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Agritechnica-Rückblick :

Die Reifenwelt mischt die Karten neu

Mit smartem Technologie-Einsatz zu höheren Erträgen – Viele neue Anbieter drängen auf den Markt

Agritechnica-Rückblick: Die Reifenwelt mischt die Karten neu

In unmittelbarer Nachbarschaft: BKT stand direkt neben Bohnenkamp, dem deutschen Exklusivimporteur.

Alle namhaften Hersteller von Landwirtschaftsreifen – darunter auch neue und „Rückkeherer“ waren auf der Agritechnica vertreten.

Im Fokus standen dabei Bodenschonung, Schlagkraft und optimierter Ressourceneinsatz zur nachhaltigen Steigerung der Erträge. Die größtmögliche Bodenschonung kann nur in der Verbindung von Maschinen mit optimalen Reifen, Reifen-Druckregelanlagen (DRA) bzw. Laufwerken sowie intelligentem IT-Einsatz (smart farming/big data) als integraler Ansatz erreicht werden.

Alle Top-Hersteller präsentierten ihre Traktoren, Maschinen und Fahrzeuge unter diesem Aspekt. Dabei war die Aufteilung Reifen/Laufband wie üblich: lediglich besonders schwere und leistungsstarke Maschinen standen auf Laufbändern, die große Menge aber auf Reifen mit und ohne DRA.

Der Trend bei Laufbändern geht zu kleiner bauenden Einheiten und höheren Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h, bei Reifen zu Tragfähigkeitsanhebung, respektive Luftdruckabsenkung (VF-Reifen) und DRA. Nur der Reifen ermöglicht durch dynamische intelligente Regulierung des Drucks eine Optimierung von Bodendruck unter den jeweils punktuell vorliegenden Einsatzbedingungen. 

So waren bei den Traktoren beispielsweise der John Deere Knicklenker mit Laufbändern ausgerüstet, der Claas Xerion mit Zwillingbereifung und die Fendt 1000er Reihe mit Einzel- bzw. Zwillingsbereifung und DRA an beiden Achsen.

Die Top-Mähdrescher-Versionen in der schwersten Ausführung waren an der Vorderachse mit Laufband und an der Hinterachse mit Reifen z.T. mit DRA ausgestattet, wie z.B. bei Claas, Fendt und New Holland.

Bei Trailern reichte die Spannweite von Reifen ohne DRA über Reifen mit DRA und gelenkter Hinterachse (Joskin) bis zum Laufband (Gourdon). Auch der Einsatz von gelenkten Achsen und Reifendruckregelanlagen war auf Hightech-Trailer beschränkt.

Auf dem Weg zum Systemanbieter

Marktführer Michelin und Trelleborg haben diesen Entwicklungstrend aufgegriffen. Beide gehen in Richtung Systemanbieter für Reifendruckmanagement verbunden mit IT-Programmen zur Betriebskostenoptimierung. Die Komplexität solcher Systeme erfordert für die Marktdurchdringung eine enge technologische Kooperation von Maschinenherstellern und Reifenfirmen und ein von den Endverbrauchern akzeptiertes Preisniveau.

Diese Spur hinterlässt der Evobib von Michelin.

Diese Spur hinterlässt der Evobib von Michelin.

Michelin hat auf seiner Pressekonferenz auf der Agritechnica die Akquisition von zwei Firmen aus dem Reifendruckregelanlagen-Segment (PTG und Teleflow) bekannt gegeben. Beide Spezialisten haben schon seit mehreren Jahren Regelanlagen im Markt. Damit beschreitet Michelin den Weg, eine Systemlösung bieten zu können, die das volle Potential des Evobib ausschöpft. Konzeptbedingt sind die Auswirkungen des Luftdrucks beim Evobib größer als bei herkömmlichen Reifen. Er ist aufgrund seiner speziellen Kontur in Verbindung mit dem neuartigen Profil besonders auf die unterschiedlichen Anforderungen bei Einsatz auf Straße bzw. Acker ausgelegt. Das Profil weist Schulterklötze auf, die nur bei niedrigem Luftdruck in Kontakt mit dem Boden kommen und so die Traktion erhöhen. Bei Straßenfahrt und höherem Luftdruck hat nur der Mittenbereich der Lauffläche Fahrbahnkontakt. Die Schulterklötze reiben dabei dann nicht ab. Auf dem Fendt-Stand war ein Schlepper mit Evobib und DRA an beiden Achsen ausgerüstet.

