Magazin Pflanzenschutz & Düngung

Düngetechnik :

Beim Streuen kein Geld verschleudern

Streufehler fallen vom Feldrand nicht immer gleich ins Auge – Feldtag zeigt, dass ein Nachjustieren des Düngerstreuers wenig Zeit kostet, aber mehr für Wirtschaftlichkeit und Umwelt bringt, als manchem Landwirt bewusst ist.

Düngetechnik: Beim Streuen kein Geld verschleudern

Aha-Effekte beim Düngerstreuer-Feldtag. Bei den Fahrten auf der Messstrecke mit Prüfschalen zeigte die Auswertung durch Ulrich Lossie, dass alle vorgestellten fünf Düngerstreuer vor dem Feldeinsatz nachjustiert werden sollten.

Nach jeder Überfahrt wurden die Körnermengen in den Prüfschalen für die Auswertung gewogen.

Nach jeder Überfahrt wurden die Körnermengen in den Prüfschalen für die Auswertung gewogen.

Für Maximilian von Oer, Vorstand der Agrargenossenschaft Bockendorf e. G., liegen die Schlussfolgerungen nach dem Düngerstreuer-Check auf der Hand: „Wir werden unsere Prüfschalen künftig öfter vor dem Start der Arbeiten für die Optimierung der Einstellung des Düngerstreuers einsetzen.“ Damit brachte der Landwirt zum Ausdruck, was vermutlich auch andere Teilnehmer nach einem Feldtag im September vergangenen Jahres auf ihre To-do-Liste gesetzt hatten. Für die praktischen Vorführungen von Schleuderstreuern der Hersteller Rauch, Kverneland, Amazone und Bogballe bei dieser Veranstaltung hatte das Agrarunternehmen im sächsischen Bockendorf einen abgeernteten Schlag Ackergras bereit gestellt. Der Betrieb im Erzgebirgsvorland bewirtschaftet 1.000 ha und hält 300 Milchkühe.

Zum Auftakt des Feldtages machte Ulrich Lossie in seinem Vortrag an Beispielen und Luftbildaufnahmen deutlich, dass es sich lohnt, den Streuer vor jedem Einsatz ordnungsgemäß einzustellen. Der Ausbilder an der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA) gilt als ausgewiesener Experte für Düngerstreutechnik und führt zu diesem Thema regelmäßig Schulungen durch.

Lossie sieht die Verantwortung für die wirtschaftliche aber ebenso umweltgerechte Ausbringung von Mineraldünger in erster Linie beim Landwirt, der den Düngerstreuer auf dem Feld einsetzt. Der bezwecke mit dem Einsatz von Technik und Betriebsmitteln eine Ertragssteigerung.

Dabei werde aber verbreitet noch an eine bestimmte Menge Mineraldünger gedacht, die pro Hektar ausgebracht werden soll. „Das ist Ponyhof, wie man bei uns im Norden sagt, also keine große Kunst“, so der Fachmann. Entscheidend sei vielmehr, dass jede Einzelpflanze die benötigte Nährstoffmenge bekommt. Bei einem Getreidefeld mit einer vorgesehenen Applikation von 65 kg N pro Hektar bedeute das zum Beispiel für jede Pflanze 0,025 g. Dies erfordere eine an die konkreten Bedingungen angepasste bestmögliche Einstellung entsprechend dem spezifischen Streubild der Maschine. Hinzu kämen wachsende Anforderungen an die Vermeidung von Umweltbelastungen bei der Ausbringung im Randbereich zu Wegen oder von Gewässern. Auf der anderen Seite bestehe angesichts steigender Pachten ein nachvollziehbares Interesse, die für die Kultur notwendige Düngung bis an die Feldgrenze zu gewährleisten. Zwar müssten die Hersteller in puncto Genauigkeit beim Rand- bzw. Grenzstreuen noch ein paar Hausaufgaben machen. Wer aber diesen Zielkonflikt für sich löst, indem er Richtlinien der Düngeverordnung bewusst missachte, schade allen. Aufgedeckte Umweltverstöße lieferten immer auch Argumente für weitere Verschärfungen der Düngevorschriften. Fehlanwendungen könnten zum Beispiel durch eine gesonderte Behandlung der Ackerrandbereiche mit Flüssigdünger vermieden werden.

