Magazin Landwirtschaft

Absolventenbefragung im Agrarbereich :

Zufriedenheit überwiegt – trotz niedriger Einstiegsgehälter

Bruttojahresgehälter anfangs deutlich unter den Empfehlungen – Studium wird im Rückblick meist als zufriedenstellend skizziert – Wünschenswert wären aber ein größerer Praxisbezug sowie die Vermittlung von Softskills gewesen – Zügiger Berufseinstieg möglich – Studie im Auftrag des VDL

Absolventenbefragung im Agrarbereich: Zufriedenheit überwiegt – trotz niedriger Einstiegsgehälter

Universitätsabsolventen hätten sich im Studium einen größeren Praxisbezug und die Vermittlung von Softskills gewünscht.

Die Absolventen der Agrarwissenschaften zeigen sich mit ihrer aktuellen beruflichen Situation insgesamt zufrieden, auch wenn es Kritik an der Höhe der Einstiegsgehälter gibt. Das geht aus einer Absolventenbefragung im Agrarbereich hervor, die von Prof. Rainer Kühl von der Universität Gießen im Auftrag des VDL Berufsverbandes Agrar Ernährung Umwelt (VDL-Bundesverband) durchgeführt worden ist.

Wie Kühl jetzt in Berlin dazu berichtete, erhielten drei Viertel der Befragten zu Beginn ihrer Erwerbstätigkeit ein Bruttogehalt von weniger als 40.000 Euro im Jahr. Jeder sechste Absolvent stieg mit unter 20.000 Euro Jahresbruttogehalt ins Berufsleben ein; davon war lediglich ein Drittel in Teilzeit beschäftigt. Der Umfrage zufolge erfolgte der Berufseinstieg relativ zügig auf sehr unterschiedlichem Wege. Insgesamt 75 % der Befragten hatten spätestens nach zwölf Monaten ihre erste Arbeitsstelle, jeder Vierte bereits vor dem Studienabschluss.

Unabhängig davon zeigten sich die Absolventen auch mit ihrem Studium mehrheitlich zufrieden, benannten aber gleichzeitig Veränderungsbedarf. So hätten sich die Universitätsabsolventen laut dem VDL-Bundesverband im Studium einen größeren Praxisbezug und die Vermittlung von Softskills gewünscht, die Fachhochschulabsolventen eine größere Flexibilität in der Fächerwahl. Das Ergebnis stimmt mit den der Vorgängerstudien aus den Jahren 2011/12 und 2014/15 überein. Immerhin wurde die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge positiver als in den früheren Studien gewertet.

Insgesamt nahmen 553 Personen von 17 Agrarfakultäten an der Befragung teil. Für VDL-Präsident Markus Ebel-Waldmann zeigt die aktuelle Studie, dass die Attraktivität des Agrarstudiums weiter gewachsen ist. Deutliches Potential sieht er allerdings noch bei den Einstiegsgehältern und verweist auf die vielfältige Ausbildung und Fähigkeiten der Absolventen. Bachelorabsolventen sollten laut Ebel-Waldmann nicht unter 35.000 Euro Jahresbruttoeinkommen nach Hause gehen; für Masterabsolventen sollte hier ein Minimum von 45.000 Euro gelten.

Bis zu 500 Bewerbungen

Eine reguläre Beschäftigung nahmen der Studie zufolge 38 % der Befragten direkt nach dem Studium auf; jeder Zehnte entschied sich für ein Aufbaustudium und 9 % für eine Promotion. Ein Drittel der befragten Absolventen, die ihren Berufseinstieg bereits vollzogen hatten, tat dies im Bereich der agrarbezogenen Dienstleistung oder Wissenschaft. Rund jeder Fünfte trat seine erste Stelle in der Landwirtschaft an, etwa ein Viertel in einem der Landwirtschaft vor- oder nachgelagerten Bereich. Jeder zehnte Agrarabsolvent vollzog seinen Berufseinstieg außerhalb des Agribusiness. Bei der jeweiligen Branche handelt es sich bei 71 % der Befragten um die Wunschbranche. Bis zur Aufnahme ihrer ersten Tätigkeit hatten die Absolventen nach eigener Angabe zwischen 0 und 500 Bewerbungen versendet, wobei 90 % der Befragten bis zu maximal 30 Bewerbungen verschickten. Jeder sechste Befragte, der bereits den Berufseinstieg vollzogen hatte, erhielt die Stelle, ohne eine Bewerbung zu schreiben.

Rückblickend empfinden sieben von zehn Befragten die an der Hochschule erworbenen Kenntnisse für die Aufgaben im Berufsleben als nützlich. Knapp ein Drittel der Befragten fühlte sich bei Antritt der ersten Stelle indes überfordert. Rund 35 % der Berufsanfänger musste Qualifikationsdefizite feststellen. Ebenso viele litten unter Stress, Termindruck und Arbeitsüberlastung.


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