Magazin Logistik

Huesker Synthetic :

Mit Gülle hin, mit Schotter retour

Kombifracht: Teure Leerfahrten vermeiden – Flüssigkeiten und Feststoffe mit einem Fahrzeug im Wechsel transportieren – Flexible Lkw-Transportlösung aus Sattelmulde mit PVC-Sack bewährt sich im Praxiseinsatz

Huesker Synthetic: Mit Gülle hin, mit Schotter retour

Flexcover Combi Plus: Hin mit flüssigem Wirtschaftsdünger, retour mit Schüttgütern oder Stroh.

Arbeiten eng zusammen: Erwin Hilbert (l.) und Christian Harde.

Arbeiten eng zusammen: Erwin Hilbert (l.) und Christian Harde.

Im vergangenen Jahr hat die Firma Huesker Synthetic aus Gescher die Transportlösung Flexcover Combi auf den Markt gebracht, mit der ein Muldenkipper zum Gülletransporter umfunktioniert werden kann. Noch einen Schritt weiter ging das münsterländische Unternehmen auf der Agritechnica 2017, indem es mit Flexcover Combi Plus die Studie eines flexiblen PVC-Tanksystems für Lkw vorstellte. Bei der Entwicklung legten die Huesker-Ingenieure das Hauptaugenmerk auf die Vermeidung von Leerfahrten, die bekanntlich die Wirtschaftlichkeit eines Lkw-Tankaufliegers verringern. Im Idealfall sollte schließlich jeder zurückgelegte Kilometer einem Transport dienen. Darüber hinaus soll das neue System deutliche Nutzlastvorteile gegenüber Kombifahrzeugen mit geometrisch festen Ladebereichen bieten.

Mittlerweile bewähren sich bereits vier Prototypen im harten Alltagseinsatz. Ein weiteres Fahrzeug will Huesker demnächst für Vorführungen nutzen. Ab Sommer 2018 sollen dann zehn Fahrzeuge in die Produktion gehen, in denen die Erfahrungen aus den Prototypeneinsatz bereits umgesetzt sind.

Eine leistungsstarke Drehkolbenpumpe befüllt den 27-Kubikmeter-Sack mit Gülle.

Eine leistungsstarke Drehkolbenpumpe befüllt den 27-Kubikmeter-Sack mit Gülle.

Kurze Wege

Das optisch ansprechende tiefschwarze Agritechnica-Ausstellungsstück befindet sich derzeit bei dem Agrar- und Umweltservice Möllers, der es im Wechsel zum Transport von Schüttgütern und Flüssigsubstraten einsetzt. Hauptbetriebszweig ist der Bereich Nährstoffmanagement, der unter anderem den Transport von überschüssigem Wirtschaftsdünger aus der Veredelungsregion Münsterland in verschiedene Aufnahmeregionen umfasst.

Seinen Sitz hat das Unternehmen Möllers, das elf festangestellte Mitarbeiter und 25 Aushilfskräfte beschäftigt, in Dülmen, wo Huesker einen weiteren Produktionsstandort für den Bereich Industrie & Agrar betreibt. „Daher können wir auf kurzem Wege wertvolle Erkenntnisse bezüglich Funktionalität und Haltbarkeit gewinnen. Die Erfahrungswerte, die Möllers im praktischen Einsatz des Fahrzeugs gewinnt, setzen wir direkt in der Weiterentwicklung des Systems um“, fasst Erwin Hilbert, Vertriebsmanager der Firma Huesker, die Vorteile der Kooperation quasi direkt vor der Haustür zusammen.

„Der unkomplizierte Wechsel vom festen zum flüssigen Transportmedium, die einfache Bedienung und die Nutzlastvorteile machen den Alu-Auflieger für uns interessant“, berichtet Diplom-Agraringenieur Christian Harde aus Sicht der Firma Möllers. Das Agrarserviceunternehmen muss die Überschüsse an Wirtschaftsdüngern aus der viehdichten Heimatregion in der Regel über weite Strecken bewegen. Dabei kommt es natürlich auf ein großes Transportvolumen an. Allerdings lassen Fahrten ohne Rückfracht die Transportkosten schnell in die Höhe schießen.

