Magazin Wirtschaft

CEMA :

In Europa mehr Traktoren zugelassen

Europaweit zehn Prozent Plus im ersten Halbjahr 2019 – CEMA erwartet stabile Traktorennachfrage – Branchenbarometer zeigt leicht abwärts – Brexit dämpft Erwartungen

CEMA: In Europa mehr Traktoren zugelassen

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 konnten die Traktorenzulassungen europaweit um zehn Prozent zulegen. Das teilt jetzt CEMA, der Europäische Dachverband der Landmaschinenindustrie, mit. Demnach wurden in der EU und weiteren europäischen Staaten von Januar bis Juni 96.428 landwirtschaftliche Fahrzeuge neu zugelassen, darunter 75.143 Maschinen mit mehr als 37 kW (50 PS) Motorleistung. Die übrigen 21.285 hatten weniger Pferdestärken unter der Haube. Insgesamt stuft CEMA lediglich 77.383 dieser Fahrzeuge als Traktoren ein; bei dem Rest handelt es sich demnach um andere Maschinentypen wie zum Beispiel Quads oder Teleskoplader.

EU-Gesetze wirken nach

Den mit zehn Prozent recht hohen Anstieg der Traktorenzulassungen führt CEMA allerdings auf Vorzieheffekte zum Jahresende 2017 zurück: Das Inkrafttreten neuer Rechtsvorschriften am 1. Januar 2018 hat demnach zu hohen Zulassungszahlen im Dezember 2017 geführt – jedoch ohne eine Erhöhung der zugrunde liegenden Nachfrage. Folge seien relativ niedrige Zulassungszahlungen im ersten Quartal 2018 gewesen.

Wenn man diesen ungewöhnlichen Peak bei der Trendermittlung außer Acht lasse, setze sich im ersten Halbjahr 2019 die leichte Erholung der Traktorennachfrage aus dem Jahr 2018 fort.

Starkes Plus in Frankreich

Bis auf die Leistungsklasse über 221 kW seien in allen anderen Klassen die Zulassungszahlen gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 angestiegen. Wie der Dachverband mitteilt, hatte die Hälfte aller zugelassenen Traktoren weniger als 75 kW Motorleistung. Nur jeder vierte war mit über 110 kW ausgestattet.

Deutschland und Frankreich sind weiterhin die beiden größten Traktorenmärkte in Europa. Hier seien die Neuzulassungen signifikant um 21 beziehungsweise 47 Prozent in den ersten sechs Monaten 2019 gegenüber 2018 angestiegen. Auch in Italien verzeichnete die CEMA mit plus sechs Prozent einen moderaten Anstieg der Zulassungen; in Spanien beläuft sich das Plus sogar auf 19 Prozent. Deutliche Zuwächse waren laut CEMA-Angaben auch in Finnland, Österreich, Schweden, Norwegen, Ungarn, Serbien, Kroatien, den Niederlanden, Belgien und der Slowakei zu verzeichnen. Dagegen seien die Zulassungen in Großbritannien um 3,5 Prozent zurückgegangen.

Unterschiedliche Entwicklungen

In Bezug auf Deutschland stellen die CEMA-Wirtschaftsexperten fest, dass die Lagerbestände in den Jahren 2018 und 2019 angesichts des Inkrafttretens mehrerer regulatorischer und gesetzlicher Änderungen weiter gestiegen sind. Davon hätten die Umsätze der Hersteller im vergangenen Jahr wiederholt profitiert. Das hohe Niveau ist allerdings aus CEMA-Sicht nicht weiter zu halten. Die Endkundenmärkte hätten dagegen nur geringfügig zugenommen, für Stabilität hätten vor allem der Händlerdruck und die anhaltende allgemeine Investitionsbereitschaft gesorgt. Die im vergangenen Jahr stark rückläufigen Zulassungen hätten aufgrund des „Mother-Regulation“-Effekts im ersten Halbjahr 2019 deutlich höher als im Vergleichszeitraum 2018 gelegen: Allein bei Traktoren über 50 PS ermittelte CEMA ein Plus von 18 Prozent. Allerdings erwartet der Europäische Dachverband für das zweite Halbjahr nun deutlich geringere Wachstumsraten. Nach Einschätzung der Experten dürften die Zulassungen bei Traktoren über 50 PS für das Gesamtjahr 2019 aber immer noch acht bis zehn Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.

