Magazin Landwirtschaft

Pflanzenschutz :

Bauernverband akzeptiert mögliche Beschränkungen für Neonikotinoide

Neuer EFSA-Bericht bestätigt Risiken der Wirkstoffgruppe für Bienen – COPA/COGECA und UFOP gegen absolutes Neonikotinoidverbot

Pflanzenschutz: Bauernverband akzeptiert mögliche Beschränkungen für Neonikotinoide

Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen sehen die Pflanzenschutzmittel der Wirkstoffgruppe Neonikotinoide im Zusammenhang mit dem Bienensterben.

Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellt die Mehrzahl der Anwendungen der neonikotinoiden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam ein Risiko für Honig- und Wildbienen sowie Hummeln dar. Mit den letzte Woche veröffentlichten Schlussfolgerungen aktualisierte die Behörde ihre Ergebnisse von 2013, nach deren Veröffentlichung die Europäische Kommission die Verwendung der besagten Substanzen eingeschränkt hatte. Insgesamt stuft die EFSA das Risiko als hoch ein.

Der Leiter des EFSA-Referates für Pestizide, José Tarazona, erklärte, dass aufgrund der beträchtlichen Datenmenge, die zur Verfügung gestanden hätte, „sehr detaillierte“ Schlussfolgerungen hätten gezogen werden können. „Einige Risiken wurden als gering angesehen; insgesamt aber wurde das Risiko für die drei von uns untersuchten Bienenarten bestätigt“, stellte Tarazona fest.

Der Behörde in Parma zufolge unterscheiden sich die Schlussfolgerungen bezüglich der Risiken je nach Faktor wie die Bienenart, die beabsichtigte Verwendung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs und dem Expositionsweg. So sei zum Beispiel das Risiko der Mortalität etwa durch Rückstände von Imidacloprid im Nektar und Pollen im Raps bei Honigbienen niedriger, während zugleich dieses Risiko bei Hummeln im selben Szenario als hoch eingestuft worden sei. Insgesamt bestätigten die Schlussfolgerungen jedoch, dass Neonikotinoide ein Risiko für Bienen darstellten, so die EFSA.

Für die neuen Bewertungen führte das für Pflanzenschutzmittel zuständige Referat eine umfassende Evaluierung aus gut 1.500 Studien durch. Darin war nach Angaben der EFSA eine systematische Literaturrecherche eingeschlossen, um sämtliche seit den vorhergehenden Bewertungen im Jahr 2013 veröffentlichten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wirkstoffen zusammenzutragen. Wie bei den vorherigen Bewertungen wurde die Exposition der Bienen gegenüber den Substanzen für drei Pfade bewertet: Rückstände in Blütenpollen und Nektar, Staubdrift während der Aussaat/Ausbringung von behandeltem Saatgut sowie Wasseraufnahme.

Bereits im März 2017 waren noch vertrauliche Pläne der EU-Kommission bekanntgeworden, wonach die Anwendung der drei Neo- nikotinoide, Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam mit Ausnahme von Gewächshäusern offenbar komplett untersagt werden soll.

Bauernverband zeigt sich aufgeschlossen

Die deutsche Landwirtschaft zeigt sich nach dem Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zum Risiko dreier Neonikotinoide für Bienen für weitere Beschränkungen bei diesen Pflanzenschutzmittelwirkstoffen aufgeschlossen. „Wir haben immer erklärt, dass für uns der Maßstab für eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln eine fundierte wissenschaftliche Bewertung ist. Daher werden wir dieser Neubewertung der EFSA folgen“, erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, zu dem EFSA-Bericht. Wenn dadurch aber eine effektive Wirkstoffgruppe verlorengehe, um die Nutzpflanzen vor Schädlingen zu schützen, sei es jetzt eine echte Herausforderung, Alternativen zu entwickeln und neue Produkte schnell zur Zulassung zu bringen, mahnte der Bauernpräsident zugleich an.

Zuvor hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt festgestellt, dass er nun von weiteren Beschränkungen der Zulassung für diese Pflanzenschutzmittelwirkstoffe ausgehe.

Gegen ein absolutes Verbot der drei neo-nikotinoiden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam haben sich die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) ausgesprochen. Der Generalsekretär der Dachverbände, Pekka Pesonen, sieht in dem gestern von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vorgelegten Bericht keine generelle Rechtfertigung, die Verwendung der Mittel etwa in der Saatgutbeizung zu unterlassen. Ein noch vertraulicher Entwurf der EU-Kommission aus dem vergangenen Jahr sieht bekanntlich außerhalb von Gewächshäusern ein absolutes Anwendungsverbot vor.

Pesonen forderte die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, vorsichtig auszutarieren, welche Anwendungen bei gleichzeitig niedrigem Risiko für die Bienen beibehalten werden können. Dies sei auch notwendig, um diese drei wichtigen Wirkstoffe nach Möglichkeit auf dem Markt zu halten. Gleichzeitig sprach sich der Finne für einen effektiven Bienenschutz aus. Bienen seien gerade als Bestäuber in der Landwirtschaft sowie zur Sicherstellung der Biodiversität unverzichtbar.

Derweil beklagte die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP), dass ganz konkret etwa zur neonikotinoiden Rapsbeizung derzeit noch keine Alternativen zur Verfügung stünden. Darüber hinaus ist es laut UFOP fraglich, ob die aus dem Rapsanbau vorliegenden Monitoringdaten sowie die Daten zu Risikominderungsmaßnahmen beim Einsatz der Wirkstoffe in der Praxis in den Schlussfolgerungen der EFSA angemessen berücksichtigt worden seien.


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