Magazin Landtechnik

Fahrerlaubnisklassen :

Wer in der Werkstatt darf was fahren?

Mitarbeiter von Landmaschinenwerkstätten müssen Maschinen nach Wartung oder Reparatur auch fahrmäßig prüfen. Was gilt es bei Fahrten mit der L,T und CE Fahrerlaubnis zu beachten? Verkehrsexperte Günter Heitmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) gibt einen Überblick.

Fahrerlaubnisklassen: Wer in der Werkstatt darf was fahren?

Für Kfz mit mehr als 7,5 t zulässiger Gesamtmasse sowie Zugmaschinen mit über 60 km/h von der Bauart bedingter Höchstgeschwindigkeit benötigt man bei Fahrten nach der Wartung oder Reparatur die FE Klasse C bzw CE. Das Alter ist allerdings in dem Fall mit 18 Jahren ausreichend.

Was ist bei den verschiedenen Fahrerlaubnisklassen für Fahrzeuge, die ein Landmaschinenbetrieb betreut, zu beachten? Das muss der Werkstattleiter wissen, denn sonst kann im Falle eines Unfalls richtiger Ärger oder sogar eine Anklage drohen. Für Mitarbeiter im Landmaschinenservice gibt es aber auch Ausnahmen.

Klasse T

Zugmaschinen mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 60 km/h und selbstfahrende Arbeitsmaschinen, selbstfahrende Futtermischwagen mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit (bbH) von nicht mehr als 40 km/h, die jeweils nach ihrer Bauart für die Verwendung für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke (lof) bestimmt sind und für solche Zwecke eingesetzt werden (jeweils auch mit Anhängern).

Mit dem Mindestalter 16 Jahre darf man fahren: Zugmaschinen, selbstfahrende Arbeitsmaschinen, sowie selbstfahrende Futtermischwagen bis 40 km/h bbH.

Mindestalter 18 Jahre: Zugmaschinen mit mehr als 40 – 60 km/h bbH.

Die Klasse L ist durch die Führerscheinklasse T eingeschlossen.

Anmerkung: Radlader oder Bagger, die für lof Zwecke ausgerüstet – u.a. mit Silageschild oder Mähkorb – und über die Eintragung als lof Arbeitsgerät in die Zulassungsbescheinigung dafür bestimmt sind und für solche Zwecke auch eingesetzt werden, dürfen bis 40 km/h bbH mit der Klasse T geführt werden.

Klasse L

Zugmaschinen, die nach ihrer Bauart für die Verwendung für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke bestimmt sind und für solche Zwecke eingesetzt werden, mit einer bbH von nicht mehr als 40 km/h und Kombinationen aus diesen Fahrzeugen und Anhängern, wenn sie mit einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h geführt werden sowie Arbeitsmaschinen, selbstfahrende Futtermischwagen, Stapler und andere Flurförderzeuge jeweils mit einer bbH von nicht mehr als 25 km/h und Kombinationen aus diesen Fahrzeugen und Anhängern. Mindestalter 16 Jahre.

Anmerkung:

Im Rahmen der Klasse L dürfen auch selbstfahrende Arbeitsmaschinen, Stapler, Flurförderfahrzeuge geführt werden, die nicht nur für lof Zwecke eingesetzt werden, beispielsweise im Baubereich Radlader oder Bagger bis 25 km/h bbH.

Unter land- oder forstwirtschaftliche (lof) Zwecke im Rahmen der Fahrerlaubnis der Klassen T und L fallen:

1. Betrieb von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Weinbau, Gartenbau, Obstbau, Gemüsebau, Baumschulen, Tierzucht, Tierhaltung, Fischzucht, Teichwirtschaft, Fischerei, Imkerei, Jagd sowie den Zielen des Natur- und Umweltschutzes dienende Landschaftspflege,

2. Park-, Garten-, Böschungs- und Friedhofspflege,

3. landwirtschaftliche Nebenerwerbstätigkeit und Nachbarschaftshilfe von Landwirten,

4. Betrieb von land- und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen und andere überbetriebliche Maschinenverwendung,

5. Betrieb von Unternehmen, die unmittelbar der Sicherung, Überwachung und Förderung der Landwirtschaft überwiegend dienen,

6. Betrieb von Werkstätten zur Reparatur, Wartung und Prüfung von Fahrzeugen sowie Probefahrten der Hersteller von Fahrzeugen, die jeweils im Rahmen der Nummern 1 bis 5 eingesetzt werden, und

7. Winterdienst.

Als Fahrzeuge gelten alle, die den Fahrerlaubnisklassen L und T zugeordnet sind sowie Anhänger und lof Arbeitsgeräte, die von den Zugmaschinen und selbstfahrenden Arbeitsmaschinen mitgeführt werden dürfen. Das gilt auch bei Einsätzen bei der Park-, Garten-, Böschungs- und Friedhofspflege sowie Winterdienst durch entsprechende Kommunalfahrzeuge.

Fahrten nach der Wartung oder Reparatur der Fahrzeuge, Prüfungsfahrten bei der Überwachung bei Hauptuntersuchung oder Sicherheitsprüfung sowie Probefahrten der Hersteller dieser Fahrzeuge auf der Straße und bei Vorführungen sind mit L bzw. T möglich. Dies sollte man bei Kontrollen nachweisen können.

Der Transport von defekten Landmaschinen ist mit der L und T Klasse möglich (siehe Schreiben vom 21. März 2012 BMVBS, AZ: LA21/7324.4/60/1605197).

Die Fahrzeuge dürfen an die unter den lof Zwecken genannten Betriebe ausgeliehen werden.

Die Zulassung mit schwarzen Kennzeichen – also keine Kfz Steuerbefreiung – ist unerheblich, wenn der o. g. lof Zweck erfüllt ist.

Klasse C / CE (Ausnahmeregelung)

Das ist unter § 10 FeV, Nr.7, unter Anmerkung 2 zusammengefasst.

Mindestalter 18 Jahre: Fahrzeuge, die zu Wartung- oder Reparaturzwecken in gewerbliche Fahrzeugwerkstätten verbracht und dort auf Anweisung eines Vorgesetzten einer Prüfung auf der Straße unterzogen werden.

U.a.: Zugmaschinen mit mehr als 60 km/h bbH, selbstfahrende Arbeitsmaschinen mit mehr als 40 km/h bbH, Stapler und Bagger über 25 km/h bbH, Lkw, Sattelzüge etc.

Anmerkung: Gemäß der o.g. Vorgabe dürfen demnach alle Fahrzeuge der Klassen C / CE nach Wartungs- und Reparaturzwecken mit einem Mindestalter von 18 Jahren bei Prüfungen auf der Straße geführt werden.


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