sonderthema

Endlich wieder Agritechnica!

Nach den Boomjahren mit Lieferengpässen entspannt sich die Lage – Auftragsbücher werden dünner

Agritechnica 2023: Endlich wieder Agritechnica!

Von Jürgen Boomgaarden

Aktualisiert am

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

„Wir sehen uns in Hannover“ – mit diesem Gruß verabschiedet man sich zur Zeit in der Landmaschinenbranche nach einem Telefongespräch. Gemeint ist das persönliche Treffen auf der bevorstehenden Agritechnica, die jetzt nach vier Jahren und der coronabedingten Zwangspause 2021 endlich wieder stattfindet – die Vorfreude ist groß.

Mit über 2.600 Ausstellern musste der Veranstalter, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), zwar einen Rückgang von fünf Prozent verzeichnen, trotzdem sei das Messegelände Hannover aber voll ausgebucht, wird betont.

Gute Rahmenbedingungen

Vor wenigen Wochen hat die DLG 2.300 europäische Landwirte zum Geschäftsklima und ihren Investitionsplänen befragt. Insbesondere Ackerbauern bezeichnen ihre finanzielle Lage als gut. Die größten Herausforderungen sehen sie in der zunehmenden Regulierung und der Agrarpolitik. Als besonderes Problem sehen sie den Klimawandel. Für 40 Prozent von ihnen ist das Wassermanagement ein besonders wichtiges Thema. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzen heute schon Technik zum Dieselsparen, weitere 40 Prozent planen hier zu investieren.

Smart und Precision Farming stehen weiter im Fokus. Hier werden Innovationen auf der Messe zu sehen sein, die den Betriebsmittelverbrauch reduzieren. Ebenfalls großes Interesse erfährt der Pflanzenschutz. Dieser wird aktuell zunehmend Teil der Ackerbaustrategien und ergänzt die Chemie. 90 Prozent aller Befragten gaben an, in den nächsten zwei Jahren in neue Technik investieren zu wollen.

Europäische Landmaschinenindustrie mit Rekordergebnis

Sehr zufrieden zeigte sich der deutsche Herstellerverband VDMA Landtechnik auf einer Pressekonferenz Ende September. „Wir kommen mit einem Rekordergebnis nach Hannover“, resümierte Geschäftsführer Dr. Tobias Ehrhard. Das erste Halbjahr 2023 habe der Branche wiederum ein sehr gutes Ergebnis beschert. Segmentübergreifend haben die Landmaschinen- und Traktorenhersteller die ohnehin schon hohen Erlöse der Vorjahre nochmals im zweistelligen Prozentbereich steigern können. Für das Jahr 2023 erwartet der VDMA erneut ein Umsatzvolumen von mehr als zwölf Milliarden Euro aus deutscher Produktion. Mit mehr als 75 Prozent Ausfuhrquote sieht man sich erneut als Exportweltmeister im internationalen Landtechnikgeschäft.

Ehrhard ließ allerdings auch durchblicken, dass die Orderbücher dünner werden. Der Auftragsbestand im Frühjahr mit nahezu sieben Monaten habe „einen Höchstwert dargestellt“. Insider gehen aktuell von einem Vorlauf von vier Monaten aus, Tendenz abnehmend. Dies dürfte an der zur Zeit rückläufigen Nachfrage in Nord- und Mitteleuropa liegen. Optimistische Töne kommen dagegen aktuell aus dem europäischen Süden. Der italienische Herstellerverband FederUnacoma berichtet von anhaltend hohen Absatzzahlen in Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland. Dort sollen die Traktorenverkäufe weiterhin auf hohem Niveau stabil sein, der Absatz von Landmaschinen sogar im Plus liegen. „Der Landmaschinenmarkt im gesamten Mittelmeerraum wird weiter deutlich wachsen“, so die Verbandspräsidentin Mariateresa Maschio auf der Messe Agrilevante im süditalienischen Bari am 4. Oktober.

Globaler Umsatz in zwölf Jahren verdoppelt

Global gesehen hat sich der Landtechnikmarkt nach Berechnungen des deutschen Herstellerverbandes in den vergangenen zwölf Jahren äußerst positiv entwickelt: Lagen die weltweiten Erlöse der Hersteller im Jahr 2010 noch bei 82 Milliarden Euro, haben sie sich bis zum Jahr 2022 auf 162 Milliarden Euro fast verdoppelt. Vor dem Hintergrund voller Kassen bei den Landwirten haben die Produzenten also allen Grund zum Optimismus.

Handel hat kein Exportventil

Ganz anders sieht es allerdings beim Landmaschinenhandel aus. Dieses wichtige Glied der Lieferkette kann eben nicht rückläufige Umsätze in der einen Region mit dem Export in andere Länder ausgleichen. Händler werden also weiter mit der Volatilität ihres Heimatmarktes leben müssen. Aber noch ist das Klagen auf hohem Niveau!

Wir sehen uns auf der Agritechnica,

Ihr

Agritechnica 2023: Endlich wieder Agritechnica!
Agritechnica 2023: Endlich wieder Agritechnica!

Jürgen Boomgaarden
Chefredakteur eilbote


Weitere Artikel zum Thema

weitere aktuelle Meldungen lesen