Magazin Gülletechnik

Ausbringungsverfahren :

Mais düngen, wenn‘s am meisten bringt

Das Lohnunternehmen Heller sammelte positive Erfahrungen bei der Ausbringung von Gülle und Gärresten im stehenden Mais – Zwei Holmer Terra Variant mit Zunhammer Tank im Einsatz

Ausbringungsverfahren: Mais düngen, wenn‘s am meisten bringt

Ausbringung von Gülle mit dem Terra Variant und Schleppschlauchgestänge durch das Lohnunternehmen Heller in stehendem Mais auf einem Schlag bei Reppichau.

Das 24 m breite SwingMax-Gestänge von Vogelsang mit insgesamt 80 Schleppschläuchen ermöglicht auch in stehenden Beständen eine Gülleapplikation mit hoher Schlagkraft.

Das 24 m breite SwingMax-Gestänge von Vogelsang mit insgesamt 80 Schleppschläuchen ermöglicht auch in stehenden Beständen eine Gülleapplikation mit hoher Schlagkraft.

Die Maispflanzen des Schlages nahe Reppichau (Sachsen-Anhalt), in dem Robby Springer mit einem Selbstfahrer Mitte Juni dieses Jahres Gülle ausbringt, hatten in den meisten Bereichen eine Höhe von etwa 50 cm. Gerade fährt er aus dem Vorgewende wieder in den Bestand hinein. Dabei nimmt der Fahrer beidseitig jeweils eine Maisreihe zwischen die Zwillingsräder. Dadurch bleiben die Pflanzen weitestgehend unbeschädigt. Aus dem abgesenkten 80 Schleppschläuchen fließt Wirtschaftsdünger in die Bereiche neben den Pflanzreihen. Auch dies geschieht, ohne das Pflanzen in nennenswertem Umfang verletzt werden.

Breites Serviceangebot für Agrarbetriebe

Die Ausbringung von Gülle in stehendem Mais gehört zu den Dienstleistungen des Betriebsteiles Reppichau der Agrarservice Heller GmbH & Co. KG mit Sitz im unterfränkischen Sulzfeld. 1991 als kleine Zweigstelle für lohnunternehmerische Tätigkeiten in den neuen Bundesländern gegründet, entwickelte sich der Standort schnell. In der Niederlassung nahe Dessau sind mit fast 30 Mitarbeitern, einschließlich zwei Auszubildenden, mittlerweile mehr Arbeitnehmer beschäftigt als im Stammhaus. „Vom Saisonstart im Februar bis Ende November haben wir reichlich zu tun“, sagt Betriebsleiter Kevin Schwarzkopf. Der gelernte Landtechniker ist seit 2009 im Unternehmen.

Die Palette der Dienstleistungen für rund 20 meist große Agrarbetriebe im Umkreis von 50 bis 60 km umfasst Häckseln, Rübenroden, Ausbringung von Gülle und Festmist, Strohpressen, Mähen, landwirtschaftliche Transportarbeiten sowie Mais- und Rübenaussaat. Dafür steht ein imposanter Fuhrpark mit 15 Schleppern, diversen Drei-Achs-Anhängern und acht Lkw für den Transport von Schüttgut und Flüssigkeiten bereit. Zu den Geräten für den Pflanzenbau gehören 8- bis 18-reihige Einzelkornsämaschinen, ein selbstfahrender Mähaufbereiter, Vierkreismittelschwader, Häcksler und Strohpressen. Beim Rübenernten als auch bei der Ausbringung von Festmist und Gülle setzt das Lohnunternehmen mit zwei Rodern Terra Dos T3 und zwei Terra Variant auf Technik aus dem Hause Holmer. Übers Jahr bringen die beiden Selbstfahrer mit 21 m³ fassendem Zunhammer Tank insgesamt etwa 200.000 m³ Gülle und Gärreste auf einer Fläche von reichlich 13.000 ha aus.

Nach der Überfahrt mit dem zwillingsbereiften Selbstfahrer und der Gülleausbringung über Schleppschläuche sind keine nennenswerten Schäden an den Maispflanzen entstanden.

Nach der Überfahrt mit dem zwillingsbereiften Selbstfahrer und der Gülleausbringung über Schleppschläuche sind keine nennenswerten Schäden an den Maispflanzen entstanden.

Für die Fahrt in stehendem Mais wird der Holmer Selbstfahrer des Lohnunternehmens Heller statt der Breitreifen mit schmalen Zwillingsrädern bestückt.

Für die Fahrt in stehendem Mais wird der Holmer Selbstfahrer des Lohnunternehmens Heller statt der Breitreifen mit schmalen Zwillingsrädern bestückt.

Die verfügbare unterschiedliche Ausbringtechnik wird durch das Arbeitsziel bestimmt. So kommt das Duport Schlitzgerät mit einer Arbeitsbreite von 12 m häufig im Frühjahr beim Getreideanbau auf Ökoflächen sowie auf Grünland zum Einsatz. Die Kurzscheibenegge Catros von Amazone am Heck des Ausbringfahrzeugs sorgt bei Bodenbearbeitungsgängen oder beim Stoppelsturz für eine sofortige Einarbeitung und damit bestmögliche Nutzung des in der Gülle enthaltenen Stickstoffs. Zur Ausbringtechnik gehört außerdem ein Strip Till-Gerät von Vogelsang. „Die anhaltende Trockenheit hat in den vergangenen Monaten bei den Geräten zur Gülleeinarbeitung zu einem deutlich höheren Werkzeugverschleiß geführt“, berichtet Schwarzkopf. Und das obwohl die Gülleausbringung in dieser Saison quasi mit angezogener Handbremse abgelaufen sei. Der Grund dafür liegt im Rückgang der Rapsanbaufläche. Nach den Vorgaben der neuen Düngeverordnung konnte daher weniger mit Gülle gedüngt werden. Daher seien die Lagerbehälter in den Betrieben jetzt im Herbst noch relativ voll.

