Magazin Futtererntetechnik

Futtererntetechnik :

Deutliche Trends in mehreren Bereichen

Maiszünslerbekämpfung in einem Arbeitsgang – Wildschutz beim Mähen sorgt für Futterhygiene – Sensoren unterstützen beim Mähen – Neuer Überladewagen soll Bergung wirtschaftlicher machen

Futtererntetechnik: Deutliche Trends in mehreren Bereichen

Der Überladewagen Büffel von Fliegl mit Pick-up, Rotor, Messergruppe und Zwischenbunker.

Der Schlegel unter dem Schneidvorsatz zerstört die Maisstoppeln.

Der Schlegel unter dem Schneidvorsatz zerstört die Maisstoppeln.

Der Mais ist vom Anbau bis zur Ernte eine Kultur mit überschaubarem Managementanspruch. Eine klassische Fruchtfolge benötigt er nicht. Dennoch haben sich Schädlinge auf diese interessante Pflanzenart spezialisiert. Von allen ist der Maiszünsler weit verbreitet. Er besiedelt die junge Pflanze während der Vegetation, legt seine Eier unter den Blättern ab und die daraus schlüpfenden Larven dringen in den Stängel und die Kolbenanlagen. In seiner weiteren Entwicklung frisst er sich Richtung Wurzel vor. Die so gestressten Pflanzen sind anfällig für Fusarien und Maisbeulenbrand. Eine chemische Bekämpfung mit Insektiziden erledigen Hochradspritzen. Die biologischen Mittel können mittlerweile mit Drohnen gleichmäßig im Bestand verteilt werden. Dennoch ist als sicherer Abschluss nach der Ernte eine mechanische Zerstörung der Reststoppel empfehlenswert. Denn die Larve versucht im unteren Stängelbereich zu überwintern. Die bisher eingesetzten technischen Lösungen haben zwar ihre Aufgabe gut gemeistert. Jedoch ist ein Großteil der Stoppel durch das Befahren der Fläche umgefahren und für die verschiedenen Werkzeuge nicht mehr erreichbar. Mit dem neuen Stängelzerstörer gibt es jetzt einen im Schneidvorsatz des Häckslers integrierte Technik, die vor der Häckslerspur die Maisstoppeln zerstört. Im bestehenden Antriebsstrang für die Schneidscheiben ist für jede Reihe ein Schwenkgetriebe mit integrierter Nockenschaltkupplung eingebaut. Ein speziell geformter Schlegel zerstört die Reststoppel bis zu den Luftwurzeln. Jede Reihe hat eine eigene optimierte Bodenanpassung, die Bodenunebenheiten ausgleicht. Daraus resultiert auch der sehr geringe Leistungsbedarf von nur 4 PS/Reihe. Im Ergebnis eine Technik, die umweltschonend, pflanzenschützend und ökologisch sehr interessant ist.

Wildschutz beim Mähen

Ebenfalls von sehr großer Bedeutung ist der Wildschutz beim Mähen. Besonders beim ersten Schnitt setzen und brüten die meisten Wildtiere. Mit Drohnen und Infrarotkameras, Scheuchen und akustischen Geräten versucht man, das Wild vor dem Mähen aus dem Bestand zu vergrämen oder zu erkennen. Die Erfolgsquote ist nicht zufriedenstellend. Durch die getöteten unentdeckten Tiere und damit Kadaver besteht in der Silage- und Heuproduktion die Gefahr von Botulismus in der weiteren Fütterungskette, der für die Tiere tödlich enden kann. Der neue Sensorschutz besteht aus mehreren Komponenten. Vor der Mäheinheit ist ein Sensorbalken montiert. Die Sensoreinheiten bestehen aus optischen Infrarot-Sensoren und integrierter LED-Beleuchtung. Über CAN-Bus werden die empfangenen Signale verarbeitet, an ein spezielles Ventil mit Öldruckbehälter an der Mähwerkshydraulik gesendet und das Mähwerk im Erkennungsfall blitzschnell ausgehoben. Die hohe Abtastrate der Sensoren erlaubt Geschwindigkeiten von 12 km/h mit sehr sicherer Erkennung des Wildes.

