Handeln, bevor das Wasser auf den Ackerflächen steht

Hendrik Stumpf, Geschäftsführer der Firma Suchot Tiefbau, erklärt, warum Landwirte Drainagen nicht nur in nassen Jahren im Auge behalten sollten.

STAUNÄSSE: Handeln, bevor das Wasser auf den Ackerflächen steht

Drainage-Unternehmer Hendrik Stumpf setzt beim Verlegen der Rohre auf die Fräse, wie hier im Windpark Beuchte im Landkreis Wolfenbüttel.

STAUNÄSSE: Handeln, bevor das Wasser auf den Ackerflächen steht

Das Jahr 2024 begann so, wie 2023 endete: sehr nass. Für viele Regionen Niedersachsens galt und gilt, dass der Boden schon lange nicht mehr so sehr durchfeuchtet war. Was auf der einen Seite gut ist für die Wälder, für die Grundwasserspeicher, für eine tiefe Durchfeuchtung von Acker und Grünland, wirft auf der anderen Seite auch Schatten: Viele Flächen sind derzeit nicht befahrbar, etliche Äcker konnten im Herbst kaum beerntet, nicht mit Winterkulturen bestellt werden – und auch an die Gülleausbringung nach Ende der Sperrfrist ist auf vielen Standorten derzeit nicht zu denken. 

Die nasse Witterung bringt auch ein Thema wieder an die Oberfläche, das in den vielen zurückliegenden Trockenjahren kaum ein Thema war: Drainage, also die planmäßige und geordnete Abführung von überschüssigem Wasser, das der Boden nicht aufnehmen kann. Das kann Hendrik Stumpf, Geschäftsführer der Firma Suchot Tiefbau, unterstreichen: Unentwegt klingelt bei dem Drainage-Unternehmer aus Groß Dahlum im Landkreis Wolfenbüttel das Telefon.

Am anderen Ende der Leitung meist Landwirte, die Probleme mit ihrem bestehenden Drainagesystem haben, das nicht mehr funktioniert. Entweder, weil es defekt ist oder durch Wurzeleinwachsungen und Zuschlämmungen partiell dicht sitzt und gespült werden muss. „Das ist unser Job, dass wir uns darum kümmern. Wir würden uns aber freuen, wenn Landwirte und Landeigentümer das Thema Drainagepflege als Dauerthema sehen würden, das permanent an Aufmerksamkeit verlangt – und nicht nur in nassen Jahren“, sagt Stumpf.

Drainagen pflegen

Denn jetzt wolle jeder die Schäden so schnell wie möglich repariert haben, um Ausfälle im Acker zu verhindern - die Abarbeitung der Aufträge brauche aber Zeit, zumal man derzeit stark in die Neuanlage von Drainagen eingebunden sei. 

Vor allem bei Großbaustellen, etwa beim Stromleitungs- oder Straßenbau sowie beim Bau von Windkraftanlagen, werde man beauftragt, um durch die Bauarbeiten entstandene Schäden an bestehenden Systemen zu beheben oder um neue Drainagesysteme anzulegen. So wie derzeit im neuen Windpark Beuchte bei Schladen (Wolfenbüttel), wo gerade elf Windenergieanlagen errichtet werden. Für jede Windkraftanlage (WKA) müssen Kabel verlegt, Zufahrten gebaut und eine 2.000 Quadratmeter große Kran- stellfläche errichtet werden. Die Standortausweisung folgt dabei Kriterien, die vor allem auf Genehmigungsfähigkeit und Windausbeute/Wirtschaftlichkeit beruhen und nicht, wie auf vorhandene Drainagen Rücksicht genommen werden kann. Denn die ordentliche Abdrainierung der WKA-Standorte ist ohnehin Standard und auch im Interesse der Planer und Anlagenbetreiber, die Kosten für diese Arbeiten sind zudem im Vergleich zu den Gesamtkosten eher die sprichwörtlichen „Peanuts“.

