Magazin Gülletechnik

Mobile Separationsanlage :

Lohnunternehmer-Start up veredelt Gülle

Transport der festen Phase lohnt sich auch über weitere Entfernung – Große Anlage auf Anhängerfahrgestell mit zehn Separatoren von WAM – Gesamtdurchsatzleistung erreicht 250 cbm/h

Mobile Separationsanlage: Lohnunternehmer-Start up veredelt Gülle

Zehn Separatoren arbeiten auf dieser mobilen Anlage.

Voller Stolz steht Thilo Tjarks unweit seines 27 Tonnen schweren Dreiachsers mit der spektakulären Separationsanlage als Aufbau und beantwortet geduldig die zahlreichen Fragen seiner zukünftigen Kunden. Wie hoch ist die Durchsatzleistung? Wie groß ist die installierte Leistung? In welchem Umkreis kann der Service in Anspruch genommen werden? Kann ich kurzfristig einen Termin bekommen?

Auf das große Interesse hatte er gehofft, eigentlich schon damit gerechnet. Schließlich gibt es in Deutschland fast 200.000 landwirtschaftliche Betriebe, die Vieh halten. Laut Statistischem Bundesamt besitzen deutsche Viehbauern 12,1 Mio. Rinder und 26,9 Mio. Schweine (2016), auf deren Gülle es Tjarks abgesehen hat. Nicht zu vergessen die zahlreichen Biogasbetriebe und ihre Gärreste.

Tjarks ist Lohnunternehmer und seit einigen Tagen Besitzer der nach Herstellerangabe größten mobilen Separationsanlage in Deutschland. Heute haben er und die Firma Klingspohn, die mit dem Bau der Anlage beauftragt war, zur feierlichen Einweihung eingeladen, um Fahrzeug und Dienstleistung ausführlich vorzustellen. Die Idee ist einfach wie genial: Tjarks fährt mit seinem Anhänger, der trotz aller aufgebauter Technik ohne Zugfahrzeug lediglich 12 m lang ist, seine Kundschaft nach Terminvereinbarung ab, pumpt ihnen Güllegrube oder Gärrestehalde leer und trennt vor Ort die feste und flüssige Phase in die dafür vorgesehenen Behältnisse. Dabei wird die flüssige Phase in der Regel direkt in der näheren Umgebung für das Düngen der eigenen Felder verwendet. Die gewichtsreduzierte feste Phase kann zu geringeren Transportkosten befördert und so besser vermarktet werden.

Düngeverordnung als Treiber der Entwicklung

Der Grund für die Abgabe der wertvollen festen Phase bei den Viehbauern ist die geografische Verteilung von Vieh- und Landwirtschaft in Deutschland, und der damit verbundene unterschiedliche Bedarf an Dünger: Während die immer größer werdenden Viehbetriebe im Norden ihre Unmengen an Gülle gar nicht mehr selber verwerten können, freuen sich die Ackerbauern im Süden und Osten Deutschlands über den nährstoffreichen Dünger. Vor allem die neue Düngeverordnung, Resultat einer sich stetig verschlechternder Grundwasserqualität, wird diesen Trend weiter verstärken. Das Zeitfenster für die Ausbringung durch neue Sperrzeiten, neue Abstandsregeln zu Gewässern und Nachbarfeldern und weitere Ausbringungsbeschränkungen erhöhen den Druck auf die Gülleproduzenten. Indem die Gülle separiert wird, sinken sowohl die Lagerkosten für die Verwertung beim Erzeuger, als auch die Kosten für den Transport, was die Vermarktung der Gülle wesentlich erleichtert.

Bei Biogasanlagen sind die Probleme ähnlich gelagert. Die Gärreste können in der unmittelbaren Umgebung nicht vollständig verwertet werden. Hier allerdings haben die Betreiber die Wahl, ob Sie die flüssige Phase als Dünger abgeben, als Rezirkulat dem Vergärungsprozess zuführen oder zur weiteren Aufbereitung nutzen. Die feste Phase wird oft nochmals vergärt oder, wie bei der Rinder- und Schweinegülle, als Dünger eingesetzt.

