Magazin Landwirtschaft

EuroTier :

Tierwohl und Digitalisierung beschäftigen die Tierhalter in ganz Europa

Paetow fordert ehrliche Diskussion von Zielkonflikten – Aeikens: Innovationen in der Tierhaltung nötig – Grandke prognostiziert große Umwälzungen – EuroTier 2018 in Hannover – Besucherrekord von 2016 nicht erreicht – Internationale Beteiligung nimmt aber zu

EuroTier: Tierwohl und Digitalisierung beschäftigen die Tierhalter in ganz Europa

DLG-Präsident Hubertus Paetow bei der Eröffnung der EuroTier: „Die Politik muss Schiedsgericht sein zwischen gesellschaftlichen Forderungen und wettbewerbsfähiger Landwirtschaft.“

Eine „ernsthafte Diskussion“ über die Anforderungen zur Nachhaltigkeit und zum Tierwohl hat der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, gefordert. Gleichzeitig warnte er bei der Eröffnung der EuroTier in Hannover vor Forderungen, die „nur einer ästhetischen Wunschvorstellung entspringen“ und die Tierhaltung aus Deutschland verdrängten. Aufgabe der Politik ist es nach Ansicht von Paetow, Schiedsrichter zu sein zwischen der Gesellschaft mit ihren Forderungen und einem Wirtschaftssektor, der mit diesen Forderungen im Umfeld eines internationalen Wettbewerbs umgehen muss.

Viele der aktuellen Herausforderungen der heimischen Tierhalter würden einer ganz spezifisch deutschen Sicht auf unvermeidliche Konflikte zwischen einer nachfrageorientierten Tierproduktion und den Anforderungen der Gesellschaft entspringen, so der DLG-Präsident. Das seien Konflikte, die zwangsläufig entstünden, da sich die landwirtschaftlichen Produktionsverfahren und das, was sich die Menschen darunter vorstellten, immer mehr auseinander entwickelten. „Neue Ideen für die Tierhaltung“ hat Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens vom Bundeslandwirtschaftsministerium angemahnt.

Tierwohllabelprodukte 2020

Aeikens verwies auf die Innovationskraft der Landwirtschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten. Die Tierhaltung müsse weiterentwickelt werden, damit sie in der breiten Gesellschaft bestehen könne. Es gehe um den Einklang von Tierwohl, Umwelt und Ökonomie. Das gelte für kleine Höfe ebenso wie für große Agrarbetriebe. Mehr Tierwohl und Umweltschutz seien aber nicht „zum Nulltarif“ zu haben, stellte Aeikens klar. Er verwies auf die Fortschritte bei der Entwicklung der staatlichen Tierwohlkennzeichnung und betonte die umfangreichen Fördermaßnahmen im Bundesprogramm Nutztierhaltung und im Agrarinvestitionsförderungsprogramm. So sollten im Herbst 2020 die ersten Produkte mit staatlichem Tierwohllabel auf dem Markt sein.

Branche muss an Verfahren arbeiten

Um mehr Akzeptanz bei den Verbrauchern und Medien zu erhalten, genügt es laut Paetow nicht, die Bilder einer modernen Tierhaltung zu transportieren. Vieles von dem, was heute in den Ställen passiere und von den Landwirten als alltäglich betrachtet werde, wirke auf eine wenig informierte und involvierte Gesellschaft „verstörend oder gar abstoßend“. Die Branche müsse nicht nur an der medialen Darstellung, sondern auch an den Verfahren selbst und an deren Wirkung auf die Tiere arbeiten, betonte der DLG-Präsident. Paetow verteidigte außerdem die internationale Arbeitsteilung in Volkswirtschaften. Tiere sollten da gehalten werden, wo es die höchsten Standards gebe. Er riet den Tierhaltern, Verbündete in der Wertschöpfungskette zu suchen und hinter den Herausforderungen auch die Chancen zu sehen. Hinter jeder ehrlichen Verbraucherforderung stecke auch eine Möglichkeit zur Differenzierung, so Paetow.