In Frankreich boomen derzeit die Traktorzulassungen. Laut CEMA stiegen sie im ersten Halbjahr um 47 Prozent. Selbst bei Datenkorrektur durch die Herausnahme der ungewöhnlichen Zulassungs-Peaks im Dezember 2017 und Dezember 2018, würde das Plus noch 25 Prozent betragen, macht CEMA deutlich. Der Verband führt dieses starke Wachstum auf den Anstieg des landwirtschaftlichen Einkommens in Frankreich zurück. Die Betriebe würden nach mehreren Jahren sparsamer Ausgaben für Landtechnik wieder mehr investieren. Für die zweite Jahreshälfte rechnet der Europäische Dachverband zwar mit einer Wachstumsverlangsamung, erwartet aber eine 25-prozentige Steigerung der Traktorenzulassungen über das gesamte Jahr gesehen.

In Italien wurden seit Jahresbeginn bis Ende Juni 10.024 Einheiten zugelassen und damit 6,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018, berichtet CEMA. Der Verband wertet dieses als positives Zeichen, obwohl der Markt in den letzten Jahren einen deutlichen Stillstand zugunsten von Gebrauchtfahrzeugen aufweise. Mit 37.807 Einheiten wurden demnach im Jahr 2018 mehr als doppelt so viele gebrauchte wie neue Traktoren verkauft. Zudem seien in Italien in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits 19.590 Gebrauchttraktoren verkauft worden. Für CEMA Grund zur Sorge, denn dieser Wert übersteige die Anzahl der Neuzulassungen im Gesamtjahr 2018 um mehr als tausend Einheiten.

In Großbritannien dagegen führt der laufende Brexit-Prozess zu Marktschwankungen, die sich auch in den Zulassungszahlen widerspiegeln: Sie seien im ersten Quartal gesunken, im April stark angestiegen, um dann im Mai und Juni wieder zu sinken. Insgesamt seien die Traktorenzulassungen im ersten Halbjahr um vier Prozent gefallen. Zudem habe sich der Auftragseingang insgesamt verlangsamt. CEMA erwartet daher, dass die zweite Jahreshälfte schwieriger werden dürfte – zumindest bis mehr Klarheit darüber besteht, wie und wann das Vereinigte Königreich die EU verlassen wird.

Allgemeine Dynamik schrumpft

Es scheint, als blickten die europäischen Hersteller weniger optimistisch in die Zukunft. Wie das CEMA-Barometer vom September zeigt, liegt der allgemeine Geschäftsklimaindex der Landtechnikindustrie in Europa nun zum dritten Mal in Folge im negativen Bereich.

In der monatlichen Konjunkturumfrage des Europäischen Dachverbandes bewerten die Hersteller sowohl die aktuellen als auch die zukünftigen Geschäftserwartungen negativ. Laut CEMA bestätigt sich ebenfalls die prognostizierte Verlangsamung des Auftragseingangs: Aktuell rechnen 44 Prozent der Unternehmen mit einem Rückgang ihres Auftragseingangs innerhalb der nächsten sechs Monate; im Vormonat waren es nur 33 Prozent.

Laut CEMA ist Frankreich nach wie vor die einzige positive Ausnahme. Hier erwartet die Mehrheit der Befragten für die nächsten sechs Monate einen Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen hätten sich nun die Schweiz, Italien und Spanien den negativen Indizes angeschlossen. Aus CEMA-Sicht spiegeln sich auch in der Umfrage die aktuellen Entwicklungen des Brexit-Prozesses wider, wobei die Erwartungen für Großbritannien deutlich zurückgegangen seien.


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