Bis Ende vergangenen Jahres führte das Unternehmen Möllers die Flüssigkeitstransporte ausschließlich mit den firmeneigenen Tankaufliegern durch. Das Problem aus Hardes Sicht: Nachdem die Sattelzüge Gülle oder Gärreste in oftmals weit mehr als hundert Kilometer entfernte Ackerbauregionen in Ostwestfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz geliefert haben, müssen sie die weiten Strecken leer zurückfahren. „Doch mit einem leeren Zug lässt sich kein Geld verdienen. Außerdem bleiben die Kosten für Personal, Maut und Diesel bestehen“, rechnet Harde vor.

Nachdem Huesker das Muldenkipper-Upgrade Flexcover Combi vorgestellt hatte, entstand daher beim Agrarservice Möllers der Wunsch, eine ähnlich flexible Transportlösung für Lkw nutzen zu wollen. Das war der Startpunkt für die Zusammenarbeit mit Huesker.

Denn im Nährstoffgeschäft ist Flexibilität gefragt. „Der Gülletransport ist ein saisonales Geschäft“, erklärt Harde. Wie er berichtet, muss der flüssige Wirtschaftsdünger „Just in Time“ und damit vor allem im zeitigen Frühjahr zu Vegetationsbeginn zur Verfügung stehen. Zwar könnte die Anlieferung der Gülle eigentlich kontinuierlich über das ganze Jahr erfolgen. Allerdings stünden dafür in den Ackerbauregionen nicht genügend Lagerstätten zur Verfügung, in denen die flüssigen Wirtschaftsdünger bis zum optimalen Ausbringzeitraum zwischengelagert werden können.

Problem bei den so genannten Kombitrailern, die für den Wechseltransport von Gülle und Futtergetreide ausgelegt sind, sind Christian Harde zufolge Zwischenfahrten, die anfallen, weil zum Beispiel die Gülle bei einem Ackerbauern abgeliefert wird, das Getreide aber bei einem 30 Kilometer entfernten Futtermittelhersteller aufgenommen werden muss. „Dadurch gehen wirtschaftliche Vorteile schnell wieder verloren“, argumentiert Harde. Dagegen sei man mit dem neuen Huesker-System sehr viel unabhängiger, weil es sich nicht nur zum Transport von Futtergetreide, sondern auch von anderen Schüttgütern eigne.

Die niedrige Ladehöhe von 3,60 m erleichtert das Beladen.

Die niedrige Ladehöhe von 3,60 m erleichtert das Beladen.

Die Volumenklappe kann bis zu 90 Grad geöffnet werden.

Die Volumenklappe kann bis zu 90 Grad geöffnet werden.

Hohe Nutzlast

In diesem Zusammenhang lobt Christian Harde die mit nur 3,60 Metern vergleichsweise niedrige Ladehöhe des Kippaufliegers, was das Beladen mit den verschiedenen Gütern erleichtert. Schließlich hat der Agrar-Dienstleister eine breite Palette zu bieten, die von Festmist über Zuckerrüben und Strohballen bis hin zu Bau- und Brennstoffen reicht.

Grundlage des tiefschwarzen Kombi-Fahrzeuges ist eine Kippmulde mit 9,50 Meter Ladelänge und insgesamt 50 Kubikmeter Ladevolumen für feste Schüttgüter. Sie ist aus dem leichten Werkstoff Aluminium gefertigt und wiegt daher keine sechs Tonnen, so dass hohe Zuladungen realisiert werden können. Der Kombi-Sattelanhänger hat ein dreiachsiges Fahrgestell mit Achslift an der ersten Achse, die auf schwierigem Terrain angeliftet und so als wirkungsvolle Anfahrhilfe genutzt werden kann. Lieferant des KTL-beschichteten Alu-Kippsattelaufliegers ist die Firma Kloos-Fahrzeugbau aus Wilnsdorf im Siegerland.

Agrarservice Möllers setzt das Gespann aus DAF Sattelzugmaschine und Kippsattelauflieger auch zum Rübentransport ein.

Agrarservice Möllers setzt das Gespann aus DAF Sattelzugmaschine und Kippsattelauflieger auch zum Rübentransport ein.

