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Zur Geschäftsführung gehören neben Senior Gert Unterreiner (2. von rechts) inzwischen auch seine Tochter Laura (hinten mittig) und Sohn Felix (ganz rechts).
„Noch immer gibt es jährlich mehrere Tausend Unfälle bei der Waldarbeit, 2023 gingen in Deutschland und Österreich jeweils über 30 davon tödlich aus“, führt Gert Unterreiner aus, als er uns durch seine Firma führt. Das habe ihm zu denken gegeben. „Um hier eine Verbesserung zu erzielen, braucht es neben der modernen Technik auch eine entsprechende Ausbildung.“ Daher gründete er die hauseigene Akademie, die bereits Ende 2019 eröffnet wurde. Kurz vor der Covid-Pandemie war das ein denkbar schlechter Zeitpunkt für ein Projekt, das vor allem auf Präsenzveranstaltungen mit Menschengruppen setzt. Inzwischen läuft die Schule aber gut, jährlich sind 1.000 bis 1.500 Kursteilnehmer vor Ort. Organisatorisch verantwortlich ist dafür inzwischen Tochter Laura Unterreiner, die auch in die Geschäftsführung und das Marketing integriert ist.
Zertifizierung als anerkannte Fortbildungsstätte
Zu Beginn war das Ganze nur dazu gedacht, alle Endkunden auf den gleichen Wissensstand hinsichtlich der von ihnen gekauften Maschine zu bringen. Daher erhält jeder Kunde zu seinem vom Händler ausgelieferten Gerät einen Gutschein für den entsprechenden Lehrgang an der Unterreiner Akademie. Das entlastet auch die aktuell etwa 300 Händler. „Früher hat eine durchschnittliche Winde 3.000 bis 4.000 Euro gekostet, heute sind es eher 6.000 bis 8.000. Denn inzwischen sind viele Forstgeräte technisch komplexer geworden, wodurch auch mehr Beratung und Schulung notwendig ist“, erklärt Unterreiner. Inzwischen hat sich das Kursprogramm auch über die eigenen Maschinen hinaus entwickelt, etwa mit klassischen Motorsägenkursen für Waldbesitzer. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat die Akademie als entsprechende Fortbildungsstätte anerkannt. Bei den Motorsägenkursen Modul A und Modul B erhalten Mitglieder der Berufsgenossenschaft daher einen Gutschein. Nach Einreichung bei der SVLFG bekommen die Teilnehmer damit einen Teil der Kursgebühren zurückerstattet.
Derzeit bietet die Unterreiner-Akademie 20 verschiedene Kurse an, auch zu Themen wie Pflanzung oder der Königsbronner Anschlagtechnik: „Gefragt ist auch unser Motorsägenkurs für Frauen. Gelehrt wird das Gleiche und natürlich auch mit der selben Technik gearbeitet. Wir haben aber eben gemerkt, dass die Atmosphäre für Frauen angenehmer sein kann, wenn sie unter sich sind“ so Unterreiner. Ideal wäre natürlich, wenn Frauen generell keine Bedenken haben müssten, einen regulären Kurs zusammen mit ihren männlichen Kollegen zu besuchen. Dafür müsste die Gesellschaft aber wohl noch etwas an sich arbeiten.
Um die Ausbildung möglichst nah am Praxisalltag anbieten zu können, kauft der Unternehmer Waldstücke in der Region um den Firmensitz in Buch/Julbach, nahe der Grenze zu Österreich.Eigene Traktoren sind dafür natürlich ebenfalls im Fuhrpark vorhanden. Neben den 1,5 fest geschaffenen Stellen arbeitet man aber auch mit Praktikern aus der Region zusammen, die bereits mit den Maschinen arbeiten. Unterreiner wolle dabei keinesfalls Konkurrenz zu den klassischen Waldbauernschulen aufbauen: „Vielmehr setzen wir auf eine Zusammenarbeit mit diesen!“
Vogesenblitz auf gutem Kurs
Das AMR-Werk im Elsass produzierte 2024 etwa 6.000 Holzspalter, was künftig noch weiter ausgebaut werden soll: Zehn Jahre nach der Übernahme hat sich der Umsatz verdreifacht, jeder Cent davon sei in die Produktion investiert worden, etwa in moderne Blechfertigungstechnik und Schweißroboter. 2023 kaufte man auch die Gebäude. Seit September 2024 ist der 28-jährige Felix Unterreiner dort als Geschäftsführer aktiv. Das „President“ als Titel sei für ihn aber keine Selbstverständlichkeit, wie sein Vater Gert betont: „Felix hat in sehr kurzer Zeit Französisch gelernt und beispielsweise auf der Betriebsversammlung 20 Minuten frei vor den Mitarbeitern des Werks gesprochen. Er konnte vermitteln, dass wir als Familienunternehmen viel Wert auf die Menschen im Unternehmen legen.“ Mit dem vorherigen Geschäftsführer „hat das nicht mehr so gepasst.“ Felix Unterreiner ist daher auch etwa alle drei Wochen für drei bis vier Tage vor Ort im Elsass. Nach wie vor gehören vier Prozent der AMR-Firmenanteile dem dortigen Produktionsleiter, was Unterreiner als wichtigen Punkt empfindet, da so immer eine Vertrauensperson vor Ort mit an Bord ist. Um eine mögliche Expansion künftig leichter gestalten zu können, hat man kürzlich ein 5.000 Quadratmeter großes Nachbargrundstück gekauft. Denn neben dem bisherigen Fokus auf die Brennholztechnik könnten künftig noch weitere Bereiche dazu kommen.
Das Unternehmen
Unterreiner startete 1992 als eigenständiger Händler, die Seilwinden von Tajfun aus Slowenien waren sein erster Verkaufsschlager. Sie sind auch heute noch eines der geschäftlichen Zugpferde. Durch die Übernahme von AMR (Vogesenblitz) wurde man vom reinen Händler zusätzlich zum Hersteller, wodurch der Umsatz zwischen 2014 und 2016 von 16,5 auf 29 Mio. Euro stieg. Im Jahr 2024 lag er bereits bei 70 Mio. Euro, wofür 132 Mitarbeiter beschäftigt sind.
Dabei ist alles intern organisiert, vom Marketing bis zum Support: Haben Kunden oder Händler Schwierigkeiten, verweise man nie auf Hersteller wie Tajfun, die hauseigenen Techniker und Verkäufer kennen ihre Produkte aus der Praxis. Außerdem habe man 3.800 verschiedene Artikel – insgesamt 110.000 Teile – am Lager, was andere Firmen teilweise als unwirtschaftlich ansahen.
In der Zeit der Lieferengpässe konnte Unterreiner sie damit eines Besseren belehren – und verkaufen, weil beim Wettbewerb die Regale leer waren.
Im Dezember 2024 ging die 50.000ste Winde vom Hof, zudem konnten allein im letzten Jahr 500 Spaltautomaten verkauft werden.











