GÜlleausbringung :

Auf die richtige Dosis kommt es an

Gülletechnik muss nicht nur schlagkräftig sein. Zunehmend wird Technik gefragt, die die Nährstoffe exakt dosiert und die Verluste so gering wie möglich hält.

Gülle muss so ausgebracht werden, dass die enthaltenen Nährstoffe genutzt und Nährstoffverluste möglichst vermieden werden. Das fordert die Düngeverordnung. Die zur Gülleausbringung eingesetzte Technik muss aber nicht nur der Düngeverordnung entsprechen, sondern noch eine Reihe anderer Anforderungen erfüllen.

 

Fahrwerk spieft tragende Rolle

Güllewagen werden größer

Zur Gülleausbringung werden in Deutschland überwiegend gezogene Güllewagen eingesetzt. Selbstfahrer und Gülleverschlauchungssysteme haben bislang kaum Verbreitung gefunden. Bei den gezogenen Güllewagen ist in den letzten Jahren eine Tendenz hin zu größeren Fässern erkennbar.

Wie groß im Einzelfall das Fassungsvolumen eines Güllewagens sein sollte, hängt ab von der verfügbaren Arbeitszeit und der auszubringenden Güllemenge. Wenn z. B. ein Landwirt 1200 m3 ausbringen möchte und ihm dafür nicht mehr als 100 Stunden zur Verfügung stehen, benötigt er einen Güllewagen, mit dem er mindestens 12 m3 pro Stunde ausbringen kann. Die tatsächlich erreichbare Ausbringleistung wird in entscheidendem Maße von der Größe des Güllewagens und der Entfernung zwischen Güllelager und Feld bestimmt.

Neben der notwendigen Ausbringleistung wirken sich aber auch die Kosten auf die optimale Größe eines Güllewagens aus. Dabei sind auch die Kosten für Schlepper und Fahrer zu berücksichtigen. Untersuchungen zeigen, dass bei geringer Transportentfernung auch große Güllemengen wirtschaftlich mit kleineren Güllewagen ausgebracht werden können.

Anders dagegen bei den größeren Transportentfernungen. Hier ist der Einsatz eines größeren Fasses auch schor bei den mittleren Güllemenger kostengünstiger. Aus ökonomischer Sicht sind ant große Güllewagen dann empfehlenswert, wenn große Güllemengen über große Entfernungen transportiert werder müssen.

Größere Güllewagen erfordern aber auch größere Zur schlepper. Um einen Güllewa gen auch bei etwas schlechterer Befahrbarkeit der Flächen noch mit einer Geschwindigkeit von 6 km/h bis 8 km/h ziehen zu können, ist auch bei gut bereiften Güllewagen eine Antriebsleistung von 7 bis 9 kW (10 bis 12 PS) pro m3 Fassvolumen erforderlich.

Zu beachten ist außerdem, dass bei angehängten Güllewagen mit mehr als 8 t zulässigem Gesamtgewicht eine Druckluftbremse vorgeschrieben ist. 8 t zulässiges Gesamtgewicht werden häufig überschritten, wenn das Fassvolumen 6 M3 übersteigt. Durch die Druckluftanlage wird der Wagen zwar teurer, das Fahren wird insgesamt aber wesentlich sicherer.

Fahrwerk spielt tragende Rolle

Um den Bodendruck und den Zugkraftbedarf bei den immer größer werdenden Güllewagen in vertretbaren Grenzen zu halten, müssen diese mit immer aufwändigeren Fahrwerken ausgerüstet werden. Verstärkt wird das Fahrwerksproblem noch dadurch, dass immer mehr Gülle im Frühjahr ausgebracht wird, um die Düngewirkung gut zu nutzen und um Umweltbelastungen möglichst gering zu halten. Im Frühjahr stehen auf vielen Betrieben aber nur relativ wenige Tage für das Gülausbringen zur Verfügung und die Böden sind in dieser Jahreszeit nicht immer gut befahrbar. Zur Lösung dieser Problematik hat es von seiten der Güllewagen- und der Reifenhersteller intensive Bemühungen sowohl im Bereich der Achsen als auch bei den Reifen gegeben.

Bei den Achsen überwiegen heute Einzel- und Doppelachsen. Dreifachachsen sind nur be extrem großen Güllewagen zu finden. Wann welche Achse sinnvoll ist, hängt u. a. davon ab, wie groß das Güllefass ist, ob Gülle in Hanglagen ausgebracht werden soll, wie tragfähig die zu begüllenden Flächen sind und ob Gülle in stehende Getreidebestände ausgebracht werden soll.

