
© Zaugg
Zaugg-Firmenchef Wilhelm Rieder: „Gute Ergänzung“.
Im Winterdienstgeschäft geht es zeitlich genauso eng zu wie in der aktuell auf Hochtouren laufenden Erntesaison: Wenn die Maschine ausfällt, muss eine Reparatur so schnell wie möglich erfolgen – die Kunden einfach ein paar Tage zu vertrösten ist eine schlechte Option. Um als Hersteller einen Markt erschließen zu können, muss er also in der entsprechenden Region einen Standort haben. Dabei muss man die Konkurrenz nicht zwangsläufig verdrängen – auch Kooperationen und Zusammenschlüsse eröffnen den Partnern mehr Möglichkeiten. Dazu entschlossen sich die Hersteller Zaugg und Westa.
Beide Firmen haben einen eigenen Kundenkreis: „Zaugg ist bekannt für hohe Qualität, hohe Leistung – aber auch einen entsprechend hohen Preis. Westa spricht dagegen eher Kunden mit einem etwas niedrigeren Budget an und bietet dabei ein gutes, ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Daher gibt es hier durchaus gute Ergänzungsmöglichkeiten“, erklärt Zaugg-CEO Wilhelm Rieder.
Beide Firmen überschneiden sich also hinsichtlich der angebotenen Leistungsklassen, sprechen dabei aber jeweils andere Kunden an. Sowohl Zaugg als auch Westa-Maschinen erfüllen hohe Anforderungen und sind bei Passöffnungen ebenso unterwegs wie auf Flughäfen, im kommunalen Einsatz in Städten und Gemeinden und bei einer großen Zahl privater Nutzer. Die beiden Hersteller ergänzen sich so mit ihren Produkten.

© Westa
Der von Westa entwickelte Schneeladewagen ermöglicht es, den Schnee durch eine Person zu räumen und abzutransportieren.
Zaugg etwa ist mit seiner Spezialschneefräse für Halfpipes und anderen Geräten bereits im Wintersport-Segment aktiv: Weltweit werden die Snowboard-Sportanlagen mit den exklusiven Geräten gebaut und gepflegt. Westa ergänzt hier durch weitere reguläre Pistenraupen-Fräsen. Zum kaum eine Autostunde entfernt ansässigen Spezialfahrzeughersteller Kässbohrer pflegt Westa zudem bereits langjährig gute Beziehungen. Zusammen mit Zaugg können diese nun weiter intensiviert werden. Außerdem bietet Westa auch individuelle Sonderlösungen an, auf die nun auch der Zaugg-Vertrieb Zugriff hat: So entstand etwa ein Schneeladewagen, bei dem die Fräse direkt auf einen Anhänger wirft oder eine am Mähausleger montierte Schneefräse.

© Zaugg
Schneepflüge sind ein Kerngeschäft von Zaugg und ergänzen künftig auch das Portfolio von Westa.
Vorteile im Export
Aber auch für das internationale Geschäft birgt die Kooperation Vorteile: „Schnee ist weltweit völlig unterschiedlich! Zwischen Japan, Europa und Amerika sind die Gegebenheiten total verschieden, weshalb es dafür jeweils entsprechendes Gerät braucht. Daher wird auch zukünftig eine breite Produktpalette notwendig sein. Diese müssen wir aber modular und flexibler gestalten. Daher streben wir auch Weiterentwicklungen zusammen mit Westa an, wobei wir vom Know-how gegenseitig profitieren“, sagt Rieder. Die US-Niederlassung in Denver etwa liegt auf 1.500 Metern Höhe am Rand der Rocky Mountains, der Schnee dort sei im Vergleich zu dem in der Schweiz viel leichter und luftiger, weshalb dort teilweise andere Geräte nachgefragt werden. Zudem sei die Klientel nach Rieders Erfahrung auf der anderen Seite des Atlantiks kulturell ganz anders unterwegs als in Europa: „Dort ist die Langlebigkeit nicht so wichtig – das Gerät muss gut arbeiten, und wenn es kaputt geht, wird es ersetzt. Es darf dann aber nicht so viel kosten. Daher passt die Ergänzung durch das etwas günstigere, aber dennoch leistungsfähige Westa-Portfolio sehr gut nach Übersee. Wir können den dortigen Kunden so ohne Neu- oder Weiterentwicklungen etwas Passendes bieten. In Europa oder vor allem auch in der Schweiz tickt man noch etwas anders: Hier wird etwas mehr investiert, dafür hält eine Maschine dann aber Jahrzehnte.“
Durch seinen Fokus auf langlebige Produkte ist für Zaugg auch das Thema Ersatzteilversorgung extrem wichtig, der Hersteller legt daher viel Wert auf lange Verfügbarkeit. Auch für 40 Jahre alte Maschinen sind noch Ersatzteile erhältlich. Diese Stärke möchte man künftig auch auf Westa übertragen, wodurch die bayerische 30-Mitarbeiter-Firma künftig ebenfalls entsprechend gegenüber den Kunden auftreten kann. Außerdem ist es für den größeren Schweizer Partner (Zaugg hat 130 Mitarbeitende) natürlich vorteilhaft, durch die Kooperation einen deutschen Standort für das Ersatzteilmanagement und die Produktion zu erhalten. „Dadurch werden wir im europäischen Wirtschaftsraum viel schneller, da etwa die Zollabwicklung wegfällt und die Teile so direkt zum Kunden gehen können“, erklärt Rieder.

© Zaugg
Neben der Großtechnik sind bei beiden Herstellern auch Geräte für kompakte Trägerfahrzeuge zu haben.
Ersatzteilversand wird schneller
Geplant ist, den Ersatzteilversand bereits in der kommenden Winterdienst-Saison aus Deutschland anbieten zu können.
Westa erhält im Gegenzug den Zugriff auf das Service-Netzwerk und die größere Reichweite in den Märkten von Zaugg, die neben der Schweiz in 40 Ländern von Australien bis zum Nordpol aktiv sind: Die jeweiligen Fachberater der beiden Hersteller sollen künftig die Sortimente beider Firmen zu den Kunden bringen. Zaugg-Händler können also künftig auch die Westa-Produkte mit anbieten und umgekehrt. Für Westa bedeutet das auch eine komplett neue Sparte, denn bisher ist man im Winterdienst auf Schneefräsen spezialisiert. Durch die Kooperation können die Westa-Händler nun auch Schneepflüge verkaufen. Zaugg hat die bestehenden Pflüge weiterentwickelt und kürzlich auf der Demopark in Eisenach vorgestellt: „Die neuen Pflüge stehen hinsichtlich der Leistungsmerkmale den alten in nichts nach, erreichten aber eine höhere Wirtschaftlichkeit. Damit wollen wir in Europa wettbewerbsfähig sein, auch durch den Vertrieb von Westa und seinen Händlern“, so Rieder abschließend.















