Magazin Finanzen

Internationale Landtechnikmärkte :

Angriff auf das Establishment

Die Zahl der Landtechnikhersteller mit weltweiten Ambitionen wächst zunehmend. Weißrussische, indische, polnische und chinesische Produzenten agieren mehr und mehr über ihre angestammten hinaus.

Internationale Landtechnikmärkte: Angriff auf das Establishment

Ursus Traktoren kommen aus Polen, werden aber auch in Afrika zu Tausenden eingesetzt.

Während sich Niedersachsens Hauptstadt Hannover Anfang November noch für den Ansturm von rund 450.000 Gästen der Agritechnica rüstete, durften die Herzen der Landtechnikfans im 8259 Kilometer östlich gelegenen chinesischen Wuhan am Jangtse-Fluss schon höher schlagen. In der Hauptstadt der Provinz Hubei mit 4,3 Millionen Einwohnern war die CIAME, größte Fachmesse für Landtechnik in Asien, gestartet.

Auf besonders großes Interesse stieß der Stand des chinesischen Maschinenbau-Konzerns Ensign. Sah es doch so aus, also ob die bisher nur als Hersteller von Radladern bekannte Firma nun eine Kooperation mit Fendt eingegangen wäre. Deutsche Hightech zu China-Preisen? Doch nur auf den ersten Blick waren das Produkte aus dem Allgäu, die Ensign da präsentierte. Tatsächlich hatten die Chinesen die Kopiermaschine angeworfen und das prämierte Design der Bayern bis auf wenige Details nachgemacht. Wer sich nicht vom Fendt-Grün oder Challenger-Orange täuschen ließ, erkannte dann aber schnell den wahren Kern der Geräte: Simple Technik aus dem kommunistischen Maschinenbaukasten. Zur Abrundung der Modellpalette auf der Messe hatten die Ensign-Ingenieure auch noch gleich einen ihrer Schlepper mit Claas-Design- elementen im Saatengrün aus Harsewinkel ausstaffiert.

Chinesische Kopierer

Auf die Agritechnica trauten sich die Design-Diebe aus dem Reich der Mitte dann doch nicht. Die globale Leitmesse für Landtechnik zeigte dennoch, dass sich die Märkte im Bereich Agrar nicht nur bei den Rohstoffen längst internationalisiert haben. Nun folgt auch die Landtechnik den globalen Handelswegen – allerdings auch umgekehrt. Heißt: Landtechnik aus Indien und China, aber auch weiter entwickelten Märkten wie der Türkei, Polen oder Weißrussland wollen sich auf westlichen Märkten wie Deutschland, Frankreich oder Italien etablieren. Und während Deutschland mit seinen Premiummarken zwar die Technologieführerschaft weltweit behauptet, beackert die neue Konkurrenz die Märkte von unten her. Die teils gewaltigen Preisunterschiede könnten den einen oder anderen Bauern schon mal zum Fremdgehen verführen.

Werbung des chinesischen Landmaschinenherstellers Ensign: Unter dem europäischen Design steckt chinesische Technik.

Werbung des chinesischen Landmaschinenherstellers Ensign: Unter dem europäischen Design steckt chinesische Technik.

Polnischer Dinosaurier

Beispiel Ursus: Das polnische Traditionsunternehmen galt lange als postkommunistischer Dinosaurier – erfolgreich in der Nachkriegszeit vor allem mit einem exakten Nachbau des Lanz Vorkriegs-Bulldogs (von dem viele sagen, er wäre besser als das Original gewesen). Westkontakten mit Massey Ferguson als Lizenzgeber in den 70ern, folgte in den 80ern dann eine Zusammenarbeit mit den sozialistischen Brüdern von Zetor aus der Tschecheslowakei.

2003 aber war der einstige Staatsbetrieb insolvent. Mit türkischen Investoren überlebte der Konzern bis 2011 mehr schlecht als recht und tat sich dann mit der Maschinenfabrik POL-MOT in Lublin zusammen – und seither ging es wieder bergauf. Vielleicht auch, weil Ursus inzwischen auf Westwaren wie Motoren von Perkins oder Achsen von Carraro setzt. Und seit 2007 ist Ursus sogar an der Börse in Warschau gelistet.

