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Als Meister mit Akademikern auf Augenhöhe

Karriere: Als Meister mit Akademikern auf Augenhöhe

Henrik Eikmeier (links) gehört zum Team von Florian Knecht, Head of Product Support E-Systems. Eickmeiers Werdegang zeigt, dass man bei Claas auch mit einer Meisterausbildung Karriere machen kann.

Von Bernd Pawelzik

Aktualisiert am

Henrik Eikmeier sammelte in Lehr- und Gesellenzeit sowie Meisterausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker wichtige Praxiserfahrungen für seinen heutigen Job. Er arbeitet bei Claas Service and Parts an der Neu- und Weiterentwicklung des Diagnosesystems für Maschinen mit.

„Vergiss, wenn deine Eltern sagen, dass nur Abi und Studium zu Karriere führen. Handwerk hat wirklich goldenen Boden! Mach, was dich wirklich interessiert – dann stehen dir alle Türen offen“, so die Empfehlung von Henrik Eikmeier, 26 Jahre alt, Land- und Baumaschinenmechatroniker-Meister aus dem Kreis Lippe.

Eikmeiers Biografie ist für unsere Branche ideal, fast schon klischeehaft. Sein Elternhaus brachte keine landwirtschaftliche Prägung mit, aber eine handwerkliche. Der Vater arbeitet als Elektromaschinenbauer, hält viel von der Arbeit mit den eigenen Händen und noch mehr von einem Meisterbrief. Die Mutter ist nach Ausbildung und berufsbegleitendem Studium im kaufmännischen Bereich tätig. Henriks Opa teilte die Leidenschaft seines Enkels für Traktoren und Mähdrescher. Die Siku-Farmer-Modelltraktorensammlung im Hause Eikmeier wuchs, erst recht nach Besuchen der Modell- und Oldtimermessen in Panningen und Nordhorn. Als Opa sich dann noch einen MF 35 anschaffte, war die Freude groß. Auch im Landwirtschafts-Simulator, einem Computerspiel mit realistischen Landmaschinen, kannte sich Henrik ziemlich gut aus und stellte eigene Mods her.

Obwohl die schulischen Leistungen eine Gymnasialempfehlung rechtfertigten, sahen die Eltern ihren Sohn doch auf der Realschule besser aufgehoben – eine Entscheidung, die Henrik Eikmeier rückblickend sehr anerkennt. „Meine Eltern wussten, dass damals stumpfes Pauken nicht zu meinen Stärken zählte“. So optimierte er in der Realschule Input und Output und schloss trotzdem mit sehr guten Noten ab. Auf einem benachbarten Milchviehbetrieb half er in seiner Freizeit öfter aus, arbeitete auf dem Hof und im Stall.

Etwas mit Technik machen

„Mir war klar, dass ich beruflich etwas mit meinen Händen und mit Technik machen will. Landtechnik kannte ich schon, eine Bewerbung zur Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker lag daher auf der Hand.“ Der 17-jährige Realschulabsolvent bewarb sich unter anderem bei der Agravis-Saltenbrock-Filiale im nahe gelegenen Steinheim. In einem zweiwöchigen Praktikum lernte er das Team in der Werkstatt kennen, die Arbeit machte ihm viel Spaß. Doch dann gab es einen Dämpfer: Saltenbrock gab zwei anderen Auszubildenden den Vorzug. Henrik könnte sich ja für das kommende Lehrjahr erneut bewerben, hieß es seitens des Unternehmens. „Das kam für mich echt unerwartet. Mir gefiel aber dieser Betrieb und das Team so sehr, dass ich mich entschloss, ein Jahr auf den Ausbildungsplatz dort zu warten“, erzählt er. Da in Deutschland Schulpflicht herrscht, kann man nicht einfach nur warten. Ein freiwilliges ökologisches Jahr im Museumsdorf Detmold bot daher eine attraktive Überbrückung. Henrik arbeitete eng mit dem landwirtschaftlichen Angestellten des Museums zusammen, pflegte und wartete den Maschinenpark und lernte viel über den Anbau von landwirtschaftlichen Kulturen auf den Museumsäckern. Mit dem Einsatz des Mähdreschers Mercur im Fuhrpark gab es eine Begegnung mit historischer Claas Technik.

Die dann begonnene Lehrzeit zum Land- und Baumaschinenmechatroniker in der Agravis Saltenbrock-Filiale absolvierte er als Azubi in den vorgesehenen dreieinhalb Jahren. Die Arbeit machte ihm viel Spaß: „Wenn du zum Kunden kommst, der ein Problem mit seiner neuen Maschine hat, dann bist du der erste, der alles abbekommt. Wenn die Kunden aber merken, dass man etwas kann und sich echt bemüht, dann gibt es auch schon direktes Lob“, berichtet der junge Mann von seinen Erfahrungen. Sein Mentor in der Werkstatt war nach außen eher knorrig, ließ Henrik aber spüren, dass er sein Interesse und seine rasche Auffassungsgabe schätzte.

