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plättchen oder Schmelzbeschichtung?

Werkzeuge für die Bodenbearbeitung: plättchen oder Schmelzbeschichtung?

Von Jan Hinrich Löken, Industriehof Scherenbostel, J.Loeken@industriehof.com

Aktualisiert am

Schare mit aufgelöteten Wolframcarbidplättchen oder mit aufgeschmolzener Beschichtung? Lesen Sie, für welchen Einsatz welche Lösung passend ist.

Zu Beginn eine kleine Begriffserklärung: Wenn man in der Landtechnik von Hartmetall spricht, ist im Grunde fast immer von Wolframcarbid die Rede. Es gibt noch andere Verbindungen, doch diese sind weniger gebräuchlich. Jeder Hersteller hat seine speziellen Legierungen mit dem einen oder anderen unterschiedlichen Zuschlag, aber die Hauptbestandteile der Beschichtung, wie immer sie auch aufgebracht wird, sind Wolfram und Kohlenstoff.

Die Entwicklung der letzten Jahre

In den letzten zehn Jahren hat der Anteil der Bodenbearbeitungswerkzeuge mit Hartmetallbeschichtung stetig zugenommen und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Dabei behaupten sich zwei verschiedene Formen der Beschichtung immer mehr am Markt. Zum einen die massigen, zum Teil stark konturierten Schare mit den aufgelöteten Hartmetallplatten (Abb. 1) und zum anderen die bekannten Standardschare aus Blech mit der aufgeschmolzenen Beschichtung. Diese gibt es zum Beispiel unter den Markennamen Duraface, Busadur oder MaxiLife. (Abb. 2)

Auch die mittels Schweißzusatz aufgepanzerten Standardspitzen, -schare und -flügel sind weiterhin am Markt erhältlich. Angesichts neuer Herausforderungen und Ansätze in der Landwirtschaft verlieren sie an Bedeutung. Es wird nicht weiter auf die Fertigungsdetails eingegangen, da das einen eigenen Artikel ergibt. Hier geht es um die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten.

Werkzeuge für die Bodenbearbeitung: plättchen oder Schmelzbeschichtung?

1 Die Schare mit den Hartmetallplatten sind oft formoptimiert, um einen besseren Erdfluss und damit einen geringeren Verschleiß zu erreichen.

Werkzeuge für die Bodenbearbeitung: plättchen oder Schmelzbeschichtung?

2 Die Blechschare mit der Beschichtung sind eine günstige Alternative zu den Platten-Scharen.

Schare mit Hartmetallplatten

Die mittlerweile etablierten Schare mit den Platten sind in ihrer Beschaffenheit für lange Lebensdauer und einen gleichbleibenden Schnitthorizont ausgelegt. Sie sollen Wechselintervalle verlängern und bei Flügel- und Gänsefußscharen dieser Art auch die Schnittbreite und damit die Überlappung der Striche möglichst lange beibehalten. Sie sind teuer, bieten in der Regel aber auch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn sie bis zum Ende heruntergefahren werden können. Große Steine im Boden und unvorsichtiges Absetzen auf festem Untergrund können mitunter Schäden an den spröden Hartmetall-Platten, vor allem an den vorstehenden Spitzen, anrichten. Ist die Platte komplett zerstört, nimmt der Verschleiß zu, auch wenn die Funktion weiterhin gegeben ist.

Schare mit Schmelzbeschichtung

Hier wird auf das Standard-Blechschar eine Beschichtung aufgetragen, die sich vollflächig mit dem Untergrundmaterial verbindet. Ein Abplatzen bei Steintreffern ist somit ausgeschlossen. Die Beschichtung ist allerdings nicht so dick wie eine Hartmetallplatte und auch das Grundschar ist meist nicht dicker als sechs bis acht Millimeter. Dennoch können auch hier Standzeiten erreicht werden, die mehr als das Doppelte des Durchschnitts eines Standardschars betragen. Zudem sind die Anschaffungskosten wesentlich geringer, sodass hier auch für kleine und Nebenerwerbsbetriebe eine Investition durchaus lohnend sein kann.

Werkzeuge für die Bodenbearbeitung: plättchen oder Schmelzbeschichtung?