Amazone: ZG-TS 8.200

Die beim Feldtag vorgestellten Düngerstreuer und ihre im Prüfschalentest ermittelten und vom Laptopbildschirm nachgezeichneten Streukurven. Sie zeigen die im Maximum etwa gleichen Abweichungen bei der Querverteilung zwischen den beiden im Abstand von 30 m angelegten Fahrgassen und die Verteilung zum Feldrand (rote Linie) bei aktivierter Grenzstreueinrichtung. Der VK-Wert bewegt sich zwischen 13 und 20 %, was nach Aussage von Experten Ulrich Lossie für eine Einstellfahrt unter realen Bedingungen und bei dem zum Entmischen neigenden K2O-Dünger in Ordnung ist, aber unbedingt ein Nachjustieren der Maschineneinstellungen erfordert.

Für die Grenzstreuung rücken die Wurfschaufeln der Amazone-Streuer mehr zum Zentrum. Dadurch verringert sich die Startgeschwindigkeit der Körner. Die Einstellungen können gespeichert werden.

Für die Grenzstreuung rücken die Wurfschaufeln der Amazone-Streuer mehr zum Zentrum. Dadurch verringert sich die Startgeschwindigkeit der Körner. Die Einstellungen können gespeichert werden.

Bogballe: M3W 4050

Bei den Düngerstreuern von Bogballe drehen sich die Teller des Streusystems im  Normalfall nach innen. Beim Grenzstreuen wechselt die Drehrichtung, und die speziellen Grenzstreuflügel treten in Aktion.

Bei den Düngerstreuern von Bogballe drehen sich die Teller des Streusystems im Normalfall nach innen. Beim Grenzstreuen wechselt die Drehrichtung, und die speziellen Grenzstreuflügel treten in Aktion.

Streufehler optisch kaum sichtbar

Mängel bei der Querverteilung des Düngers sind nach Beobachtung von Lossie in der Pflanzenbaupraxis trotz ausgefeilter Steuerungselektronik immer noch eher die Regel als die Ausnahme. Während durch akribische Sortenwahl, sensorbasierte Mengensteuerung oder die Düngerausbringung mittels Geodaten und Applikationskarten versucht werde, das letzte Quäntchen für eine gleichmäßig gute Kulturentwicklung herauszuholen, würden Verteilungsmängel, durch die viele dieser Bemühungen relativiert werden, nur wenig Beachtung finden. Das liege wohl auch daran, dass Düngefehler erst bei Abweichungen von über 20 Prozent vom Menschen wahrgenommen werden können. „Sichtbar sind die meist streifenförmigen schwachen Farbunterschiede im Getreide ohnehin nur bei Stickstoffgaben und dann auch nur im jungen Bestand. Bei den Nährstoffen Kalium und Phosphor oder beim Kalkdünger fällt eine ungleichmäßige Streuung, vom Feldrand betrachtet, optisch nicht auf“, gibt der Referent zu bedenken. Er empfiehlt die Anschaffung einer Kamera-Drohne. Diese seien inzwischen erschwinglich. Der Blick aus der Vogelperspektive auf das Feld aber sehr aufschlussreich.

Auch wenn Streufehler nicht immer gleich ins Auge fielen, hinterließen sie doch in jedem Fall Spuren im Ertrag. Wer mit schlecht eingestelltem Düngerstreuer in die Spur gehe, verschleudere also im wahrsten Sinne des Wortes unnötig Geld.

Angesichts der noch hohen Düngergaben und einer ganzen Reihe weiterer Wirkfaktoren im Pflanzenbau seien Ertragseinbußen durch Streufehler allerdings schwer zuzuordnen. Doch der Trend zeige in Richtung Minimierung der Düngermengen. „Auf einem dann insgesamt niedrigeren Niveau haben Abweichungen von der errechneten Nährstoffgabe durch Streufehler eine höhere Ertragsrelevanz“, so Lossie. Dies könne dann schnell mehrere Hundert Euro Verlust pro Hektar bedeuten.