Darüber hinaus hat Michelin die Software Zen@Terra entwickelt, die auf Basis von gespeicherten Daten zu Erträgen und Bodenbeschaffenheit den Luftdruck kontinuierlich punktgenau diesen Bedingungen anpasst und regelt. Damit soll für jeden Einsatz optimale Bodenschonung und Kostenminimierung möglich sein. Michelin will Weltmarktführer bei Reifendruckregelanlagen werden. Für die Markteinführung sucht man noch geeignete Betriebe für den Piloteinsatz.

Auf dem relativ kleinen Stand befand sich ein Traktor-Demonstrationsmodell, in dem der Einsatz des Evobib auf und abseits der Straße simuliert werden konnte. Von den anderen Michelin Reifenreihen war ebenso wenig etwas auf dem Stand zu sehen wie die Zweitmarke Kleber. Das wirft die Frage auf, welche Strategie dahinter steckt. Denn die Fokussierung der Marke Michelin auf eine Produktreihe würde Wettbewerbern Chancen auf zusätzliche Marktanteile eröffnen. Für die Marken Kleber und Taurus kann vielleicht die auf der Agritechnica unterzeichnete Vereinbarung mit Grasdorf die Richtung angeben.

Insgesamt war der Messeauftritt von Michelin auf der Messe eher zurückhaltend bis unauffällig.

Trelleborg

Auf seinem repräsentativen Stand zeigte Trelleborg die Komponenten für eine optimale Bodenschonung und präsentierte sich damit als Systemanbieter für Reifendruckmanagement sowie Einsatz- und Kostenoptimierung.

Trelleborg zeigte dazu sein autarkes Luftdruckregel-System VIP , das den Reifendruck in Abhängigkeit von Radlast und Reifentemperatur komplett selbstständig regelt. Druckzuleitungen von außen sind nicht erforderlich, da ein Kompressor in das radfeste System integriert ist. Das System ist besonders für Einsätze wie an Mähdrescher-Vorderachsen konzipiert worden.

Von Tochter Mitas übernommen: Trelleborg Pneutrac.

Von Tochter Mitas übernommen: Trelleborg Pneutrac.

Mit ConnecTire, einem System, das aus einem an den Reifen unter der Lauffläche befestigten Sensor und einem auf der Felge befestigten Empfänger/Sender besteht, können Reifentemperatur, Druck und Verdrehung des Reifens auf der Felge gemessen werden. Die Daten können sowohl an den Traktor zur Druckregulierung als auch an den Hauptrechner des Betriebes geschickt werden. Gemeinsam mit dem GPS-Positionssignal ermöglicht das eine auf den Zentimeter genaue Kartierung der Fahrspuren. Durch Optimierung der Fahrwege kann die Bodenbelastung durch mehrfaches Überfahren reduziert werden. Das Smart Farming erlaubt die Kombination dieser Daten mit den Maschinen- und Betriebsdaten zur Senkung der Betriebskosten.

Das von Mitas übernommene weiterentwickelte neue Radsystem Pneutrac verbindet die Eigenschaften von Radialreifen und Laufband. Seine Vorteile kommen besonders bei Einsätzen wie an Weinberg-Schleppern zum Tragen. „Pneutrac“ weist gegenüber Reifen und Laufbändern höhere Querstabilität, reduzierten Bodendruck und geringe Baubreite auf. Dieses schont besonders die Wurzelzonen der Obstbäume und Weinstöcke. Mehrere Pneutrac-Größen sollen sukzessive folgen.

Eine weitere Produktneuheit war der Agro-Industrie-Reifen TH 500, der in der Größe 460/70 R 24 präsentiert wurde. Daneben zeigte Trelleborg die Top-Reifenlinien TM 3000 und TM 1000.

