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Die Kramp Gruppe bearbeitet 170.000 Picks täglich.
Herr Peyke, Sie kommen aus dem Automobilbereich. Wo sehen Sie Parallelen zur Landtechnikbranche, und wo liegen die großen Unterschiede? Gab es etwas, das Sie besonders überrascht hat?
Johannes Peyke: Die Landtechnikbranche ist schon etwas Besonderes. Wir können stolz sein darauf, wo wir arbeiten. Meine vorherige Tätigkeit im Aftersales bei BMW war von der Leidenschaft für das Automobil geprägt. Bei Kramp arbeite ich jetzt an der Technik mit, die für die Ernährung essenziell ist. Das ist noch eine andere Dimension. Ansonsten gibt es zwischen Automotive und Landtechnik erhebliche Parallelen: die hohen Leitzinsen, die Investitionsunsicherheit – alles hat Einfluss auf die Hersteller in beiden Branchen. Ich beobachte im Landtechnikhandel auch eine ähnliche Entwicklung im Händlernetz, wie ich sie im Automobilvertrieb erlebt habe. Der Anspruch an die Händlerstandards steigt stetig. Fokussierung ist gefordert. Es gibt in beiden Branchen eine Bereinigung bei den Kunden und den Händlern.
Ein weiterer Unterschied: Im BMW Konzern konzentrierte sich meine Tätigkeit auf den Aftersales mit zwei, drei Marken. Jetzt habe ich es mit über 100 Marken zu tun, für die wir bei Kramp alle relevanten Teile vorhalten. Diese Komplexität ist enorm, gleichzeitig ist dies aber auch die Existenzberechtigung für Kramp. Der Kunde weiß, dass er bei uns das gesuchte Teil bekommt.
Kramp teilt die europäischen Märkte jetzt in neue Cluster auf. Sie übernehmen die Verantwortung für die gesamte DACH-Region. Welche Konsequenzen hat dies für Ihre Arbeit? Welche Synergien und Rationalisierungseffekte bringt die Cluster-Bildung, insbesondere für Ihr Unternehmen?
Peyke: Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch an unserem Standort in Österreich. Da gibt es ein relativ kleines Kramp-Team, das einen richtig tollen Job macht mit all den Herausforderungen des Tagesgeschäfts. Das ist enorm, was da auch gerade in den kleineren Ländern geleistet wird, um den Laden am Laufen zu halten. Im neuen Clustersystem haben wir die Aktivitäten neu geordnet. Wir übernehmen Aufgaben, die für alle deutschsprachigen Länder parallel laufen. Die Österreicher greifen nun zum Beispiel auf alle unsere Produktspezialisten zu. Wenn ihre Hotline etwas früher schließt, leiten sie auf die Zentrale in Strullendorf um. Dabei bleibt die Präsenz vor Ort und lokale Marktkenntnis erhalten. Von verbesserter Erreichbarkeit und Beratungstiefe profitieren dann unsere Kunden in allen drei Ländern.
Mehr Kompetenzen in die lokalen Märkte übertragen und damit schneller und agiler zu sein, unseren Service und unser Angebot zu verbessern, das ist unser Ziel.
Für den deutschen Vertrieb ist Patrick Hermann als Sales Director verantwortlich. Meine Position sehe ich auch als Dienstleister für die Sales Directors. Unter anderem setze ich die Rahmenbedingungen und kümmere mich um Themen wie Sortiment, Preise, Marketing, Customer Service und mehr – in enger Zusammenarbeit mit den Abteilungen der Kramp Gruppe und dem Management.
In diesem System arbeiten wir jetzt gut ein Jahr und sehen bereits erste Erfolge, denn die neuen Prozesse und Arbeitsabläufe beginnen immer mehr, ihre Wirkung zu zeigen.
Herr Hermann, Sie haben den Staffelstab von Johannes Peyke übernommen und sind für Deutschland zuständig. Sie bringen viel Erfahrung aus dem Motorgerätebereich mit. Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?
Patrick Hermann: Kurz zu meiner Vita: Ich habe über zehn Jahre in einem ursprünglich auf Nutzfahrzeugteile ausgerichteten Großhandel den Landtechnikteilebereich aufgebaut und geleitet. Dadurch ist mir die Landmaschine sehr vertraut. Dann wechselte ich zum Husqvarna-Vertrieb und lernte die Herstellersicht auf den Markt kennen.
Mein Schwerpunkt und der unseres Teams bei Kramp ist, die anstehenden Herausforderungen vor Ort mit unseren Fachhandelspartnern gemeinsam anzugehen.
Dank unserer hohen Lieferfähigkeit kann der Händler zum Beispiel durch ein kleineres eigenes Lager seine Liquidität schonen: Kramp bevorratet alle wichtigen Artikel, beliefert den Fachhandel über Nacht und bindet damit Kapital, um eine hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten und den Händler zu entlasten.