„Wir sind oft nicht erst nach Abschluss der Bauarbeiten aktiv, sondern bereits während des Baus, damit die Baustellen für die Fundamente nicht absaufen und hohe Folgekosten verursachen, denn der zeitliche Ablauf ist ziemlich durchgetaktet“, sagt Stumpf. Um die Fundamentgruben herum werden dafür meist sogenannte Abfangsammler gelegt, die die vorhandenen, meist noch in Tonrohren gearbeiteten Altdraingen ans neue System anschließen. „Für die besseren Planungen im Vorfeld helfen uns vorhandene Drainagepläne, doch die gibt es bei Altanlagen häufig nicht. Mitunter ist noch nicht einmal bekannt, ob und wo die Fläche überall drainiert ist. Weshalb es meist besser ist, einen neuen Drainageverlauf umzusetzen und alte Drainagen, die gefunden werden, anzuschließen, statt mühselig auf die Suche nach den alten Strängen zu gehen, zumal man nicht weiß, ob diese noch vollständig funktionieren.“

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Fräse statt Pflug

Die Drainagefräse sei dabei das Mittel der Wahl, denn sie fördere mit dem Bodenaushub auch Tonscherben oder Kunststoffrohrreste von angeschnittenen Drainagen zutage: „Deshalb setzen wir auch auf die Fräse und nicht auf den Drainagepflug, der zwar etwas günstiger ist, uns aber darüber im Unklaren lassen würde, welche Systeme wir im Untergrund anschneiden“, sagt der 45-Jährige, dessen Unternehmen vor allem im Umkreis von 100 Kilometern aktiv ist. Die Fräse habe gegenüber dem Pflug noch einen weiteren Vorteil, denn der Ober- und Unterboden werde dabei durchmischt, dabei eventuell wasserführende Schichten, etwa bei tonhaltigen Böden, aufgebrochen und so eine Art Drainschacht zur tiefer liegenden Drainage hergestellt.

Als wir im Januar die Drainagebaustelle bei Beuchte besuchen, herrscht strammer Frost: „Der Windparkbau gibt uns die Zeiten vor, aber solch ein Wetter ist nicht optimal für Drainarbeiten. Auch wenn der Boden gut befahrbar ist und kaum Schäden verursacht werden, hat das einen entscheidenden Nachteil: Hoch gefräste, gefrorene Bodenklumpen sind hart wie Stein und können Schäden verursachen, wenn sie in den aufgefrästen Drainagegraben auf das Rohr fallen, das bei Frost besonders spröde ist.“ Stumpf und seine Mitarbeiter aber haben dafür ein Händchen und brechen ab, wenn es sein muss, zumal das Problem auf den ersten Metern, wenn die Fräse zur Arbeit ansetzt, am größten ist. Doch da diese ersten Meter, der Auslauf der Drainage in den Vorfluter, hier in Beuchte mit dem Minibagger erledigt wird, ist die Gefahr gebannt. „Es ist ohnehin schwierig, den optimalen Zeitpunkt zu finden, denn oftmals steht auf dem Acker schon eine Kultur, die wir natürlich beim Bau beschädigen. Und in den wenigen Wochen zur Frühjahr- und Herbstbestellung, wenn es auch noch möglichst trocken sein sollte, möchte natürlich jeder gerne bauen“, berichtet Bauingenieur Stumpf, der das in den 30er Jahren von Gerhard Suchot gegründete Spezialtiefbau-Unternehmen 2012 übernahm, das heute 32 Mitarbeiter beschäftigt und neben der Drainagearbeit mit zwei Fräsen auch Gewässerunterhaltung, Tiefbau sowie Beton-, Silo- und Pflasterarbeiten ausführt. Den idealen Termin zu finden sei nicht immer möglich. Er rät daher dazu, den Ausfall in der Kultur im Verhältnis zur gesamten Investition und zur Lebensdauer der Drainage zu sehen, dann relativiere sich das Thema schnell.

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Beim Verlegen der Drainage mit der Fräse werden alte Drainagen angeschnitten und können schnell angeschlossen werden.

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Hendrik Stumpf ist seit 2012 Geschäftsführer der Firma Suchot Tiefbau.