Für eine individuelle Kennzeichnung von Reifen bietet Trelleborg die Option „Your Tire“ an. Dabei wird nachträglich eine frei wählbare Beschriftung in die Seitenwand des Neureifens per Laser eingebracht. Der Reifen ist dann unter einer speziellen Produktnummer vom Lager abrufbar. Eine derartige Beschriftung konnte auf den Reifen eines Valtra-Traktors gesehen werden.

Verschärfter Wettbewerb unterhalb des Premium-Segmentes

Unterhalb des Premium-Segmentes der Marktführer hat sich inzwischen eine breite Basis etabliert, die Premium-Marktanteile erobern will. Das beruht zum Teil auf der Erwartung, dass die Anteile von Michelin und Trelleborg bei einigen Erstausrüstern so hoch sind, dass diese reduziert werden könnten.

Auch die jetzt „zurückgekehrten“ Marken, besonders Continental und Bridgestone, schaffen eine neue Wettbewerbssituation und können so manche Wachstumsprognose der etablierten Marken dieses Segmentes ins Wanken bringen.

Apollo Vredestein

Vredestein präsentierte die neue Traktor-Reifenlinie „Traxion Optimall“ mit VF-Kennzeichnung und NRO-Stempelung (narrow rim option) , die den Einsatz auf schmaleren Felgen zulässt als nach Norm für VF-Reifen vorgeschrieben. Damit kann bei Umrüstung auf VF-Reifen meistens die Standardfelge beibehalten werden. Die Reifen-Linie wird ab Februar 2018 in drei Größen angeboten und soll kurzfristig weiter ausgebaut werden. Auf dem Stand wurden u.a. neben dem „Optimall“ in VF 650/65 R 34 die bekannten Produktlinien der „Traxion“-Familie für Traktoren wie der „Traxion 85“ Linie, die um sieben Größen von 30 bis 50 Zoll erweitert worden ist, gezeigt. Ebenso wie die “Flotation Trac“ Linie für Trailer. Die Produktvorteile des „Optimall“ wurden an einem Modell demonstriert. Apollo war mit Diagonalreifen für den Agro-Industrie-Einsatz vertreten.

Vredestein erwartet durch die Erweiterung seiner Traktor-Palette und insbesondere durch die neue „Optimall“-Linie einen deutlichen Anstieg seiner Verkäufe an die Erstausrüstung.

ATG

Die zu Yokohama gehörende ATG mit den Hauptmarken Alliance und Galaxy betonte ihre Kompetenz im Flotation-Reifen-Segment. Sie sieht sich dort als Innovationsführer. ATG konnte eine dieser Position entsprechende Steigerung des Umsatzes besonders im Erstausrüstungs-Segment erzielten.

Die weitere Expansion soll durch die ausgestellte Radial-Linie 389 VF – dem ersten Flotation-Reifen mit VF-Stempelung – erreicht werden. Diese Linie ist um drei 26.5“ Reifen erweitert worden.

Ergänzt wurde das Portfolio durch die neue Diagonalreifen-Linie 128 HS Flotation, deren Top-Produkt 800/35-22.5 für Geschwindigkeiten bis zu 65 km/h zugelassen ist. Darüber hinaus wurde die neue Diagonal-Reifen-Linie für den Reis- und Zuckerrohr-Anbau 337 Deep-Lug mit besonders hohen Stollen vorgestellt, die in sechs Größen verfügbar ist.

Die Marke Yokohama spielt bislang keine Rolle. Die Yokohama-Gruppe wird als starker Mutterkonzern gesehen, der die Entwicklung von ATG unterstützt. ATG zielt darauf ab, besonders in der Erstausrüstung zu wachsen und hat dazu eine entsprechende Organisationsstruktur aufgebaut. Für das Ersatzgeschäft erfolgt die Vermarktung durch den Großhandel.

BKT

BKT gab auf der Agritechnica die offizielle Eröffnung ihres neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums mit Teststrecke bekannt. Ein Schwerpunkt der Entwicklung wird auf neuen Materialien liegen. BKT investiert in Forschung und Entwicklung 4,5 % ihres Umsatzes pro Jahr (Umsatz in 2016 ca. 700 Mio. Euro, davon 2/3 Landwirtschaftsreifen) und will dadurch zu den führenden Reifenherstellern aufschließen. Ziel ist es, das F&E-Zentrum, im Werk Bhuj, zu der weltweit führenden Einrichtung dieser Art auszubauen.

