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Werkstatt :

Lagersitz-Reparatur geht auch ohne Tieflader

Ein ausgeschlagener Lagersitz kann zum unfreiwilligen Stillstand von Teleskop-, Rad- und Frontladern führen. Mit einer mobilen Bohr- und Schweißmaschine wird in zwei Stunden vor Ort repariert.

Werkstatt: Lagersitz-Reparatur geht auch ohne Tieflader

Die Spindelmaschine wird auf einem der Lagerböcke fixiert.

Der Lagersitz des Aufnahmebolzens des Teleskoparms ist ausgeschlagen. Die Bohrungen befinden sich in den festverbauten Rahmenbauteilen des Fahrzeugs.

Der Lagersitz des Aufnahmebolzens des Teleskoparms ist ausgeschlagen. Die Bohrungen befinden sich in den festverbauten Rahmenbauteilen des Fahrzeugs.

Ein ausgeschlagener Lagersitz von Aufnahmebolzen an Front- und Teleskopladern oder Land- und Baumaschinen ist keine Seltenheit. Oft ist es einfach Verschleiß, der – wie meistens zum ungünstigsten Zeitpunkt – zu Tage tritt. Der logistische Aufwand, um die Maschine in eine Werkstatt zu bringen, ist häufig nicht unerheblich. Das noch ziemlich junge Unternehmen Reers Maschinentechnik in Heek bei Gronau (NRW) hat eine mobile Lösung parat.

Parallel repariert

Auf dem Betrieb der Bröker Bioenergie GbR muss die 620 KW Biogasanlage täglich mit 18 bis 20 Tonnen Silage gefüttert werden. Eine gut laufende Biogasanlage ist so empfindlich wie der Magen einer Hochleistungskuh. Dazu ist ein Teleskoplader im Einsatz. Und nicht nur hier. Die universell einsetzbare und wendige Maschine wird zusätzlich überall da genutzt, wo es um Befüllen oder Beladen geht. „Die Hydraulik am Fahrzeug war defekt. Kein Problem, das reparieren wir in unserer eigenen Werkstatt“, so Sebastian Bröker. Als die Maschine demontiert in der Werkstatt steht, wird noch ein weiterer, nicht weniger bedeutender Defekt festgestellt. Der Lagersitz des Aufnahmebolzens des Teleskoparms ist ausgeschlagen. Die Bohrungen befinden sich in den festverbauten Rahmenbauteilen des Fahrzeugs. Bröker: „Buchsen einschlagen wäre nur eine provisorische Zwischenlösung.“ Der Weg zur Werkstatt wäre nur via Tieflader möglich. Durch die Reparatur rund um die Hydraulik ist das Fahrzeug alles andere als mobil, es ist fahruntüchtig. Ein Anruf bei Andre Reers in Heek schafft schnell eine Lösung. Gut 30 Minuten später ist Johannes Feldhaus mit der mobilen Spindelmaschine – diese kann bohren und schweißen – vor Ort. Während Sebastian Bröker und sein Mitarbeiter sich der Hydraulik widmen, beginnt Johannes Feldhaus von Reers Maschinentechnik routiniert mit den Vorbereitungen zum Ausfräsen, Aufschweißen und Spindeln der Bohrung. Nach gut zwei Stunden hat der Bolzen wieder den richtigen Halt. Sebastian Bröker: „Sieht aus, als sei nie etwas gewesen, wie das Original.“

Ohne Transport vor Ort

Der Galabau-Betrieb von Alfons Vortkamp liegt in direkter Nachbarschaft zu Reers in Heek. Das Unternehmen konzipiert und baut Gärten für private Kunden und ganze Grünanlagen einschließlich Parkplätzen für Gewerbe- und Wohnanlagen in ganz West- und Norddeutschland. Die Kundenwünsche können sehr individuell sein. Das reicht von der klassischen Gartenanlage bis hin zur aufwendigen Landschaftsgestaltung. Wasser- bzw. Teichanlagen werden fachgerecht durchgeführt. Alfons Vortkamp: „Acht Baustellen werden nicht selten gleichzeitig betreut. Da sind unsere sechs Kettenbagger und zehn Radlader alle im Einsatz.“ Die Zeitfenster zur Umsetzung der Projekte sind häufig sehr eng und kaum eines der Projekte liegt in der Nachbarschaft. Die unterschiedlichen Projekte des Vortkamp-Teams liegen in einem Radius von gut 150 Kilometern. Wenn eine Maschine ausfällt, ist es nicht immer möglich, schnell auszutauschen.

