Magazin Wirtschaft

VDMA Landtechnik :

„Politik und Telekommunikationsanbieter müssen jetzt liefern“

Der eilbote sprach mit dem Digitalexperten des VDMA Landtechnik, Dr. Hermann Buitkamp, über die Frequenzvergabe der Bundesnetzagentur im kommenden Frühjahr und die Konsequenzen für die Landtechnik.

VDMA Landtechnik: „Politik und Telekommunikationsanbieter müssen jetzt liefern“

Landmaschinenhändler könnten als regionale Anbieter bisher vernachlässigte Gebiete mit eigener Infrastruktur preisgünstiger versorgen.

Dr. Hermann Buitkamp: „Datenautobahn darf kein Feldweg bleiben!“

Dr. Hermann Buitkamp: „Datenautobahn darf kein Feldweg bleiben!“

eilbote: Im Frühjahr 2019 läuft die Versteigerung der Frequenzen, die für den 5G-Mobilfunkstandard erforderlich sind. Was ist aus Sicht Ihres Verbandes dabei zu berücksichtigen?

Dr. Hermann Buitkamp: Die Frequenzvergabe der Bundesnetzagentur muss so gestaltet sein, dass in Deutschland auch auf dem Land eine flächendeckende Mobilfunkversorgung möglich ist.

Wie ist das zu erreichen?

Dies kann die Bundesnetzagentur durch Vertragsklauseln erreichen. Diese sollen die Telekommunikationsunternehmen verpflichten, Funklöcher zu schließen. Besonders auch in dünnbesiedelten Regionen, die für sie kommerziell nicht interessant sind.

Eine weitere Forderung an die Politik, das sind in diesem Fall das Bundeswirtschaftsministerium und das für den Netzausbau verantwortliche Bundesverkehrsministerium, ist, fünfzehn Prozent der Frequenzen, vor allem im Frequenzbereich von 700 bis 900 MHz, von der Versteigerung an die Telekommunikationsriesen auszunehmen.

Mit welcher Begründung?

Versteigerungen von UMTS-Lizenzen in Deutschland fanden 2000 und 2010 statt. Die Erfahrung der letzten 17 Jahre zeigt, dass es volkswirtschaftlich nicht optimal ist, wenn der Staat die Verantwortung für das Rückgrat einer modernen Industriegesellschaft an ein Oligopol von nur drei Telefongesellschaften abgibt. Hier überwiegt, wie bei jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen, die Gewinnmaximierung. Das ist verständlich. Die Investition von insgesamt rund 80 Mrd. Euro muss sich für die Käufer refinanzieren. Das Ergebnis, meiner Wahrnehmung nach: Wir zahlen in Europa für Mobilfunk die höchsten Preise und sind in der Abdeckung abseits der Städte schlechter als viele Entwicklungsländer. Die vom Telekommunikationsoligopol erworbene Frequenzbandbreite wird technisch aktuell nur zu unter zehn Prozent genutzt. Eine Verpflichtung der Anbieter, von ihnen bisher nicht genutzte Bandbreite anderen, auch lokalen Anbietern zur Verfügung zu stellen, scheiterte vor dem Bundesverfassungsgericht. Diese Erfahrungen müssen die politischen Entscheider in der neuen Versteigerung berücksichtigen. Sonst bleibt die Datenautobahn auch bei 5G auf dem Land weiter nur ein Feldweg!

Welche Bedeutung hat der 5G-Standard für die Landwirtschaft?

Der LTE-Nachfolger 5G bietet hohe Datenraten und Reaktionszeiten von nur einer Millisekunde, heute ist das Datenalter 100 Millisekunden. Dies eröffnet neue Möglichkeiten nahezu in Echtzeit. Besonders spannend bei 5G ist die mögliche D2D-Kommunikation. D2D steht für Device-to-Device, also von Gerät zu Gerät. Das erlaubt mobilen Endgeräten, das können auch zwei Landmaschinen sein, direkt miteinander ohne den Umweg über einen Funkmast direkt zu kommunizieren.

Erste 5G-Pilotnetze in Deutschland starten gerade, kommerzielle 5G-Dienste erwarten wir Ende 2020. Die 5G-Infrastruktur bezeichnet man als das Netz der Netze. Eine der spannenden Anwendungen, die 5G für den Service bietet, ist die Augmented Reality-Brille (AR). Diese blendet z. B. in das Bild eines geöffneten Motors wichtige sensorbasierte Informationen ein. Damit sieht und weiß ein Mechaniker dann, mit welchem Drehmoment er welche Schrauben anziehen muss.

Gibt es alternative technische Möglichkeiten zum Bandbreitenausbau auf dem Land?

Ja, unbedingt! Um diese umzusetzen, ist jedoch politischer Wille gefordert. So halte ich die Frequenz-Reichweite des DVB-T2-Fernsehens als hervorragend für die Erschließung der ländlichen Räume geeignet. Das digitale Antennenfernsehen wird in Deutschland bisher nur sehr wenig genutzt.

Eine weitere, ausgesprochen kosteneffiziente Lösung, die erst kürzlich wieder ins Spiel gebracht wurde, bedient sich des Richtfunks. Dabei werden Frequenzen von Mobilfunkbasisstationen über Richtfunk-Antennen in bislang unversorgte Gebiete abgestrahlt. Daten können mit diesem Verfahren mühelos 20 Kilometer weit übertragen werden.

Gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft unterbreitet der VDMA Landtechnik die gemeinsamen Vorschläge Landwirtschaftsministerin Klöckner.

Wenn die Regierung gut zehn Prozent der Frequenzen aus der Versteigerung für den ländlichen Raum herausnimmt, was passiert dann mit diesen?

Dafür finden sich problemlos regionale Anbieter, die die vom Oligopol bisher vernachlässigten Gebiete mit einer eigenen Infrastruktur ausstatten und mit wenig Verwaltungsaufwand den Datenverkehr deutlich günstiger als die Telekom-Riesen anbieten. Diese Anbieter könnten z. B. auch Landmaschinenhersteller und -händler sein. Technisch ist die Sache klar. Was jetzt noch fehlt, ist ein deutliches und vor allem zeitnahes politisches Ja der Politik zur konkreten Umsetzung.

Herr Dr. Buitkamp, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Bernd Pawelzik


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