaschinenmietflotte haben. Insbesondere in Spitzenzeiten, wie in der Getreideernte, können wir Teleskoplader, die vier Tonnen bis auf zehn Meter Höhe heben können, gut vermieten. Mietkunden sind oft Maschinengemeinschaften oder -ringe, die sich konzentriert um die Maschinenabdeckung kümmern.

Nachgefragt werden aber auch Radlader mit großem Schaufelvolumen, die ebenfalls Spitzenauslastungen in der Erntesaison abdecken können, und manchmal auch Raddumper mit Straßenzulassung.

Wie lang ist die Mietdauer bei den Maschinen?

In der Erntesaison sind es sechs bis acht Wochen. Unsere Flottenerfahrung zeigt generell, dass kleinere, kompakte Geräte überwiegend in Kurzmieten laufen; bei größeren Maschinen sind es eher Langzeitprojekte.

Ist die Maschinenmiete auch manchmal der Vorlauf zum Maschinenkauf?

Das kann durchaus passieren, ist aber eigentlich nicht beabsichtigt. Wir tauschen die sehr jungen Maschinen ungern durch – schließlich kostet ein intensives Drehen von Maschinen Kapazität und Energie.

Im Rahmen des Flottengedankens verwerten wir die Maschinen letztlich zwei Mal: Zunächst operativ durch das Vermieten und anschließend durch den Gebrauchtverkauf. Dazu arbeiten wir bundesweit mit einer Handvoll Händler zusammen, denen wir regelmäßig Pakete von mehreren Maschinen zum Weiterverkauf andienen können. Es gibt aber auch individuelle Verkäufe; auf Nachfrage machen wir dem Mietkunden gerne auch direkt ein Angebot.

Wie viele Teleskoplader werden jährlich aus der Miete genommen und zum Verkauf freigegeben?

Das ist sehr unterschiedlich. Zeppelin Rental hat etwa 400 bis 500 Teleskoplader in der Flotte. Jährlich tauschen wir in der Regel rund 100 Einheiten.

Teleskoplader sind scheinbar gefragt.

Auf jeden Fall. In den vergangenen Jahren ist insbesondere bei Teleskopstaplern die Nachfrage stetig gewachsen – übrigens auch in der Landwirtschaft, so dass Zeppelin Rental in den letzten vier Jahren die Stückzahlen an Teles- kopen von 300 auf zwischenzeitlich 500 aufgestockt hat. Weil die Nachfrage in der Miete so stark gestiegen ist, haben wir aufgrund der hohen Auslastung weniger Maschinen verkauft als zugeführt. Somit können wir dem Gebrauchtmarkt nur wenige Maschinen zur Verfügung stellen. Der Markt für gebrauchte Teleskopen bietet reichlich Potenzial. Seit etwa vier Jahren ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot.

Wie beeinflusst das Corona-Virus den Markt?

Da wir mit unseren Dienstleistungen breit aufgestellt sind, derzeit eher wenig. Über die ganze Maschinenflotte gab es in diesem Jahr lediglich zwischen ein und zwei Monaten Lieferverschiebungen. Schlimmer wäre es gewesen, wenn wir die geplanten Stückzahlen in diesem Jahr gar nicht hinbekommen hätten. 2020 läuft in der Vermietung von Baumaschinen und Teleskopen relativ stabil.

Wurden Mietraten angepasst?

Die Vermieter hatten natürlich aufgrund der Corona-Pandemie Sorge, dass Geräte auf den Höfen stehen bleiben könnten. Das spiegelt sich teilweise auch in den Mietpreisen wider. Einige unserer Marktbegleiter und kleinere lokale Vermieter versuchen, die Geräte mit niedrigen Mietpreisen an den Mann zu bringen. Kritisch wird es dann, wenn wirklich zu Dumpingpreisen angeboten wird, die mittelfristig dem Markt und der Qualität der Mietleistung schaden. Denn innovative Produkte, gute Beratung, Kompetenz und Dienstleistungen wie Trainings etc. müssen fair bezahlt werden.

Wie haben sich die Maschinenpreise entwickelt?

Die Neumaschinenpreise haben sich angesichts weiter verschärfter Abgasnormen minimal nach oben verändert. Die Preise bei den gebrauchten Baumaschinen sind aufgrund des geringen Angebots seit vier Jahren aber recht stabil. Hinzu kommt, dass Interessenten, die eine Maschineninvestition planen und in Corona-Zeiten weniger Arbeitsaufträge haben, eher mal zur günstigeren Gebrauchtmaschine greifen.

Welche Rolle spielt der Export?

Ich denke, dass die Hälfte der verkauften Mietgeräte im Inland bleibt. Noch vor zehn Jahren gingen viele gebrauchte Maschinen in den Export. Das ist heute nicht mehr so. Die Maschinen werden aufgrund der diffizilen Abgastechnologie mit Abgasrückführung, Katalysator und Partikelfilter tendenziell eher im Inland verwertet. Somit hat sich dieser Markt nach außen – also in Richtung der Länder mit weniger strengen Emissionsnormen – sehr ausgedünnt. Je komplexer die Maschinen sind, umso eher werden sie in den ange- dachten Märkten verkauft und wiederver- wertet.

Wie ist ein Mietteleskoplader ausgestattet?

Die Mietmaschinen haben in der Regel die Standardkonfiguration mit Priorität auf einer hohen sicherheitstechnischen Ausstattung. Zusätzliche individuelle, oft kostenintensive Ausstattungsmerkmale wollen gerade in den kleineren Leistungsklassen gut überlegt sein, damit die Mietpreise für die breite Masse attraktiv bleiben.

Zur Person

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Markus Stangl.

Markus Stangl arbeitet seit 16 Jahren bei Zeppelin Rental. Das Portfolio des Unternehmens umfasst die Maschinen- und Gerätevermietung, temporäre Infrastruktur sowie Baulogistik. Als Gruppenleiter – Vermietung und Flottenmanagement – begleitet er den gesamten „Lifecycle“ der Maschinen, angefangen vom Einkauf über die Vermietung bis hin zum Wiederverkauf.

Mit mehr als 75.000 Maschinen und Geräten an insgesamt 140 Standorten umspannt die strategische Geschäftseinheit des Zeppelin Konzerns ein flächendeckendes Netz in Deutschland und Österreich. Auch in Tschechien, der Slowakei sowie in Dänemark und Schweden ist der Vermieter aktiv. In der Vermietung reicht das breite Sortiment von Baumaschinen aller Art, darunter Mini-, Mobil- und Kettenbagger, Rad- und Teleskoplader, bis hin zu Arbeitsbühnen, Aufzügen, Baugeräten, Baufahrzeugen, Containern, Baustellen- und Verkehrssicherung sowie Landschaftspflegetechnik.

Erwartungsgemäß kommt ein Großteil der Baumaschinen von Caterpillar; wichtige Lieferanten sind aber auch Kramer und Wacker-Neuson. Die Teleskoplader der Mietflotte stammen überwiegend von Merlo Deutschland.

Die Fragen stellte Annette Schulze Ising

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