2012 folgte ein Vertrag von Ursus mit türkischen Traktorenherstellern, die nun in Lizenz den Polen-Traktor fertigen. 2013 dann ein Geschäft mit der sozialistischen Regierung in Äthiopien über die Lieferung von 3000 Traktoren in Teilen (CKD) in über die Jahre verteilten Tranchen, die in Afrika zusammengeschraubt werden. Wert der Verträge: stolze 90 Millionen US-Dollar. Im Juni 2017 dieses Jahres folgte nun die Einweihung einer neuen Fertigungslinie in Tansania. In der Nähe der ehemaligen Hauptstadt Daressalam werden Traktoren von 45 bis 87 PS montiert. Tansanias Staatssekretär für Handel und Industrie, Abdelhelm Meru, lobte den Deal – und gab dabei auch preis, wie die osteuropäische Techniklieferung teilweise bezahlt werden soll. Tansania will nämlich Rindfleisch und Honig nach Polen liefern und den Warenaustausch mit den Osteuropäern von bisher rund einer Milliarde US-Dollar im Jahr verdreifachen.

Selbstbewusst präsentierten sich auch andere Angreifer der Westkonzerne: Der Konzern Lovol/Foton aus China etwa, der sich nicht mehr nur mit seinen preiswerten Kleintraktoren durch Europa ackern will. Mit der Marke Arbos, die in Italien entwickelt und montiert wird, zielen die Chinesen durchaus auf höherwertige Marktbereiche. Sogar ein Mähdrescher wurde in Hannover präsentiert. In der Heimat produziert Lovol sehr erfolgreich Lastkraftwagen, Vans, Busse und andere Nutzfahrzeuge. Im Lkw-Bereich arbeitet Foton seit 2011 in einem 50:50 Joint Venture mit Daimler-Benz zusammen. Außerdem sind die Chinesen auch als Pkw-Hersteller unterwegs und stellten zuletzt auf der IAA ihre ersten SUV-Modelle vor. Im Bereich Entwicklung und Design von Arbos setzt Lovol auf ein eigenes Entwicklungscenter im italienischen Migliorina di Carpi (Modena). Nach der Übernahme des italienischen Herstellers Goldoni und mit dem Kauf der Marke Arbos werden dort Ackerschlepper von 20 bis zu 185 PS produziert. Die Technik der Traktoren stammt aus Europa, so werden zum Beispiel die ganz neuen Motoren von Kohler verbaut. Mit den Antriebsspezialisten der Firma AVL List aus Graz in Österreich wird eine enge Zusammenarbeit gepflegt. Zur chinesisch-italienischen Technik-Kooperation darf der deutsche Spezialist Grammer die Sitze liefern, Getriebe- und Achsteile kommen ebenfalls von namhaften europäischen Produzenten.

Farmtrac mit Porsche-Design

Selbst wenn der Schwerpunkt dieses Berichts eigentlich auf den börsennotierten Landtechnikern und den Entwicklungen auf den globalen Agrarmärkten liegt, macht es Sinn, sich einmal die Zulieferer-Listen der nach oben strebenden Hersteller aus der zweiten und dritten Reihe anzusehen. Denn vieles, was diese inzwischen in Schleppern oder Erntegeräten verbauen, stammt aus den Hallen börsennotierter Zulieferer, die oft auch die Großen der Branche ausrüsten.

Bei McCormick und Landini in Italien hat neben dem einheimischen Argo-Management seit einiger Zeit auch die chinesische YTO-Gruppe mitzureden. Verbaut werden Motoren von Perkins oder Yanmar.

Der koreanische Großkonzern Tong Yang Moolsan beliefert mit seinen Produkten als Zulieferer schon lange große europäische Hersteller in der Landmaschinen-Industrie. Nun warben die Koreaner in Hannover für die eigenen TYM-Traktoren.

Die Marke Branson aus Südkorea ist hierzulande praktisch nicht bekannt, doch der Konzern arbeitete einst mit Yanmar zusammen, dann ab 1987 in einer Händlervereinigung mit John Deere, und seit 1995 bauen sie eigene Dieselmotoren. Das Design aber ist eindeutig den Maschinen aus westlicher Fertigung angepasst.

Farmtrac, der zum Großkonzern Escorts aus Indien gehört, wurde einst mit dem Bau von Ford Traktoren in Lizenz zum ernsthaften Hersteller. Die Technik ist zwar immer noch eng an die guten, alten Amerikaner angelehnt, doch als Verkaufsargument in Hannover warb der Hersteller bereits mit Porsche Design. Das reichte zwar nur für die extravagante Motorhaube eines Schleppers, aber seit der indische Mutterkonzern bei den Polen einstieg, ist Geld für Investitionen da. Etwa für einen Vertrieb in Westeuropa, für den die Farmtrac-Leute in Hannover eifrig Händler suchten.

Belarus aus Weißrussland fährt auch mit Caterpillar-Technik, Cummins liefert die Aggregate für Mähdrescher oder selbstfahrende Feldspritzen unterschiedlichster Hersteller.

