Magazin Landtechnik

Der Werkstatt-Tipp :

Klimaservice in Zeiten der F-Gas-Verordnung

Da die Preise für Kältemittel explodiert sind, vermeiden moderne Klimaservicegeräte Verluste bei der Lecksuche

Der Werkstatt-Tipp: Klimaservice in Zeiten der F-Gas-Verordnung

Geräte wie der Waeco ASC 5300 G führen den Klimaservice vollautomatisch durch.

„Wer schlau war, hat 2017 in Kältemittel investiert“, scherzt Andreas Schöttler. „Kostete im März letzten Jahres eine 12 Kilogramm Flasche R134a noch 70 bis 80 Euro, steht der Preis aktuell bei 600 Euro für die Werkstatt.“ Die Ursache für diese Preisexplosion liegt in der EG-Verordnung 517/2014, kurz F-Gas-Verordnung, die eine Reduktion der Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und anderer Gase mit einem hohen Treibhauspotenzial für die Kältemittelindustrie und für Importeure vorschreibt.

Die Hersteller fluorierter Treibhausgase stellen sich auf den Gesetzgeber ein und verlagern ihre Kapazitäten auf Kältemittel, die weniger Treibhaus schädigend sind. Diese Faktoren führen zu einer Verknappung und damit einhergehend zu der Preisexplosion. „Und ein Ende der Spirale ist nicht in Sicht“, warnt Andreas Schöttler. „Umso wichtiger ist ein sorgfältiger Umgang mit dem Kältemittel im Service.“

Moderne Klimaservicegeräte helfen dabei, beim Service und bei der Lecksuche unnötigen Kältemittelverlust zu vermeiden. Die Klimaanlage wird im ersten Schritt vom gesamten Kältemittel, von Dreck, Wasser und Öl befreit. Das Gerät reinigt das Kältemittel von allen Fremdstoffen und nutzt das zwischengelagerte Gas am Ende des Services wieder zum Befüllen der Klimaanlage.

Im nächsten Schritt wird die Anlage getrocknet. „Luftfeuchtigkeit und Wasserrückstände können zu Leistungseinbußen und im schlimmsten Fall zu Schäden durch Korrosion führen“, weiß Andreas Schöttler. „Um das zu vermeiden, fährt das Servicegerät den Druck im System deutlich runter, wodurch auch die Luftfeuchtigkeit stark reduziert wird. Das dauert auch mal bis zu 40 Minuten.“

Im Anschluss läuft der automatische Vakuumtest. Dabei wird der Luftdruck im System noch einmal deutlich reduziert. Andreas Schöttler erklärt den Prozess: „Gibt es ein Leck, strömt immer wieder Luft nach. Das Gerät erkennt das, unterbricht den Prozess und informiert den Anwender.“

Ist aber alles in Ordnung, befüllt das Servicegerät das System mit dem alten Kältemittel und ergänzt – falls nötig – fehlende Mengen. Zudem können je nach Voreinstellung Öl sowie Kontrastmittel hinzugefügt werden. Das Öl schmiert das System und erhöht die Dichtigkeit der Schläuche, das Kontrastmittel erleichtert eine spätere Lecksuche. „Dann sollten Land- und Baumaschinenmechatroniker aber immer einen Hinweis auf dem Serviceetikett anbringen. So können sich Kollegen bei einem späteren Service oder Defekt gleich auf die Lecksuche machen“, rät Andreas Schöttler.

Apropos Lecksuche: Früher wurde im Schadensfall dem Kältemittel einfach ein Lecksuchadditiv beigefügt, der Druck durch Zugabe zusätzlichen Kältemittels erhöht und so das Leck gesucht. Dabei entwich viel Kühlmittel, was heute sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes unbedingt vermieden werden sollte und rein juristisch auch nicht zugelassen ist. Deshalb empfiehlt es sich, das System mit einem entsprechenden Gerätesatz mit Stickstoff oder mit Formiergas abzudrücken, wenn der Vakuumtest ein Leck gemeldet hat. Mit Hilfe eines elektronischen Lecksuchgeräts zum Beispiel für die Kühlmittel R134a, R1234yf und für Formiergas oder einer UV-Taschenlampe – sofern zuvor Kontrastmittel zugegeben wurde – lässt sich dann erkennen, wo das Gas austritt.

Kältemittel – Nach R134a ist vor R1234yf

In der Pkw-Branche bis 3,5 Tonnen ist die Verwendung von R134a in Neuwagen bereits seit dem November 2014 verboten. Stattdessen kommt das Kühlmittel R1234yf zum Einsatz. „Das beeinflusst nicht nur die Produktionsmengen der Hersteller und damit massiv den Preis von R134a“, gibt Andreas Schöttler zu bedenken. „Die Situation in der Pkw Branche gibt uns auch einen Ausblick auf die Landtechnik.“ Mittelfristig wird die Umstellung auf R1234yf auch hier stattfinden. Claas zum Beispiel verbaut bereits in den ersten Schleppermodellen Klimaanlagen mit dem neuen Kühlmittel. Für Werkstätten bedeutet der Wechsel vom hoch umweltschädlichen R134a zum weniger schädlichen, dafür aber leicht entflammbaren R1234yf im ersten Schritt einmal eine Investition. Stand heute lassen sich laut Herstellern bisherige Klimaanlagen nämlich nicht einfach mit dem neuen Kühlmittel betreiben. Und auch für den Klimaservice braucht man zwei unterschiedliche Servicestationen. Den Unterschied kennt Andreas Schöttler: „R1234yf ist anders als R134a hoch entflammbar. Deswegen sind die Geräte ganz anders aufgebaut. Sie verfügen über eine Innenbelüftung, die Elektrik ist abgeschirmt.“ Für Landtechnikbetriebe bedeutet das, dass sie in den kommenden Jahren zweigleisig fahren müssen.

Werkstatt-Experte

Andreas Schöttler.

Andreas Schöttler.

Andreas Schöttler verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Ausrüstung und der Organisation von Werkstätten. Er kennt fast jede Herausforderung, die relevanten Vorschriften und Auflagen sowie die Bedürfnisse bei der täglichen Werkstattarbeit. Andreas Schöttler ist beim Ersatzteil-Großhändler Granit als Produktmanager für den Bereich Werkstattausstattung und Werkstattbedarf zuständig. Er betreut das Sortiment in diesem Bereich und berät in seinen Aufgabenbereichen Landmaschinenhändler.


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