Heckklappe mit Pumpe

Der Clou des Fahrzeugs ist jedoch sein modularer Aufbau mit einem flexiblen Lagersack, der Wechseltransporte von Flüssigkeiten und Feststoffen ohne Umbau möglich macht. Huesker hat dafür eigens eine spezielle rapsdichte demontierbare Heckklappe entwickelt, in der ein textiler Flüssigkeitstank sowie entsprechende Pump- und Zuleitungstechnik untergebracht sind. Sie wiegt nach Firmenangaben knapp eine Tonne und erweitert die Länge der Alumulde nur um etwa 50 Zentimeter, so dass der Trailer kompakt und wendig bleibt. Schaut man sich die Systemklappe näher an, so findet man eine gewichtsoptimierte Drehkolbenpumpe von Börger vom Typ FL1036, die den Sack über eine 6-Zoll-Zuleitung mit bis zu 6.000 Liter Flüssigkeit in der Minute befüllen kann.

„Außerhalb der Güllesaison kann die Systemklappe mit integrierter Pumptechnik und textilem Lagersack zügig mithilfe eines Teleskopen gegen die Alu-Standardklappe austauscht werden. Dann erhöht sich die mögliche Zuladung um eine weitere Tonne“, erläutert Erwin Hilbert.

Beim Prototyp, der für die Firma Möllers im Einsatz ist, kann die Befüllung ebenso wie die Entleerung komfortabel per Fernbedienung gesteuert werden. Das Agrarunternehmen setzt den textilen Tank für den Transport von Gärresten, Rohgülle sowie nährstoffreicherer Dickgülle ein. Beim Befüllvorgang wickelt sich der eckig konfektionierte Sack selbstständig nach vorne in die Mulde ab und schmiegt sich dabei langsam an die Bordwände an. Drucksensor und Überdruckventile gewährleisten ein sicheres Betanken. Ist der Behälter voll, gibt es ein akustisches und optisches Signal. „Dann fasst er bis zu 27 Kubikmeter“, sagt Harde und betont, dass das Betanken mit Gülle nicht länger als 12 Minuten dauert. Etwa genauso schnell geht das Entleeren mittels externer Pumpe über die Bühne. Damit die Gülle schneller zum Auslaufstutzen läuft, kann die Mulde dabei leicht angekippt werden. Dank integrierter Spülfunktion können die Feststoffe, die sich während der Fahrt absetzen, wieder aufgerührt werden, so dass die Flüssigkeit wieder homogen wird.

Während der Entleerung wird der Güllesack mithilfe einer Haspel hydraulisch aufgerollt und wieder platzsparend im Heck der Mulde verstaut.

Sicher durch die Kurve

Dafür, dass der Schlauch auch bei intensiven Einsätzen keine Risse davonträgt, soll die Knickfestigkeit des PVC-beschichteten Gewebes sorgen. Die hochfeste Membran stammt übrigens aus dem Bereich der Güllelagerabdeckung und bringt pro Quadratmeter etwa 1.150 Gramm auf die Waage. Daher gibt es umfangreiche Erfahrungswerte, was ihre UV- und Chemikalienbeständigkeit angeht. Auch die Angst vor Beschädigungen durch spitze Gegenstände kann Vertriebsmanager Hilbert entkräften. Sie können demnach ähnlich wie beim Fahrradschlauch repariert werden. „Sollte das passieren, reißt das Material nicht weiter. Der Sack platzt also nicht.“

Sobald der flexible Tank prall gefüllt ist, liegt er formschlüssig an den Wänden der Alumulde an. Daher hält sich die Schwallwirkung bei Kurvenfahrten, Brems- oder Beschleunigungsmanövern auf der Straße laut Christian Harde in angenehmen Grenzen. „Der Fahrer merkt fast nichts. Gegenüber fester Ladung sind kaum Unterschiede zu spüren.“ Diese Erfahrung des Diplom-Agraringenieurs bestätigt auch der TÜV Süd, der die Ladungssicherung der Prototypen bereits in speziellen Fahrtests überprüft und anerkannt hat.