Den Gesellenbrief in der Tasche, plante Henrik den nächsten Karriereschritt zum Meister. „Diesen Schritt habe ich für mich persönlich beschlossen, also, ohne dass eine Stelle bei Saltenbrock für mich in Aussicht stand. Die Ausbildung habe ich selbst und mit Meister-BAföG finanziert.“ Für den zweimonatigen kaufmännischen Teil an der TBZ Paderborn und den fachlichen Teil an der Meisterschule Düsseldorf für sechs Monate in Vollzeit ließ sich Eikmeier vom Betrieb freistellen. Im August 2022 erhielt er als Jahrgangsbester der Meisterschule Düsseldorf seinen Meisterbrief von der nordrheinwestfälischen Wirtschaftsministerin überreicht. „Für mich ist der Meisterbrief auch eine Option für ein eventuell späteres Studium. Und außerdem finde ich es einfach cool, dass ich mich jetzt Meister nennen darf!“

Nach fast acht Jahren Ausbildung und Gesellenzeit mit Claas-Maschinen in der Werkstatt und dem Service gab es jetzt eine neue Weichenstellung: Henrik Eikmeier wechselte im März 2023 von der Werkstatt zum Hersteller. Er arbeitet jetzt aktuell in Harsewinkel bei Claas Service and Parts als Technical Support Engineer Diagnose auf der sogenannten dritten Ebene im Kundendienst.

Karriere: Als Meister mit Akademikern auf Augenhöhe

Henrik Eikmeier, 26 Jahre alt, Land- und Baumaschinenmechatroniker-Meister, arbeitet in Harsewinkel bei Claas Service and Parts als Technical Support Engineer Diagnose auf der sogenannten dritten Ebene im Kundendienst.

Auf höchster Serviceebene

Auf dieser höchsten Serviceebene für das Claas Diagnosesystem sind zum Beispiel Claas-Vertriebsgesellschaften oder Großkunden in aller Welt Eikmeiers Ansprechpartner. Sein Schwerpunkt liegt jetzt in der Unterstützung bei der Diagnose vor Ort, wenn es dort hapert. „Das Diagnosesystem ist sehr komplex. In Ausnahmefällen kann auch mal ein Fehler den Diagnosevorgang behindern. Meine Aufgabe ist, den Fehler zu finden, auszuschalten und bei der Diagnose vor Ort über unser Ticket-System oder auch über Teams zu unterstützen.“ Da Claas international tätig ist, läuft ein Großteil der Kommunikation auf Englisch. „Englisch fällt mir nicht so schwer. Ich habe Netflix oft auch im Original geschaut.“

Viel Arbeitszeit verbringt Henrik Eikmeier jetzt im Büro vor dem Bildschirm. Die Arbeit mit Software in der Diagnose und die eigene Erfahrung mit Claas-Maschinen und der praktischen Fehlersuche im Feld sind für ihn eine sehr gute Kombination, die täglich neue Herausforderungen bietet. Eikmeier fühlt sich im Team mit studierten Mechatronikern, Elektrotechnikern, Maschinenbauern und Wirtschaftsingenieuren geschätzt und diskutiert mit ihnen fachlich auf einer Ebene. Das beobachtet sein Vorgesetzter, Florian Knecht, offensichtlich auch: Ab 2024 wird Henrik Eikmeier aufsteigen und dann an der Gestaltung der nächsten Generation Claas Fahrzeugdiagnose mitarbeiten. Da sich auch in Teilen die Diagnosephilosophie ändert, ist es mehr als nur ein anderes neues System.

Und das Schrauben? Fehlt es ihm nicht? „Klar, das hole ich aber in meiner Freizeit nach!“ Zu Eikmeiers Fuhrpark zählen mehrere historische Pkw, Schwerpunkt Audi und Mercedes. Das jüngste Projekt ist ein gerade erworbener Düsseldorfer Daimler Benz, Baujahr 86, mit Doppelkabine und Pritsche. „Die Vorbereitung auf den TÜV darf ich in meiner ehemaligen Werkstatt bei Saltenbrock machen. Ich habe noch einen guten Kontakt dorthin und freue mich immer, die Kollegen wiederzutreffen. Passende Sprüche über meinen neuen Job im Büro, auch von meinem Altgesellen, gibt’s dann natürlich genug“, so Eikmeier lachend.


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