Kverneland: Exacta TL Geospread 2800

Die acht Streuschaufeln auf den Scheiben der Düngerstreuer von Kverneland sollen auch bei schneller Fahrt eine gleichmäßige Verteilung gewährleisten. Öffnungen über dem Streuteller regeln den Aufgabepunkt und die Düngermenge.

Die acht Streuschaufeln auf den Scheiben der Düngerstreuer von Kverneland sollen auch bei schneller Fahrt eine gleichmäßige Verteilung gewährleisten. Öffnungen über dem Streuteller regeln den Aufgabepunkt und die Düngermenge.

Streubild als Dreieck oder Trapez

Dass die optimale Düngerverteilung durch viele Faktoren beeinflusst wird, macht die Sache für den Landwirt nicht gerade einfacher. Kennzeichnend für die meisten Schleuderstreuer ist ein Streubild, bei dem die Körnermenge nach außen abnimmt (Dreiecksform). Die gleichmäßige Verteilung über die gesamte Fläche entsteht durch die Überlappung mit dem Streuerauswurf von der daneben liegenden Fahrspur. Mit zunehmender Arbeitsbreite wird eine exakte Querverteilung schwieriger. Dem soll ein Streubild in Trapezform entgegen wirken. Dabei wird eine gleichbleibende Menge des Düngers über den größten Teil der angestrebten Wurfweite verteilt. Dann fällt die Düngermenge schnell ab. So entsteht an den Flanken ein schmaler Streifen für die Überlappung. Das muss beim Anschlussfahren beachtet werden und erfordert eine genaue Einstellung des Streuers.

Einen Einfluss auf die Flugeigenschaften und damit auf die Verteilung hat auch Größe, Gewicht und Form der Düngerkörner. Beachtet werden müssen außerdem Umweltbedingungen wie Wind, Luftfeuchtigkeit und, insbesondere bei großen Arbeitsbreiten, Unebenheiten im Gelände. Als Richtwerte für die Einstellung vor Arbeitsbeginn dienen die Streutabellen der Hersteller.

„Da ich selbst Nebenerwerbslandwirt bin, weiß ich, wie wichtig es ist, dass sich die Maschinenparameter unkompliziert und am besten von der Traktorkabine aus korrigieren lassen. Jede Arbeitsunterbrechung zum Nachstellen, weil sich etwa die Neigung der Streuscheibe durch das geringere Gewicht des halb leeren Anbaustreuers verändert hat, kostet ja doch immer Überwindung der Bequemlichkeit“, merkt Lossie an.

Rauch: Axent 100.1

Rauch: Axis H50.2 EMC+W

Die Einstellung der Ausbringmenge erfolgt bei Rauch-Düngerstreuern über die Kombination von Aufgabepunkt und Drehzahl des Streutellers. Beim Grenzstreuen wird der Aufgabepunkt entsprechend angepasst.

Die Einstellung der Ausbringmenge erfolgt bei Rauch-Düngerstreuern über die Kombination von Aufgabepunkt und Drehzahl des Streutellers. Beim Grenzstreuen wird der Aufgabepunkt entsprechend angepasst.

Düngerqualität beeinflusst Verteilung

Sträflich vernachlässigt werde, nach Ansicht des Landtechnik-Experten, der Einfluss der Düngerqualität auf das Streuergebnis. Es sei eben ein Unterschied, ob sich der Dünger durch häufige Umlagerung und dabei punktuelles Aufschütten bei Transporteuren und Händlern entmischt hat oder ob der Bigbag direkt vom Hersteller kommt. Um dies zu demonstrieren, entnimmt Lossie Proben aus einem zuvor in eine Schale geschütteten Haufen K2O-Dünger, zunächst vom Rand (wie ein Radlader) dann aus der Mitte. Der Test in der Schüttelbox zeigt die Unterschiede. Die Probe vom Rand besteht zu 80 % aus großen Körnern, die aus der Mitte enthält einen größeren Anteil kleiner Körner und rund 20 % Staub.

