Magazin Landtechnik

Diebstahl von GPS Systemen :

Am nächsten Morgen war der Receiver weg

Seit gut einem Jahr berichten regionale Medien im ganzen Bundesgebiet immer wieder über Diebstähle von modernen Navigations-Systemen aus landwirtschaftlichen Maschinen. Der eilbote hat bei Geschädigten und mehreren Landeskriminalämtern nachgefragt.

Diebstahl von GPS Systemen: Am nächsten Morgen war der Receiver weg

Die Diebe gehen zwar mit äußerster Sorgfalt vor. „Da war nichts kaputt – nur weg – bis auf die Schrauben“, so einer der Geschädigten. Mal ist es nur der Signalempfänger, mal auch der Bord-Computer, die bei Nacht und Nebel, so denkt man, das Fahrzeug und den Betrieb in unbekannte Richtung verlassen. Der Sachschaden liegt schnell bei mehreren tausend Euro pro Maschine. Die Geräte sind in der Regel in das Dateien- bzw. Software-System des Betriebes eingebunden. So verschwinden unter Umständen wichtige Daten. Extrem ärgerlich, wenn die Technik zum Pflanzenschutz genutzt wird bzw. wurde.

Wo und wie oft geklaut wird

Bis Oktober 2017 hatte das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen zehn dieser Diebstähle erfasst. Zehn Diebstähle bei denen jeweils gleich mehrere Geräte verschwanden. Eine immense Steigerung gegenüber den Vorjahren. In den meisten Bundesländern, wie bisher auch in Niedersachsen, sind diese Diebstähle nicht gesondert erfasst, sondern fallen in der Polizeilichen-Kriminal-Statistik (PKS) unter die Rubrik „Diebstahl aus Fahrzeugen“. Ermittelnde Behörde ist die jeweils zuständige Polizeidirektion. Für 2016 wurden in der niedersächsischen PKS ca.11.000 einfache und ca.13.000 schwere Diebstähle aus Fahrzeugen festgehalten. In ca. 960 Fällen lag der Schaden jeweils im Bereich von 5.000 bis 25.000 Euro, in 63 Fällen bei 25.000 bis 50.000 Euro und in 34 Fällen bei mehr als 50.000 Euro.

Die GPS-System-Diebstähle lassen sich nicht daraus ablesen. Dazu heißt es aber inzwischen vom LKA Niedersachsen: „Die Ermittlungstätigkeit beschränkt sich nicht auf die Zuständigkeit, sondern orientiert sich am Verfahren. Durch das niedersächsische Vorgangsbearbeitungssystem ist gewährleistet, dass den Ermittlern die Informationen über gleichgelagerte Fälle grundsätzlich zugänglich sind.“ Diese gilt auch in den Fällen der GPS-Diebstähle. Hier arbeiten also alle Polizeidirektionen Niedersachsens Hand in Hand. Über das LKA Niedersachsen werden die jeweiligen Ermittlungsergebnisse und Ermittlungsstrategien mit den anderen LKA ausgetauscht und koordiniert.

Zu bisherigen Ermittlungsergebnissen ist das Mitteilungsbedürfnis des LKA Niedersachsen eher verhalten: „Jedwede Aussage, die im Zusammenhang mit diesen Fragen getroffen wird, muss auf Basis valider Daten erfolgen. Aufgrund des hierzu erforderlichen Rechercheaufwandes werden keine Aussagen getroffen.“

Der Strategie auf der Spur – LKA‘s in Ostdeutschland

In anderen Bundesländern ist das Phänomen der „verschwindenden Signal-Empfänger“ bereits intensiver verfolgt. Sachsen und Sachsen-Anhalt erfassen die Diebstähle von GPS-Systemen bereits seit 2015 separat, alarmiert durch die kontinuierliche Zunahme dieser Delikte und den damit verbundenen erheblichen Schadenssummen.

Das LKA Sachsen-Anhalt hat allein für den Zeitraum vom Januar bis Oktober 2017 insgesamt 24 Diebstähle erfasst, mit jeweils mehreren Geräten. Diese 24 Diebstähle sind bereits differenziert ausgewertet. So sind zum Beispiel der Saalekreis mit sechs und der Burgenlandkreis mit zehn Fällen besonders betroffene Regionen. Auffällig ist die Diebstahl-Saison. Die „heißen Monate“ waren April, Juli und Oktober – also genau dann, wenn am meisten Bewegung auf den Betrieben, in Feld und Flur ist.