Schon immer war die Landtechnik vom Baukastensystem geprägt, doch mit der Konsolidierung ihrer zugekauften Unternehmen sah es so aus, als ob die Branchenriesen mehr und mehr Produkte in Eigenregie entwickeln und produzieren wollten. Die Agritechnica zeigte: Es ist doch nicht so weit gekommen. Rolls Royce liefert für die großen Maschinen von Claas nun MTU-Treibsätze, Fiat bzw. FPT Motoren (und damit CNH-Produkte) werkeln schon länger in den saatengrünen Schleppern aus Le Mans. AGCO, traditionell mit Fendt Partner von Deutz, bleibt den (börsennotierten) Kölnern auch weiter treu, obwohl die eigenen AGCO-Power-Motoren verstärkt gefördert werden sollen. Im Fendt Feldhäcksler arbeitet ein Mercedes Motor, den neuen Ideal-Mähdrescher treibt eine MAN Maschine an. Nach den mageren Jahren für die gesamte Branche sind auch die (westlichen) Zulieferer wie ZF, Bosch, Perkins oder Carraro wieder am Zug.

Arbos-Traktoren: Design und Engineering kommt aus Europa, ein großer Teil der Technik aus China.

Arbos-Traktoren: Design und Engineering kommt aus Europa, ein großer Teil der Technik aus China.

Angleichung an Autoindustrie

Dass nun eben auch die Hersteller aus Asien oder Osteuropa mit West-Technik als Verkaufsargument werben, zeigt, dass sie durchaus auf den Landtechnik-Märkten in Europa und Amerika als Konkurrenten mitspielen wollen, etwa wie Mahindra aus Indien mit seinen Beteiligungen an Sampo Rosenlew und Erkunt Traktor (siehe Eilbote Ausgabe 47/2017). Und es zeigt sich, dass auch die Landtechniker ähnlich wie die Automobilindustrie bei den Investitionen und Entwicklungen Lasten auf die Zulieferer verteilen.

Das erhöht auch die Flexibilität der Hersteller, denn auch wenn alle Argumente für mehr Mechanisierung in der Landwirtschaft weltweit sprechen, hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die alten landwirtschaftlichen Schweinezyklen auch eine Technikbranche schwer treffen können. Es geht bergauf, doch nicht in allen Märkten gleichzeitig.

In den USA etwa gingen die Umsätze bei den großen Schleppern in 2017 noch einmal zurück auf etwa die Hälfte der Zahlen aus dem Spitzenjahr 2013. Da sich der US-Landtechnikmarkt zyklisch mit den Preisen für Soja (50 Prozent Umsatzanteil an den Feldfrüchten) der Ernte erholt, rechnen Analysten im kommenden Jahr mit rund elf Prozent Zuwachs, die vor allem auf Ersatzinvestitionen zurückzuführen sind. Die Farmer, die Mais oder Weizen anbauen, leiden wohl auch nächstes Jahr noch an den schlechten Rohstoffpreisen und werden nicht große Neuinvestitionen angehen. Nur die ganz großen Betriebe dürften schon wieder auf die richtige Investitionsseite wechseln – Treiber bei ihnen sind die neuen Technologien in Verbindung mit dem Smart Farming. Immerhin: Bei den Mähdreschern zieht der US-Markt bereits wieder an, im Vergleich zum (schlechten) Vorjahr liegen die Verkäufe um rund 23 Prozent höher.

Trump enttäuscht Farmer

Enttäuschend nicht nur für die Bauern in den USA, sondern auch für die Baubranche ist die Politik Donald Trumps. Während der Präsident noch im Wahlkampf tönte, sich für die Landbevölkerung einsetzen zu wollen, ist er nun mehr damit beschäftigt, eigene Verfehlungen unter den Teppich zu kehren. So sind auch nicht die dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur wie Straßen oder Bauten angelaufen, die Trump den US-Wählern versprochen hatte. Das trifft CNH Industrial und John Deere, die eine entsprechend starke Baugeräte-Sparte haben oder sie gerade ausbauen, mehr als etwa AGCO, die sich bisher noch rein im Agrarbereich bewegen. Die Hoffnung liegt also auf einer Verbesserung in 2018, besonders für CNH, die bei den Baumaschinen-Marktanteilen in Amerika weit hinter Komatsu und Caterpillar zurückgefallen sind.

Vor allem auf der Kostenseite steht keine Verbesserung für die US-Farmer in Sicht. Ein höherer Ölpreis wirkt beim Sprit wie beim Dünger negativ, die Pachtpreise für Agrarland sind um gut drei Prozent gestiegen, und auch das Saatgut hat sich erneut verteuert. Immerhin sind die Kreditkonditionen noch günstig, auch wenn es schwer ist, Geld geliehen zu bekommen.