Im Fokus der Präsentation auf dem großen BKT-Stand befand sich der auf dem gläsernen Traktormodell montierte Agrimax V-Flecto, ein VF Traktorreifen mit NRO-Markierung. Daneben wurden Reifen der Agrimax-Linie gezeigt sowie die Winterreifen-Neuentwicklung Ridemax IT 697 M+S für Traktoren.

Bei den Flotation-Reifen gab es an neuen Produkten die Flotation-Linie FL 637 für leichte Trailer, die sich durch einen Stahlcord-Gürtel auszeichnet und so niedrigen Rollwiderstand mit hoher Lebensdauer und guter Selbstreinigung verbinden soll. Bei den bekannten Flotation-Linien gibt es neue Größen.

BKT sieht sich auf dem Wege zur Marktführerschaft. Die Hauptstoßrichtung zielt auf die Erstausrüstung. Hier will BKT verstärkt punkten. Die Vermarktung im Ersatzgeschäft erfolgt auch weiterhin über den Reifengroßhandel.

Bridgestone/Firestone

Thomas Fuhr, Bridgestone Salesmanager AS für die DACH-Region, am neuen VX.

Thomas Fuhr, Bridgestone Salesmanager AS für die DACH-Region, am neuen VX.

Auf dem freundlich gestalteten Gemeinschaftsstand von Bridgestone und Firestone präsentierte Bridgestone auch ein Laufband.

Bei Bridgestone ist in Europa die Aufteilung der Produktzuständigkeiten klar geregelt. Die Marke Bridgestone ist oberhalb von Firestone platziert und umfasst die Top-Produkte des Hauses. Diese bestehen aus der VF-Linie VT-Tractor und der IF-Linie VT-Combine. Daneben hat Bridgestone jetzt noch eine Linie VX-Tractor in der Größe 710/70 R 42 vorgestellt. Dieser Standardreifen zeichnet sich durch eine besonders breite Lauffläche mit hohen Stollen aus. Die Markteinführung weiterer Dimensionen mit Querschnittsverhältnissen von 65 % bis 85 % ist geplant. Man erwartet durch das ausgeweitete Programm eine deutliche Steigerung ihres Marktanteils in Europa.

Firestone bietet als Top-Linie den IF-gestempelten Reifen Maxi Traction IF für Traktoren und Mähdrescher sowie Standard-Ausführungen von 65 %, 70 %, und 85 % bis zu Reifen für spezielle Einsätze. Firestone ist als Zweitmarke plaziert und bedient im Wesentlichen das Ersatzgeschäft.

Continental

Nicht nur Reifen: Laufband von Continental.

Nicht nur Reifen: Laufband von Continental.

Der prominenteste Rückkehrer in den Landwirtschaftsreifen-Markt ist sicherlich die Continental. Auf ihrem etwas beengt wirkenden Stand wurden auch Komponenten des Konzerns gezeigt, die auch für den Einsatz im landwirtschaftlichen Bereich relevant sein können. Das reichte von Reifen über Laufband, Kabinen als vollausgestattetem Arbeitsplatz, Vibrations- und Geräusch-Dämpfungselementen bis zu Kamerasystemen und Motorkomponenten sowie vorbeugender Wartung. Damit ist die Continental ein Anbieter mit sehr breitem Portfolio für Traktoren und SF-Maschinen.

Planmäßig wurden erstmals die Reifen der Linien Tractor 70 und Tractor 85 vorgestellt, u.a. in den Größen 520/70 R 38 bzw. 520/85 R 38. Reifen dieser beiden Standard-Linien sind für eine begrenzte Größenpalette ab sofort verfügbar. Weitere Größen sind für dieses Jahr angekündigt und für 2018/19 eine 65 %-Linie. Insgesamt soll die Palette dann 100 Reifengrößen umfassen.