Für Güllewagen bis zu einer Größe von etwa 8 bis 9 m3 genügen normalerweise die billigeren Einzelachsen. Vielfach ist es bei diesen Fassgrößen für den Landwirt sinnvoller, mehr Geld für die größere Bereifung einer Einzelachse auszugeben als ein Fahrzeug mit einer Doppelachse zu kaufen. Auf Moorstandorten oder bei starken Hanglagen kann aber auch bei dieser Fassgröße auf die Doppelachse nicht verzichtet werden. Da bei Doppelachsen auch mit schmaleren Reifen noch bodenschonend gearbeitet werden kann, bieten sich auch Vorteile, wenn Reihenkulturen oder stehende Getreidebestände durchfahren werden sollen.

Da die Achslast bei Güllewagen laut StVZO 10 t nicht überschreiten darf und von einer Stützlast von maximal 2 t ausgegangen werden kann, darf das zulässige Gesamtgewicht von Güllewagen mit Einzelachse die 12-t-Grenze nicht überschreiten. Bei einem Eigengewicht von 3 t sollte somit ein nutzbares Fassvolumen von 9 m3 bei diesen Wagen nicht überschritten werden. Für Güllewagen mit Doppelachse ist das Nutzvolumen auf etwa 16 m3 beschränkt, weil diese Wagen leer etwa 6 t wiegen.

Dreifachachsen sind erforderlich bei Güllewagen mit mehr als etwa 16 m3 Fassungsvolumen. Um trotz des enormen Gewichtes dieser sehr großen Wagen schädlichen Bodendruck zu vermeiden, bieten einige Güllewagenhersteller zusätzlich Möglichkeiten, um einen Teil des Wagengewichtes auf den Schlepper zu übertragen, um den Luftdruck im Reifen während der Fahrt verändern zu können und um den Wagen seitlich versetzt neben der Schlepperspur laufen zu lassen.

Auf die Reifen kommt es an

Je größer die Aufstandsfläche der Reifen und je geringer seine Belastung, desto kleiner ist der Druck, den er auf den Boden ausübt. Das Ziel muss es deshalb sein, einen möglichst leichten Güllewagen so auszurüsten, dass eine möglichst große Aufstandsfläche erreicht wird. Das bedeutet zunächst einmal, dass der Güllewagen nicht größer gewählt werden sollte als unbedingt nötig und dass die erheblichen Unterschiede im Eigengewicht dieser Fahrzeuge zu beachten sind.

Zur Reifenhöhe ist festzustellen, dass unter sonst gleichen Bedingungen (Belastung, Luftdruck, usw.) ein um 10 Prozent höherer Reifen eine um ca. 5 Prozent größere Aufstandsfläche aufweist. Bei einigen Güllewagen ist die Reifenhöhe begrenzt, weil ansonstert die Reifen am Fass scheuern. Ein Gesichtspunkt, der gegen höhere Bereifungen angeführt Wird, ist die größere Kippgefahr. Da der Schwerpunkt eines Güllefasses aber lediglich um 10 cm höher liegt, wenn ein um 20 cm höherer Reifen montiert wird, sollte die Vergrößerung der Kippgefahr nicht überbewertet werden.

Für die Reifenbreite gilt, class sie noch stärkeren Einfluss auf die Größe der Aufstandsfläche hat, als die Reifenhöhe. 10 Prozent brettere Reifen bedeuten unter sonst gleichen Bedingungen auch annähernd 10 Prozent mehr Aufstandsfläche. Dem Landwirt, der bei der Gülleausbringung nicht an Reihenkulturen oder Fahrgassen gebunden ist, sollte deshalb der breiteste Reifen empfohlen werden, der für dessen -Wagen angeboten wird. Begrenzend kann hier allerdings die StVZO wirken, die vorschreibt, dass Transportfahrzeuge selbst bei Verwendung von Niederdruckreifen nicht breiter als 3 m sein dürfen. Wenn Gülle in stehendes Getreide ausgebracht werden soll, ist es sinnvoll, die Breite der Güllewagenreifen auf die Breite der Schlepperbereifung abzustimmen, um ein unnötiges Niederwalzen des Getreides zu vermeiden.

