Magazin Landtechnik

Erntetechnik :

Tiefer roden – schneller fahren

Rüben roden bei extremer Trockenheit – Fahrertraining gab Antworten auf die außergewöhnlichen Bedingungen

Erntetechnik: Tiefer roden – schneller fahren

Durch die extreme Trockenheit haben die Zuckerrüben jetzt nur noch wenig Blattmasse. Viele Blätter sind verwelkt oder gar lederartig, so dass für einen sauberen Schnitt des Nach- köpfers die Messer besonders scharf sein müssen (links).

Roder-Vorführung in Haus Escherde bei Nordstemmen, am Ausläufer des Hildesheimer Waldes, auf relativ gutem und siebfähigem Boden.

Roder-Vorführung in Haus Escherde bei Nordstemmen, am Ausläufer des Hildesheimer Waldes, auf relativ gutem und siebfähigem Boden.

Im letzten Jahr die extreme Nässe, in diesem Jahr der fehlenden Regen seit April: Die Ernte der Zuckerrüben stellt die Landwirte und auch die Erntetechnik vor große Herausforderungen, die zu meistern sind. In der Nähe von Bernburg fand Ende September eine Schulung der Roderfahrer statt, und die Hersteller Grimme, Holmer und Ropa stellten Roder und Trainer zur Verfügung.

Das diesjährige Fahrertraining des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes Zuckerrübe (LIZ), dem Beratungsdienst des Zuckerunternehmens Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG, stand neben der Mietenanlage und den zu vermeidenden Rode- und Rübenverlusten ganz im Zeichen der Trockenheit. Die Arbeitsqualität eines jeden Zuckerrübenvollernters wird im Wesentlichen vom Fahrer beeinflusst, betont Clemens Eßer von Pfeifer & Langen, der diese Trainings seit Jahren organisiert und durchführt. Ziel ist es, den Teilnehmern des Roderfahrertrainings die Fehler beim Einstellen deutlich vor Augen zu führen und im anschließenden praktischen Teil die Maschinen der drei teilnehmenden Hersteller optimal einzustellen.

Ernten was gewachsen ist

Wo und in welcher Höhe entstehen Verluste beim Roden, worauf ist bei einer ordnungsgemäßen Mietenanlage zu achten, und wie sollten die Maschinen auf Trockenheit und kleine Rüben eingestellt sein? Darauf gingen die einführenden Vorträge dieses Feldseminars ein. LIZ und die Hersteller hatten dazu jeweils gut bebilderte Präsentationen vorbereitet, so dass die Fahrer später an der Maschine schnell und einfach Einstellungen und Anpassungen vornehmen konnten. Das Training auf dem Acker fand parallel mit den Rodern der Firmen Grimme, Holmer und Ropa statt. In Kleingruppen demonstrierten die Vertreter der Roderhersteller am jeweiligen Maschinentyp, wie Rodefehler durch spezielle Einstellungen zu vermeiden sind. Bewusst zu tief, zu flach und in optimaler Tiefe Roden bzw. Köpfen und die Rüben dann nebeneinander legen. Auch Rüben mit Beschädigungen vom Reinigungsweg und im Bunker wurden herausgesucht und die Beschädigungsursachen erläutert. Anschließend hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, das Geschulte im Einzeltraining selbst anzuwenden und zu vertiefen.

Der Anbauberater der Zuckerfabrik Könnern, Hermann Josef Keutmann, hatte einen sehr heterogenen Zuckerrübenbestand auf einem sandigen Lehmboden ausgewählt, der den diesjährigen Erntebedingungen entspricht und der hohe Anforderungen an die Fahrer stellte. Grundsätzlich sollten in diesem Jahr auf besonders scharfe Köpfmesser geachtet werden, weil die trockenen Köpfe und Blätter gummi- bis lederartig geworden sind.

Die oszillierenden Rodeschare sind so eng zu stellen wie möglich. Für die Radrodeschare gibt es speziell für diese trockenen Bedingungen Sterne, die die seitlichen Öffnungen verkleinern.

Viele kleine und beinig gewachsene Zucker-rüben – hier im Vergleich zu einer ideal gewachsenen Rübe.

Viele kleine und beinig gewachsene Zucker-rüben – hier im Vergleich zu einer ideal gewachsenen Rübe.

Für die Radrodeschare am Maxtron bietet Grimme Sterne an, die die Zwischenräume stark verkleinern.

Für die Radrodeschare am Maxtron bietet Grimme Sterne an, die die Zwischenräume stark verkleinern.

Tiefer roden, schneller fahren

Die Rodewalzen gibt es bei einigen Herstellern auch mit etwas größerem Durchmesser, so dass die Abstände zwischen den Walzen reduziert werden können. Der Abstand zwischen Schar und Walze kann auch verkleinert werden durch das Versetzen der Schare mittels Lochbild. Es gibt Scharverlängerungen bzw. Scharleitstäbe oder Gutfluss Leitbleche für das Roden vieler kleiner Zuckerrüben.

Die Hersteller Grimme, Holmer und Ropa nahmen an der diesjährigen Roderfahrer-Schulung des LIZ in der Nähe von Bernburg teil. Ca. 45 Fahrer kamen aus der Region, aber auch aus Westfalen und Niedersachsen.