In Sachsen ereigneten sich im selben Zeitraum 16 Fälle, davon acht Taten im Landkreis Nordsachsen, drei im Landkreis Leipzig, je zwei im Landkreis Meißen und Mittelsachsen und eine Tat im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Bevorzuge Monate: der Mai und August mit je fünf Taten. Hier „grasten“ die Täter die sich bietenden Optionen ab: Die zwei Taten in Meißen und Mittelsachsen sind innerhalb von zwei Tagen verübt worden. Weiterhin gab es eine Häufung von zwei Taten in Nordsachsen und einer Tat in Leipzig, welche in einem Zeitraum von vier Tagen verübt wurden.

Das LKA Thüringen erfasst ebenfalls, seit 2016, dieses Phänomen „Diebstahl von Navigationsgeräten aus landwirtschaftlichen Maschinen“ gesondert. Im Jahr 2016 sind ganze acht Straftaten erfasst, in denen GPS-Empfänger, zugehörige Bordcomputer und Displays, bzw. komplette Lenkautomatiksysteme entwendet wurden. Dabei plünderten die Spezialisten 20 Maschinen, Traktoren und Mähdrescher. Hierdurch entstand ein Schaden von ca. 240.000 Euro. Erfasst wurden im selben Jahr auch zwei Komplettentwendungen von drei Traktoren mit hochwertiger GPS-Technik. Hier entstand nochmals ein Schaden von ca. 1 Mio. Euro. Von Januar bis November 2017 wurden bereits 19 Fälle erfasst mit insgesamt 50 betroffenen Maschinen. Der derzeitige Schaden beläuft sich auf ca. 520.000 Euro. Damit hat sich der Schaden gegenüber dem Vorjahr, rechnet man die drei ver- schollenen Traktoren heraus, mehr als verdoppelt.

Die Diebe sind bei der Auswahl der Technik ziemlich versiert.

Qualitätsbewusste Diebe

Offensichtlich hat es sich auch in den Kreisen der Diebe herumgesprochen, der „springende gelbe Hirsch“ bürgt für richtungsweisende Technik.

In den meisten Fällen handelte es sich um Maschinen und Geräte der Marke John Deere. StarFire 3000 und GreenStar-Monitore bzw. deren Komponenten, wie GPS-Empfänger, Monitore und Rechner machen den Großteil der entwendeten Technik aus. Außerdem wurden auch Systeme zur Ausbringung von Düngemitteln entwendet, wie Stickstoffsensoren und entsprechende Steuerungskomponenten. Auf Baustellen wie in Sachsen-Anhalt verschwanden überwiegend Trimble-Systeme und Vermessungstechnik. In Schleswig-Holstein schlugen die Diebe in 2016 und 2017 jeweils zweimal zu und stahlen aus zwei Traktoren die Navigationsgeräte Teejet Matrix 430 und Matrix Pro 570 GS, sowie vier Antennen Teejet RXA-30. Damit sich die Expedition in den Norden auch rentiert, wurden von den Dieben auch noch Pflanzenschutzmittel und Dieselkraftstoff mit eingepackt.

DNA-Markierung der Maschinen kann Diebe abschrecken. Mehr dazu siehe unten.

DNA-Markierung der Maschinen kann Diebe abschrecken. Mehr dazu siehe unten.

Schlanke Ermittlungsbilanz

Laut LKA Thüringen ist es gelungen, zumindest einen Teil der Diebstähle aufzuklären, es bleibt eine schlanke Bilanz. Bei den gefassten Tätern handelt es sich um so genannte „reisende Tätergruppen“ aus Litauen, Polen und Rumänien. Völker von Handlungsreisenden, so könnte man meinen, sind die doch auch bei Autodiebstählen und Wohnungseinbrüchen oft genannt. Bei den erwischten Tätern war das Klischee bedient. Aber ob diese Tätergruppe allein verantwortlich ist, bleibt offen.

Die Täter sind hoch professionell. Keiner der Geschädigten fand außer „der Lücke im System“ weitere oder nennenswerte Beschädigungen vor. Die beliebten Bewegungsmelder, auf vielen Betrieben nicht nur Energiesparmodell der Hofbeleuchtung, sondern auch als Abschreckung von unliebsamen nächtlichen Besuchern, scheinen eher als Arbeitsbeleuchtung zu dienen. So waren auf einem der betroffenen Betriebe exakt die Maschinen geplündert, die im Radius des Bewegungsmelders gestanden haben. Die abseitig im Dunkeln stehenden Maschinen blieben unbehelligt. Hundegebell scheint auch nicht zu erschrecken. Also nervenstarke Profis, die extrem vertraut mit der Technik sind, genau wissen, wie die Schrauben zu lösen sind und die Zange angesetzt werden muss, ohne dass etwas herunterfällt oder es zu lange dauert.