Neue Systeme und Tierrassen

Tags zuvor hatte DLG-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Grandke große Umwälzungen für die Nutztierhaltung prognostiziert, sollte der Klimawandel anhalten. Nicht nur die Tierhaltung allein, sondern die Landwirtschaft im Ganzen müsse sich dann derzeit nicht abzuschätzenden Herausforderungen stellen, erklärte Grandke. Er hält es für denkbar, dass nicht nur die Tierhaltungssysteme und Futtermittelzusammenstellungen, sondern auch Tierrassen oder sogar Tierarten zu hinterfragen wären. Gleichzeitig zeigte sich Grandke zuversichtlich, dass die Branche die Veränderungen und den damit einhergehenden Innovationsdruck meistern werde.

Angebote um Futter und Tiergesundheit

Die diesjährige EuroTier konnte mit 155.000 Besuchern nicht ganz an das Rekordergebnis von 2016 anknüpfen, als insgesamt 163.000 Gäste nach Hannover gekommen waren. Laut DLG stieg insbesondere das Interesse bei Ausstellern und Besuchern aus dem Ausland. So seien insgesamt 59 % der 2.597 Aussteller und 46.500 Fachbesucher aus dem Ausland gekommen, davon die meisten aus den Niederlanden, China, Russland, Polen, Italien, Spanien, Österreich, der Ukraine, Frankreich, der Türkei sowie Belgien und Dänemark.

Ergebnisse einer Ausstellerbefragung – So beurteilen die Aussteller die EuroTier 2018

Der Veranstalter beauftragte das Unternehmen Wissler & Partner Trade Fair Marketing aus Basel, eine repräsentative Befragung bei den Ausstellern der EuroTier 2018 durchzuführen. In diese Befragung wurden am Donnerstag, dem 15. November 2018, alle Ausstellerstände einbezogen; für die vorläufige Auswertung lagen die Antworten von 1.749 Ausstellern vor.

 

Gesamtergebnis der Beteiligung:

88 % der Aussteller berichteten zum (2016: 90 %) Ausstellungsschluss von einem positiven Gesamtergebnis ihrer Beteiligung.

67 % sehr gut und gut (69 %)

21 % zufriedenstellend (21 %)

7 % weniger zufriedenstellend und schlecht (5 %)

5 % keine Angabe (5 %)

_____

100 %

 

Beurteilung der Qualität der Besucher:

84 % der Aussteller beurteilten (2016: 85 %) die fachliche Qualität der Besucher

als sehr gut, gut oder zufriedenstellend.

 

Kontakte zu neuen Kunden:

78 % der Aussteller hatten während der EuroTier 2018

Kontakte zu neuen Kunden. (2016: 79 %)

50 % zahlreiche (50 %)

 

Erwartungen für das Messenachgeschäft:

76 % der Aussteller beurteilten die Aussichten für

das Messenachgeschäft positiv. (2016: 76 %)

47 % sehr gut und gut (44 %)

29 % zufriedenstellend (32 %)

 

Wiederbeteiligung

77 % der Aussteller erwägen eine Beteiligung an der nächsten EuroTier/EnergyDecentral (2016:78 %)

44 % ja, sicher (44 %)

33 % ja, wahrscheinlich (34 %)

17 % weiß noch nicht (16 %)

3 % nein (3 %)

3 % keine Angabe (3 %)

 

Beurteilung der Qualität der Besucher:

84 % der Aussteller beurteilten die fachliche (2016: 85 %)

Qualität der Besucher als sehr gut, gut oder zufriedenstellend.

Diese beiden Messebesucher aus dem Ammerland interessierten sich auf der EuroTier in Hannover für Fleischrinder.

Diese beiden Messebesucher aus dem Ammerland interessierten sich auf der EuroTier in Hannover für Fleischrinder.


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus