sonderthema

Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Werkstatt-Tipp: Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Aktualisiert am

Bei selbstfahrenden Futtermischwagen ist die Entnahmeeinheit hohen Belastungen durch große Futtermengen ausgesetzt. Daher sind regelmäßige Reinigung und Pflege unerlässlich, wie ein Service-Fachmann erklärt

Werkstatt-Tipp: Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Michael Wigbers gibt Tipps.

Futtermischwagen, Zugmaschine und in den meisten Fällen auch Beladeeinheit in einer Maschine integriert: das bieten selbstfahrende Futtermischwagen. Die Beladeeinheit – in der Regel ein Entnahmearm mit Entnahmekopf in der Front – ist durch den täglich mehrfachen Einsatz stark beansprucht. Umso wichtiger ist die regelmäßige Kon- trolle, Pflege und Wartung. Dazu informiert Michael Wigbers aus dem Service After Sales der Bernard van Lengerich Maschinenfabrik GmbH & Co. KG (BvL) in Emsbüren.

Walze und Messeraufsätze kontrollieren

Der Kern der Entnahmeeinheiten vieler Selbstfahrer ist der Entnahmekopf, mit einer Rolle bzw. einem Walzenkern, an dem je nach Hersteller Messerelemente verschiedener Art angebracht sind. Bei BvL-Selbstfahrern ist das Herzstück der Entnahme die sogenannte Strukturwalze. Sie ist extrem robust und wartungsarm. Voraussetzung ist dabei, dass der Walzenkern stabil läuft und die Lagerung kein „Spiel“ hat, sonst kann es zu Schäden an der Aufhängung im Bereich der Hydraulikmotoren kommen. Dazu ein Praxistipp: Mithilfe einer Brechstange lässt sich prüfen, ob der Walzenkern auch nur minimal wackelt (siehe Foto 1).

Egal ob die Entnahmeeinheit des Selbstfahrers mit Messeraufsätzen oder – wie bei BvL Standard – mit Strukturelementen ausgestattet ist: Die Aufsätze sind mindestens halbjährlich auf Verschleiß zu kontrollieren, weiß Michael Wigbers und erläutert: „Die Elemente sind irgendwann abgenutzt, werden rund, und dann sollten sie ausgetauscht werden (siehe Foto 2). Die BvL Strukturelemente sind je nach Silage nach etwa 2000 Betriebsstunden zu wechseln. Optionale Messer, die deutlich stärkere Zerkleinerungsarbeit leisten, müssen oft schon nach 600 bis 800 Betriebsstunden ausgetauscht werden. Nur dann kann das Futter wieder sauber und effizient entnommen werden.“ (siehe auch Foto 3)

Werkstatt-Tipp: Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Edelstahl für Langlebigkeit

Aber nicht nur die Messer, sondern der gesamte Entnahmekopf am Selbstfahrer ist durch das durchlaufende Futter und ständigen Kontakt zu teils aggressiven Inhaltsstoffen stark strapaziert. Bei vielen Herstellern lässt sich dieses Bauteil innen mit Edelstahl auskleiden. Das schont die Einheit und sorgt für Langlebigkeit, erläutert Wigbers. Strapaziert wird aber vor allem auch die Schürfleiste unten am Entnahmekopf. Insbesondere wenn Futter vom Boden aufgenommen wird, schleift diese Ebene regelmäßig auf hartem Untergrund. Ganz vermeiden lässt sich das also nicht. Um den Entnahmekopf und seine Bauteile nicht zu gefährden, sollte die Schürfleiste maximal bis 1 cm Dicke abgenutzt sein und dann lässt sich eine neue Schürfleiste aufschweißen (siehe Foto 4). Das ist in der Regel nach 3.000 bis 4.000 Betriebsstunden der Fall.

Werkstatt-Tipp: Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Reinigung ja, Hochdruckreiniger nein

Das Förderband im Innern des Entnahmearms sorgt für den Futterabtransport ins Behälterinnere. Regelmäßige Pflege verringert dessen Verschleiß. Deshalb empfiehlt Michael Wigbers einmal wöchentlich den Entnahmearm und insbesondere das Förderband innen zu reinigen. Zugang dafür hat man unter anderem vom Entnahmekopf aus aber auch über spezielle Reinigungsöffnungen, die bei BvL beispielsweise entlang des Entnahmearms eingelassen sind (siehe Foto 5). Ebenso sind Umlenkrollen (siehe Foto 6) und Verkleidungen im Innern sauber zu halten. „Insbesondere Mineralfutterreste haften dort teils stark an“, weiß der Fachmann und gibt einen wichtigen Reinigungshinweis: „Das Innere lässt sich sowohl mit Druckluft als auch mit einem Schlauch mit reichlich Wasser reinigen. Der Hochdruckreiniger ist allerdings nicht zu empfehlen. Der richtet im Zweifel mehr Schaden an als dass er säubert.“

Werkstatt-Tipp: Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Band unter passender Spannung

Neben dieser regelmäßigen Reinigung rät Michael Wigbers alle Bauteile am Entnahmearm etwa halbjährlich bewusst auf Funktion und Verschleiß zu kontrollieren. Dazu gehören Rollen, Räumer (siehe Foto 7), Dichtungen oder Dichtungsschienen, Leisten und auch das Förderband selbst. Die Bandspannung sollte in dem Zuge genauer überprüft werden. Weder eine zu starke noch zu geringe Spannung ist gut für die Funktion und Haltbarkeit des Förderbandes. Ein einfacher Trick ist laut dem Service-Fachmann: „Einen Besenstiel vorsichtig von unten auf das Band schieben und die Spannung per Druck darauf testen. 2 bis 3 cm Bewegung sind in Ordnung.“ (siehe Foto 8) Die Bandspannung lässt sich am Entnahmearm beidseitig über Verschraubungen passend einstellen. (siehe Foto 9)

Werkstatt-Tipp: Selbstfahrer-Service: Entnahmeeinheit im Fokus

Ein Bandwechsel steht bei den BvL Selbstfahrern, ausgestatten mit einem Gewebeeinlageband, bei rund 3000 Betriebsstunden an – außer, wenn größere Fremdkörper das Band beschädigen oder die regelmäßige Pflege ausbleibt.

Wichtig für die – im wahrsten Sinne des Wortes – reibungslosen Bewegungsabläufe des Entnahmearms ist außerdem die Schmierung der beweglichen Teile. In der Regel ist dazu ein Zentralschmierpunkt angelegt, über den die zig Schmierstellen idealerweise wöchentlich gefettet werden. Optional wählen viele Landwirte die automatische Zentralschmierung für ihre Maschinen, durch die die händische Schmierung entfällt.


Weitere Artikel zum Thema

weitere aktuelle Meldungen lesen