Schub in Brasilien

Südamerika – und hier besonders der dominierende brasilianische Markt – hat sich für die Landtechniker in 2017 wieder positiv entwickelt. Sowohl Marktführer AGCO als auch CNH erwarten hier übers Jahr ein Umsatzplus von gut 15 Prozent, Deere gibt sogar 20 Prozent als Ziel aus. Hinterm Zuckerhut wäre es wohl noch besser gelaufen, wenn nicht die von Korruptions- und anderen Skandalen geplagte Regierung die zinsvergünstigten Kredite für Landwirte zur Mitte des Jahres wieder in Frage gestellt hätte. Für europäische Verhältnisse klingen 8,5 Prozent für kleine bzw. 10,5 Prozent für große Landwirte zwar teuer. Angesichts der hohen Inflation ist das regional gesehen aber eine sehr günstige Finanzierung.

Eine Erholung der Landtechnikmärkte ist auch in Argentinien zu sehen. Lange war das Land wegen seiner sozialistischen Regierung abgeschottet. Doch bis Mitte Dezember tagten am Rio de la Plata Regierungsvertreter aus aller Welt über Ausweitung des globalen Freihandelsregimes – ganz im Gegensatz zur protektionistischen Politik eines US-Präsidenten Trump. Davon sollte der Agrarstaat an der Südspitze des amerikanischen Kontinents besonders profitieren. Etwa, indem Subventionen für die Fischzucht genehmigt werden, die in den klaren Flüssen und Seen des Landes besonders gut funktioniert. Doch auch ohne staatliche Hilfen erholt sich die Landwirtschaft zwischen Feuerland und den Iguazú-Wasserfällen an der Grenze zu Brasilien deutlich.

Von der Rohstoffseite her ist weltweit eine Erholung nicht in Sicht. Eine – für die Bauern böse – Überraschung gab es im November zum Beispiel in den USA, als das Landwirtschaftsministerium dort bekanntgab, dass die Maisernte 2017 auf neue Rekordwerte zusteuert. Mit 175,4 Scheffel je Hektar Ertrag dürften die Notierungen für Mais weiter am Boden bleiben. Dabei war man noch im Sommer wegen der Trockenheit in vielen Regionen Amerikas davon ausgegangen, dass die Ernte schlecht ausfällt. „Die neue Saat-Technologie hat dieses Jahr über das trockene Wetter triumphiert“, sagte dazu etwa Don Roose, dessen Unternehmen in Iowa mit Rohstoffen handelt. „Die Farmer beherrschen immer mehr das Mikro-Managing ihrer Anbauflächen und holen aus den Möglichkeiten mit Hilfe der Technik das Optimale heraus.“

Russlands Weizen-Wunder

Während die USA bei Mais und Soja den Ton angeben, dominiert inzwischen Russland die Weizenmärkte. Daran haben zwar günstige klimatische Verhältnisse auch ihren Anteil. Doch in den vergangenen Jahren haben Russlands Agrarier in Sachen Saatgut und verbesserten Anbaumethoden kräftig zum Westen aufgeholt. Vor allem: Kauften sie früher noch bei Bayer oder Monsanto ein, besonnen sich die ehemaligen Sowjets inzwischen auf eigene Sorten. Der Deutsche Stefan Dürr etwa, inzwischen größter Milchbauer des Landes vor und hinter dem Ural, hat in seinem Konzern Ekosem/Ekoniva auch einen Saatgutableger – und der macht seit dem Embargo des Westens „sehr gute Geschäfte“, so Dürr.

So importiert heutzutage fast die Hälfte aller Länder der Welt Weizen aus Russland. Ausgerechnet die Kornkammer des Römischen Imperiums, Ägypten, ist der größte Käufer von Russen-Weizen, Bangladesch, der Jemen oder Nigeria gehören zu den nächstgrößten Abnehmern. Die Weizenexporte laufen hauptsächlich über die Schwarzmeer-Häfen, was den Transport und damit die Preise günstig macht. Zunehmend wird aber auch Getreide per Bahn in Richtung Asien gekarrt, weil die Verbindungen der Transsibirischen Eisenbahn nach Osten ausgebaut werden.

Allerdings ist die Qualität der Ernten aus dem einstigen Zarenreich noch nicht so gut, dass auch Großabnehmer wie die arabischen Länder oder Algerien bei Putins Landsleuten einkaufen. Die russische Weizen-Dominanz dürfte in den kommenden Jahren dennoch zunehmen, denn der Klimawandel macht den Anbau auch in Regionen wie Sibirien immer interessanter und verkürzt die Transportwege zu den Abnehmern in Asien. Russlands Landwirte verdienen dank des Embargos also wieder mehr Geld, allerdings in Rubel, der zu Auslandswährungen verloren hat. Und obwohl sie gerne in moderne Technik aus dem Westen investieren würden, bekommen sie teilweise die Geräte wegen hoher Zölle oder Blockaden nicht.

