Magazin Landtechnik

Futterernte :

Respiro flirtet mit Feldhäckslern

Die Respiro Schwader haben in ihrem Segment für Aufsehen gesorgt. Nun soll die Technik auch Einzug in die Pick-ups von Feldhäckslern, Ladewagen und Ballenpressen halten. Erste Einsätze mit einem Prototyp sind vielversprechend.

Futterernte: Respiro flirtet mit Feldhäckslern

Geht es nach Thomas Reiter, soll seine Respiro Pick-up bald an zahlreichen Feldhäckslern laufen.

Er ist im Markt angekommen: der Pick-up-Bandschwader Respiro vom österreichischen Hersteller Reiter Innovative Technology. In den letzten drei Jahren hat das junge Unternehmen mehr als 200 Maschinen gebaut, die bisher insgesamt rund 40.000 ha geschwadet haben – laut Firmengründer Thomas Reiter ohne nennenswerte Probleme oder Reparaturen und mit bester Kundenzufriedenheit. Er führt das auf die einzigartige Technik zurück.

Reiter will mehr

Doch mit den Schwadern sollte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Ebenso lange wie Reiter die Idee mit den Schwadern verfolgt hatte, hatte er die Vision, auch die Pick-ups von Feldhäckslern, Ladewagen und Ballenpressen mit seinem Respiro-System auszustatten. Denn auch aus der Praxis – vielfach von Lohnunternehmern – kam die Anregung dafür, die Technik breiter einzusetzen. So ergriff Reiter die Initiative, die ausrangierte Pick-up eines Claas Jaguars von Lohnunternehmer Manfred Humer aus dem österreichischen Heiligenberg auf das Respiro-System umzubauen. Genauer gesagt, betraute er Simon Berghammer und Tobias Zauner im Sommer 2017 mit dieser Aufgabe. Die beiden Absolventen der HTL Ried, damals Ferialpraktikanten bei Reiter, machten daraus ihre Diplomarbeit. Es entstand ein Prototyp, der erst seit Ende Mai im Praxiseinsatz ist und zusammen mit „seinem“ Trägerfahrzeug Claas Jaguar bisher rund 80 Hektar gehäckselt hat. Von Beginn an ohne eine Störung oder dass eine Änderung nötig gewesen wäre, wie die Beteiligten betonen.

Die vorhandene Einzugsschnecke blieb unverändert, sie wird beim Prototyp über eine Kette angetrieben. Die Pick-up und der Rotor werden dagegen – wie bei den Schwadern – hydraulisch angetrieben. Dafür bauten die Tüftler ein Hydrauliksystem aus Pumpe, Öltank und Übersetzungsgetriebe auf, da der Häcksler nur ein Steuergerät hat. Ein Knackpunkt war die Aufhängung der Pick-up.

Die Lösung dafür ist eine „kardanische Wippe“. Sie ermöglicht dem Vorsatz ein freies Arbeiten nach unten und oben sowie quer zur Fahrtrichtung. Für ihre Diplomarbeit hätten Simon Berghammer und Tobias Zauner jeweils 180 Arbeitsstunden investieren müssen. Geworden sind es dann 800 je Schüler – so sehr hängten sie sich in das Projekt hinein.

Höhere Leistung, weniger Stillstand, sauberes Futter

Welche Vorteile hat die Respiro-Pick-up am Feldhäcksler nun gegenüber einer herkömmlichen Pick-up? Die Aufnahmebreite beträgt tatsächlich volle drei Meter – im Gegensatz zu den 2,60 m bei einer bisher üblichen „Drei-Meter-Pick-up“. Zusammen mit den Tasträdern (die man einklappen muss) hätten diese oft 3,30 oder gar 3,50 m Außenbreite, gibt Manfred Humer zu bedenken. Bei seinem Kollegen Tobias Eichinger, der ebenfalls Lohnunternehmer und Landwirt ist, war der Prototyp im Einsatz. Auch er erkennt klare Unterschiede: „Die Rechqualität hat uns voll überzeugt. Auf unseren kupierten Wiesen kratzt eine herkömmliche Pickup an bestimmten Stellen den Boden auf. Diese Stellen waren mit der Respiro-Pick-up nicht mehr abgeschürft. Somit landen weniger Erde und Steine im Futter. Der Messerverschleiß im Häcksler ist geringer, die Futterqualität steigt – mit all den positiven Folgeeffekten.“

Durch den zusätzlichen Förderrotor werde ein besserer Gutfluss erreicht. Das ergebe eine gleichmäßige Häckslerauslastung, so Eichinger. Der Häcksler soll laut Reiter zudem in Kombination mit vorlaufenden Bandschwadern eine Mehrleistung von 15 bis 20 Prozent erreichen. Auf sandigen Flächen sinkt die Respiro-Pick-up wegen der Gleitteller nicht ein. Ebenso wenig auf moorigen Böden, auf denen herkömmliche Tasträder gerne mal „absaufen“. Die Stehzeiten würden stark verringert, weil es praktisch keine abgebrochenen oder verbogenen Zinken und keine verlorenen Rollen der Kurvenbahn gebe, sind sich die beiden Lohnunternehmer einig.

Den Prototyp will Thomas Reiter weiter testen, um ihm den Feinschliff zu geben. Sein Ziel ist, dass ein namhafter Hersteller seine Feldhäcksler-Pick-up in das Programm aufnimmt.

Die niedrige Pick-up, darüber der Zuführrotor oben sowie die Einzugsschnecke (rot) sorgen für den kontinuierlichen Gutfluss.

Die niedrige Pick-up, darüber der Zuführrotor oben sowie die Einzugsschnecke (rot) sorgen für den kontinuierlichen Gutfluss.

Die Aufnahme ist auf der gesamten Breite der Pick-up möglich.

Die Aufnahme ist auf der gesamten Breite der Pick-up möglich.

Wie geht es weiter?

Ein Marktstart hängt also davon ab, wie schnell sich ein passender Partner findet. Um über Preise zu reden, sei es deshalb noch zu früh. Die zu erwartenden Mehrkosten würden jedoch durch den oben genannten Nutzen um ein Vielfaches aufgewogen. Im nächsten Schritt soll Reiters Technik auch in die Pick-ups von Ballenpressen und Ladewagen Einzug finden.

„Für unsere Schwader-Kunden hätte das zusätzlich den Vorteil, dass sie für ihre Pick-ups die gleichen Ersatzteile verwenden können“, zeigt Thomas Reiter auf. Denn nach seinen Plänen soll aus dem Flirt mit Häckslern, Ladewagen und Pressen eine lange und glückliche Beziehung werden.

Lukas Weninger von der österreichischen Zeitschrift „Landwirt“


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus