Die Extremsituation auf den weltweiten Rohstoffmärkten hat im Wirtschaftsjahr 2022/23 zu erheblichen Gewinnsteigerungen bei allen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben in Deutschland geführt. Profitieren konnten die Landwirte insbesondere von einem Boom auf dem Rohmilchmarkt, international steigenden Preisen für Getreide sowie sinkenden Schweinebeständen.
Das geht aus einer vom Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) vorgenommenen Auswertung der ökonomischen Entwicklung landwirtschaftlicher Haupterwerbsbetriebe in der vergangenen Saison hervor, die auf ersten Buchführungsergebnissen beruht. Laut VLK gewährleisteten die Wirtschaftsergebnisse im betrachteten Zwölfmonatszeitraum bei einem Großteil der Betriebe Verhältnisse, die eine ausreichende Faktorentlohnung von Arbeit, Boden und Kapital zulassen. Mit Unternehmensergebnissen zwischen 95.000 Euro und 150.000 Euro hätten die Betriebe in den betrachteten Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein Niveau erreicht, das neben Privatentnahmen, Steuerlasten und Tilgung auch eine positive Eigenkapitalbildung ermögliche. Für ausreichende Stabilität und Liquidität seien jedoch weitere Jahre mit guten Ergebnissen notwendig.
Mit Blick auf die vom Gesetzesgeber geforderten Investitionen für eine zukunftsweisende, nachhaltige Entwicklung eines Haupterwerbsbetriebes erscheinen dem Verband Unternehmensergebnisse von 100.000 Euro erforderlich, um den Ansprüchen einer angemessenen Entlohnung und Risikodeckung zu entsprechen. Das Durchschnittsniveau von rund 70.000 Euro im Zeitraum von 2017 bis 2022 sei davon allerdings noch weit entfernt. Daraus resultiere auch die Zurückhaltung der Landwirte bei Neuinvestitionen.
Wie aus den VLK-Daten im Einzelnen hervorgeht, brachte das zurückliegende Wirtschaftsjahr 2022/23 für die Milcherzeuger bei außerordentlichen Milchpreisen vollkostendeckende Ergebnisse. Rindermäster und Mutterkuhhalter konnten hingegen die erheblichen Mehrkosten nicht durch die hier nur moderat gestiegenen Erlöse ausgleichen. Insgesamt stiegen die Gewinne der Futterbaubetriebe gegenüber 2021/22 in einer Spanne von 30 % in Schleswig-Holstein bis zu 87 % in Rheinland-Pfalz. Sie schwankten in den Ländern je nach Betriebsgröße zwischen 122.000 Euro und 187.000 Euro je Unternehmen.
Trotz höherer Futterkosten Gewinnverbesserung
Bei den Veredlungsbetrieben bewirkte das weiter rückläufige Ferkel- und Mastschweineangebot im abgelaufenen Wirtschaftsjahr laut VLK einen unerwartet deutlichen Preisaufschlag. Die insgesamt verbesserten Rahmenbedingungen auf den Veredlungsmärkten führten trotz der deutlich höheren Futterkosten zu einer erheblichen Verbesserung der Gewinnsituation. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden laut der VLK-Auswertung nahezu gleichlautende Unternehmensergebnisse in Höhe von 110.000 Euro erzielt.
Auch die spezialisierten Ackerbaubetriebe konnten aufgrund der beschriebenen Tendenzen auf den Agrarmärkten ihre Gewinne steigern. Ausgehend von hohen Vorjahreswerten zogen die Preise für Getreide im abgelaufenen Wirtschaftsjahr deutlich an. Die Unternehmensergebnisse bewegten sich zwischen 67.500 Euro im Saarland über 87.000 Euro in Schleswig-Holstein bis hin zu 110.000 Euro in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.