3 Nach vielen Stunden im Einsatz sind die Schare bereits abgenutzt, halten aber noch immer die Schnittbreite.

Werkzeuge für die Bodenbearbeitung: plättchen oder Schmelzbeschichtung?

4 Die Schnittkante der Schare mit aufgeschmolzener Beschichtung ist messerscharf und bleibt länger konstant.

Einsatzmöglichkeiten beider Systeme

Die Hartmetall-Schare sind ideal bei sehr großen Flächenleistungen und abrasiven Sandböden mit möglichst wenig Steinbesatz. Wichtig zu beachten: Die Schare sind zwar für eine größere Lebensdauer ausgelegt, die sie aber nur schaffen, solange sie unter den gleichen Bedingungen eingesetzt werden wie die vorhergehenden Standardschare. Manch ein Landwirt ist der Meinung, dass er „hartmetallbestückt“ wesentlich schneller oder wesentlich tiefer arbeiten kann. Er ist enttäuscht, wenn diese Erwartungen nicht oder nur bedingt erfüllt werden. Der Verschleiß nimmt bei höherer Geschwindigkeit und bei größerer Arbeitstiefe exponentiell zu. Nichtsdestotrotz sind mit den Scharen teilweise die sieben- bis zehnfachen Standzeiten im Vergleich zu einem Blechschar möglich. Leider sind die Hartmetall-Schare zu Beginn ihres Arbeitszyklus oft sehr klobig und stumpf. Nicht zuletzt auch wegen ihrer großen Materialstärke. Dies kann am Anfang zu einem erhöhten Zugkraftbedarf führen. Wenn die Platten dann jedoch scharf geschliffen sind, ergibt sich ein sehr guter Einzug, auch unter schwierigen Bedingungen und damit auch wieder ein geringerer Kraftstoffbedarf. (Abb. 3) Auf den gesamten Lebenszyklus des Schares betrachtet, hat man so schon eine Ersparnis in diesem Bereich.

Ein Betrieb in Nebenerwerb oder mit einer geringeren Gesamtfläche kann es sich vielleicht nicht leisten, das Fünffache für einen neuen Satz Verschleißteile auf einmal auszugeben. In diesem Fall lohnt es sich, sich mit dem Thema Schmelz-Beschichtung als Alternative zum Standardschar zu beschäftigen. Diese Schare kosten in ihrer Anschaffung meist etwa das Doppelte, bringen aber auch die zwei- bis dreifache Standzeit. Die beschichteten Blechschare sind, in entsprechend flacher Anstellung, sehr gut für einen scharfen, flächigen Schnitt auch unter lockeren, sandigen Bedingungen geeignet.(Abb. 4)

Der schnellere Selbstschärf-Effekt spart schon nach kurzer Zeit Kraftstoff ein. Auch bei diesen Produkten wird durch die Beschichtung die Arbeitsbreite wesentlich länger konstant gehalten, sodass das Schar nicht schon weit vor Ende seiner eigentlichen Lebensdauer ausgetauscht werden muss, weil die Überlappung nicht mehr ausreicht, um ein sauberes Bild zu erzeugen.

Ein Denkanstoß für Erstanwender, die über eine Investition im Segment der Hartmetallwerkzeuge für die Bodenbearbeitung nachdenken. Wenn man sich nicht sicher ist, lohnt es sich durchaus, zuerst nur ein Schar zu kaufen und es, zusammen mit einem neuen Standardschar, jeweils in der Schlepperspur in der ersten Reihe einzubauen. Jetz kann man über die Saison hinweg die Standardschare zählen, die man wechselt, bis das teure Schar aufgearbeitet ist. So bekommt man eine klare Aussage über die Leistungsfähigkeit, zugeschnitten auf die eigenen Betriebsverhältnisse. Eine weitere Möglichkeit ist, nur die erste Reihe eines Grubbers mit den hochwertigen Scharen auszustatten. Hier wirkt in der Regel die größte Belastung auf die Schare und somit auch die größte Abnutzung. Durch diese Maßnahme kann der Verschleiß in der Maschine etwas homogenisiert werden. Im besten Fall können dann alle Schare des Grubbers zum gleichen Zeitpunkt gewechselt werden.


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