Continental sieht ihre Reifen im Premium-Segment. Gute Vermarktungschancen sieht der Konzern besonders in der Erstausrüstung. Hierbei hat Continental den Vorteil alter Geschäftsverbindungen noch aus der Zeit vor dem Verkauf ihrer damaligen Landwirtschaftsreifen-Sparte. Nachteilig kann sich aber noch die derzeit kleine Palette an Reifengrößen auswirken.

Die Serien-Produktion ist parallel zur Markteinführung im Werk Lousado (Portugal) angelaufen. Die Kapazität wird dort laufend erweitert.

Goodyear

Nach einer Periode der Unsichtbarkeit war jetzt auch wieder Titan mit einem kleinen Stand vertreten und präsentierte dort neben den Titan-Felgen Reifen der Marken Goodyear und Voltyre.

Die russische Voltyre ist Teil der Titan-Gruppe. Die Vermarktung der Voltyre-Reifen erfolgt auf einem separaten Weg.

Die Goodyear-Reifen werden in den USA produziert und über die Organisation von Titan vertrieben.

Mitas

Mitas ist durch die Akquisition zur Zweitmarke in der Trelleborg-Gruppe geworden. Dadurch ist die Aufgabenverteilung festgelegt. Die innovativen Produkte werden unter der Marke Trelleborg vermarktet. Mitas fällt die Aufgabe zu, gegen die anderen Marken unterhalb des Premium-Segmentes die bisherige Position zu verteidigen und auszubauen. Dabei sind das gute Image und die breite Produktpalette hilfreich, ebenso wie die gute Wahrnehmbarkeit auf der Messe.

Mitas-Stand direkt neben der Muttergesellschaft Trelleborg.

Mitas-Stand direkt neben der Muttergesellschaft Trelleborg.

Auf dem an Trelleborg angrenzenden gleichgroßen Stand präsentierte Mitas einige Produktneuheiten. Neben dem größten Mitas Reifen, dem 1250/50 R32 SFT mit 16,5 t Tragfähigkeit bei 10 km/h für Mähdrescher, große Trailer und Traktoren, waren noch der mit Stahlcord-Gürtel ausgerüstete HCM für den Kommunaleinsatz ausgestellt sowie einige der acht neuen VF-Größen der drei Produktlinien HC1000 für Spritzen, HC2000 für Traktoren sowie HC3000 für Mähdrescher. Darüber hin- aus auch die Flotation-Linie Agriterra 03, die um zwei Größen erweitert worden war.

Nokian

Nokian Konzeptreifen mit geteilten Stollen.

Nokian Konzeptreifen mit geteilten Stollen.

Nokian präsentierte sich wieder als Spezialist für schwere Einsätze unter schwierigen Bedingungen für Forst und Landwirtshaft. Dazu zeigte man einen in der Entwicklung befindlichen Konzeptreifen mit neuartigem Profil für Traktoren. Dieser soll sich besonders durch seine vielseitige Einsetzbarkeit und Kosteneffizienz auszeichnen. Außer den bekannten Reifenreihen TRI 2 für Traktoren und Country King für den Flotation-Bereich ist die CT-Linie ausgestellt worden, die um vier neue Reifengrößen von 560/60 R 22.5 bis 600/60 R 30.5 erweitert worden ist. Die CT-Linie, konzipiert für schwere Einsätze, war 2013 erstmalig präsentiert worden.

Pirelli

Auch die schon seit einiger Zeit angekündigte Marke Pirelli ist wieder in den Markt zurückgekehrt. Zu sehen war ein in Brasilien produzierter Standard-Reifen der Linie PHP in der Dimension 710/70 R 42 auf dem Stand von Heuver, der die Vertriebsrechte für Benelux hat. Die Palette umfasst 65 %- bis 90 %-Reifen.

Budget-/Subbudget-Marken warten auf ihre Chance

Die Großhändler spielen besonders für neu in den Markt eintretende Marken eine wichtige Rolle, da sie mit ihren eingespielten Vertriebswegen den Handel und damit die Endkunden erreichen und besonders im Ersatzmarkt die Nischen für solche Produkte erkennen und nutzen.

Alliance auf dem Stand von Bohnenkamp.

