Magazin ATV / UTV

Kioti :

Universeller Steppenwolf

Wir sind mit dem UTV K9 losgezogen und haben getestet, wie er sich im Gelände schlägt und welche Einsätze mit dem Fahrzeug denkbar sind

Kioti: Universeller Steppenwolf

Auch in schwerem Gelände macht der K9 eine gute Figur.

An steilen Hängen muss darauf geachtet werden, das Fronthubwerk nicht im Boden eintauchen zu lassen.

An steilen Hängen muss darauf geachtet werden, das Fronthubwerk nicht im Boden eintauchen zu lassen.

Der südkoreanische Daedong-Konzern baut bereits seit 1947 Landmaschinen, inzwischen werden diese auch in weite Teile der Welt vertrieben: Etwa ein Drittel der jährlich gebauten 30.000 Traktoren gehen in die USA, auch in Europa sind die orangefarbenen Schlepper vertreten. Nach mehreren Importeurwechseln hat man das nun selbst in die Hand genommen und baut für die Marke Kioti – angelehnt an Kojote – ein eigenes Händlernetz in Deutschland auf. Neben den 16 Kleintraktoren von 22 bis 110 PS steht mit dem K9 auch ein UTV im Europa-Portfolio.

Die UTVs (Utility Terrain Vehicle, zu deutsch etwa „Nutz-Gelände-Fahrzeug“) erfreuen sich auch hierzulande immer stärkerer Beliebtheit bei Landwirten, Kommunen, Pferdehöfen oder für den Forsteinsatz, von Hobby bis Profi. Klassische Quads – auch ATV (All Terrain Vehicle, zu deutsch „Fahrzeug für jedes Gelände“) genannt – haben meist mehr Leistung und Bodenfreiheit, sind also noch agiler im Gelände, bieten sonst aber kaum Vorteile gegenüber kleinen Allzweckfahrzeugen wie dem K9, die aufgrund der nebeneinander angeordneten Sitze auch Side-by-Side-Fahrzeuge genannt werden. Durch die optional beheizbare Kabine entfällt zudem der beim Quad verpflichtende Helm.

Der Haupteinsatz des K9 liegt klar auf dem zügigen Transport von Mensch und Gerät. Wenn es mit zwei Beifahrern und anständig Werkzeug im Gepäck ins Gelände geht, aber eben auch mal ein Mähwerk oder ein Besen angebaut werden soll, kann der K9 das übernehmen. Wer aber den Fokus auf der Arbeit mit Anbaugeräten hat, sollte eher bei den Kompakttraktoren suchen, da hier auch der Blick auf die Maschinen im Fronthubwerk besser ist, Zwischenachsmähwerke sind bei UTVs zudem nicht möglich.

Für Wartungseinsätze oder Reparaturen im Gelände sind UTVs wie der K9 ideal.

Für Wartungseinsätze oder Reparaturen im Gelände sind UTVs wie der K9 ideal.

Auf flacher Strecke schafft der K9 40 km/h.

Auf flacher Strecke schafft der K9 40 km/h.

Ausreichend Dampf

Für den Einsatz in Feld und Flur reichen die 24 PS des K9 vollkommen aus, wir hatten nirgends Probleme, weder in tiefen Sand- und Schlammlöchern noch an steilen Steigungen. Meist reichte dafür sogar die reguläre Übersetzung, nur selten stellten wir den Schalthebel von H auf L, um so die Untersetzung einzulegen. Da wir aber keine Anbaugeräte oder Anhänger dabei hatten, hat diese auf jeden Fall ihre Berechtigung. Der zuschaltbaren Allrad ist dabei natürlich sehr hilfreich. Prinzipiell erfolgt die Kraftübertragung stufenlos über einen Riementrieb, der den K9 auf bis zu 40 km/h beschleunigt. Der 1-Liter-Diesel mit drei Zylindern kommt aus der hauseigenen Produktion und wird auch von anderen Herstellern in kleinen Baumaschinen eingesetzt.

Der K9 hat eine eigene Hydraulik an Bord, die mit bis zu drei Steuergräten ausgestattet werden kann: Durch Absperrhähne im Heck wechselt man zwischen der Kippfunktion der Ladefläche und der Betätigung des optionalen Fronthubwerks. Das Steuergerät mit Dauerflussfunktion (z.B. für den Antrieb eines Salzstreuers oder zum Kippen eines Anhängers) ist vorn und hinten parallel geschaltet. Das dritte Steuergerät kann an der Front eine weitere Funktion bedienen, etwa das Schwenken eines Schneeschildes. Die Pumpe liefert max. 24,1 l/min, das System erlaubt 15 l entnehmbares Hydrauliköl aus dem Tank. Wer das Fronthubwerk nicht benötigt, kann dort auch eine Winde montieren.