Die Hersteller Grimme, Holmer und Ropa nahmen an der diesjährigen Roderfahrer-Schulung des LIZ in der Nähe von Bernburg teil. Ca. 45 Fahrer kamen aus der Region, aber auch aus Westfalen und Niedersachsen.

Grundsätzlich gilt auf diesem leichteren Boden: tiefer roden als sonst, mit viel Erde besonders die kleinen Rüben transportieren, schneller fahren als üblich – statt 5 bis 6 in diesem Jahr lieber 8 bis 9 km/h – und auf einen gut fließenden Rübenstrom achten. Die Siebsterne schneller laufen lassen und die Roste mehr nach innen drehen, damit die Rüben zur Sternmitte gelangen und schneller in den Elevator transportiert werden. Es werden zum Teil auch Roste mit geringeren Abständen angeboten. Ein Hersteller empfiehlt allerdings, die Reinigungsstrecke langsam laufen zu lassen, um die Beschädigungen der Rüben zu minimieren. Bei den Förderelevatoren gibt es Varianten mit Abständen von nur 50 mm statt der sonst üblichen 60 mm, so dass hier weniger kleine Rüben durchfallen. Oder Kunststoffclips, die schnell aufgezogen werden können. Des Weiteren sollten die Rüben, die in diesem Jahr weniger Wasser und eine schrumpelige Haut haben (Rosineneffekt), von der Schnecke im Bunker möglichst nicht beschädigt werden, weil sonst in der Miete zu hohe Lagerverluste entstehen können. 

Für die tonigen Böden gelten andere Empfehlungen der Roderhersteller. Dort gilt es, die klebrige Erde, wenn vorhanden, über den gesamten Reinigungsweg ordentlich abzusieben, aber ebenfalls die vielen kleinen Rüben mitzubekommen.

Am Ende der Veranstaltung erhielten die ca. 45 Teilnehmer ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme an dieser Schulung. Die meisten der Fahrer kamen aus der Gegend um die Zuckerfabrik Könnern, einige aus dem Raum Lage sowie Hannover-Hameln.

Verlustbringer – Einstellungssache

Mögliche Verluste im Roder durch eine nicht optimale Einstellung der Köpf- und Rodebaugruppen. Fünf Prozent Verlust bei der Ernte sind akzeptabel, etwa zehn Prozent können dagegen vermieden werden:

  • Zu tiefes oder schräges Köpfen 2 – 7 %
  • Wurzelbruch 1,5 – 9 %
  • Verletzungen 1 – 2 %
  • Verlust ganzer Rüben 0,5 – 2 %
Der Förderelevator kann getauscht werden gegen einen mit engerem Abstand der Stäbe (50 mm statt serienmäßig 60 mm), damit nicht kleine Rüben herausgeschleudert werden.

Der Förderelevator kann getauscht werden gegen einen mit engerem Abstand der Stäbe (50 mm statt serienmäßig 60 mm), damit nicht kleine Rüben herausgeschleudert werden.

In diesem trockenen Jahr müssen die Rodeschare eng gestellt werden. Rübenleitbleche werden eingebaut und der Abstand zwischen den Scharen und Rodewalzen soll so eng wie möglich sein.

In diesem trockenen Jahr müssen die Rodeschare eng gestellt werden. Rübenleitbleche werden eingebaut und der Abstand zwischen den Scharen und Rodewalzen soll so eng wie möglich sein.

Meinung – So beurteilen Fahrer das Rodetraining

Niklas Garbe aus Groß Berkel bei Hameln fährt einen Roder für den Agrarservice Hannover-Hameln, der die Zuckerfabriken Nordstemmen und Lage beliefert. Es werden je ein Grimme Rexor 620 und 630 sowie ein Ropa Tiger 9 eingesetzt.

„Der ganze Tag beim Rodetraining war wirklich gut. Obwohl ich schon länger rode, habe ich viele neue Informationen bekommen. Interessant zu sehen waren die vielen Verstellmöglichkeiten und deren Auswirkungen auf die Rode- und Köpfqualität. Das Highlight war die persönliche Runde mit einem Profi, der sehr viel Wissen vermitteln konnte. Schließlich war es schön zu sehen, welcher Roder die Schwänze besser aus der Erde bekommt und wo unten an der Rübe mehr Bruch entsteht.“

Jörg Herrmann arbeitet in der ZR RG Mansfelder Land, die 3.000 ha Zuckerrüben im Gebiet zwischen Quedlinburg, Köthen, Dessau bis hin zur Querfurther Platte rodet. Er hat auch die Fläche für das Fahrertraining mit vorbereitet. Es werden zwei Ropa Tiger 6 und ein Ropa Tiger 5 eingesetzt, die von zwei umgebauten Eurotiger Überladefahrzeugen unterstützt werden. „Die Fahrerschulung war für mich sehr wichtig, weil in jedem Jahr andere Bedingungen in der Ernte vorliegen. Es war gut zu sehen, welche Einstellungen an den Rodern möglich sind, um die Zuckerrüben wenig zu beschädigen und möglichst viele der kleinen Rüben auch in die Miete zu bekommen. Diese Schulungen sollten möglichst in jedem Jahr angeboten werden.“


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