Auch beim Feststofftransport hat Christian Harde bereits gute Erfahrungen mit dem Prototyp sammeln können. „Die Alumulde ist topp“, sagt er und lobt die Vorteile des leichten Werkstoffs. Sogar klebrigen Ton habe er bereits problemlos transportiert und dank des Kippwinkels von bis zu 49 Grad restlos entladen.

Was den Transport von abrasiven Schüttgütern angeht, macht Huesker bewusst keine Einschränkung bei den Prototypen. „Alles ist möglich – egal ob Steine, Kies, Splitt, Schotter oder Abbruchmaterial“, betont Hilbert. Schließlich gehe es darum, valide Praxiserfahrungen im Prototypeinsatz zu sammeln. Ab Sommer sollen ja bereits die nächsten Fahrzeuge in die Produktion gehen. Dann soll es neben der Systemklappe für organische Dünger eine weitere geben, die speziell für den Transport von Flüssigfutter ausgelegt ist. Darüber hinaus ist bereits eine dritte Systemklappenversion für flüssigen Mineraldünger in Planung, damit zum Beispiel Spediteure die Kippmulde noch flexibler einsetzen können. In Abhängigkeit von den verschiedenen Flüssigkeitsdichten sind natürlich die Volumina der Säcke und die Anschlussdurchmesser der Zuleitungen entsprechend ausgelegt.

Im Gespräch mit Erwin Hilbert und Christian Harde wird deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Huesker und dem Agrardienstleister Möllers vom lebendigen und kritischen Austausch lebt.

Erwin Hilbert erklärt den Aufbau der speziellen Huesker-Transportlösung.

Erwin Hilbert erklärt den Aufbau der speziellen Huesker-Transportlösung.

Christian Harde: „Leerfahrten kosten Geld.“

Christian Harde: „Leerfahrten kosten Geld.“

Noch mehr Flexibilität

Wie beide Männer betonen, werden Anregungen und Probleme, aber auch Lösungen auf dem kurzen Dienstweg geteilt. So hat Hilbert unter anderem gelernt, dass die Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Dienstleisters nicht unbedingt eine Fernbedienung für die Pumpentechnik und die Heckklappe benötigen. Stattdessen habe man den schwarzen Kippauflieger auf Wunsch von Möllers mit speziellen Kunststoffrohren nachgerüstet, in die die Gülleschläuche zum Transport einfach eingeschoben werden können. In diesem Zusammenhang kündigt Hilbert an, dass die nächsten Fahrzeuge mit einer Vollverhausung im Heck, also mit einer vollverkleideten Systemklappe ausgeliefert werden, die keinen Blick mehr auf Pumpe oder Schwenkstutzen zulässt, so dass sie von außen nicht mehr als Gülletransporter zu erkennen sind. – Ein weiterer Punkt, mit dem Huesker den Wünschen der Kundschaft nachkommt.

Huesker Synthetic – Hightech-Fasern für die Welt

Die Huesker-Gruppe mit Hauptsitz im westfälischen Gescher gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Geotextilien. Mit zehn Tochtergesellschaften agiert sie global in über 60 Ländern und beschäftigt mehr als 560 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr belief sich der Jahresumsatz auf rund 130 Millionen Euro.

Bereits vor 150 Jahren wurde das Unternehmen in Gescher gegründet; damals wurden Baumwollstoffe gewebt. Heute entwickeln die Ingenieure dort Hightech-Fasern, die für die Bereiche Erd- und Grundbau, Straßen und Verkehrswege sowie Wasserbau und Umwelttechnik gefertigt werden. Einen weiteren Standort betreibt Huesker im rund 30 Kilometer entfernten Dülmen, wo hauptsächlich Systeme für den Geschäftsbereich Industrie & Agrar entwickelt und produziert werden.

In der Landwirtschaft ist Huesker als Komplettanbieter von natürlichen Lüftungs-Systemen für Milchvieh-, Schweine- und Geflügelställe bekannt. Darüber hinaus entwickelt und vermarktet das innovative münsterländische Unternehmen Biogasdächer, Flüssigkeitslager sowie Abdecksysteme für Güllebehälter und Silagen.


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus