Magazin Landtechnik

Regionalkonferenz AgritechNet Nordwest :

Digital Farming im „Agrotech Valley“

Kann Landwirtschaft 4.0 der Lösungsweg zur Sicherung der Welternährung sein? – Experten in der Diskussion

Regionalkonferenz AgritechNet Nordwest: Digital Farming im „Agrotech Valley“

Christian Dreyer (Amazone und Vorsitzender VDMA Landtechnik), Klaus Töpfer (Bundesumweltminister a. D.), Josef Horstmann (Krone), Dr. Michael Lübbersmann (Landrat Osnabrück), Prof. Ludwig Theuvsen (Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium), Prof. Arno Ruckelshausen (Hochschule Osnabrück) und Robert Everwand (Clustermanager AgritechNet) (v. l.).

Julius Autz und Christoph Tieben, wissenschaftliche Mitarbeiter des DFKI, präsentieren den Robotnik. Der kleine selbstfahrende Roboter ist ausgestattet mit einer Spezialkamera, mit der 3-D-Bilder der Umgebung aufgenommen und gleichzeitig Vermessungsdaten erfasst werden.

Julius Autz und Christoph Tieben, wissenschaftliche Mitarbeiter des DFKI, präsentieren den Robotnik. Der kleine selbstfahrende Roboter ist ausgestattet mit einer Spezialkamera, mit der 3-D-Bilder der Umgebung aufgenommen und gleichzeitig Vermessungsdaten erfasst werden.

„Digital Farming im Agrotech Valley – Ist Landwirtschaft 4.0 der Lösungsweg zur Sicherung der Welternährung?“ so die Fragestellung, die in hochkarätiger Runde Anfang Juni auf dem Gestüt Osthoff in Georgsmarienhütte diskutiert wurde.

Parallel präsentierten innovative Startups und Landtechnikhersteller auf dem Außengelände mit dem „Markt der Möglichkeiten“ einige bereits umgesetzte vielversprechende Ergebnisse der Zusammenarbeit von Forschung und Landtechnik. Die Hochschule Osnabrück und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) machten hier auf weitere spannende Projekte aufmerksam.

Initiator der Konferenz und Ausstellung ist das seit gut zwei Jahren aktive Netzwerk AgritechNet Nordwest. Nach den Grußworten von Dr. Michael Lübbersmann, Landrat des Landkreises Osnabrück, Harald Emingholz, 2. Vorsitzender der Metropolregion Nordwest und Staatssekretär Stefan Muhle, Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, stellte Robert Everwand, Clustermanager AgritechNet, noch einmal das vielseitige Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Kommunen dem vollbesetzten Auditorium vor. Eines der gesteckten Ziele ist nicht nur den Begriff „Agrotech Valley“ für die Region vom Teuteburger Wald bis zur Nordseeküste zu etablieren, vielmehr soll durch die Gründung des „Agrotech Valley Forum e.V.“ eine gemeinschaftliche Basis geschaffen werden.

Mit Klaus Töpfer, Bundesumweltminister a.D., ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und Gründungsdirektor des IASS in Potsdam, konnte ein kompetenter Redner gewonnen werden. Sein Vortragsthema: „Globale Herausforderungen für die moderne Landwirtschaft“.

Das IASS hat sich zum Ziel gesetzt, in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein gegenseitiges Problemverständnis und übergreifende Lösungsoptionen zu erarbeiten.

Fakten zwingen zur Nachhaltigkeit

Klaus Töpfer verwies darauf, dass der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Notwendigkeit heraus geboren wurde. Er führte dafür ein Beispiel aus der Geschichte an: Den sächsischen Bergwerken drohte zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Bauholz knapp zu werden. Der zuständige Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz schrieb 1713 in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden solle, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen könne. Bereits seit dem 16. Jahrhundert galten in vielen Regionen Deutschlands Holzordnungen, in denen die Entnahme der Holzmengen festgehalten, Baumfrevel geahndet und Zeiten definiert waren, in denen z.B. Ziegen nicht zur Hude in den Wäldern zugelassen waren.

