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Vom virtuellen Modell zum Prototypen

Zwei junge Mitarbeiter aus der Entwicklungsabteilung bei Lemken schildern ihren Weg in den Job und berichten aus ihrer täglichen Arbeit.

: Vom virtuellen Modell zum Prototypen

Christof Nepicks (li.) und Christian Bergemann arbeiten in der Lemken Entwicklungsabteilung.

„So viel Druck liegt jetzt bei dieser Stellung an.“ Christof Nepicks (25) blickt zusammen mit Christian Bergemann auf das Display auf dem mobilen Messgerät. Während Nepicks den Wert für einen Validierungsbericht benötigt, ist Bergemann als Spezialist für Ölhydraulik eher technisch interessiert.

Beide Kollegen arbeiten in der Entwicklungsabteilung des Landmaschinenherstellers Lemken am Standort Alpen (Niederrhein), der sich auf Bodenbearbeitungs-, Sä- und Pflanzenschutztechnik spezialisiert hat.

Auch wenn es für beide eine gelegentliche Zusammenarbeit gibt, arbeiten sie doch in völlig verschiedenen Unterabteilungen:

Christof Nepicks ist für die Validierung von neuen Maschinen zuständig. Als Versuchs- ingenieur für Mess- und Prüftechnik misst er Lasten auf dem Feld oder dem Prüfstand wie Zugkraft, Drücke oder Spannungen. Ziel ist es, die Betriebsfestigkeit von allen wichtigen Bauteilen bei neuen Maschinen zu testen.

Christian Bergemann ist in der Konstruktion von selbstfahrenden Pflanzenschutzspritzen tätig – ein neuer Bereich für den Hersteller. Innerhalb des Projekts ist er für den Bereich Ölhydraulik zuständig.

Spannende Aufgabe in neuer Abteilung

Christian Bergemann (26) stammt von einem Milchviehbetrieb in der Nähe von Bottrop. Er hatte sich aber schon immer mehr für Technik als für Tiere interessiert. Darum studierte er nach dem Abi am Technischen Gymnasium auch Maschinenbau an der Hochschule Ruhr West und sattelte nach dem Bachelorabschluss den Master in „Systemtechnik“ auf. „Hierbei lag der Fokus nicht nur auf Maschinenbau, sondern auch auf Hydraulik und Elektrotechnik“, erklärt er. Seine Masterarbeit schrieb er dann bereits beim Unternehmen Lemken. Während des Studiums arbeitete er als studentische Hilfskraft am Institut für Hydraulik und vertiefte hier seine Kenntnisse.

Seit September 2017 arbeitet er bei Lemken in der Abteilung Entwicklung im Bereich „Selbstfahrende Pflanzenschutzspritzen“, einem neuen Bereich des Herstellers, der selbst noch keine Maschinen dieser Art anbietet. Christian Bergemann ist im Team, das aus drei weiteren Kollegen besteht, für den Bereich Hydraulik zuständig. Die Vorgaben und Wünsche kommen aus dem Produktmanagement. Bergemann und Kollegen prüfen dann, was davon umsetzbar ist. „Wir entwerfen am Computer in CAD Prototypenkomponenten wie Zylinderkonstruktionen“, erklärt Bergemann. Am Ende entsteht ein „virtueller Prototyp“. Doch er arbeitet dafür nicht nur am Computer, sondern muss auch viele Gespräche mit Lieferanten führen, die die entsprechenden Teile zuliefern. Außerdem gehört dazu, die einschlägigen rechtlichen Vorschriften zu kennen, um nichts zu entwerfen, was später keine Zulassung bekommen würde. Die von den Konstrukteuren entworfene Maschine geht dann in den Prototypenbau, den Bergemann und Kollegen auch beobachten. Schließlich müssen sie kontrollieren, ob sich die virtuellen Komponenten auch in der Realität so zusammenbauen lassen. Anschließend geht der Prototyp in die Validierung. Hier wird sein Kollege Christof Nepicks aktiv.

