Magazin Landtechnik

Gehölz- und Flächenpflege :

Schneiden ohne schleudern

Die Funktionsweise des JAK Spiral Cutters ist grundlegend neu und passt an vergleichsweise kleine Maschinen. Wir begleiteten einen Praxiseinsatz.

Gehölz- und Flächenpflege: Schneiden ohne schleudern

Neben Bagger oder Radlader können auch Ausleger an Kommunalfahrzeugen oder Forstkräne an Traktoren als Träger eingesetzt werden.

Da der Schnittvorgang innerhalb der drehenden Scheibe abläuft, ist das System recht robust: Wird z.B. ein größerer Stein touchiert, stört das die Klingen nicht.

Da der Schnittvorgang innerhalb der drehenden Scheibe abläuft, ist das System recht robust: Wird z.B. ein größerer Stein touchiert, stört das die Klingen nicht.

Viele als riesige Neuheiten oder revolutionäre Technik beworbene Geräte sind doch nur immer weiter verbesserte Versionen bekannter Konzepte: Egal ob Mähwerk, Mulcher oder Astsäge, sie alle basieren auf ihrem altbekannten Arbeitsprinzip, auch wenn sie stetig modernisiert werden. Hin und wieder kommt aber doch eine komplett neue Geräteklasse dazu, die wirklich anders ist und ein ganz eigenes Feld bespielt – oder gleich mehrere. Der Spiral Cutter des finnischen Herstellers JAK ist so ein Gerät. Der deutsche Generalimporteur Reil & Eichinger hat uns die Vorzüge in einem Praxiseinsatz demonstriert.

„Da die Technik wirklich neu ist, birgt sie eben auch einen hohen Erklärungsbedarf, auf Messen stehen die Kunden häufig stirnrunzelnd vor dem Spiral Cutter und wollen wissen, was das Gerät überhaupt macht“, so Geschäftsführer Markus Eichinger. Das Wirkprinzip ist eine Schere, die spiralförmigen Teller fangen das Schneidgut durch eine Drehbewegung ein und schneiden es ab. Da die Rotation mit vergleichsweise geringer Drehzahl von 370 bis 500 min-1 abläuft, werden Äste oder auch Gestrüpp nicht weggeschleudert, sondern fallen einfach nach unten. Dadurch kommt der Spiral Cutter mit einem relativ kleinen Sicherheitsabstand von 10 m aus. „Das prädestiniert ihn etwa für den Einsatz an Autobahnen, da die Meisterei nur noch eine Spur sperren muss“, erklärt Eichinger. Er gibt aber zu bedenken, dass mit einer regulären Astkreissäge schneller gefahren werden kann: „Dann müssen zwar mehr Fahrstreifen gesperrt werden, aber dafür ist man schneller durch. Es muss also individuell entschieden werden, welche Technik hier besser geeignet ist.“ Die Äste dürfen bei allen Spiral-Cutter-Varianten bis zu 6 cm dick sein, die Arbeitsgeschwindigkeit wird mit 4 bis 12 km/h angegeben. Damit ist man jedoch schneller unterwegs, als mit einer regulären Astschere, die dem Balkenmäher ähnelt, bei diesem Prinzip fallen die Äste ebenfalls einfach nach unten.

Auch in der Forstwirtschaft kann der Spiral Cutter zum Einsatz kommen, da auf Wegen und entlang von Straßen und Bahntrassen das sogenannte Lichtraumprofil gepflegt werden muss: Es gibt quasi vor, wie groß die Durchfahrt in Höhe und Breite sein muss, damit alle Fahrzeuge die Strecke problemlos befahren können. Aber auch komplette Unterholzbestände kann er flächig schneiden oder ausdünnen. In direkter Konkurrenz sieht Eichinger dabei den Kettenmulcher, der häufig Buschwerk am Straßenrand oder auch an Feld- und Waldgrenzen beseitigen darf. Dieser ist aber leistungshungriger, sprich er verlangt eine größere Hydraulik und auch das Trägerfahrzeug muss kräftiger sein. Das Schnittbild ist zudem sehr schlecht, da der Mulcher Äste und kleine Bäume abschlägt, der Spiral Cutter dagegen liefert einen sauberen Schnitt.

Neben Bäumen und Hecken kann das skandinavische Gerät auch dünneres Gestrüpp schneiden und Wiesen mähen. Muss also eine Fläche komplett auf Vordermann gebracht werden – senkrecht an der Seite und auch der Bodenbewuchs – kann der Spiral Cutter ohne Probleme alles erledigen. So können beispielsweise Feld- und Straßenränder gepflegt werden, aber auch größere Grünflächen stutzt er mit etwa 6 bis 7 cm Schnitthöhe. Dabei arbeitet er zwar nicht so schnell wie ein reguläres Mähwerk und zerkleinert auch nicht wie ein Mulcher, dafür läuft aber alles sehr schonend: Eine Alm im Naturschutzgebiet fährt aktuell Versuche, da dort nicht jede Mähtechnik erlaubt ist.