Donnerstagnachmittag, ein Anruf von der Baustelle in Moers, gut 100 Kilometer vom Betriebssitz entfernt: Der Ausleger des Kettenbaggers funktioniert nicht, die Bolzenführung ist nicht mehr rund. Eigentlich ist die Maschine mit einer Zentralschmierung versehen, damit Bolzen und Führung sich nicht aneinander abarbeiten. Aber die Zentralschmierung hat versagt. Jetzt müsste ein Tieflader organisiert werden, um die Maschine entweder in eine Werkstatt vor Ort oder nach Hause zu holen. „Das hieße viele gefahrene Kilometer und kostbare Zeit wäre verloren“, erklärt Alfons Vortkamp: „Am Freitag sollte die Anlage fertig sein.“ Ein Anruf bei seinem Nachbarn Reers, und schon ist Johannes Feldhaus auf dem Weg. Der Bagger kann direkt auf der Baustelle repariert werden. Am frühen Abend ist er wieder einsatzbereit, der Termin zum Abschluss des Projektes kann eingehalten werden.

Fräsen-Schweißen-Fräsen

„Das ist ja keine Zauberei“, lacht Johannes Feldhaus. Ob beim Teleskoplader in der Werkstatt oder dem Bagger auf der Baustelle, routiniert bereitet Johannes Feldhaus die mobile Spindelmaschine vor. Die Arbeitsschritte sind immer gleich.

Um die exakte, das heißt, die ursprüngliche Position der ausgeschlagenen Bohrung bzw. des Lagersitzes zu finden, schiebt Feldhaus eine Zentrierwelle in den defekten Lagersitz. Anschließend schiebt er die zwei Zentrierkonusse auf die Zentrierwelle. Diese werden gegeneinander verspannt, so dass sich die Welle im Zentrum der ausgeschlagenen Bohrung befindet. Jetzt schiebt er einen weiteren Konus auf das andere Ende der Welle, bis dieser festen Halt in der zweiten Buchse findet. Johannes Feldhaus: „So richtet sich die Welle zentriert aus und die ursprüngliche Position des Buchsen-Durchmessers steht fest.“ Anschließend können die Lagerböcke auf dem Hubarm in Position gebracht und befestigt werden. Sind die Böcke befestigt, nimmt Feldhaus die Konusse wieder von der Welle ab.

Nachdem der Mitarbeiter Johannes Feldhaus die Spindelmaschine, ausgestattet mit einem 1800 Watt-Motor und 4-Gang Getriebe, an einem der Lagerböcke befestigt hat, schiebt er die eigentliche Arbeitswelle durch die Spindelmaschine bis hinter den zweiten Lagerbock. Anschließend installiert er den Drehstahl, bestückt mit einer Hartmetallwendeschneidplatte, auf der Arbeitswelle, fixiert mit zwei Gewindestiften. Und schon kann die ausgeschlagene Bohrung ausgefräst werden. Je nach Größe der Bohrung oder Grad der Deformierung dauert der Vorgang zehn bis dreißig Minuten. Im Anschluss wird aufgeschweißt. Dazu wird eine Spezial-Schweißlanze durch die Spindelmaschine geschoben. Die Maschine – umgestellt auf Schweißbetrieb – das Schweißen kann durch Knopfdruck beginnen. Volker Lindenbaum: „Ist die Schweißschicht ausgekühlt, wird die Buchse wieder auf den originalen Durchmesser ausgespindelt.“

Fazit

Reers Maschinentechnik in Heek, Fach-Werkstatt mit Rundum-Service für Bau-, Kommunal- und Landmaschinen, ist auch Spezialist für individuelle Um- oder Aufbauten für Gabelstapler und Hubwagen. Der Vertrieb und Verleih von Baumaschinen sind ein weiteres Standbein. „Wenn Aufnahmen für Bolzen an den Baumaschinen ausgeschlagen sind, heißt das Zeitverlust, logistischen Aufwand und womöglich eine Ersatzmaschine beschaffen“, so Andre Reers. Da musste eine einfachere Lösung her. „So sind wir auf die mobile Spindelmaschine gekommen.“

Biogasanlagenbetreiber Sebastian Bröker freut sich: „Das hat uns mindestens einen Tag Rundreise mit dem Teleskoplader erspart, und nach der Reparatur ist der Lagersitz mindestens so stabil wie im Neuzustand.“ Im Galabau-Betrieb von Alfons Vortkamp sind die Maschinen exakt eingeplant, das gilt auch für Transporte zu und von den weitauseinanderliegenden Projektstandorten. Jede zusätzliche Transportfahrt wirkt sich sofort auf den engen Zeitplan aus. „Der Einsatz der mobilen Spindelmaschine erspart uns nicht nur viele Telefonate“, so Alfons Vortkamp: „Die reparierte Maschine ist anschließend wieder direkt am Ort einsetzbar. Und die Arbeitsqualität der Spindelmaschine kann sich mit dem Originalzustand messen!“


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