Es stellt sich die Frage, wie die Täter Betriebe und Fuhrpark auskundschaften. Sind Fahrzeuge aufgefallen, die durch die Feldmark fuhren, oder waren zweifelhafte Vertreter auf den Betrieben?

Spionage via Web

„Alles nicht notwendig“, so einer der Kriminalbeamten. Google-Maps reicht aus, um die Lage der Betriebe, Zufahrts- und Abfahrtswege zu erkunden. Oft finden sich auch schon via Google die Betriebsnamen, über die sich gegebenenfalls auch auf den Fuhrpark schließen lässt. Für Lohnunternehmen wird die Web-Seite, als Kundeninformation gedacht, zu einem Sortiment-Katalog. Häufig sind gleich mehrere Betriebe in einem bestimmten Radius betroffen, innerhalb einer Nacht oder binnen zwei Tagen.

Vorläufiges Fazit

Die Täter gehen in der Regel sehr sorgfältig vor, sind sehr schnell und absolut leise und dreist. Sie nutzen die Zeit, in der auch in der Landwirtschaft, je nach Wetterlage, die meisten Aktionen auf dem Betrieb und dem Feld stattfinden. Also dann, wenn die Maschinen spät nach Hause kommen und morgens früh wieder eingeplant sind.

Auf der letzten Tagung des Bundeskriminalamts wurde das Thema Diebstähle von Navigationsgeräten aus landwirtschaftlichen Maschinen erstmals erörtert. Denn auch in den EU-Nachbarstaaten haben die Fälle um mehr als 150 % zugenommen, besonders auch in Frankreich.

Offensichtlich sind die Raub-Aktionen gut vorbereitet – via Google-Maps. Bisher spielte den Serientätern auch die Struktur der Polizei-Behörden in die Hände. Jede Polizeidirektion erfasste bisher solche Diebstähle als Raub aus Fahrzeugen. Eine konkrete professionelle Raub-Serie ergibt sich so nicht bzw. dauert es länger, bis es auffällig wird. Jedes Bundesland hat gleich mehrere Polizeidirektionen. Nordrhein-Westfalen hat allein schon 47 Kreispolizeibehörden. Jede Behörde erfasst diese Diebstähle. Inzwischen werden die gesammelten Fakten in den jeweiligen Landeskriminalbehörden ausgewertet und abgeglichen mit den Ermittlungsergebnissen der anderen, wie jetzt auch in Niedersachsen.

John Deere arbeitet bereits intensiv an der Sicherung der Systeme. Und einer der geschädigten Lohnunternehmer plant einen elektrischen Weidezaun in adäquater Höhe rund um das Betriebsgelände. „Wenn die Diebe schon nichts abzuschrecken scheint, dann erschrecken wir sie eben.“

John Deere – Herausforderung angenommen – Schutzmaßnahmen in der Entwicklung

Diebstähle von StarFire Empfängern und Displays sind bekannt. Betroffen sind alle Ausführungen/Modelle – herstellerübergreifend. Grundsätzlich schätzen die Kunden, dass die GPS-Komponenten sehr einfach von einer auf eine andere Maschine umgesetzt werden können. Allerdings erleichtert diese „Mobilität“ auch den Diebstahl. Als zuverlässigsten Diebstahlschutz empfiehlt John Deere, die Komponenten nach getaner Arbeit zu demontieren und sicher zu lagern, bzw. die ausgestatteten Maschinen in abschließbaren Bereichen abzustellen. Also eine ähnliche Sicherung wie bei anderen elektronischen Geräten (Laptops, iPads etc.). Die StarFire 6.000 Halterungen können mit einem Schließzylinder gesichert werden, wodurch der Zugriff deutlich erschwert wird. Für den StarFire 3.000 Receiver entwickelt John Deere aus gegebenem Anlass eine abschließbare Halterung, die nachrüstbar sein soll. Zudem werde aktuell die Möglichkeit der Entwicklung einer PIN Code Sicherung für die Aktivierung des GPS-Systems evaluiert, so ein Unternehmenssprecher.

Im Falle eines Diebstahls sind Kunden aufgefordert, ihren John Deere Vertriebspartner zu informieren, so dass dieser die gestohlenen Komponenten über den John Deere Kundendienst in einer internen Datenbank registrieren lassen kann – was bisher leider zu selten passiert.