Chancen in Simbabwe?

Beste Voraussetzungen hätten Afrikas Landwirte. Allein die heimische Nachfrage könnte eine Verdoppelung der Agrarproduktion vertragen. Doch die Investitionsunsicherheit hält viele davon ab, im eigenen Land etwas aufzubauen. Anreize für die Landtechnik könnte eventuell der Regierungswechsel in Simbabwe bringen. Unter dem Diktator Robert Mugabe war die Agrarproduktion dort eingebrochen, riesiger Nachholbedarf ist vorhanden. Kurzfristig ist aus der Subsahara-Zone aber noch wenig zu erwarten.

Anders in Indien. Das Land zeigte 2017 ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum als etwa China. Besonders für die Landwirtschaft als vorteilhaft gestaltet sich die Steuer-Harmonisierung zwischen den einzelnen Bundesstaaten. So wurde der überregionale Absatz von Agrarprodukten nicht nur einfacher, sondern auch günstiger. Das versetzt die Bauern in Investitionslaune, die von den Landtechnikkonzernen wie Mahindra oder Tafe auch beim Absatz von Schleppern bestätigt wird.

Ein Kandidat der Unsicherheit bleibt China. Zum einen, weil die Regierung in Peking nie konkrete Zahlen über Bedarf oder Produktion von Agrarrohstoffen ausgibt, um als Käufer auf den Weltmärkten besser agieren zu können. Zum anderen lässt sich am verlangsamten Wirtschaftswachstum noch nicht ablesen, wie stark die Chinesen ihre Ernährungsgewohnheiten weiter ändern. Mehr Fleisch und mehr Milch auf dem Tisch würde die Landtechnik befördern. Doch die kommunistische Führung hält sich hier bedeckt.

Dass derweil Chinas Landtechniker die Finger nach den westlichen Märkten ausstrecken, dürfte die Branchengrößen wie Deere & Co (noch) nicht plagen. Sie haben in der jüngeren Vergangenheit ihre eigenen Werke im Reich der Mitte aufgebaut und die dortigen Märkte noch gar nicht richtig beackert. Chinas Landwirte haben jedenfalls großes Interesse an westlicher Landtechnik – dafür ist selbst die dreiste Kopieraktion des Ensign-Konzerns ein Beleg.

Der Autor – Carl Batisweiler

ist Textchef und Ressortleiter bei der Finanz-Wochenzeitung €uro am Sonntag sowie dem Monatsmagazin €uro. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Agrarrohstoffmärkten sowie den börsennotierten Landtechnikherstellern weltweit.

Was bedeuten die Empfehlungen?

Bei „Halten“ ist von einer Entwicklung des Aktienkurses nahe der allgemeinen Entwicklung Performance der Aktienmärkte zu erwarten. Bei „Kaufen“ wird eine überproportionale Steigerung des Aktienkurses zu den breiten Aktienindizes erwartet. „Zielkurs“ ist der Kurs, den die Aktie nach Analysten und anderen Experten auf Sicht von zwölf Monaten erreichen sollte. „Verkaufen“: Der Kurs der Aktie wird sich schlechter als der breite Markt und nach unten entwickeln. „Stoppkurs“: Damit sichern sich Anleger gegen allzu große Verluste ab. Fällt der Kurs auf oder unter die Marke, ist eine Neubetrachtung der Wertpapieranalyse notwendig, ein Verkauf meist geboten. „ISIN“: Nummer des Wertpapiers für den Handel an der Börse. Aktuelle Informationen im Internet unter www.finanzen.net. Eine Haftung wird nicht übernommen. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Kursstand 18.12.2017

Teilweise mit enormer Dynamik

Die Weltkonjunktur läuft und läuft und läuft. Und die Börsen auch, der deutsche Leitindex Dax markierte 2017 ein Allzeithoch, der US-Index Dow Jones ebenfalls. Auch die Kurse der börsennotierten Landtechnik-Hersteller zogen in den vergangenen zwölf Monaten meist kräftig an, obwohl die Zahlen der Konzerne solche Bewertungen noch gar nicht rechtfertigten. Angesichts der Geschäftsentwicklung wird die Börsenbewertung 2018 dann von der Realität eingeholt. Doch für Anleger bleibt das Risiko, dass bei einem allgemeinen Rücksetzer oder gar Crash auch die Landtechniker abgestraft würden – trotz ihrer positiven Entwicklung.

