Agrarpolitik Polen :

Schwerpunkte benannt

Umstrukturierung nationaler Behörden angekündigt - Kürzungen im Agraretat sollen vermieden werden

Die Steigerung der Rentabilität der landwirtschaftlichen Erzeugung und damit die Verbesserung der Situation von Landwirten ist vorrangiges agrarpolitisches Ziel der polnischen Regierung. Das hat der stellvertretende Ministerpräsident und Landwirtschaftsminister Polens, Jaroslaw Kalinowski, kürzlich vor Pressertretern in Warschau bekräfle. Aus diesem Anlass machte Kalinowski, der an der Spitze der polnischen Bauernpartei (PSL) steht und die Regierungsämter erst seit Oktober 2001 innehat, darauf aufmerksam, dass im kommenden Jahr die wichtigste und zugleich schwierigste Phase der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union im Agrarbereich bevorstehe.

Die Aufgabe der polnischen Seite sieht der Minister darin, günstige und rechtsgleiche Bedingungen für die heimischen Landwirte auszuhandeln, die nationalen Agrarmärkte zu stabilisieren und Mechanismen zur strukturellen 3rstärkung der Landwirthaft einzuleiten. In diesem Zusammenhang wies der Vizepremier darauf hin, dass die Anpassung der polnischen Landwirtschaft an die EU-Forderungen grundsätzlicher Veränderungen von Institutionen bedürfe, die auf diesem Gebiet wirken. Dies beziehe sich insbesondere auf die Agentur für Umstrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft (ARIMR), die künftig als nationale SAPARD-Agentur agieren und auch die Verwaltung des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems für die Landwirtschaft (lnvecos) übernehmen soll.

Auch die Agentur für landwirtschaftliches Staatseigentum (AWRSB) müsse eine aktivere Strukturpolitik in der Landwirtschaft betreiben, so der PSL-Vorsitzende.

 

Aufgaben

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation dürfe das nationale Agrarbudget 2002 gegenüber dem Haushalt des laufenden Jahres nicht gekürzt werden, betonte Kalinowski. Dabei sollten die Steigerung der landwirtschaftlichen Einkommen sowie der Beschäftigung der ländlichen Bevölkerung außerhalb des Agrarsektors als wichtigste unmittelbare angesehen werden. Der Minister räumte ein, dass die monatlichen Einkommen von Familien auf dem Land immer noch um 34 Prozent unter dem Vergleichsniveau in den Städten liegen. Ein weiteres wichtiges Ziel besteht nach den Worten Kalinowskis in der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit polnischer Agrar- und Ernährungsgüter. Das könnte unter anderem durch Qualitätssteigerungen und Senkung der Produktionskosten sowie über eine Verbesserung der Qualifikation von Beschäftigten und den Ausbau der ökologischen Erzeugung erreicht werden. Von besonderer Bedeutung ist laut Kalinowski auch die Anhebung des Ausbildungsniveaus der Landjugend, das derzeit zu wünschen übrig lasse. Zum Beispiel verfügten nur 2 Prozent der jungen Leute auf dem Land über eine abgeschlossene Hochschulausbildung, während sich der entsprechende Anteil in den Städten auf 10 Prozent belaufe. Eine stärkere Motivation im Bildungssektor sei ebenfalls für eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Landwirtschaft angesichts des bevorstehenden Beitritts des Landes zur Europäischen Union unentbehrlich.


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