Da sich die Anschaffung einer Separationsanlage bei kleinen Betrieben nicht rechnet oder schlicht noch keine Notwendigkeit für die Fest-Flüssigtrennung gesehen wurde, sind zur feierlichen Einweihung auch viele Viehwirte und Biogasanlagenbetreiber erschienen, die bisher nicht separiert haben. Das Interesse ist spürbar und man beobachtet, was die in 1.000 Arbeitsstunden auf die Beine gestellte Anlage zu leisten imstande ist. Herz der Technik sind 10 SEPCOM Schneckenseparatoren von WAM, die für die Hauptaufgabe, das Separieren von Fest- und Flüssigphase, verantwortlich sind. Der horizontale Pressschnecken-Separator besteht aus einem Beschickungsabschnitt mit einem Kompensationsbehälter und Überlauftrichter. Das Edelstahlgehäuse enthält eine Förderschnecke und einen zylindrischen Siebkorb, der die Feststoffe von der Flüssigkeit trennt und abfördert. Diese läuft durch das Sieb ab, während der Feststoffanteil durch die Gegendruckmembranen gepresst wird, die dabei Pfropfen aus dem Material formen. Dies ermöglicht einen automatischen Betrieb des Separators und verhindert das Auslaufen der im Material vorhandenen Flüssigkeit. Ein Elektromotor von WAM mit angeflanschtem Untersetzungsgetriebe, welches auf der Welle der Schnecke aufsitzt, sorgt für den notwendigen Antrieb der Schnecke. Mit einer Gesamtdurchsatzleistung von 250 m³/h benötigt Tjarks selbst für einen Viehbetrieb mit 10.000 Schweinen lediglich fünf bis sieben Stunden, um die angefallene Gülle von drei Monaten zu separieren.

Der Vorteil für den Viehbauern: ein um bis zu 20 % reduziertes Volumen der festen Phase und die dadurch geringeren Lager- und Transportkosten. Die separierte Festphase mit einem Trockensubstanzgehalt von 22 – 32 % TS lässt sich in dieser Form auch durch weniger Geruch besser vermarkten.

Für die notwendige Power des Trucks sorgt ein Stromaggregat mit 200 kVA Leistung.

Stromaggregat treibt Pumpen an

Dieses versorgt die beiden Drehkolbenpumpen mit einer Leistung von jeweils max. 350m³/h. Die erste wird zum Beschicken der Separatoren benötigt, die zweite übernimmt das Abziehen der Flüssigphase. Ein zusätzlich installierter Nass-Zerkleinerer mit integriertem Schwergutabscheider zerkleinert zuverlässig Faser- und Fremdstoffe und schützt die nachgeschalteten Anlagenkomponenten vor Fremdkörperschäden. Damit der Abtransport der Feststoffe problemlos vonstattengeht, wurde ein schwenkbares Förderband angebracht, das auch hohe Behältnisse wie z.B. jene von Lkw befüllen kann.

Tjarks schaut zufrieden aus, wenn er an die kommenden Wochen denkt. Die ersten Termine hat er bereits vereinbart. Ein befreundeter Lohnunternehmer ist dabei, in Eigenregie ebenfalls eine Anlage aufzubauen, ein 15 m langer Auflieger mit zwölf WAM-Separatoren inklusive Hochsitz. Dass sich die beiden Konkurrenz machen, ist unwahrscheinlich, schließlich scheint der Markt groß genug. Vielmehr wird sich die Akzeptanz für das Separieren durch mehrere Anbieter weiter erhöhen und das Marktvolumen vergrößern. Man kann davon ausgehen, dass man Tjarks und seine mobile Separationsanlage demnächst häufiger im Wangerland und Umgebung sieht.

Technische Infos

Separatoren 10x SEPCOM 065 von WAM

Trockensubstanzgehalt 22 – 32 % TS

Durchsatzleistung 250 - 300 m³/h

Installierte Leistung 220 KVA

Pumpen 2x Drehkolbenpumpe mit 350 m³/h

Gesamtgewicht 20 t

Reichweite 100 km rund um Wangerland


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