Wie hat sich Ihr Alltag seit Corona verändert?
Zu Beginn der Corona-Pandemie gab es Ängste und Unsicherheiten. Das Geschäft hat sich aber bereits nach kurzer Zeit wieder normalisiert. Von entscheidender Bedeutung ist allerdings eine gewisse Flexibilität, um auf aktuelle Entwicklungen im Land reagieren zu können. Dafür ist ein tiefes Verständnis des Marktes unerlässlich. So müssen wir bei schwierigen Rahmenbedingungen für die Bauern die Preise für Gebrauchtteile entsprechend anpassen, um den Kaufanreiz aufrechtzuerhalten.
Führten die Lieferverzögerungen bei Neutechnik mitunter dazu, dass Maschinen eher mal mit Gebrauchtteilen durchrepariert wurden?
Wir konnten tatsächlich eine Zeit lang von den Lieferengpässen bei Neutechnik profitieren. Allerdings gab es auch Phasen, in denen wir mit Herausforderungen konfrontiert waren, insbesondere bei der Beschaffung der Traktoren. Trotzdem hat sich für uns durch Corona insgesamt nichts grundlegend verändert.
Seither tendieren allerdings die Neupreise für Maschinen und andere Kosten nach oben.
Gestiegen sind insbesondere die Lohnkosten. Darüber hinaus haben sich die Preise für Gebrauchttraktoren in den letzten Jahren nach oben entwickelt. Die Versandkosten für Teile sind ebenfalls gestiegen und die Transportkosten für Gebrauchtmaschinen haben sich fast verdoppelt. Neben den Energiekosten sind auch die Aufwendungen für die fachgerechte Entsorgung von Reifen, Ölen und anderen Betriebsflüssigkeiten angestiegen.
Steigen mit den Neu- und Gebrauchtmaschinenpreisen auch die Teilepreise?
Die Preise für Gebrauchtteile orientieren sich an den Preisen für Neuteile. Wenn also Traktoren – sei es neu oder gebraucht – beliebter oder teurer werden, können wir die Teilepreise nicht entsprechend anpassen, da sie sich stets nach den Neupreisen der entsprechenden Ersatzteile richten. Unsere Preisgestaltung zielt darauf ab, dem Endkunden einen deutlichen Preisvorteil im Vergleich zu den Originalhersteller-Neupreisen zu bieten. Im Durchschnitt liegen unsere Gebrauchtteile etwa 50 Prozent unter dem Listenpreis für Neuteile.
Die Preise für Neuteile sind aber auch angestiegen...
Das ist sehr unterschiedlich und abhängig vom Fabrikat – teilweise aber auch vom jeweiligen Modell.
Seit wie vielen Jahren sind Sie im Gebrauchtteilegeschäft tätig?
Unser Unternehmen in seiner gegenwärtigen Form besteht seit 2005. Allerdings reicht die Tradition des Gebrauchtteile-Verkaufs in unserer Familie etwa 70 Jahre zurück, angefangen mit meinem Großvater. Im Durchschnitt demontieren wir etwa 150 Unfall-Schlepper und -Teleskoplader pro Jahr.
Wie steht es um andere Maschinen wie Mähdrescher und Pressen?
In diesem Bereich fehlt es uns an ausreichender Fachkenntnis. Unsere Devise lautet, uns auf das zu konzentrieren, wo wir uns auskennen. Dieser Ansatz hat sich bewährt.
Gibt es einen bestimmten Bereich, auf den sich Agri-Parts besonders spezialisiert hat?
In unserem Lager führen wir Teile für Ackerschlepper mit einer Motorleistung von über 60 PS, ab dem Baujahr 1990 und neuer. Darüber hinaus sind wir auf die Demontage von Teleskopladern spezialisiert. Die wichtigsten Marken für uns sind John Deere, Massey Ferguson, Case IH, New Holland, Deutz-Fahr, Fendt und Claas für Traktoren sowie Manitou, Merlo und JCB für Teleskoplader. Die Nachfrage nach bestimmten Teilen variiert je nach Fabrikat und Modell. Sie hängt außerdem vom Einsatzzweck und der Nutzungsintensität, aber auch der Pflege und Wartung einer Maschine ab.
Unser Hauptaugenmerk liegt vor allem auf den mechanischen Komponenten von Traktoren und Teleskopladern, darunter größere Getriebeteile, Achskomponenten, Kegelradsätze sowie Motorteile. Motorhauben und Kotflügel führen wir in der Regel nicht im Lager, da wir hauptsächlich Maschinen aus Brandschäden demontieren.