Einen ähnlichen Einfluss habe die Feuchtigkeit. Ist der Dünger etwa durch offen stehende Tore über längere Zeit der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, werden die Körner weicher und fliegen nicht so weit wie harte. „Beim Düngereinkauf sollte eine Schüttelbox und ein Kornhärtemesser zur Standardausrüstung gehören“, empfiehlt Lossie. Dies würde die Händler ihrerseits bewegen, bei der Beschaffung stärker auf eine Homogenität der Partien zu achten.

Schon wegen der wechselnden Düngerqualitäten genüge es nicht, sich nur auf die Streutabellen der Hersteller zu verlassen.

Die mittels Schüttelbox festgestellte Korngrößenverteilung der jeweiligen Düngerpartie muss bei der Einstellung des Düngerstreuers berücksichtigt werden.

Die mittels Schüttelbox festgestellte Korngrößenverteilung der jeweiligen Düngerpartie muss bei der Einstellung des Düngerstreuers berücksichtigt werden.

Feinjustierung nach Prüfschalentest

Die Streuereinstellung vor Arbeitsbeginn müsse ergänzend dazu auf der Grundlage eines Prüfschalentests vorgenommen werden. Mit ein wenig Routine koste das nur etwa eine halbe Stunde Arbeitszeit. Wie das funktioniert und welche Nachjustierungen vorgenommen werden können, zeigte die Technikvorführung.

Die Teststrecke bestand aus zwei Fahrgassen im Abstand von 30 m. Die Scheibenstreuer fuhren zunächst mit beidseitiger Streuung in einer Fahrgasse und dann mit in Fahrtrichtung rechts aktivierter Grenzstreueinrichtung auf der anderen Fahrgasse zurück. Dabei passierten sie jedes mal die Messlinie, auf der im Abstand von 3 m jeweils zwei Prüfschalen aufgestellt waren. Nach jeder Überfahrt wurden die Körnermengen in den Prüfschalen separat gewogen und die Werte in einen Laptop eingegeben. Eine Software errechnete daraus die Gleichmäßigkeit des Streubildes, den Variationskoeffizient (VK) und die grafische Darstellung in Form einer Streukurve.

Vorgeführt wurden folgende Streuer: ZG-TS 8.200 von Amazone, Axent 100.1 und Axis H50.2 EMC+W von Rauch, Exacta TL Geospread 2800 von Kverneland sowie M3W 4050 von Bogballe.

Die Firmenvertreter stellten die unterschiedlichen Streutechnologien der Zweischeiben-Geräte vor und informierten über Einstellvarianten der Maschinen für die beidseitige Düngerausbringung bzw. die Verteilung im Rand- oder Grenzbereich.

Bei der Auswertung des Prüfschalentests zeigte sich bei allen Geräten ein Optimierungsbedarf bei der Einstellung der Querverteilung. „Alles andere hätte mich bei einer Erstmessung angesichts der Streuweite von 30 m und dem zur Entmischung neigenden 40er Korn-Kali auch verwundert“, sagt Lossie. Er habe zeigen wollen, dass eine solche, relativ schnell erledigte Prüfung einen echten Gewinn bringt. Die Firmenvertreter erläuterten, welche Nachjustierungen, etwa beim Aufgabepunkt auf die Streuscheibe oder deren Drehzahl, zur Abstellung der Verteilfehler vorgenommen werden sollten und wie dies mit wenigen Eingaben am Terminal möglich ist.

DEULA – Fehlerhäufigkeit bei allgemeinen Düngerstreutests

Querverteilung bei Erstmessung VK-Wert > 12 % 61 %

Ergebnis Grenzstreueinrichtung nicht Ziel entsprechend 43 %

Verschlissene Streuorgane 22 %

falsche Fahrgeschwindigkeit > 3 % 11 %

ungleichmäßiger Reifenluftdruck 9 %

Auslauföffnung ungleichmäßig 6 %

falsche Zapfwellendrehzahl > 3 % 4 %

Sonstiges 12 %

Quelle: DEULA


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