Weiterhin verstärken wir auch unsere Führungskräfte im Außendienst. Wir wollen unser Programm mit Fokus auf Originalersatzteile weiter ausbauen. Alles, was der Händler sucht, soll er von uns geliefert bekommen.
Peyke: Dabei bekennen wir uns zur Fachhandelstreue. Ich kenne die Bestrebungen aus der Automobilbranche, das Geschäft direkt mit dem Endkunden zu machen. Kramp ist gegenüber der Werkstatt selbstverständlich loyal, wir sehen aber auch eine Professionalisierung mancher Endkunden, die eigene Werkstätten betreiben. Diese Entwicklungen müssen wir berücksichtigen. Das heißt: mit dem Handel die bestmögliche Lösung finden, wie wir diese Kunden gemeinsam bestmöglich betreuen können.

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Patrick Hermann (re.), Kramp Sales Director Deutschland, folgt Johannes Peyke, der nun Managing Director für das Cluster Deutschland, Österreich und Schweiz ist.
Ein wesentlicher Baustein für Ihren wirtschaftlichen Erfolg ist die Logistik, insbesondere die Auftragserfüllung aus mehreren Lagern, die aber auch bares Geld kostet. Wie hoch ist die Ersatzteilverfügbarkeit in Ihrem Lager in Strullendorf?
Peyke: Kunden in Deutschland beliefern wir von bis zu zehn Lagerstandorten aus. Unsere First-Time-Right-Quote erreichte 2023 95 Prozent bei 170.000 Picks in der Gruppe täglich. Sicherlich ist es ein riesiger Aufwand, alle Prozesse zentral zu steuern. Das ist oft ein Balanceakt, aus der Power einer starken Gruppe und dem Know-how die richtigen Teile vorzuhalten.
Ihr Forstbereich hat durch die Grene-Übernahme einen deutlichen Schub erfahren. Zusätzlich erweitern Sie ständig Ihr Programm im Bereich Garten- und Galabau-Technik. Können Sie uns die Programm-Breite und -Tiefe in diesen Segmenten erläutern? Besonders in Forstmaschinen sind Teile und Komponenten verbaut, die nur selten und in geringen Stückzahlen benötigt werden. Wie gehen Sie damit um?
Hermann: Strategisches Ziel ist, diesen Bereich weiter auszubauen. Unsere Gespräche auf der letzten GaLaBau in Nürnberg haben uns darin bestätigt.
Wir bauen das Produktmanagement Forst und Garten mit unseren Kollegen im Category Management weiter aus. Eine Orientierung, wie unser Sortiment sich entwickeln soll, geben uns die Suchanfragen unserer Kunden. Unser Ziel ist, sämtliche relevanten Marken im Forstgerätebereich bedienen zu können, wobei wir die großen Maschinen wie Harvester oder Forwarder herausnehmen. Reparaturen übernimmt hier dann oft der Monteur der Marke vor Ort, der über seine eigenen Teile verfügt.
Wie entwickelt sich der Bereich Baumaschinen bei Kramp? Gibt es hier bereits konkrete Schwerpunkte?
Hermann: Unser Fokus liegt erst einmal auf den Bereichen Forst und Garten. Wir wollen nicht zu viele Baustellen gleichzeitig eröffnen. Dennoch haben wir den Construction-Bereich im Blick. Unser Angebot an relevanten Produkten in der Gruppe wächst kontinuierlich. Dafür stellen wir auch zusätzliche Spezialisten ein, um den Bereich zielgerichtet weiterzuentwickeln.
Technik rund um elektrische Antriebe gewinnt auch in der Landtechnik zunehmend an Bedeutung. Wie stellt sich Kramp auf diesen Wandel ein?
Peyke: Die Kramp-Akademie bietet bereits die Qualifizierung zur Fachkraft für Hochvolt-Technik an, um Kunden und Partner auf die neuen Anforderungen vorzubereiten. Im Gartenbereich ist Akkutechnik längst Tagesgeschäft und wir sehen den Transformationsprozess hin zur Elektrifizierung auch bei größeren Maschinen. Kramp wird diesen Wandel aktiv begleiten und die Branche entsprechend unterstützen.
Wie ist Ihr Geschäft in diesem Jahr gelaufen, und welche Erwartungen haben Sie für 2025? Das Neumaschinengeschäft ist deutlich rückläufig. Reagiert der Ersatzteilmarkt darauf diametral?
Peyke: Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir in den letzten Jahren und Monaten geschafft haben. Wir konnten 2024 in einem schwierigen Umfeld wachsen und haben das auch für 2025 angepeilt. Wir sind dankbar, dass uns die Kunden vertrauen und unsere Fachhandelstreue wirklich wertschätzen.
Die Fragen stellten Jürgen Boomgaarden und Bernd Pawelzik.