Es ist also die Notwendigkeit unter den heutigen tatsächlichen Bedingungen, wie der wachsenden Weltbevölkerung, die zum Handeln drängt. Klaus Töpfer merkte an, dass sich allein in seiner achtzigjährigen Lebensspanne die Weltbevölkerung verdreifacht habe. Parallel habe die zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Nutzfläche abgenommen. Außerdem sei die Landwirtschaft in Europa bzw. in den Industrienationen nicht mit der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern, mit noch immer überwiegender Subsistenzwirtschaft, vergleichbar. Dort dominiert der bäuerliche Familienbetrieb mit kaum mehr als zwei Hektar Land. Diese globalen Tatsachen sollte auch die Landtechnik in Deutschland nicht aus dem Blick verlieren.

Nach kurzer Pause übernahm Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück die Moderation der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde. Dr.-Ing. Josef Horstmann, Geschäftsführer für Konstruktion und Entwicklung (Krone), Christian Dreyer, Geschäftsführer Amazone und Vorsitzender des VDMA Landtechnik, Prof. Ludwig Theuvsen, Leiter der Abteilung für Landwirtschaft, Agrarpolitik und Nachhaltigkeit im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und Dr. Michael Lübbersmann, Landrat des Landkreises stellten sich den von Klaus Töpfer ausgeführten Thesen.

Global denken, regional Handeln

Grundsätzlich stimmen alle Diskussionspartner mit den von Klaus Töpfer ausgeführten Vortragsthesen überein. Josef Horstmann und Christian Dreyer stellen fest, dass für die Landwirtschaft in den Industrienationen und teils in den sogenannten Schwellenländern ein Trend auszumachen ist, der letztendlich auch in den Entwicklungsländern nicht Halt machen wird: Die Anzahl der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen nimmt ab, die Betriebe werden größer. Die Landwirtschaft in den Industrienationen sei nicht nur Lebensmittellieferant, sondern muss auch den Anforderungen der Gesellschaft, wie Umweltschutz und -standards, Tierwohl und Klimaschutz gerecht werden. Politische Verhältnisse und starre Traditionen in Gesellschaft und Bewirtschaftungsform prägen Landwirtschaft in den unterschiedlichen Regionen der Welt oft stärker als Klima oder Bodenverhältnisse es vorgeben. Daran kann Landtechnik so nichts ändern. Landwirtschaft 4.0 ist ja nicht nur Landtechnik, digitale Datenerfassung und Auswertung. Landtechnik 4.0 basiert auf traditionellem Wissen und Handwerk, kombiniert mit den Möglichkeiten der digitalen Techniken. Damit können Arbeitsprozesse präzisiert und Ressourcen eingespart werden. Die hier entwickelte Landtechnik spielt bereits auf den globalen Märkten eine bedeutende Rolle.

In entspannter Atmosphäre wurde im Anschluss der Podiumsdiskussion auf dem Gestüt Osthoff in Georgsmarienhütte „genetzwerkt“. Initiator der Konferenz ist das seit gut zwei Jahren aktive Netzwerk AgritechNet Nordwest.

In entspannter Atmosphäre wurde im Anschluss der Podiumsdiskussion auf dem Gestüt Osthoff in Georgsmarienhütte „genetzwerkt“. Initiator der Konferenz ist das seit gut zwei Jahren aktive Netzwerk AgritechNet Nordwest.

Victor Grosse Macke, Startup-Gründer Farmerscent, zeigt, dass neue Denkansätze und technisches Know-How wirksam zum Tierwohl beitragen können: Die Duftbox – elektronisch gesteuerte Aromatherapie.

Victor Grosse Macke, Startup-Gründer Farmerscent, zeigt, dass neue Denkansätze und technisches Know-How wirksam zum Tierwohl beitragen können: Die Duftbox – elektronisch gesteuerte Aromatherapie.

Fazit

Ganz geklärt werden konnte die Frage nicht, ob Landwirtschaft 4.0 ausreicht, um die Herausforderung der Welternährung und eines globalen Umweltschutzes leisten zu können. Einig waren sich alle Beteiligten, dass Landwirtschaft 4.0 einen erheblichen Anteil zur Lösung beitragen kann. Einig war man sich auch darüber, dass Netzwerke aus Forschung und Wissenschaft, Herstellern, Praktikern und Politik notwendig sind, um aus möglichst vielen Perspektiven Entwicklungen zu beobachten, einzuordnen und daraus Schlüsse zu ziehen.


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