Die langen, dünnen Äste der Trauerweide fallen nach dem Schnitt einfach nach unten.

Die langen, dünnen Äste der Trauerweide fallen nach dem Schnitt einfach nach unten.

Das Schnittbild ist sauber, ein Mulcher würde hier wesentlich stärker auffasern.

Das Schnittbild ist sauber, ein Mulcher würde hier wesentlich stärker auffasern.

Leichte Maschinen mit kleiner Hydraulik reichen aus

Die Montage an verschiedene Maschinentypen funktioniert ohne Hydraulikänderungen, er ist kompatibel mit normalen 1/2-Zoll-Ölanlagen. Eine separate freie Rücklaufleitung ist nicht nötig, lediglich ein doppelwirkender Anschluss. Natürlich ist aber ein Ausleger nötig, da der Spiralschneider alleine nicht funktioniert: Er konkurriert nicht mit einem einfachen Anbaumulcher im Dreipunkt, sondern mit Geräten, die ebenfalls an flexiblen Armen arbeiten. Die Maschine kann zum Beispiel an eine Baggerhammerhydraulik, anstelle eines Krangreifers, oder auch an einem Teleskoplader angebracht werden. Auch an einem regulären Frontlader arbeitet der Spiral Cutter, um die freie Positionierung und Bewegung aber vollständig nutzen zu können, wird ein hydraulisch schwenkbarer Zwischenrahmen verbaut. An Astsägen kommen solche Lösungen bereits zum Einsatz. Der Hersteller JAK will im nächsten Jahr einen entsprechenden leichten Rahmen anbieten.

Im Vergleich zu anderen Geräten ist die Leistungsaufnahme und das Gewicht des Spiral Cutters gering, wodurch auch kleinere Trägerfahrzeuge genutzt werden können. Der SP-60 mit 60 cm Arbeitsbreite kann an Ladern oder Baggern mit 1 bis 1,5 Tonnen und 30 l/min Ölleistung betrieben werden, beim Einsatz am Forstkran sollten dieser bei max. Auslage 150 kg heben können. Die mittlere Ausführung mit zwei Spiralen und 120 cm Arbeitsbreite benötigt ein 3-Tonnen-Fahrzeug und 45 l/min seitens der Hydraulik, Forstkräne bis 250 kg reichen hier aus. Für die große Variante sollte das Fahrzeug 5t Gewicht mitbringen und 50 l/min Ölleistung bieten, am Kran sind 350 kg Hubkraft nötig. Für die Schmierung der Schneide sind die Dome auf den Spiralen mit Bioöl gefüllt, wie es aus dem Forstbereich bekannt ist. Je nach Einsatz kann die Flussmenge eingestellt werden, da grobe Äste dem Messer mehr abverlangen als Gras und Disteln.

Ausprobieren am eigenen Fahrzeug

„Um interessierten Kunden die Möglichkeit zu geben, einen ausführlichen Test am eigenen Fahrzeugen durchzuführen, haben wir bereits die ersten Geräte in unseren Mietpark aufgenommen“, sagt Eichinger. Bei einem Kauf wird der Mietpreis dann wieder gutgeschrieben. Die Produktion in Finnland läuft aktuell auf Hochtouren, der Verkauf in Deutschland soll daher noch 2018 starten können.

Prinzipiell punktet der Spiral Cutter durch seine Flexibilität, wirklich verdrängen will er keine der aktuellen Geräteklassen. Wer also als Dienstleister in die Landschaftspflege einsteigen möchte und nicht mehrere Geräte anschaffen will, könnte durch die neue Technik Vorteile haben, da er vor Ort verschiedene Arbeiten erledigen kann, die sonst mehrere Geräte benötigt hätten. Mit dem Spiral Cutter aber muss nur in ein – vergleichsweise günstiges – Gerät investiert werden: Der große 180er mit drei Spiralen ist aktuell noch in der Testphase, die beiden kleineren liegen preislich zwischen 3.900 (SP60) und 4.900 (SP120) Euro Netto-VK. Langfristig will der Hersteller neben größeren Varianten für dickere Äste auch andere Geräteklassen mit der patentierten Technologie erobern, vorstellbar seien laut JAK-Experte Markus von Bonsdorff zudem kleinere Messer für Rasenmäher oder Freischneider.


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