Die Drainage hält nicht ewig

Werde er zu regelrecht abgesoffenen Flächen gerufen, stelle sich immer die Frage, ob es eine punktuelle Schädigung oder das gesamte System abgängig sei: „Auch wenn wir heute noch tadellose Tondrainagen haben, die 100 Jahre und älter sind, halten Drainagen nicht ewig“, berichtet Stumpf. Bei Tonrohren sehe man immer wieder, das schlechte Brände - die Brände aus der DDR seien übrigens überdurchschnittlich gut gewesen - dazu führen, dass der Ton schichtenweise abplatze und das Rohr schließlich zusammensacke. Passiere das bei ein, zwei Rohrstücken hintereinander, überwinde das Wasser diese Strecke oft noch, bei größerer Distanz sei aber eine Reparatur unumgänglich. „Dann muss man sich die Frage stellen, ob sich die Reparatur wirtschaftlich noch lohnt oder eine Neuanlage nicht günstiger wäre.“ Zudem lassen sich alte Tondrainagen nur begrenzt spülen, wenn sie dicht sitzen. Zum einen, weil sie den großen Belastungen nicht standhalten und auseinander platzen. Zum anderen, weil sich sogenannte „Piepenstränge“ mit zwei Zentimetern Rohrdurchmesser einfach technisch nicht spülen lassen.  Stumpf arbeitet mit den 120 bar des Hochdruckverfahrens (Niederdruckverfahren: 40 bar), da dabei auch die zugesetzten Schlitze von Kunststoffrohren wieder geöffnet werden können. 

Für die in den 70er und 80er Jahren großflächig verlegten Kunststoffdrainagen gelte, dass dort häufig Verockerungen vorkommen, also hartnäckige Ablagerungen durch Eisenhydroxid, welches sich aus dem Boden in die Drainagen setzt. Ein weiteres Problem können Wurzelreste vor allem von Raps und Zwischenfrüchten sein, die durch die schmalen Spalten in die Rohre wachsen und diese zusetzen. In vielen Fällen sterben diese Wurzeln ab und spülen dann mit dem Wasser durch den Auslauf in die Vorflut. Gebe es aber Verdrückungen am Rohr oder aber anderweitig beschädigte sowie nicht korrekt verlegte Rohre, beispielsweise im spitzen Winkel, sitzen diese Pflanzenpfropfen fest und das Wasser kann nicht abfließen. „Mein Tipp ist, das Problem anzugehen, wenn es noch klein und überschaubar ist, man sollte das nicht eskalieren lassen. Das kann dann zum Totalausfall des Systems führen.“ Führt beispielsweise eine Beschädigung zu einer nassen Stelle, sollte diese nicht mehr überfahren werden. Denn durch den dadurch sehr aufgeweichten Boden könne es bei hoher Tonnage dazu führen, dass das Rohr selbst in der großen Verlegetiefe einen Schaden nimmt und regelrecht zusammengedrückt wird.

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Achtung: Frost eignet sich nicht optimal für Drainarbeiten, da das Rohr dann sehr spröde ist.

Verläufe freihalten

Stumpf empfiehlt, dem Thema Drainage generell mehr Aufmerksamkeit zu schenken, nicht nur in nassen Jahren. Drainageausläufe sollten dauerhaft markiert und im Auge behalten werden, Drainageverläufe freigehalten werden von Baum- und Buschbewuchs. Heute helfen zudem die Bilder von Online-Kartendiensten oder eigene Drohnenüberfliegungen bei entsprechendem Wetter: „Wenn es länger nass war und gerade abtrocknet, lohnt es sich, die Stellen im Auge zu behalten, die etwas später abtrocknen.“ Verdachtsstellen sollten im Acker mit Stäben markiert werden. Dabei sei ein Trugschluss, dass exakt dort das Problem liege: „Dort tritt das Wasser zutage, was aber nicht bedeutet, dass exakt darunter auch eine Beschädigung am Rohr vorliegt. Wer an dieser Stelle unwissend gräbt, findet sich oft in einer gefluteten Grube wieder“, kann er berichten. Im Zweifelsfall solle man daher lieber eine Fachfirma beauftragen anstatt planlos selber nach der Ursache zu suchen. Das gelte auch bei durch Tiefbau beschädigte Leitungen: „Ein guter Tiefbauer muss noch lange kein Drainagefachmann sein und es gibt leider zu viele Beispiele, bei denen Drainagen nicht fachgerecht instand gesetzt wurden.“ Betroffene sollten auch hier auf fachliche Ausführung bestehen, denn ist erst einmal Erde über dem Rohr, könne es mitunter Jahre dauern, bis Fehler sichtbar würden.


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