Eine weitere Unterstützung der Futterhygiene bieten bei den Mähwerkskombinationen Lenkwinkel-, Neigungs- und Gyrosensoren für den sauberen Schnitt ohne Restbärte in Kurven- als auch bei Hangfahrten. Viele Hersteller haben die Notwendigkeit erkannt und bieten diese interessante Technik zur Sicherung der Futterqualität an. Bei Mähwerken mit Schwadzusammenführung erlauben diese Sensoren, die Bandgeschwindigkeiten der jeweiligen Neigung anzupassen. Das obere Band läuft langsamer, bzw. das untere Band schneller. Mit dem Ergebnis, ein gleichmäßig geformtes Schwad abgelegt zu haben. In Kombination mit einer Auflagedruckregelung ist es sogar möglich, die Hangabdrift von Schlepper und Mähwerk deutlich zu vermindern.

Bandschwader mit flexibler Pick-up und 9,1 m Arbeitsbreite.

Bandschwader mit flexibler Pick-up und 9,1 m Arbeitsbreite.

Bisher stand die Entwicklung bei der Futterernte unter dem Motto „größer und leistungsfähiger“. Mit einem neuen Überladewagen werden die wesentlichen Baugruppen eines Ladewagens getrennt gefahren. Pick-up, Rotor und Messergruppe bilden das Hauptarbeitsmodul. Um fast nonstop ernten zu können, bietet ein Zwischenbunker die Möglichkeit, während eines Wagenwechsels dennoch weiterfahren zu können. Das Überladen auf die Abfuhrwagen übernimmt ein Überladeband. Der Clou dieser interessanten Entwicklung: Der Schlepper, der dieses Anhängegerät antreibt, setzt seine Leistung für das Aufnehmen, etwas vorverdichten, schneiden und fördern ein. Verdichten wie im Ladewagen ist hier nicht gefragt. Somit können Schlepper mit 120 bis 150 PS gute Durchsatzleistungen erzielen. Mit geringem Eigengewicht und damit geringem Bodendruck. Und das ist wieder von Vorteil für die Spurtiefen, die beim nächsten Schnitt nicht so zu erkennen sind. Außerdem können die vorhandenen Transporteinheiten für die Maisernte hier zusätzlich ausgelastet werden. 

Beim leistungsstarken Feldhäcksler ist der begrenzende Faktor die Reifenbreite, um innerhalb der Vorgaben nach StVZO zu bleiben. Um auch bei widrigen Verhältnissen bodenschonend zu ernten, sind größere Aufstandsflächen gefragt. Die aus der Getreideernte bekannten Raupenfahrwerke lassen sich auch beim Häcksler nutzen. Mit einer Vorgewendeschonung, einer intelligenten und automatischen Ansteuerung des Fahrwerkes, wird die Aufstandslänge des Fahrwerkes verkürzt.

Höhenverstellbare Kabinen

Die Züchtung von Nutzpflanzen zielt auf immer höhere Nährstoffleistungen ab. Beim Mais sind dann Wuchshöhen von vier Metern und mehr keine Seltenheit. Als Häckslerfahrer „kämpft“ man während der Ernte permanent gegen eine grüne aktiv bewegte Wand. Zur Blick- und Fahrerentlastung bieten höhenverstellbare Kabinen eine Entschärfung. Außerdem ist die Übersicht beim Befüllen der Wagen und besonders beim Anhäckseln besser.

Besserer Überblick: Die Kabine lässt sich über den Maisbestand liften.

Besserer Überblick: Die Kabine lässt sich über den Maisbestand liften.