Um Bodenverdichtungen zu minimieren, rollt der Terra Variant auf besonders breiten Reifen und nutzt die Möglichkeit, durch das Fahren im Hundegang die Auflagefläche der Räder zu verdoppeln.

Applikation im Bestand bringt viele Vorteile

Das geht bei der Gülleausbringung im stehenden Mais mit dem 24 m breiten Compax von Vogelsang natürlich nicht. In diesem Fall rüstet das Reppichauer Lohnunternehmen den Terra Variant vorn und hinten mit 1,70 m großen Zwillingsrädern aus, auf die jeweils 620er Schmalspurbereifung aufgezogen ist. Die 62 cm breiten Räder sind so angeordnet, dass sie jeweils rechts und links neben der Maispflanzenreihe in den 75 cm breiten Zwischenräumen laufen.

„Die Gülleausbringung im stehenden Mais auf Flächen, die von uns oder auch von den betreuten Betrieben selbst gesät wurden, praktizieren wir nun schon das vierte Jahr“, informiert Schwarzkopf. Ein Auslöser für die Etablierung dieser Methode seien die verschärften gesetzlichen Regelungen. Durch die organische Spätdüngung im Bestand Ende Mai bis Mitte Juni lasse sich der Zeitraum für die Gülleausbringung im Mais entzerren. Somit reduziere sich die notwendige Lagerkapazität bei den Landwirten. Hinzu komme, dass die in der Gülle oder den Gärresten enthaltenen Nährstoffe für den Mais in diesem Wachstumsstadium besonders gut verfügbar und nutzbar sind. Demzufolge verringere sich die Gefahr, dass Nitratauswaschungen das Grundwasser belasten.

Bei der Gülleapplikation in stehendem Mais nimmt der Terra Variant auf beiden Seiten des Fahrwerks jeweils eine Maisreihe zwischen die Zwillingsräder.

Bei der Gülleapplikation in stehendem Mais nimmt der Terra Variant auf beiden Seiten des Fahrwerks jeweils eine Maisreihe zwischen die Zwillingsräder.

Als eine Besonderheit von Mais ist bekannt, dass er mehr als andere Kulturpflanzen in der Lage ist, Nährstoffe aus organischen Verbindungen effektiv zu nutzen. Ab dem 6. bis 9. Blatt beginnt der Wachstumsschub und der Bedarf an Nährstoffen steigt. Gleichzeitig ist die Wurzel soweit ausgebildet, Nährstoffe intensiv aufzunehmen und umzusetzen. Unter optimalen Bedingungen treffen so bei der Düngung im Bestand der Zeitpunkt des Hauptnährstoffbedarfs und der Hauptmineralisation aufeinander.

Kevin Schwarzkopf verweist noch auf einen weiteren Vorteil, der ihm im Zusammenhang mit der Spätdüngung im Mais gerade in diesem von extremer Trockenheit geprägten Jahr aufgefallen ist: „Bei der Ausbringung mit den Schleppschläuchen zwischen den Reihen verbleibt eine Art Schutzfilm auf dem Boden, der die Feuchtigkeit im Boden hält und so das Austrocknen verzögert.“ Angedacht sei außerdem eine technische Aufrüstung, die es ermöglicht, wie bei anderen Ausbringverfahren bereits Standard, auch im Mais ein teilflächenspezifische Applikation anbieten zu können. Der Betriebsleiter vermutet, dass dies wohl demnächst ohnehin vom Gesetzgeber als Nachweis dafür gefordert wird, welche Nährstoffmengen bei welchem Ertragspotenzial auf den unterschiedlichen Arealen des Schlages in den Boden gelangt sind.

Markierung an der Frontscheibe erleichtert Orientierung

Für Mitarbeiter Robby Springer ist die Gülleausbringung mit dem 600 PS starken Terra Variant trotz aller Routine, die sich mittlerweile eingestellt hat, eine Aufgabe die Konzentration und fahrerisches Können erfordert. Schläge, die er nicht kennt, umfährt er zunächst mit dem leeren Fahrzeug, um den günstigsten Anfang für die Fahrt entlang der Reihen zu finden. Bei Keilen in der Fläche ist es wichtig, diese von der richtigen Seite anzusteuern, sodass nichts unbehandelt bleibt oder zu viele Pflanzen unter die Räder geraten. Auch gilt es, pflanzenschädigende Güllespritzer auf den Blättern zu vermeiden. „Nach dem Drehen auf dem Vorgewende muss ich allerdings nicht mehr zählen um die Einfahrt für den exakten Anschluss an die Reihen zu finden. Das habe ich inzwischen im Gefühl“, sagt Springer.

Betanken des Holmer Selbstfahrers am Feldrand mit Schweinegülle aus einer nahen Mastanlage. In das Fass von Zunhammer passen 21 m³.

Betanken des Holmer Selbstfahrers am Feldrand mit Schweinegülle aus einer nahen Mastanlage. In das Fass von Zunhammer passen 21 m³.

Während er Gülle von einem Zubringerfahrzeug über den Saugarm in das Fass des Terra Variant zieht, verrät der Mitarbeiter des Reppichaer Lohnunternehmens aber noch einen Trick, der die Orientierung in den Reihen erleichtert. „Ich mache mir an die Frontscheibe des Holmer mit Klebeband eine Markierung und peile darüber bei der Fahrt durch den Bestand den Raum zwischen den beiden mittleren Maisreihen des Bearbeitungsstreifens an.“


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