Anzeige

Magazin on track – das Magazin 2021

Recruiting :

Tipps für die Bewerbung vor der Kamera

Was früher nur in Ausnahmefällen üblich war, ist im Coronajahr 2020 zum Standard geworden: Bewerbungsgespräche online mit dem Rechner von zuhause. Wir berichten über erste Erfahrungen und schildern, welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.

Recruiting: Tipps für die Bewerbung vor der Kamera

Das letzte Vorstellungsgespräch wird Franzis Ester Heuing lange in Erinnerung bleiben. Sie hatte davor schon mehrere Vorstellungsgespräche erfolgreich hinter sich gebracht, zum Beispiel für Praktikumsstellen bei einem Steuerberater oder bei einer Fachzeitschrift. „Aber noch nie habe ich dabei vor einer Kamera gesessen. Zu Beginn war es deshalb etwas ungewohnt, dem Gegenüber nicht direkt in die Augen schauen zu können“, sagt sie. Die Studentin absolviert gerade ihr Masterstudium der Agricultural and Food Economics an der Uni Bonn. Sie hat bei der Personalberatung Dr. Schwerdtfeger ihr Profil hinterlegt, damit diese eine passende Stelle finden kann. Dazu gehört eigentlich auch ein Termin wie bei einem Vorstellungsgespräch, in dem die persönlichen Wünsche, Neigungen und ähnliches abgefragt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie fand dieses – wie viele andere auch – online via Zoom statt.

„Im Rahmen der Mandate in unserer Personalberatung sind Vorstellungsgespräche ein zentraler Teil unserer täglichen Arbeit. Ein persönliches Gespräch kann durch ein Online-Vorstellungsgespräch aus unserer Sicht nicht ersetzt werden, aber es kann im Recrui- ting-Prozess schon sehr dabei helfen, sich einen guten ersten Eindruck zu verschaffen“, sagt Christian Hüsing von der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung aus Emstek. Aber irgendwann müsse im Verfahren ein persönliches Kennenlernen erfolgen, damit man den Eindruck aus dem Online-Interview für sich noch einmal überprüfen kann. „Das persönliche Gespräch im Anschluss an ein Online-Interview ist auch ein Wunsch, den unserer Erfahrung nach viele Kandidaten haben, denn ein Vorstellungsgespräch ist ja keine Einbahnstraße, bei der sich nur das Unternehmen einen Eindruck von den Bewerbern verschafft, sondern funktioniert auch umgekehrt“, sagt Hüsing.

Anzeige

Dem stimmt Dietmar Haas, Personalleiter bei der Schumacher-Gruppe, zu: „Das Online-Gespräch ist wie ein Telefonat ein erster Eindruck für beide Seiten, aber genauer, weil man sich gegenseitig sieht.“ Die Schumacher-Gruppe fällt aufgrund eines Online-Gesprächs keine Personalentscheidung, nutzt das Instrument aber zur Vorauswahl, falls es mehrere Bewerber auf eine Stelle gibt. Es ergänzt den Eindruck, den die Bewerbungsunterlagen gemacht haben – sowohl zum Positiven als auch zum Negativen. „Wir können im Zoom-Gespräch feststellen, wie gut sich jemand vorbereitet hat und welchen Stellenwert für ihn das Gespräch einnimmt“, sagt Haas. Als negativ wertet er nachlässige Kleidung oder Störungen durch Kinder, Hunde, Türglocke und ähnliches. „Wir gewinnen damit auch einen Eindruck, wie gut sich jemand organisiert oder wie er mit Problemen zurechtkommt“, erklärt der Personalleiter. Die Organisation zuhause ist beispielsweise wichtig für Vertriebsmitarbeiter, die häufig vom Homeoffice aus agieren (im Kasten haben wir Tipps für die richtige Vorbereitung aufgeführt).

Diesen Problemen wollte Franzis Ester-Heuing möglichst aus dem Weg gehen: Um die Hintergrund-, Kamera- und Toneinstellungen zu testen, bat sie eine Freundin, vorab mit ihr via Zoom zu kommunizieren. Auch kleidete sie sich wie bei einem „normalen“ Vorstellungsgespräch.

Franzis Ester-Heuing und Christian Neff führten Bewerbungsgespräche online.

Franzis Ester-Heuing und Christian Neff führten Bewerbungsgespräche online.