Neues Bindesystem in Festkammerballenpressen

Rund- und Quaderballen steigern stetig ihren Marktanteil bei der Futterernte. Für Betriebe mit weit entfernten Flächen und/oder nicht ausreichendem Vorschub im Sommer bieten diese Ballen in der Fütterungskette eine Alternative. Durch die Ausstattung mit NIR-Sensoren, Waage und GPS lassen sich Ballen nach Sollgewicht pressen, die Futterqualität mit Ortung ablegen und anschließend sammeln, als auch schlagspezifisch die Qualitäten dokumentieren. Für den Rundballen ist die Mantelfolie statt Netz schon gut etabliert. Mit Silage-Wrap gibt es eine neue Lösung zum Binden von Rundballen mit einer speziellen neuartigen Mantelfolie in Festkammerballenpressen. Dank eines neuen Bindesystems mit einer innovativen Folie mit vordefinierten Abschnitten und eines integrierten Haftklebestreifens zum Verschließen, kann die Zeit zum Binden eines Ballens im Vergleich zu existierenden Mantelfolienbindesystemen wesentlich verkürzt und der Verbrauch an Folie deutlich verringert werden.

Zum Transport von Rundballen steht in erster Linie konventionelle Anhängertechnik zur Verfügung. Geladen wird mit einem Lader und einer Spezialgabel. Ballenladewagen werden zunehmend nachgefragt. Nach dem Motto: Ein Mann, ein Schlepper, ein Gerät sind Aufnehmen und Transportieren in einem Gespann vereint. Die technische Ausgestaltung ist breit gefächert. Vom einfachen Gerät mit Stillstand bei der Aufnahme bis zum kontinuierlichen Ladeprozess reicht die Palette.

Der Sensorbalken vor der Mäheinheit erkennt das Kitz. Das Mähwerk hebt blitzschnell aus.

Der Sensorbalken vor der Mäheinheit erkennt das Kitz. Das Mähwerk hebt blitzschnell aus.

Neue Bandschwadergeneration

Das Segment Futterernte ist immer wieder von interessanten Entwicklungen bei der Schwadtechnik geprägt. Zur Unterstützung der Futterhygiene gibt es jetzt eine neue Bandschwadergeneration, die mit vielen Finessen das Schwad, die Futterhygiene, die Flächen- und Verfahrensleistung neu definiert. Schaut man sich diese Technik im Detail an, fallen optisch schon einige Besonderheiten auf: Vor der Pick-up ein Rollenniederhalter, eine kleine Pick-up mit max. 30 cm Bauhöhe, sechs ungesteuerte Zinkenreihen mit auf Schlepp gekröpften Zinken, verwindungsweiche Pickup, oberhalb der Pick-up ein aktiv angetriebener und steuerbarer Rotor, ein querlaufendes Gummiband mit variabel einstellbaren Geschwindigkeiten. Ergibt in der Summe eine Technik, die mit zwei Elementen mit jeweils 4,5 m Arbeitsbreite in der gezogenen Variante einem Sechskreiselschwader in puncto Leistung und Arbeitsqualität das Fürchten lehren kann.

Fazit

Sichere Feld- und Futterhygiene prägen die Entwicklung neuer Technologien. Mit dem Stängelzerstörer im Erntevorsatz geht es dem Maiszünsler direkt bei der Ernte an den Kragen. Zum Vorteil auch der weiteren Fruchtfolgeglieder. In der Grünlandernte werden die Mähwerkskombinationen immer intelligenter. Kein Restbart in Kurven- und Hangfahrten und gleichmäßige Schwaden bei der Schwadzusammenführung sind ein Teil der Entwicklung.

Eine neue Bandschwadergeneration und Raupen statt Reifen bei den Häckslern bilden den nächsten Schritt. Mit einem Überladewagen bekommen wir für die Futterernte eine Lösung, wo die Pick-up, Rotor und Schneidwerk nicht mehr so viel „spazierenfahren“, sondern wie beim Häcksler auf der Fläche ihre Leistung abgeben.


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