Magazin Landtechnik

Agravis :

Schwieriges Jahr für die Biogasbranche

Neben Trockenschäden bei Mais und Gras mussten Biogasanlagenbetreiber im Jahr 2019 mit vielen neuen Verordnungen kämpfen, zeigt der Biogas-Marktbericht von Agravis.

Agravis: Schwieriges Jahr für die Biogasbranche

Die Biogasbranche muss wegen immer neuer Auflagen viel Technik nachrüsten.

Mit gemischten Erwartungen gehen Betreiber von Biogasanlagen in ein weiteres Betriebsjahr.
Zwar hat sich Biogas in Zeiten schwacher Erzeugerpreise als wichtige Säule der Landwirtschaft etabliert. Mit Blick auf das Ende der EEG-Vergütung und die Liquiditätssituation der Betriebe aber werden Neuinvestitionen noch eingehender auf ihre Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit hin geprüft, zeigt der Marktbericht Biogas der Agravis.
Zahlreiche Betriebe hatten 2019 aufgrund von trockengeschädigten Mais- und Grasernten mit Problemen in der Substratversorgung und im Anlagenbetrieb zu kämpfen. Auch wenn die diesjährigen Erntemengen Silomais in vielen Regionen im Durchschnitt besser als im Vorjahr waren, sind die Qualitätsparameter insbesondere in Regionen mit längeren Trockenphasen nicht ausreichend für höchste Gasausbeuten.

Düngeverordnung reduziert Güllevergärung

Einsparpotenziale suchen viele Betreiber in der Anpassung ihres Substratmix; hier finden sich unterschiedliche Konzepte für eine effizientere Aufbereitung, Einbringung oder Substitution der Inputstoffe. Die Erfahrungen lehren jedoch, dass nicht alle Konzepte auch einen Mehrwert bieten. Die im Güllebonus festgelegten Mindestmengen von 30 Masseprozent Wirtschaftsdünger werden, bedingt durch die Futterknappheit im zurückliegenden Jahr, zum Teil deutlich überschritten. Entscheidend dafür ist natürlich, dass die Nährstoffbilanz der Betriebe bzw. die Möglichkeiten der Gärrestabgabe einen wirtschaftlichen Substrateinsatz zulassen. Bei manchen Biogasanlagen führte die Novellierung der Düngeverordnung leider zu einer Reduzierung der Wirtschaftsdünger im Substratmix.

Anlagenflexibilisierung ermöglicht Zusatzerlöse

Mit zunehmender Betriebsdauer nimmt auch der Anteil betriebsbedingter Anlagenrevisionen zu. Ersatzinvestitionen in Behälter, Behälterdächer, BHKW- oder Anlagentechnik betreffen dabei nicht nur Anlagen mit mehr als acht Jahren Betriebsdauer. Im Zuge größerer Ersatzinvestitionen müssen die Betreiber Lösungen finden, die einen langfristigen Anlagenbetrieb und das Erzielen von Zusatzerlösen ermöglichen. Ein häufig genutzter Baustein ist die Anlagenflexibilisierung. Seit Januar 2012 haben Betreiber von Biogasanlagen die Möglichkeit, die installierte Motorleistung zu erweitern, entweder als flexible Zusatzleistung oder zur Steigerung der Höchstbemessungsleistung.

Große Vorteile für den deutschen Energiemarkt

Bei allen langfristigen Entscheidungen, die Betreiber von Biogasanlagen treffen müssen, geht es auch um Perspektiven nach Ablauf der auf 20 Jahre begrenzten Vergütungssicherheit. Trotz der aktuell unsicheren politischen Rahmenbedingungen bringt die Biogasproduktion laut Agravis mit ihrer Speicherbarkeit und Flexibilität in der Energieerzeugung große Vorteile für den deutschen Energiemarkt mit sich. Und besonders im Hinblick auf die zwingend notwendige Reduzierung von Treibhausgasen kann die Biogasproduktion einen erheblichen Mehrwert zum Erreichen der Klimaziele leisten. Dazu bedarf es einerseits einer klaren politischen Strategie, die eine wirtschaftlichen Perspektive über den EEG Zeitraum ermöglicht. Andererseits muss der Biogassektor neue, innovative Konzepte finden. Hierzu zählt neben der dezentralen Energieproduktion auch die Erzeugung von Biomethan oder Kraftstoff für den Schwerlastverkehr.


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