Alliance auf dem Stand von Bohnenkamp.

Als größter Händler ist wohl Bohnenkamp zu nennen. Traditionell wurden die Schwerpunkte auf dem großzügigen Stand auf die Marken BKT und Alliance gelegt, die Bohnenkamp im Ersatzgeschäft zu etablierten Größen entwickelt hat. Diese Verbundenheit drückte sich auch durch die Nähe zu den Ständen von BKT und ATG aus. Darüber hinaus präsentierte Bohnenkamp einen Überblick über sein großes Portfolio an Reifen und Felgen für Landwirtschaft und andere Off-Road-Einsätze. Mit der Möglichkeit der Komplettradlieferung ist das auch für die Erstausrüster interessant.

Grasdorf war mit einem eigenen Stand vertreten und will mit neuer interner Organisation neben dem Geschäft mit Felgen und Rädern wieder stärker das Reifengeschäft aktivieren. Dazu haben Grasdorf und Michelin einen fünfjährigen Partnerschaftsvertrag zur Kooperation beim Vertrieb von Landwirtschaftsreifen der Marken Michelin, Kleber und Taurus unterzeichnet. Beide Firmen erwarten dadurch eine Steigerung bei Umsatz und Rentabilität. Die Liefermöglichkeit von Kompletträdern verbreitert die Angebotsvielfalt für Ersatzgeschäft und Erstausrüstung.

Neben der Michelin-Tochter Euromaster war noch eine Vielzahl an Großhändlern wie z.B. Heuver, HBI, NRI, Ovethi und weitere mit eigenen Ständen anwesend.

Die Vielfalt der Marken im Budget-/Subbudgetsegment hat zugenommen. Es handelt sich dabei vor allem um Produzenten aus der Türkei, Indien und China. So waren Petlas, MRL, KTM, Tianli, Carlisle, Özka, Starco, TVS Eurotyre und Qihang mit eigenen Ständen vertreten.

Der Stand von EATD, dem für Europa zuständigen Tianli-Importeur. Der Vertrieb in Deutschland erfolgt über die Großhändler Otto Just und Reifen Müller.

Der Stand von EATD, dem für Europa zuständigen Tianli-Importeur. Der Vertrieb in Deutschland erfolgt über die Großhändler Otto Just und Reifen Müller.

Einer der bekanntesten Newcomer dürfte dabei CEAT sein, der Hersteller ist auch Inhaber der Marke Altura. Als drittgrößter Reifenhersteller Indiens macht das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 900 Mio. US-Dollar. Die Produktpalette umfasst eine breite Auswahl an Diagonalreifen, die im Frühjahr 2018 um Radialreifen erweitert wird.

Ab der zweiten Jahreshälfte 2018 werden zudem Flotation Radialreifen verfügbar sein. Im Laufe des Jahres sollen 80 Größen zur Verfügung stehen und bis Ende 2019 wird dann die gesamte Produktpalette, 95er / 85er / 70er / 65er / Super Volumen und Erntemaschinen-Reifen erhältlich sein.

Um diese Expansion zeitnah umsetzen zu können, wurde ein neues Werk in Ambernath in der Nähe von Mumbai gebaut, welches sich über ein 20 Hektar großes Grundstück erstreckt. Deutscher Importeur ist die Firma Kock & Sohn Reifen und Räder KG, 48496 Hopsten-Schale (www.kock-sohn.de).

Diese jungen Marken drücken in einen sich gerade in einer Aufwärtsbewegung befindlichen Markt. Aktuell wirkt sich das nicht zu stark auf die Preisbildung aus. Bei Konjunkturrückgang kann jedoch eine Preiserosion von unten her erfolgen. Der Wille zum nachhaltigen Markteintritt der neuen Wettbewerber sollte nicht unterschätzt werden. Damit bleibt die Entwicklung der Reifenlandschaft weiterhin spannend.

Der Hersteller CEAT ist drittgrößter Reifenhersteller Indiens. Kock & Sohn ist der deutsche Importeur.

Der Hersteller CEAT ist drittgrößter Reifenhersteller Indiens. Kock & Sohn ist der deutsche Importeur.


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