Deere & Co/John Deere

John Deere setzte im vergangenen Geschäftsjahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 23,4 Milliarden US-Dollar um. Das Unternehmen machte dabei unter dem Strich einen Gewinn von 1,52 Milliarden US-Dollar. In dem zum Oktober beendeten Geschäftsjahr verzeichnete Deere damit einen Umsatzzuwachs von zwölf Prozent. Der Gewinn je Aktie stieg im Schlussquartal um 74 Prozent auf 1,57 Dollar. Analysten hatten lediglich 1,47 Dollar auf dem Zettel. Deere ist zuversichtlich, dass das Geschäft auch im kommenden Jahr weiter anzieht. Der Konzern kalkuliert für 2018 mit einem Nettogewinn von 2,6 Milliarden Dollar – Analysten hatten bislang lediglich mit 2,3 Milliarden gerechnet. Spannend wird auch die Integration des deutschen, international aufgestellten Straßenbauspezialisten Wirtgen aus Windhagen in Rheinland-Pfalz. Die 4,4 Milliarden Dollar Kaufpreis sollten sich bald bezahlt machen. Auf Jahressicht machte die Aktie ein Kursplus von mehr als 30 Prozent und markiert ein neues Allzeithoch nach dem anderen. Seit 1971 zahlt der Konzern kontinuierlich eine Dividende aus, aktuell liegt deren Rendite bei 1,6 Prozent. Das aktuelle Kurs/Gewinn-Verhältnis beträgt um die 20, was schon recht hoch ist. Erfüllen sich allerdings die Gewinnerwartungen der Analysten, senkt sich diese Kennzahl 2018 bereits auf 18,5, was ein akzeptabler Wert wäre. Wer übrigens 1988 Aktien von Deere gekauft hätte, läge damit heute, also 30 Jahre später, 2750 Prozent im Plus. Klarer Fall – der Hirsch gehört ins Depot.

ISIN: US 2441991054
Kurs: 128,83 Euro
Stoppkurs: 105,20 Euro
Zielkurs: 142,00 Euro

AGCO (Fendt, Massey Ferguson, Valtra, Challenger)

Die Ende Oktober veröffentlichten Zahlen von AGCO belegen, dass das Landtechnikgeschäft weltweit wieder anzieht. Die ersten neun Monate brachten einen Umsatz von 5,8 Milliarden US-Dollar, gut 8,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Verteilt auf die Regionen liegt der Absatz zudem überall im Plus: Nordamerika plus 6,7 Prozent, Europa und Mittlerer Osten plus 15,2 Prozent, Südamerika plus 4,5 Prozent und Asien, Pazifik und Afrika satte plus 29,4 Prozent. Nachholbedarf besteht allerdings bei der operativen Marge, die mit unter fünf Prozent weit hinter den Wettbewerbern wie Deere oder CNH mit mehr als acht Prozent zurückbleibt. Immerhin ist nun die Übernahme des brasilianischen Getreidelager-Spezialisten Kepler in trockenen Tüchern. Hier besteht Synergie-Potenzial mit der AGCO-Tochter GSI, zudem kann auch das übernommene Vertriebsnetz zu mehr Umsatz in Südamerika führen. Auf Zwölf-Monats-Sicht gab es ein im Branchenvergleich relativ niedriges Kursplus von gut zehn Prozent. Zwischenzeitlich lag das AGCO-Papier aber auch schon mal mehr als 15 Prozent im Gewinn. Der Kurs war stark von Schwankungen geprägt, der Stoppkurs wird deshalb nur leicht auf 50 Euro nachgezogen. Bei einem 2018er-KGV von fast 19 kann man auch das Kursziel auf Jahressicht nicht viel höher als 66 Euro setzen. Doch positive Überraschungen sind nicht ausgeschlossen: Zuletzt erhöhten viele institutionelle Investoren und Hedgefonds ihre Anteile an dem US-Konzern, einige Analysten verbesserten ihre Empfehlung von Halten auf Kaufen. AGCO gehört auf jeden Fall in ein Landtechnik-Portfolio.

ISIN: US 0010841023
Kurs: 62,91 Euro
Stoppkurs: 54,00 Euro
Zielkurs: 66,00 Euro

CNH Industrial (Case IH, Steyr, New Holland)