Christof Nepicks ist heute Versuchsingenieur in der Entwicklungsabteilung bei Lemken – ein Beruf, der ihn schon immer fasziniert hat. Denn seine Eltern haben in der Nähe von Alpen einen Ackerbaubetrieb.

Christian Bergemann konstruiert selbstfahrende Pflanzenschutzspritzen.

Christian Bergemann konstruiert selbstfahrende Pflanzenschutzspritzen.

Christof Nepicks schrieb bereits seine Bachelorarbeit bei Lemken. Jetzt arbeitet er in der Validierung.

Christof Nepicks schrieb bereits seine Bachelorarbeit bei Lemken. Jetzt arbeitet er in der Validierung.

„Das war schon immer mein Traumberuf“

„Ich habe schon als Kind zugeschaut, wenn neue Maschinen auf den Flächen rund um das Werk getestet wurden“, blickt er zu- rück. Ein Schülerpraktikum in der Montageabteilung des Herstellers hat ihn bestärkt, diesem Traum nachzugehen. Nach dem Abi studierte Nepicks an der TH Köln Landmaschinentechnik. Schon seine Bachelorarbeit schrieb er bei Lemken im Bereich Erprobung/Validierung. Vorher hatte er zwei Monate als Erntehelfer in Kanada gearbeitet und hier seine Englischkenntnisse aufgebessert. „Das kam im Unternehmen sehr gut an“, berichtet er.

Eigentlich wollte er dann noch seinen Master machen. „Aber im Jahr 2016 wurde bei Lemken meine Wunschstelle frei, sie suchten einen Versuchsingenieur“, erklärt er. Daher zögerte er nicht, sich zu bewerben und bekam die Stelle auch. Er merkte aber gleich an, dass er gern seinen Master berufsbegleitend machen will. Auch das honorierten seine Vorgesetzten. An einer privaten Hochschule in Kooperation mit der Universität Bochum absolvierte er daraufhin vier Semester lang jeweils am Wochenende den Masterstudiengang „Mechatronik“. Auch die Abschlussarbeit schrieb er in dem Unternehmen.

Bei seiner täglichen Arbeit ist er heute vor allem dafür zuständig, im Auftrag der Konstrukteure Prototypen von Maschinen auf Betriebsfestigkeit zu testen. Dazu gehört, Kräfte wie Drücke oder Spannungen auf dem Feld sowie auf dem Prüfstand zu messen. Die Arbeit findet daher auf dem Feld, im Labor sowie am Schreibtisch statt: er muss neben den Messungen und Tests auch Berichte dazu schreiben. „Bei den Messungen ist immer wieder Kreativität gefragt, jede Maschine ist anders, und wir müssen uns auch überlegen, wie man mehrjährige Belastungen simuliert“, erklärt er.

Lemken ist einer der führenden Hersteller von Technik für Bodenbearbeitung in Europa.

Lemken ist einer der führenden Hersteller von Technik für Bodenbearbeitung in Europa.

Tipps für künftige Berufseinsteiger

Christof Nepicks und Christian Bergemann haben folgende Tipps für Studierende, die sich für einen Job im Bereich „Konstruktion und Entwicklung“ interessieren:

■ Auslandspraktika zum Auffrischen von Englischkenntnissen sind von Vorteil.

■ Die Kombination aus Maschinenbau und Mechatronik ist sehr hilfreich, da man in der täglichen Arbeit viel mit Programmierung, Mess- und Regelungstechnik sowie mit Elekt- ronik zu tun hat.

■ Der Master an sich ist eine Weiterbildung, für die man zwei Jahre und damit verhältnismäßig wenig Zeit investieren muss.

■ Der berufsbegleitende Master ist zwar möglich, erfordert aber sehr viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.

■ Längere Praktika über 20 Wochen und mehr helfen, das Arbeitsleben, aber auch Unternehmen näher kennenzulernen. Bei kürzeren Praktikumszeiten geht viel Zeit schon für die Einarbeitung verloren, für Projekte ist dann kaum noch Gelegenheit.


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