branche

Kleiner Lotse für die Feldarbeit

Das Unternehmen FieldBee hat ukrainische Wurzeln und bietet ein professionelles Spurführungssystem zu einem günstigen Preis. Für die Nachrüstlösung von Landmaschinen in Deutschland werden Vertriebspartner gesucht.

FieldBee: Kleiner Lotse für die Feldarbeit

Die FieldBee Nachrüstlösung mit Antenne, Lenkradmotor und Tablet.

Von Bernd Pawelzik

Aktualisiert am

FieldBee: Kleiner Lotse für die Feldarbeit

„In gut 30 Minuten ist die Technik einsatzbereit. Dann sind Lenkrad, Motor und Antenne installiert und der Ackerschlag mit AB-Linie auf dem Tablet zu sehen“, betont Michael Utkin, Chef und Mehrheitseigentümer von FieldBee. Aktuell pendelt er häufig zwischen dem polnischen Kriwice und dem niederländischen Amsterdam.

Der Krieg in der Ukraine hat das Technik- und Entwicklungsteam von FieldBee von ihrem ukrainischen Standort in den Südosten Polens verschlagen. Im März 2022 gelang es, das komplette Team zunächst in den Westen der Ukraine und dann nach Polen zu evakuieren. Hier wurden neue Büros bezogen und eine Endmontage der elektronischen Bauteile in Eigenregie aufgebaut.

Kriwice ist ein moderner Standort mit viel Automotive Industrie und einer technischen Universität, die für gut ausgebildeten Nachwuchs sorgt. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Von 50 Mitarbeitenden sind wir hier auf gut 90 gewachsen. Durch die eigene Montage haben wir die Qualitätskontrolle nun selbst in der Hand“, berichtet Utkin.

Es begann mit einer App

Erstmals bekannt wurde FieldBee mit einer App, die die Spurführung auf dem Handy durch manuelles Lenken unterstützte. Dieses System aus GPS Antenne und Terminal ist jetzt um einen Lenkradmotor ergänzt. Alles soll von einem technisch versierten Landwirt selbst installiert werden können. Mit einem RTK Signal und einer SIM-Karte sind Genauigkeiten bis zu 2 cm möglich. Dafür lässt sich das in einigen Bundesländern kostenlose SAPOS Korrektursignal nutzen.

Preiswerte Nachrüstung

„Für etwa 3.000 Euro Einführungspreis ist der Schlepper dann spurgetreu auf Acker und Grünland unterwegs. Wir bieten eine preisgünstige Alternative für die Nachrüstung. Das kann für Landwirte interessant sein, die den Komfort und die Einsparungen durch weniger Überlappung nutzen wollen und eine fünfstellige Investition scheuen. Durch das schnelle Umrüsten von einem Traktor auf den anderen ist das System auch für Betriebe mit zwei Traktoren attraktiv“, erklärt Michael Utkin. Das System (der Preis ohne Tablet liegt nach der Einführung dann bei 4.200 Euro netto) ist einfach zu installieren. Es besteht aus lediglich drei Komponenten: einem austauschbaren Lenkrad, einer RTK-Antenne und einem Tablet, das allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist. Eine spezielle Software führt Schritt für Schritt durch die Installation und die Inbetriebnahme. Der Einbau kann laut Utkin in einer halben Stunde erfolgen.

Er stammt aus der Ukraine, absolvierte Schule und Studium in England und war als Finanzchef unter anderem für den größten ukrainischen Energieversorger tätig. Durch einen Freund, der sich mit Software für das Management großer Agrarbetriebe befasst, kam er in Kontakt mit der Landwirtschaft.

Unterstützt durch Startup-Hilfen, einem Crowdfunding-Projekt und Mitteln der Raumfahrtbehörde ESA, entwickelte Utkin unter dem Namen eFarmer ab 2016 die eigene herstellerunabhängige Navigationsapp. Sie wurde dann in FieldBee Traktor-Navigations-App umbenannt. Sie ist auf Google Play von Landwirten kostenlos herunterzuladen. „Das Produkt wurde während der Crowdfunding-Kampagne im Jahr 2014 auch mit Hilfe von vielen deutschen Landwirten entwickelt. Bereits seit neun Jahren verkaufen wir schon Navigationssysteme an deutsche Kunden.“

FieldBee: Kleiner Lotse für die Feldarbeit

Das Nachrüstkit ist mit einer verständlichen Anleitung zügig in der Traktorkabine zu installieren.

Angriffskrieg brachte Pläne durcheinander

Der Angriff Russlands auf die Ukraine brachte die Pläne und die Finanzmittel für das neueste Spurführungssystem durcheinander. Durch Vorbestellungen vieler Landwirte kamen 1,5 Millionen Euro zusammen, die die Auslieferung in 2023 dann ermöglichten. Mittlerweile sind laut Utkin über 750 Systeme im Markt, ein Großteil davon auch auf deutschen Schleppern montiert.

„Deutschland ist für FieldBee ein bedeutender Markt. Hier gibt es noch viele Betriebe zwischen 20 und 200 ha, die noch ohne Satellitenhilfe unterwegs sind. Über das Internet erreichen wir nur eine gewisse Kundenschicht. Wir suchen aber Händler als Vertriebs- und Installationspartner, die ihren Kunden eine preisgünstige Alternative in der Satellitennavigation bieten wollen“, fasst Utkin zusammen.

Fünf deutschsprachige Mitarbeiter stehen für Fragen und Problemlösungen in der FieldBee Hotline parat. Zwei Kollegen sind im Feld unterwegs, um Vertriebspartner zu schulen. „Dafür reicht ein Tag in der Regel aus“, sagt der Firmenchef.

„Die App erlaubt Updates aus der Ferne, wir sind konzernunabhängig, produzieren unsere Geräte in der EU, die Daten liegen auf Servern in Deutschland“, benennt Utkin einige Unterschiede zu Wettbewerbsprodukten. Eine Anbindung des Autopiloten von FieldBee an den ISOBUS ist für das nächste Jahr geplant.

„Sie wollen wissen, wie es zu dem Firmennamen FieldBee kam? Unsere Antennen sind wie die Biene gelb-schwarz gefärbt. Die Biene steht für harte Arbeit und eine reiche Ernte, das passt zu unseren Kunden“, erklärt Utkin lachend.

www.fieldbee.com

Halle 8, Stand D19


Weitere Artikel zum Thema

weitere aktuelle Meldungen lesen