Für das Jahr 2017 wird das Industrie-Konglomerat, zu dem auch eine Lkw-Sparte sowie Fördertechnik gehören, wohl zum ersten Mal seit 2013 wieder insgesamt steigende Umsätze verzeichnen können. Getragen wird die Erholung bei der Ausgründung aus dem Fiat-Konzern dabei hauptsächlich von der Landtechniksparte, die aktuell fast 40 Prozent der Umsätze und fast 60 Prozent des Gewinns trägt. Sowohl die Erholung auf den europäischen Märkten wie auch die anziehende Nachfrage in Lateinamerika tragen dazu bei. Wie bei anderen großen Herstellern auch machte sich die Trendumkehr zuerst beim steigenden Verkauf an gebrauchten Maschinen bemerkbar, das Neugeschäft sollte entsprechend nachziehen. In Nordamerika gingen die Schlepperverkäufe noch um fünf bis zehn Prozent zurück, während auf dem südlichen Teil des Kontinents der Absatz in diesem Jahr wohl um 15 bis 20 Prozent anziehen wird. In den Fokus der Investoren geriet die CNH-Aktie dieses Jahr wieder, weil es dem Konzern gelang, seine Schulden einerseits abzubauen, andererseits zu restrukturieren, was weniger Kosten bedeutet. Und weil auch die Märkte für Lkw wieder etwas besser liefen, dürften auch Marken wie Iveco oder Magirus mehr zu besseren Zahlen beitragen. Entgegen allen Erwartungen hat sich der Kurs auf Zwölf-Monats-Sicht um gut 30 Prozent verbessert. So ist die CNH-Aktie nun wieder ein Kaufkandidat.

ISIN: NL 0010545661
Kurs: 10,81 Euro
Stoppkurs: 9,20 Euro
Zielkurs: 12,00 Euro

Kubota

Das alte Problem von Kubota ist auch das neue: Eigentlich laufen die Geschäfte des japanischen Landtechnikers gar nicht schlecht, etwa durch die verbesserte Nachfrage nach Baumaschinen in Asien oder Amerika. Doch weil gerade die kleinen Maschinen, die den größten Umsatzanteil bei dem Nippon-Konzern ausmachen, auch nur kleine Margen einspielen, entwickelte sich der Gewinn nicht so wie sich das die Analysten erwartet haben. Konkret stieg der Umsatz um 7,2 Prozent in Vergleich zum Vorjahreszeitraum, der Vorsteuergewinn sogar um 10,3 Prozent. Doch mit größeren Traktoren wäre der Profit eben besser. Die Hoffnung liegt nun auf Thailand, wo einerseits eine Fertigung aufgebaut wird, andererseits die Regierung die professionelle Landwirtschaft mit Subventionen fördern will. Die Aktie wird zudem geplagt von einem extrem volatilen Kurs, der auch von den starken Währungsschwankungen im Devisendreieck von Japanischem Yen, US-Dollar und Euro geprägt ist. Weil aber bei Kubota mehr als zwei Drittel des Umsatzes Auslandsgeschäft sind, ist der Ausgleich der Währungsschwankungen eine teure Angelegenheit.

Gut 15 Prozent Kursplus blieben auf Zwölf-Monats-Sicht dennoch stehen. Auf Sicht von zehn Jahren hat die Kubota-Aktie jährlich rund 13 Prozent gutgemacht, wenn auch bei erhöhtem Risiko. Dennoch: Japan-Aktien gehören bei fast allen Analysten zu den Favoriten 2018. Bei geschätzten 2,2 Prozent Dividendenrendite für 2018 und einem KGV von 17 ist bei Kubota zudem noch Platz nach oben, das alte Kursziel bleibt aber bestehen.

ISIN: JP 3266400005
Kurs: 15,99 Euro
Stoppkurs: 12,80 Euro
Zielkurs: 18,50 Euro

Bucher Industries (Kuhn)

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer natürlich! Wie an der Schnur gezogen lief der Kurs von Bucher Industries in den vergangenen zwölf Monaten nach oben. Das Ergebnis: Rund 56 Prozent Wertsteigerung der Aktie. Die Zahlen zum dritten Quartal untermauern die Entwicklung: Der Auftragseingang stieg um 20 Prozent auf gut zwei Milliarden Franken, der Nettoumsatz um 7,7 Prozent auf 1,9 Milliarden Franken. Einen guten Anteil am Erfolg hatte die Landtechnik-Sparte von Bucher, die Kuhn Group: Der Auftragseingang stieg um 26 Prozent auf 793 Millionen Franken, der Nettoumsatz um 9,7 Prozent auf 807 Millionen Franken. Bis auf Frankreich trugen vor allem die westeuropäischen Märkte dazu bei. Aber auch in Südamerika laufen die Geschäfte besser – im Gegensatz zu den USA, wo die Farmer bei Landtechnik noch sehr zurückhaltend sind. Weil aber auch in Asien, Russland und in der Ukraine die Nachfrage stieg, wurde das ausgeglichen. Zum organischen Wachstum wollen die Eidgenossen bzw. Elsässer auch durch Zukäufe weiter expandieren. Zuletzt gab Kuhn bekannt, mit dem brasilianischen Landtechniker Montana eine Übernahme zu verhandeln. Die Brasilianer produzieren selbstfahrende und Anhänge-Feldspritzen. Die Bucher Kommunalmaschine-Sparte bewegt sich nach schwierigen Jahren auch wieder nach oben. Das zeigt der Auftragseingang, der in den ersten drei Quartalen um satte 32 Prozent angezogen hat. Mit einem KGV von 20 ist das Papier schon recht teuer. Mutige kaufen zu, auf jeden Fall halten.