Christian Neff, Key Account Manager bei der Kverneland-Gruppe, hat ebenfalls ein Bewerbungsgespräch online machen müssen. Dabei saß er drei Kverneland-Mitarbeitern gegenüber. „Trotzdem war ich weniger nervös als bei anderen Gesprächen, da ich in meiner gewohnten Umgebung war und keine Autofahrt mit viel Zeit zum Grübeln hinter mir hatte“, sagt er.

Zur Vorbereitung auf das Gespräch hatte er sich über die Firma und Produktbewertungen im Internet, aber auch in Zeitschriften informiert. Zusätzlich führte er Gespräche mit Bekannten aus der Branche. Hilfreich war auch ein Zettel mit einer Liste von Fragen, die er unbedingt klären wollte. Diese Liste hatte er neben dem Computer liegen und konnte ab und zu draufschauen. Unterm Strich sieht er das Online-Gespräch definitiv als Alternative, auch wenn Gestik und Mimik fehlen.

Auch Hüsing hat von Kandidaten gemischte Feedbacks zu Online-Bewerbungsgesprächen erhalten. Häufig waren diese positiv überrascht, wie gut es lief, wenn die Technik mitspielte. „Dennoch vermissen viele, genauso wie wir als Interviewer, die besondere Atmosphäre, die ein persönliches Gespräch hat“, stellt er fest. Außerdem fehlt ihnen auch der persönliche Eindruck vom Unternehmen, den man sich nur verschaffen kann, wenn man vor Ort im Betrieb ein Gespräch führt.

Das sollten Sie beim Online-Gespräch beachten

Christian Hüsing von der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung gibt Tipps für ein erfolgreiches Online-Bewerbungsgespräch. 

Christian Hüsing: „Für technische Probleme sollte man Plan B bereithalten.“

Christian Hüsing: „Für technische Probleme sollte man Plan B bereithalten.“

on track: Was sollte man als Bewerber vor und während des Gesprächs beachten? 

Hüsing: In Sachen Kleidung gelten genau dieselben Regeln wie bei einem analogen Gespräch. Man sollte bei der Vorbereitung also gar keine großen Unterschiede machen. Ein virtuelles Gespräch öffnet dem Interviewer aber auch Einblicke in das private Umfeld und das sollte man auf keinen Fall in seiner Wirkung unterschätzen. Auf folgende Punkte sollte man daher ganz genau achten: 

■ Welche Gegenstände sind bei meiner Kameraeinstellung zu sehen/lenken ab /erzeugen Geräusche (zum Beispiel Bücherregal, Poster, Aquarien, Uhren, Staubsauger-Roboter)? 

■ Wie gut ist das Licht eingestellt? Wie ist die Kamera in Sachen Höhe und Entfernung ausgerichtet? (Ideal: Kamera auf Augenhöhe und eine Armlänge Abstand)

■ Ist der Hintergrund sauber und aufgeräumt? Ein Bett, ganz gleich ob frisch gemacht oder nicht, hat im Hintergrund nichts verloren und wirkt unprofessionell. Gleiches gilt für herumliegende Wäsche oder schmutziges Geschirr.

Wie geht man mit technischen Problemen um?

Für technische Probleme sollte man gewappnet sein. Bekanntermaßen ereilen sie einen ja oft zur Unzeit und genau deshalb sollte man auf jeden Fall einen Plan B haben wie den Wechsel in ein anderes Video-Portal oder auch vom Rechner auf ein Mobiltelefon. Wer es in so einer Stresssituation schafft, ruhig zu bleiben und eine Lösung parat hat, wirkt professionell und kann vielleicht sogar Pluspunkte sammeln. Eine gestörte Tonverbindung lässt sich durch ein Telefonat ersetzen. Wichtig ist ganz einfach, dass man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und in Panik verfällt.

Wie kann man via Bildschirm ohne Kommunikaktionsformen wie Händedruck und so weiter einen richtigen Eindruck von sich vermitteln? 

Ein fester Händedruck vermittelt üblicherweise einen selbstsichereren und kompetenten Eindruck. Er fällt aber im Moment ja nicht nur im Online-Interview, sondern coronabedingt ja auch bei analogen Gesprächen weg. Wenn man im Online-Bewerbungsgespräch eine offene, präsente Körperhaltung einnimmt, hat das in der Regel einen vergleichbaren Effekt. Außerdem sollte man versuchen, viel in die Kamera zu schauen und den Blick nicht zu oft abschweifen zu lassen.


Anzeige