Magazin Kartoffeltechnik

USA :

„Unser Nematodenproblem ist hausgemacht“

Ein Kartoffelfarmer aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Colorado setzt auf gesunde Böden und Blühstreifen

USA: „Unser Nematodenproblem ist hausgemacht“

Die Center Pivot Beregnungsanlagen reichen bis zu 400 Meter weit.

Brendon Rockey ist Farmer in der dritten Generation. Gemeinsam mit seinem Bruder baut er spezielle Kartoffelsorten für den Gourmetbereich und Saatkartoffeln an. Die Bilder der Farm entführten die Teilnehmer der „No-Till on the Plains“ Konferenz (die wichtigste US Konferenz für pfluglose Landwirtschaft in den USA, die Ende Januar stattfand) in eine Bilderbuchlandschaft im Süden des Bundesstaates Colorado: im Vordergrund wachsen – neben einem Blühstreifen – kräftige Kartoffelpflanzen, im Hintergrund glänzen schneebedeckte Gipfel der Rocky Mountains im Sonnenlicht unter einem tief blauen Himmel. Regenwolken wären allerdings den meisten Farmern vermutlich lieber, denn das größte Problem mit dem sie in dieser Region zu kämpfen haben, ist der Wassermangel: Nichts wächst ohne künstliche Bewässerung. Das erklärt, warum die Felder in diesem Teil der USA kreisrund sind – sie entsprechen dem Radius der gigantischen, langsam um einen zentralen Punkt rotierenden Bewässerungsanlagen (center pivot irrigation systems). Landwirtschaft mit solch intensiver Bewässerung, kombiniert mit langen Phasen extremer Trockenheit, haben zu einem dramatischen Absinken der unterirdischen Wasservorkommen geführt. Wasser ist wie fast überall im Westen der USA zu einer extrem knappen und teuren Ressource geworden.

Vor einigen Jahren begann Rockey konsequente Bodenverbesserung als Lösung zu begreifen: Böden mit guter Bodenstruktur nehmen mehr Wasser auf und speichern es länger, womit es den Pflanzen länger zur Verfügung steht – ob Regen oder Bewässerungsanlage, Wasser wird effizienter genutzt.

Auch wenn Rockey seinen Vortrag auf der No-Till Konferenz hielt, Kartoffelanbau ohne Bodenbearbeitung ist undenkbar – schließlich müssen die Knollen aus der Erde geholt werden. Stattdessen setzt Rockey ganz auf biologische Bodenverbesserung. Lange Zeit habe er linear gedacht, sagt er, wenn Schädlinge auftraten sprühte er Pestizide, gegen Kartoffelfäule setzte er Fungizide ein, Unkraut bekämpfte er mit Herbiziden. Relativ schnell wurde offensichtlich, dass ein Negativkreislauf in Gang gekommen war: die Insektizide vernichteten nicht nur Schädlinge sondern auch Nützlinge, die Unkräuter entwickelten Resistenz, die Fungizide töteten auch die Bodenpilze ab, die die Pflanzenwurzeln vor Nematoden schützen, Nematizide töten gute und schlechte Nematoden... Rockey stellte deshalb den gesamten Betriebsablauf um: zur Bodenverbesserung werden nach den Kartoffeln Zwischenfrüchte angebaut, die von den Rindern einer benachbarten Farm abgeweidet werden. Die Pflanzenreste werden danach flach eingearbeitet, um den Boden für die Kartoffelaussaat vorzubereiten. Bis zur Ernte sind so nur drei Überfahrten mit dem Traktor für Bodenbearbeitung und mechanische Unkrautvernichtung nötig.

Von zentraler Bedeutung für das integrierte Schädlingsmanagement sind die permanenten Blühstreifen: Einer umgibt den Acker wie ein Ring, ein zweiter teilt das Feld wie eine Äquatorlinie in gleichgroße Hälften. Die Pflanzenmischung im Blühstreifen ist so zusammengestellt, dass unterschiedliche Nützlinge während der gesamten Saison gute Lebensbedingungen vorfinden. Zunächst bebaute Rockey nur den äußeren Ring, doch dann stellte er fest, dass für viele Insekten die Flugdistanz von bis zu 400 m zum Mittelpunkt des Feldes zu groß ist – ein Problem, das durch einen zusätzlichen ‚Äquator-Blühstreifen‘ gelöst werden konnte. Und inzwischen experimentiert er außerdem mit Partnerpflanzen: der Abstand zwischen den Reihen wird etwas erweitert, um Platz für Erbsen zu schaffen. Die Erbsen werden nicht geerntet, die Blüten bieten aber zusätzliche Nahrung für Insekten und die Wurzeln produzieren Stickstoff, der den Kartoffelpflanzen zugutekommt. Brendon Rockeys Fazit: „Uns geht es nicht um eine Steigerung der Erntemenge, sondern darum, mit geringerem Input mehr Kartoffeln mit hervorragender Qualität zu produzieren, die wir zu besseren Preisen verkaufen können.“


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