ISIN: CH 0002432174
Kurs: 342,84 Euro
Stoppkurs: 285,00 Euro
Zielkurs: 350,00 Euro

Mahindra & Mahindra

Hat der indische Konzern jetzt den Blues? Wegen schlechter Zahlen? Jedenfalls laden die Inder im Februar zum Mahindra Blues-Festival mit Größen wie John Mayall oder Walter „Wolfman“ Washington. Tatsächlich wäre eher ein Rock’n‘Roll-Festival bei den Indern angesagt, denn Mahindra erobert mit neuen Technologien Märkte, auf denen nur wenige den Konzern vom Subkontinent erwartet hätten. Mit dem Fahrdienst Uber etwa baut Mahindra in den Großstädten wie Delhi eine Elektroauto-Flotte auf, in der Rennserie Formel-E fahren die Werkpiloten, Nick Heidfeld etwa, ganz vorne mit. Aber auch in der Landtechniksparte baut das indische Industrie- und Dienstleistungskonglomerat weiter auf moderne Technik – am liebsten aus dem Westen. Mit dem belgischen Spezialisten für Erntemaschinen Dewulf etwa vereinbarte Mahindras Landtechnik-Chef Rajesh Jejurikar im Sommer eine Zusammenarbeit. Indien ist schließlich der zweitgrößte Kartoffelmarkt der Welt. Über Beteiligungen am türkischen Traktor-Hersteller Erkunt oder dem finnischen Mähdrescher-Produzenten Sampo Rosenlew soll Stück für Stück der europäische Markt erobert werden (siehe auch Bericht im Eilbote 47/2017). In dem im November veröffentlichten Halbjahresbericht gab Mahindra zudem an, dass man 33 Prozent mehr Traktoren als im Vorjahreszeitraum verkauft habe. Aber auch die anderen Sparten des Konzerns laufen gut, das Jahr 2017/18 dürfte Rekordgewinne bringen. Die 13 Prozent Kurs-plus aus den vergangenen zwölf Monaten lassen weitere Steigerungen zu. Kaufen.

ISIN: US Y541641194 (ADR, wird auch außerhalb Indiens gehandelt)
Kurs: 19,80 Euro
Stoppkurs: 15,80 Euro
Zielkurs: 20,30 Euro

Wacker Neuson (Weidemann, Kramer)

Martin Lehner, seit Herbst neuer CEO der Wacker Neuson Group, zeigt sich bester Laune: „Natürlich hatten wir dank guter Märkte in Nordamerika und Europa einigen Rückenwind. Im Wesentlichen ist es jedoch die erfolgreiche Umsetzung unserer Wachstumsstrategie, die uns schneller als der Markt wachsen lässt.“ Der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres stieg insgesamt um 13 Prozent und erreichte mit 1,14 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau. Der Umsatz mit Baugeräten stieg um 14 Prozent, der mit Kompaktmaschinen um 27 Prozent und der mit Dienstleistungen um elf Prozent. Im größten Absatzmarkt Europa, in dem der Konzern rund 75 Prozent der Umsatzerlöse generiert, wuchs der Umsatz im dritten Quartal um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. In den USA haben neben Produkten der Baustellentechnik auch die in den USA produzierten Kom- paktlader sowie aus Europa importierte Kompaktmaschinen im Umsatz deutlich zugelegt, er stieg im dritten Quartal um 32 Prozent zum Vorjahr. In Asien-Pazifik stieg der Umsatz im dritten Quartal um 14 Prozent, hauptsächlich getragen von Australien. Künftig wird die Wacker-Tochter Weidemann mit Iseki, Japans Nummer 3 bei den Landtechnikern, Radlader und Teleskopen in Asien vermarkten, zudem ist ein Werk für Kompaktlader im Bau. Der Umsatz fürs Gesamtjahr wird von den Analysten am oberen Rand der bisherigen Prognose von 1,45 bis 1,50 Milliarden Euro erwartet. Auf Jahressicht war die Aktie von Wacker Neuson ein glatter Verdoppler – und strebt auch wieder auf alte Maximalkurse von fast 30 Euro hin, die nun gut zehn Jahre zurückliegen. Kaufen.

ISIN: DE 000WACK012
Kurs: 28,01 Euro
Stoppkurs: 23,00 Euro
Zielkurs: 30,00 Euro


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