Ein noch so guter Reifen hilft wenig, wenn er mit einem zu hohen oder einem zu niedrigen Luftdruck gefahren wird. Vom Luftdruck werden nicht nur die Tragfähigkeit und die Aufstandsfläche beeinflusst, sondern auch die Haltbarkeit des Reifens. Ob es sich lohnt, für größere Reifen mehr Geld auszugeben, lässt sich nicht allgemeingültig beant worten. Das liegt u. a. daran, dass es sehr schwierig ist, den betriebswirtschaftlichen Nutzen eines verringerten Bodendrucks, einer reduzierten Narbenschädigung oder einer früheren Befahrbarkeit der Flächen zu kalkulieren. Insgesamt kann festgestellt werden, dass der Kauf größerer Reifen um so eher interessant ist, je mehr Gülle ausgebracht werden soll, je weniger Zeit für die Ausbringung zur Verfügung steht, je schwieriger die Bodenverhältnisse sind und je größer der Güllewagen ist.

Nährstoffverluste vermeiden

Laut Düngeverordnung muss die Gülle so ausgebracht werden, dass die enthaltenen Nährstoffe weitestgehend genutzt und Nährstoffverluste sowie damit einhergehende Einträge in Gewässer weitestgehend vermieden werden. Einzuhalten sind diese Forderungen nur, wenn die Gülle zu geeigneten Zeitpunkten und in geeigneten Mengen ausgebracht wird. Der exakten Dosierung kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

In der Praxis erfolgt die Dosierung der Güllegabe oftmals auf Grund von Erfahrungswerten. Nach einer gewissen Einsatzzeit weiß der Landwirt, wie schnell er beim Gülleausbringen fahren muss, um die vorgesehene Hektargabe zu verabreichen. Um die Anforderungen der Düngeverordnung zu erfüllen, reicht diese Vorgehensweise in vielen Fällen auch weiterhin aus. Die sachgerechte Mengenbemessung wird aber erleichtert, wenn Dosierhilfen, Dosieranzeigen oder Dosierregelsysteme zur Verfügung stehen. Dosierhilfen gibt es z. B. in Form von Tabellen. Aus ihnen kann entnommen werden, wie schnell mit dem Güllewagen gefahren werden muss, um eine bestimmte Hektargabe zu verabreichen. Bei den Dosieranzeigen wird die aktuelle ausgebrachte Hektargabe elektronisch z. B. auf einem Hektarzähler angezeigt. Der Schlepperfahrer muss dann die Fahrgeschwindigkeit so lange anpassen, bis die vorgesehene Ausbringmenge tatsächlich erreicht ist. Derartige Anzeigen kosten um die 1000 DM. Sie bieten den Vorteil, dass hier auch unterschiedlicher Schlupf berücksichtigt werden kann.

Eine noch genauere Dosierung ist mit speziellen Regelsystemen möglich. Diese Technik ist aber so teuer, dass sich ihr Einsatz nur auf Großbetrieben oder bei überbetrieblich eingesetzten Güllewagen rechnet. Bei den Dosierregelungen werden der Gülleausfluss und die Fahrgeschwindigkeit laufend erfasst. Aus diesen Daten wird per Bordcomputer errechnet, wie die Schieberstellung und damit der Gülleausfluss verändert werde muss, um die vorgesehene Güllegabe auch tatsächlich auszubringen. Durch diese Regelung bleibt die Hektargabe auch dann konstant, wenn sich Fahrgeschwindigkeit oder Zapfwellendrehzahl ändern.

Bei den Verteilern ist die Auswahl groß

Gülle muss nicht nur exakt dosiert, sondern auch gleichmäßig verteilt werden, wenn sie der Düngeverordnung entsprechend eingesetzt werden soll. Bei der Verteilung ist zwischen Längs- und Querverteilung zu unterscheiden. Die Längsverteilung hängt in erster Linie davon ab, ob es sich um einen Pumpen-, Vakuum- oder Druckverteilertankwagen handelt.

Die Querverteilung ist vom Verteiler abhängig. Bei Güllewagen mit senkrecht angeordneter offener Schleuderscheibe als Verteiler ist die Verteilgenauigkeit schlecht. Aber auch Breitverteiler, bei denen die Gülle steil nach oben abgestrahlt wird, entsprechen nicht mehr den Anforderungen, weil sich hier bereits geringer Seitenwind sehr negativ auswirkt. Diese Verteiler verursachen auf Grund ihrer schlechten Verteilung hohe Mindererträge, die sich durchaus im Bereich zwischen 3 und 7 dt/ha bewegen können.

Diese auf steil nach oben abstrahlende Prallbleche bezogene Aussage gilt allerdings für die verbesserten Breitverteiler nicht. So gibt es beispielsweise Prallköpfe, die eine deutlich bessere Verteilgenauigkeit erzielen. Wenn diese Verteiler höhenverstellbar am Güllewagen angebaut werden, ist sogar ein Verstellen der Arbeitsbreite ohne Beeinträchtigung der Verteilgenauigkeit möglich.

