Zukunftskommission Landwirtschaft:

Blaupause für eine erfolgreiche Transformation

DLG-Präsident und ZKL-Mitglied Paetow weist Kritik an Abschlussbericht zurück: Kurzfristige Lösungen für den Schweinemarkt waren nicht Aufgabe der Kommission – Umsetzung der Empfehlungen ist Sache der Politik

Zukunftskommission Landwirtschaft: Blaupause für eine erfolgreiche Transformation

Der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft sorgt für Diskussionen.

Für nicht gerechtfertigt hält der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, die aus den Reihen der Landwirtschaft geäußerte Kritik an der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL). Im Interview mit dem Pressedienst Agra-Europe führt Paetow die Vorbehalte gegen deren Abschlussbericht insbesondere auf falsche Erwartungen an die Arbeit der ZKL zurück: „Die Zukunftskommission konnte keine kurzfristigen Lösungen für den Schweinemarkt aufzeigen“.

Der Bericht sei kein politischer Beschluss, sondern enthalte lediglich Leitlinien. „Es liegt an der Politik, etwas daraus zu machen“, mahnt der DLG-Präsident. Diese müsse sagen, „wie sie zu den Empfehlungen steht sowie, ob und wie sie diese umzusetzen gedenkt“.

Er sei überzeugt, dass der einmütige Beschluss der Zukunftskommission als Blaupause für eine erfolgreiche Transformation des Agrarsektors tauge, so Paetow. Für die nächste Legislaturperiode erhofft er sich eine Koalition, „in der die Partner nicht darauf aus sind, ihre politische Eigenständigkeit zur Schau zu tragen“. Es ist für ihn daher nicht allein entscheidend, welche Kräfte in dieser Koalition vertreten sein werden. Vielmehr sollte es seiner Überzeugung nach einen Konsens geben, im Sinne der ZKL-Leitlinien Agrarpolitik zu machen. Der nächste Koalitionsvertrag sollte dem DLG-Präsidenten zufolge den Grundgedanken der Zukunftskommission enthalten, dass die Transformation des Agrarsektors eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Zudem müsse der politische Wille deutlich werden, den Betrieben eine Zukunftsperspektive zu bieten. Die notwendigen Veränderungen müssten in eindeutig definierten Schritten erfolgen, damit sie von den Beteiligten auch gemanagt werden könnten, mahnt Paetow. Von den landwirtschaftlichen Verbänden und Organisationen erwartet er, „dass wir uns hinter den Leitlinien versammeln“. Nur dann könnten diese den Weg in die Politik finden.

Nicht nachvollziehen kann Paetow die Kritik an den im ZKL-Bericht angeführten externen Kosten der Landwirtschaft. Die Kommission weise ausdrücklich darauf hin, dass die Ermittlung der externen Kosten immer hochgradig unsicher sei.

Umbaukosten ein Schnäppchen

Gleichzeitig könne die Landwirtschaft nach übereinstimmender Auffassung aller Kommissionsmitglieder allein die negativen externen Effekte nicht verhindern. Das müsse schon die gesamte Gesellschaft machen, indem sie zum Beispiel ein umweltgerechteres Produzieren betriebswirtschaftlich interessant gestalte. Schließlich habe man deutlich machen müssen, dass die finanziellen Mittel, die für eine von der Gesellschaft geforderte ökologischere und tiergerechtere Landwirtschaft aufgebracht werden müssten, ein Schnäppchen seien im Vergleich zu den Kosten, die anfallen könnten, wenn nichts getan werde.

Für den DLG-Präsident steht außer Frage, dass der Konsens der Zukunftskommission für die Landwirtschaft enorme Chancen bietet. Zum einen werde die Verantwortung für den Umbau der Landwirtschaft nicht dem Sektor allein zugewiesen, sondern breiter verteilt. Zum anderen werde festgestellt, dass die ökologische Transformation nicht am Markt vorbei erfolgen könne. Es müsse betriebswirtschaftlich attraktiv sein, die Landwirtschaft umwelt- und tierschutzgerecht zu gestalten. „Das ist etwas Neues, das es bislang so nicht gegeben hat“, betont Paetow. Er habe die Hoffnung, „dass alle Branchenvertreter das Potenzial der Ausführungen der Zukunftskommission erkennen, so schwierig manche Botschaft für die eigene Klientel auch sein mag“.

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