Die Ladefläche lässt sich hydraulisch kippen.

Die Ladefläche lässt sich hydraulisch kippen.

Motor und CVT-Antriebsstrang sind unter der Ladefläche gut zugänglich.

Motor und CVT-Antriebsstrang sind unter der Ladefläche gut zugänglich.

Mit Gerätschaft ins Gelände

Der gefederte Fahrersitz schluckt viele Unebenheiten, nur bei heftigen Schlaglöchern schlägt die Dämpfung bis zum Anschlag durch, vieles wird aber schon durch die Federung (vorne 170 mm, hinten 200 mm) des Doppelquerlenker-Fahrwerks ausgeglichen. Die Bodenfreiheit von etwa 30 cm unter der Kabine lässt den K9 auch über größere Unebenheiten klettern, zudem bleibt er auch auf Wegen mit tiefen Spurrillen nicht stecken. Das zuschaltbare Differential in der Hinterachse hilft hier ebenfalls weiter. Für besonders harte Einsätze ist ein Unterbodenschutz aus Metall verfügbar.

500 kg auf der optional hydraulisch kippbaren Ladefläche und insgesamt 725 kg Nutzlast schultert der K9 auf seine 930 kg Leergewicht. Außerdem kann er ungebremste Anhänger bis 590 kg dank 7-poliger-Steckdose auch auf der Straße ziehen, für kurze Staucheinsätze ist auch ein Zugmaul an der Vorderseite möglich. Wer etwas mehr Licht benötigt, bekommt auf Wunsch Nebel- und Arbeitsscheinwerfer (LED) oder eine Rundumleuchte montiert.

Europaletten sind problemlos zu verstauen, die Kapazität liegt bei 500 kg.

Europaletten sind problemlos zu verstauen, die Kapazität liegt bei 500 kg.

Anhängevorrichtung – im Bild nicht Serienversion – und Hydraulik am Heck.

Anhängevorrichtung – im Bild nicht Serienversion – und Hydraulik am Heck.

Vergleicht man den K9 mit der gängigen Konkurrenz hinsichtlich der technischen Daten, stellt man fest, dass bei einigen anderen Herstellern wie Can-Am oder Yamaha auch 50 bis 70 PS möglich sind. Unserer Meinung nach sind entsprechend starke Motoren in dieser Fahrzeugklasse aber nur in Ausnahmen notwendig, etwa wenn in bergigen Regionen auf längeren Strecken dennoch schnell gefahren werden muss oder schwere Anhänger im Forst den Hang hoch bewegt werden sollen. Aber auch der bekannte John Deere Gator hat in der unsportlichen Arbeitsvariante sogar nur 18 PS unter der Haube. Für die allermeisten Szenarien schätzen wir den K9 daher als voll tauglich ein, auch was Geländegängigkeit oder Zuladung und Hydraulik angeht. Vorstellbar sind hier etwa Einsätze für Inspektion, Wartung und Reparatur in Feld und Flur, beispielsweise an Weide- oder Forstzäunen, nebenbei wird noch ein Heuballen zur Pferdekoppel verfrachtet, am nächsten Tag geht es zur Pflegearbeiten mit Motorsäge und Freischneider in den Wald. Ebenso möglich sind natürlich kommunale Einsätze von der temporären Beschilderung über Kehr- und Streutechnik, Schneeschild oder kleine Mäh- und Mulcharbeiten und natürlich der Transport von Mensch, Material und Gerät in jedwedes Gelände.

Das Cockpit mit verstellbarer Lenksäule ist übersichtlich, eine geschlossene Kabine ist ebenfalls zu haben.

Das Cockpit mit verstellbarer Lenksäule ist übersichtlich, eine geschlossene Kabine ist ebenfalls zu haben.

Kioti – Stage V unter 25 PS

Der Mutterkonzern Daedong fertig seit mehr als 70 Jahren in eigenen Werken komplette Antriebsstränge, Motoren, Achsen und weitere Bauteile nach hohen qualitativen Ansprüchen und den gesetzlichen Vorgaben.

Im Bereich Motoren folgt Kioti einer klaren Strategie, welche sich an den strengen EU Abgasnormen ausrichtet. Im Rahmen der gesetzlichen Übergangsregelung bietet Kioti den Kunden bewährte und preiswerte Motorentechnik, solange es möglich ist.

Im Bereich unter 25 PS werden aber bereits Motoren der Abgastufe V (Stage V) verbaut. Für alle anderen Modelle sind Stage V Motoren entweder serienreif oder werden bereits als „Stage V ready“ in einigen Modellen verbaut.


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