Auch bei Schwenkdüsc kann die Arbeitsbreite verstellt werden. Hier wird die Gülle durch Hin- und Herschwenken des Güllestrahls verteilt. In puncto Verteilgenauigkeit sind die Schwenkdüsen eher etwas besser zu beurteilen als die Prallköpfe. Dafür sind sie aber etwas reparaturanfälliger. Im Vergleich zu einfachen Prallblechen verteuern Prallköpfe und Schwenkdüsen einen Güllewagen meist nur um einige hundert Mark.

Bei Gestängeverteilem mit Düsen wird die Gülle über mehrere Düsen verteilt. Meistens arbeiten diese Verteiler mit doppelter Überlappung. Das bedeutet, die Räche wird bei einer Überfahrt doppelt brsprüht. Dadurch werden Ut gleichmäßigkeiten im Verteilbild einzelner Düsen zum Teil wieder ausgeglichen. Eine befriedigende Verteilgenauigkeit auch bei großer Arbeitsbreite ist die Folge. Bei 12 m Arbeitsbreite kosten Gestängevedeiler mit Düsen um 7000 DM. Problematisch kann die höhere Verstopfungsgefahr bei der Ausbringung von dickflüssiger oder fremdkörperhaltiger Gülle sein.

Mit den verbesserten Breitverteilern ist auf unbewachsenem Acker durchaus eine emissionsarme Gülleausbringung möglich. Voraussetzung st allerdings, dass die Gülle unmittelbar nach der Ausbringung eingearbeitet wird. Häuhg lässt sich diese Einarbeitung gleich mit der Stoppelbearbeitung oder Saatbettbereitung kombinieren. Dadurch wird die Freisetzung von Ammoniak und Geruch um über 80 Prozent verringert. Zur Einarbeitung sollte sich ein zweiter Schlepper mit einem Bodenbearbeitungsgerät auf der begüllten Räche im Einsatz befinden.

Selbst bei der breitflächigen Gülleausbringung auf bewachsenem Acker oder Griinland 1st eine Verringerung der Geruchs- und Ammoniakfreisetzung möglich, wenn die Ausbringung an kühlen und regnerischen Tagen erfolgt, wenn Gülle Wasser zugesetzt wird oder wenn auf den begüllten Flächen anschließend ein Striegel zum Einsatz kommt.

Von den neuen Gülleverteiltechniken haben Schleppschlauchverteiler in der Praxis die größte Bedeutung erlangt. Ihre Verteilgenauigkeit ist sehr gut, sie halten die vorgegebene Arbeitsbreite auch bei unterschiedlichen Güllen exakt ein, die großen Arbeitsbreiten ermöglichen die Nutzung von Fahrgassen und es gibt keine Beeinflussung durch Seitenwind. Aufgrund der streifenweisen Gülleablage auf den Boden wird weniger an Geruchsstoffen und Ammoniak freigesetzt. Beim Einsatz dieser Technik in wachsenden Getreidebeständen lassen sich bei diesen Emissionen Minderungsraten bis 50 Prozent erreichen. Schleppschlauchverteller werden ab etwa 12.000 DM angeboten. Durch ihren Einsatz wird die Gülleausbringung um etwa 1,00 DM bis 1,50 DM pro m3 verteuert. Den erhöhten Kosten stehen aber nicht nur die Vorteile im Umweltbereich gegenüber. Durch die gleichmäßigere Verteilung werden im Vergleich zur ungenaueren Breitverteilung im Getreidebau Mehrerträge in der Größenordnung von 2 bis 3 dt/ha erzielt.

Schleppschuhverteiler stellen die Weiterentwicklung der Schleppschlauchverteiler dar. Bei den ersten Schleppschuhverteilern war an jedem Schlauchauslauf eine schuhähnliche Verstärkung angebracht, durch die z. B. beim Grünlandeinsatz der Pflanzenbewuchs etwas beiseite gedrückt wird. Inzwischen gibt es aber auch Ausführungen, bei denen der Boden mit einem Schneidmesser arteritzt bzw. mit einer Schneidscheibe aufgeschlitzt wird. Gemeinsam ist bei allen Schleppschuhverteilern, dass sie die Gülle zum Teil auf und teilweise in den obersten Bodenbereich ablegen. Eine Verschmutzung der Pflanzen findet kaum noch statt. Die geruchs- und arnmoniakmindemde Wirkung ist groß. Hier werden Minderungsraten um 70 Prozent erreicht. Die meisten Schleppschuhverteiler sind auch zur Gülleausbringung auf gepflügten Flächen geeignet.