Woher beziehen Sie diese Brandmaschinen?
Wir kaufen einen Großteil unserer Maschinen über Versicherungen ein. In Deutschland nutzen wir dazu ein zugangsbeschränktes Portal, in den Niederlanden existiert teilweise ein ähnliches System. Zudem werden wir direkt von Versicherern oder Händlern kontaktiert. Die Versicherungsunternehmen teilen unser Ankaufsangebot dem Fahrzeughalter mit, der dann unseren Gebotspreis prüfen und Kontakt zu uns aufnehmen kann.
Die Maschinen, die wir demontieren, stammen überwiegend aus den Niederlanden, Deutschland, Belgien und dem Vereinigten Königreich.
Wie vermarkten Sie die Gebrauchtteile?
Der Verkauf von gebrauchten Ersatzteilen erfolgt vorrangig an spezialisierte Werkstätten, Markenhändler und Lohnunternehmen. Dieses Kundenprofil hat sich im Laufe der Zeit nicht verändert.
Kommen die meisten Anfragen aus den Niederlanden?
Früher war das so. Heute realisieren wir 40 Prozent unseres Umsatzes in Holland und 60 Prozent in anderen europäischen Ländern.
Sind es vor allem Besitzer von älteren Schleppern, die Gebrauchtteile einsetzen?
Ja. Ab einem Maschinenalter von fünf Jahren werden Gebrauchtteile interessant. Bei neuen Maschinen mit laufender Herstellergarantie schreiben die Garantiebedingungen häufig vor, dass ausschließlich neue Originalersatzteile für Reparaturen verwendet werden dürfen. Darüber hinaus werden etwa 80 Prozent der Schlepper geleast. Gebrauchtteile werden also vielmehr bei älteren eigenen Maschinen verwendet oder wenn ein Teil nicht lieferbar ist – letzteres kommt allerdings eher selten vor.
Wie finden Sie bei Nachfragen schnell die gesuchten Teile in Ihrem Lager?
Die Teile sind hier nach Fabrikat und Typ geordnet. Dies funktioniert auch ohne Computer.
Wenn also ein Kunde ordert, dann…
Angenommen ein Kunde sucht ein Zahnrad für eine John Deere Zapfwellenkupplung und nennt mir die Teilenummer, dann recherchiere ich in der John Deere Datenbank nach der Type und gehe zum entsprechenden Lagerbereich. Hier fertige ich ein Foto des Teiles an und sende es zusammen mit einem Angebot an den Interessenten. Das ist übrigens eine noch recht neue Entwicklung: Die Kunden möchten heutzutage vorab ein Bild des gewünschten Teils sehen.
Wie ist der Zustand der gebrauchten Teile, und wie gehen Sie mit Qualitäts- und Sicherheitsbedenken um?
Unsere Demontage- und Verkaufsprozesse entsprechen dem KZD-Standard, einem Qualitätsstandard für die Fahrzeug- Demontagebranche in den Niederlanden. Außerdem gewähren wir auf unsere Teile eine Garantie von drei Monaten, und ein Umtausch ist innerhalb von sieben Tagen möglich. Natürlich gelten die Garantien ausschließlich für die Teile selbst; für Arbeitsleistungen können wir keine Garantie übernehmen.

„Im Durchschnitt liegen unsere Gebrauchtteile etwa 50 Prozent unter dem Listenpreis für Neuteile.“
Mark Meindertsma (52) ist Inhaber der Firma Agri-Parts mit Sitz im niederländischen Kapel-Avezaath, unweit der Hafenstadt Rotterdam. Das Familienunternehmen verfügt über fast 70 Jahre Erfahrung in der Demontage von landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Eigenen Angaben zufolge ist Agri-Parts mittlerweile Marktführer in den Niederlanden im Bereich gebrauchter Teile und Komponenten für Traktoren und Teleskoplader. Mit einem umfangreichen Sortiment auf mehr als 10.000 Quadratmetern kann Mark Meindertsma den Kunden fast immer die passenden gebrauchten Originalersatzteile anbieten. Sein Unternehmen beschäftigt acht Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro.
Kontakt:
Mark Meindertsma
Meindertsma Agri-Parts
NL-4013 CP Kapel Avezaath
Tel. +31 344 661 747
info@agri-parts.nl












