„Die Leistungsgrenze für elektrisch betriebene Landtechnik liegt bei 100 kW“

Mit nachhaltigem Kraftstoff das Klimaschutzpotential ausschöpfen – Spürbare Anreize für den Einsatz biogener und synthetischer Kraftstoffe setzen – Verbrennungsmotor für leistungsstarke Landtechnik unverzichtbar – Klimaneutrale Flüssigtreibstoffe für den Branchenverband die beste Lösung – Alle aktuell verfügbaren Optionen müssen jetzt auch gezogen werden – Positionspapier vorgelegt

VDMA Landtechnik: „Die Leistungsgrenze für elektrisch betriebene Landtechnik liegt bei 100 kW“

Offroad-Motoren von MAN Engines sind seit Mai 2023 für den Einsatz von regenerativem Diesel/HVO freigegeben.

Eine nachhaltige Kraftstoffstrategie für die Landwirtschaft hat der Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gefordert. „Dabei gelte es, spürbare Anreize für den Einsatz biogener und synthetischer Kraftstoffe zu setzen, denn für den Betrieb leistungsstarker Landtechnik sei der Verbrennungsmotor auch künftig unverzichtbar“, sagte Geschäftsführer Dr. Tobias Ehrhard am 22. September anlässlich der Vorstellung eines Positionspapiers zu alternativen Antriebs- und Kraftstoffoptionen vor Fachpolitikern in Berlin.

Um die CO2-Emissionen schnellstmöglich reduzieren zu können, sind laut dem Branchenverband klimaneutrale, flüssige Kraftstoffe die beste Lösung. Dazu müssten alle aktuell verfügbaren Kraftstoffoptionen gezogen werden. „Das breite Spektrum landwirtschaftlicher Anwendungen macht eine einsatzspezifische Auswahl geeigneter Antriebssysteme zwingend erforderlich. Nachhaltige Kraftstoffe und batterieelektrische Antriebe müssen passgenau genutzt werden, um ihr Klimaschutzpotential optimal auszuschöpfen“, betonte Ehrhard.

Intelligenter Energiemix notwendig

Bei Bundestagsabgeordneten von SPD, FDP und Union traf diese Position auf fruchtbaren Boden. „Die Zukunft des Antriebs auf Straßen, aber auch auf Feldern und Höfen beruht auf einem intelligenten Energiemix. Das heißt, wir brauchen Technologieoffenheit anstelle von Restriktionen“, sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Gero Hocker, im Dialog mit den Verbands- und Industrievertretern.

Johannes Schätzl von der SPD teilte diese Einschätzung. Er verwies zugleich darauf, dass Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft eines ganzheitlichen Ansatzes bedürfe, der nicht nur den Maschineneinsatz, sondern auch die digitale Vernetzung und die Betriebsführung integriere. Deshalb sei es notwendig, noch viel stärker als bisher in das digitale Know-how der Landwirte zu investieren.

Dieser Lagebeschreibung schloss sich der Agrarsprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, zwar grundsätzlich an, ergänzte jedoch: „In der Diagnose sind wir uns weitgehend einig; es handelt sich also nicht um ein Erkenntnis-, sondern um ein Umsetzungsproblem“. Deshalb müsse die Bundesregierung jetzt schnell ins Handeln kommen und die richtigen Anreize und Rahmenbedingungen für Landwirte und Lohnunternehmer schaffen.

Nach Ansicht von Erhard bieten sich der Landwirtschaft schon jetzt konkrete Handlungsmöglichkeiten in großer Zahl an.

HVO eine vielversprechende Option

Eine vielversprechende und am Markt verfügbare Option seien hydrierte Pflanzenöle aus Reststoffen, die sogenannten HVO. Mit ihnen könnten schon heute bis zu 90 % der CO2-Emissionen im Vergleich zu fossilen Treibstoffen eingespart werden, direkt und ohne Umwege. „HVO-Kraftstoff steht in den für den Agrarsektor erforderlichen Mengen bereit. Er ist praxiserprobt und schon von vielen Herstellern freigegeben“, hob der Geschäftsführer hervor.

Daneben gelte Biodiesel – auch aus heimischer Produktion – als vielversprechende Ergänzung des klimafreundlichen Kraftstoffportfolios von morgen. „Sicher ist aber auch, dass wir in Zukunft synthetische Kraftstoffe aus grünem Strom erleben werden“, zeigte sich Ehrhard überzeugt.

Elektroantriebe für Hofanwendungen

Batterieelektrische Antriebe eignen sich dem Geschäftsführer zufolge dagegen in erster Linie für den hofnahen Einsatz und für Sonderkulturen, während leistungsstarke und hocheffiziente Traktoren für schwere Feldarbeiten sowie Erntemaschinen für Feldfrüchte, Grünfutter und Heu anforderungsbedingt nicht elektrifiziert werden können. „Die Leistungsgrenze für elektrisch betriebene Landtechnik liegt bei 100 kW“, so Erhard. Daher ließen sich nur kleinere Traktoren, Hoflader oder Geräte elektrifizieren. Für größere Landmaschinen und Traktoren müssten die erforderlichen Batterien so groß und schwer sein, dass eine fachgerechte Feldarbeit allein aufgrund des immensen Bodendrucks unmöglich wäre. Das VDMA-Positionspapier „Weg von fossilen Treibstoffen – Landtechnik als Enabler klimafreundlicher Antriebe im Agribusiness“ ist im Internet abrufbar unter www.vdma.org/viewer/-/v2article/render/84101130.


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