Der Einladung zum 8. LandBauTechnik-Tag bei der Firma Grimme am 6. und 7. März unter dem Motto: „Zukunft gestalten - Branche in Bewegung - Veränderung managen“ folgten etwa 240 Branchenexperten, um die Zukunft ihrer Zunft zu diskutieren. Ulf Kopplin, Präsident des Bundesverbandes LandBauTechnik, empfing die Gäste mit einem Plädoyer für Mut, Entschlossenheit und Initiative. Die Familie Grimme, mit den Brüdern Christoph und Philipp, unterstützt durch Senior Franz Grimme an der Spitze, präsentierte auch persönliche Einblicke in das traditionsreiche Unternehmen und den erfolgten Generationswechsel.
Der Fokus des ersten Kongresstages lag auf der beruflichen Bildung, wobei Prof. Thomas Herlitzius von der TU Dresden die Herausforderungen der Zukunft adressierte. Er warnte vor überzogenen Erwartungen an die Künstliche Intelligenz. Die Politik vereinfache aus seiner Sicht zu sehr, wenn sie Digitalisierung sofort mit Nachhaltigkeit gleichsetze. Föderalismus sei der Hauptfeind der Digitalisierung, die in Deutschland in vielen Bereichen noch Ländersache sei. Herlitzius setzte sich dafür ein, dass unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren können. Oft fresse im Agrarbetrieb die erforderliche Mehrarbeit, die Digitalisierung konsequent umzusetzen, ihre wirtschaftlichen Vorteile dann auf. Er warnte vor einer „Digitalisierungsfalle“.
Bundesinnungsmeister Norbert Stenglein und Torsten Grantz, Projektleiter LBT Forward, beleuchteten neue Chancen und Herausforderungen in der Meisterausbildung und Karriereentwicklung. Lena Heckmann, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband, und Tobias Rühle, Projektleiter von Handwerk macht Schule, teilten Erfolge der „Starken Typen“-Kampagne zur Nachwuchsförderung. Steffen Schulz von Trigonal regte mit seiner Frage „Smoothies, Kickertisch oder Extra-Urlaub – reicht das noch zur Mitarbeitergewinnung?“ zum Nachdenken an.

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Ulf Kopplin (links) und Dr. Michael Oelck (rechts) bedanken sich bei den Gastgebern, der Familie Grimme
Werksführungen bei Grimme gewährten den Teilnehmern Einblick in das Unternehmen mit seiner hohen Fertigungstiefe. Die traditionelle Nachwuchsehrung, unterstützt von Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks, stellte einen weiteren Höhepunkt dar. Geehrt wurden Paul Krampe, Christian Salm, Max Jackermeier, Frederik Maag, Julian Voß (abwesend) und Simeon Engele sowie ihre Ausbildungsbetriebe für ihre herausragenden Leistungen. „Dass wir in Bürokratie ersticken, ist nicht von einer Pandemie ausgelöst oder von Putin gemacht, sondern von uns selbst. Wir selbst haben es damit auch in der Hand, die bürokratischen Hindernisse wieder zu beseitigen“, richtete Dittrich in seiner Rede deutliche Worte in Richtung Berlin.

Am zweiten Tag der Tagung widmete sich Karl Josef Duffner, Präsidiumsmitglied, der Zukunft des Handels und hob das besondere ehrenamtliche Engagement in der Branche hervor. Ulrich Beckschulte, Geschäftsführer Landmaschinen im Bundesverband, präsentierte die Ergebnisse des Dealer-Satisfaction-Index für Maschinen- und Gerätehersteller. Über alle abgefragten Kategorien betrachtet ging die Händlerzufriedenheit um einen halben Punkt zurück. Die ausführlichen Ergebnisse lesen Sie in einer der folgenden eilbote-Ausgaben.
Dr. Tobias Ehrhard, Geschäftsführer Landtechnik beim VDMA, beleuchtete die aktuelle Konjunktursituation der Landmaschinenhersteller. Angesichts der für den Green Deal erarbeiteten über 90 Gesetzesvorlagen warnte Ehrhard vor einem „Regulierungstsunami“.
Mit dem neuen Hauptgeschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbands schloss sich dann mit Jörg Migende ein „alter Bekannter“ an. Er war viele Jahre im Vorstand des LandBauTechnik-Bundesverbands tätig. „Quo vadis Agrarpolitik“ fragt er in seinem Vortrag und machte deutlich: „Unternehmen müssen mit stärkerer Regulatorik und unsicheren gesellschaftlichen und politischen Anforderungen umgehen lernen.“ Er sensibilisierte die Händler, die Themen Anbindehaltung bei Rindern, Renaturierung von Agrarflächen sowie die Nachhaltigkeitskriterien im Fokus zu behalten.

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Handwerkspräsident Jörg Dittrich (rechts)ehrte die Bundessieger und deren Ausbildungsbetriebe.
Eine Podiumsdiskussion mit Ulf Kopplin, Sebastian Talg von Grimme, und Dr. Marcus Bertelsmeier, Sprecher der Arge, sowie Jörg Migende vertiefte die Themen weiter.
Torsten Franke stellte die neue Bundesfachgruppe Flurfördertechnik vor, die gerade im Bereich der Hochvolttechnik wertvolles Wissen in den Verband einbringt. Stand heute zählt die Gruppe 25 Fachhändler.
Die Veranstaltung endete mit einem Ausblick auf die Digitalisierung und das Hersteller-Händler-Verhältnis von der Grimme-Familie, wobei Verbandsgeschäftführer Dr. Michael Oelck die Bedeutung des Netzwerkens und den Austausch innerhalb der Branche betonte.
Landwirte, Händler und Landtechnikhersteller: „Wir sitzen alle in einem Boot“, diese Redewendung war oft zu hören auf der Dammer Tagung.
Der partnerschaftliche Austausch und die Solidarität, bestimmten politischen Vorhaben gemeinsam entgegenzutreten, machen unsere Branche zuversichtlich, auch in aktuell schwierigen Zeiten zu bestehen, so das Fazit.