Nur bei einer Registrierung der gestohlenen Komponenten hat John Deere die Möglichkeit der Verfolgbarkeit. Eine Ortung ist nicht möglich. Auch eine Deaktivierung der Grundfunktionalität kann technisch nicht durchgeführt werden. Es können aber damit Upgrades (SF2/3 und RTK Aktivierungen) und Verkäufe weiterer Lizenzen (SF2/3 & John Deere RTK Signal) unterbunden werden und der Nutzen der damit gestohlenen Komponenten eingeschränkt werden bzw. bei solchen Anfragen polizeiliche Ermittlungen eingeleitet werden.

Sicherheitstechnik – Mit DNA die Maschine markieren

Die DNA gilt als „der“ eindeutige Nachweis, ganz gleich, ob es um Vaterschaftsverfahren oder unverhofft verschollene Mitbewohner geht. Diese biologische Eiweißkonstruktion ist jedem Lebewesen absolut individuell zuzuordnen. Es gibt inzwischen auch die Möglichkeit, Maschinen und Geräte mit einer eindeutig identifizierbaren DNA zu markieren. Eine künstlich produzierte DNA auf winzigen Plättchen aufgetragen, lässt sich auf jeder Maschine diskret anbringen. Mit Hilfe einer UV-Lampe kann der „unsichtbare“ DNA-Chip sichtbar gemacht werden. Der Code des Chips wird in einer Datenbank zusammen mit dem Gerät oder der Maschine und dem Besitzer registriert und ist damit eindeutig zuzuordnen. Exakt so, wie die Kinder in der Nachbarschaft.

Effizient: Wird jemand über die Kamera entdeckt, wird aus der Sicherheitszentrale direkt über Lautsprecher nach dem Password gefragt.

Effizient: Wird jemand über die Kamera entdeckt, wird aus der Sicherheitszentrale direkt über Lautsprecher nach dem Password gefragt.

Das benötigte Material zur Kennzeichnung wird als Starter-Kid angeboten. Die Registrierung und Speicherung in der Datenbank kostet extra. Wenn es auch den Dieb nicht sofort abzuschrecken vermag, so ist doch die Tatsache, dass die gestohlene Ware jederzeit dem eigentlichen Eigentümer zugeordnet werden kann, im anschließenden Verkauf ein Mangel. Ein mehrsprachiger Hinweis auf die so markierten Geräte und Maschinen auf dem Betriebsgelände hat sicherlich eine auf Kriminelle abschreckende Wirkung.

Nicht zuletzt die Versicherungen fordern ihre Kunden auf, in Sicherheitstechnik zu investieren. Die Maßnahmen wie Grundstückseinfriedungen, verschließbare Tore, Bewegungsmelder mit entsprechender Lichtstärke, Videokamera-Überwachung sind je nach Versicherungssumme Voraussetzung. Eine Schaltstangen- oder Spurstangensicherung, wie der Blockierfix, den die Landtechnik Oberlausitz GmbH entwickelt hat, gehört da eher zur kostengünstigeren Sicherungstechnik, mit erfreulich hohem Wirkungsgrad. GPS-Tracker ermöglichen die Ortung des Fahrzeuges, Ortungssysteme mit Erschütterungssensor melden die Bewegung der Maschine via SMS auf das Handy. Das Geofence-Konzept ist so etwas wie der „unsichtbare Zaun“. Hier wird ein Alarm ausgelöst sobald sich die Maschine oder das Gerät aus einem digital angelegten Radius herausbewegt. Die Installation eines RFID-Chip (Radiofrequenz-Identifikation) im Fahrzeug ist ohne großen Aufwand möglich. Bei Kontrollen ist das Fahrzeug identifizierbar und kann so dem Besitzer zugeordnet werden.

Ausreichende Kennzeichnung an den Fahrzeugen und Hinweise auf dem Firmengelände haben unter Umständen eine abschreckende Wirkung. Wichtig sind dabei eine eindeutige Symbolik und gegebenenfalls der mehrsprachige Hinweis. Rolf Jansen, Assekuranz-Service-NRW GmbH: „Sehr effizient sind komplexe Sicherungssysteme, die den Dieb mit direkter Ansprache bereits am Zaun empfangen.“ Das Sicherungssystem löst einen Alarm beim Betreten des Firmengeländes aus und leitet ein Signal an einen Sicherheitsdienst, der via Video-Überwachung sehen kann, wo der Täter sich befindet und dann via Sprechanlage darauf hinweist, dass er sich verlaufen hat. „Die direkte Ansprache erschreckt auch die Diebe“, so Rolf Jansen.


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