Durch den Anbau eines Schleppschuhverteilers verteuert sich ein Güllewagen um ca. 25.000 DM und die Arbeitsbreite sinkt auf 6 bis 9 m. Diese Verringerung der Arbeitsbreite hat eine um etwa 12 Prozent geringere Ausbringleistung zur Folge. Der höhere Anschaffungspreis und die geringere Leistung führen dazu, dass sich je nach jährlich auszubringender Güllemenge die Kosten im Vergleich zur Breitverteilung um 2 bis 4 DM pro m3 erhöhen.

Diesen Mehrkosten stehen für Grünlandbetriebe eine Reihe von Vorteilen gegenüber. Durch die bessere Verteilgenauigkeit werden nicht nur Mehrerträge erzielt, sondern auch Narbenschäden vermieden. Die geringere Futterverschmutzung führt zur höheren Grundfutteraufnahme, die auch mit zusätzlichem Kraftfutter nicht völlig ausgeglichen werden kann. Außerdem sinkt der Clostridienbesatz im Futter und damit auch in der Milch. Das wirkt sich bei immer mehr Molkereien günstig auf den Milchauszahlungspreis aus. Und letztlich ermöglichen die geringeren Ammoniakverluste eine Reduzierung beim Einsatz von mineralischen Stickstoffdüngern.

Zum direkten Einarbeiten der Gülle auf Ackerland werden injektoren angeboten. Meistens handelte es sich um Geräte mit großen Zinken, die im Abstand von 30 bis 50 cm angeordnet waren. Hinter den Zinken wird die Gülle in den Boden eingeleitet. Die Einarbeitungstiefe liegt häufig im Bereich um 10 cm. Es gibt aber auch Ausführungen, bei denen die breitverteilte Gülle mit einen am Güllewagen angebauten Bodenbearbeitungsgerät eingearbeitet wird.

Hintergrund für die Entwicklung der Injektoren war die Reduzierung der Geruchs- und Ammoniakfreisetzungen. Im Hinblick auf diese Kriterien ist dieses Verfahren allen anderen überlegen. Durch diese Techniken werden Minderungsraten in der Größenordnung um 90 Prozent erreicht. Allerdings bereiten das höhere Gewicht, der erhöhte Zugkraftbedarf, die geringe Arbeitsbreite und die verringerte Ausbringleistung Probleme.

Exaktes Dosieren rückt in den Vordergrund

Um Gülle pflanzengerecht, umweltverträglich und kostengünstig ausbringen zu können, sind an das Fassungsvolumen, das Fahrwerk und die Reifen hohe Anforderungen zu stellen. Noch bedeutsamer ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Güllewagen ein exaktes Dosieren und ein gleichmäßiges Verteilen der Gülle ermöglichen. Die zur Dosierung angebotenen Hilfen in Form von Tabellen und elektronischen Anzeigen sind auch dann zu empfehlen, wenn mit dem Güllewagen nur relativ wenig Gülle ausgebracht wird. Komplette Regelsysteme arbeiten zwar noch deutlich genauer, auf Grund ihres Preises kommen sie in der Praxis aber nur für Güllewagen in Betracht, mit denen sehr große Güllemengen ausgebracht werden.

Zu den Verteilern ist festzustellen, dass eine pflanzen- und umwettgerechte Gülleausbringung auf vielen Betrieben auch durch den überlegten Einsatz der verbesserten Breitverteiler möglich ist. Die Ausbringung sollte aber bei feuchtkühler Witterung erfolgen und die Gülle sollte in einem zweiten Arbeitsgang möglichst schnell eingearbeitet werden. Für viele Ackerbaubetriebe stellen die Schleppschlauchverteiler derzeit die interessanteste Lösung dar. Sie lassen sich zu allen Ackerkulturen einsetzen, ermöglichen eine exakte Verteilung und vermindern die Geruchs- und Ammoniakemissionen deutlich. Die für den Grünlandeinsatz entwickelten' Schleppschuhverteiler sind zwar unter Umweltaspekten noch besser zu beurteilen als Schleppschlauchverteiler, trotzdem sind sie in der Praxis noch selten anzutreffen. Das liegt in erster Linie an der bislang begrenzten Arbeitsbreite. Sie werden in Zukunft aber an Bedeutung gewinnen, weil sie neben der gleichmäßigen Verteilung das Futter nur wenig verschmutzen.

Gülleinjektoren können nur auf unbewachsenem Acker eingesetzt werden. Diese eingeschränkten Verwendungsmöglichkeiten sind das größte Hemmnis, das einer stärkeren Verbreitung im Wege steht.

Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky, Fachbereich Landtechnik, Landwirtschaftskammer Weser-Ems


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