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Unternehmensnachfolge :

Landtechnikvertrieb an der Nordseeluft

Landmaschinenhändler Kai Petersen sucht eine Nachfolge für seinen Betrieb mit zwei Filialen in Schleswig-Holstein

Unternehmensnachfolge: Landtechnikvertrieb an der Nordseeluft
Landmaschinenhändler Kai Petersen: „Mit 58 Jahren will ich eine Lösung für die Zukunftsicherung meines Betriebes.“

Landmaschinenhändler Kai Petersen: „Mit 58 Jahren will ich eine Lösung für die Zukunftsicherung meines Betriebes.“

Bereits kurz nach Veröffentlichung des Beitrags über den Familienbetrieb Tiesgen in der eilbote-Serie zum Thema Unternehmensnachfolge meldete sich Kai Petersen in der Redaktion. Er sei ebenfalls auf der Suche nach einer Nachfolge oder Teilhaberschaft für seinen Landmaschinenhandel. „Die Uhr läuft grundsätzlich schneller als man denkt, gerade dann, wenn die Arbeit Spaß macht. Bei uns müssen Überlegungen folgen, wie es hier weitergehen kann. Warum soll ich nicht die Zusammenarbeit mit dem eilboten dazu nutzen“, so der 58-jährige Petersen im Vorgespräch mit der Redaktion.

Er kennt die Angebote im eilboten unter der Rubrik „Immobilien“ mit der Überschrift „Gut eingeführter Landmaschinenhandel abzugeben“. Häufig enthalten sie eine recht grobe Beschreibung des Unternehmens, als Kontakt eine Chiffrenummer.

Kai Petersen geht seine Suche nach einer Beteiligung oder Nachfolge offensiver an. „Es gibt einige Händlerkollegen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Jeder hier im Umkreis kennt mich und meine Situation. Mit 58 Jahren will ich eine Lösung für die Zukunftssicherung meines Betriebs und meiner Mitarbeiter finden. Wir sind ein solides Unternehmen mit einem tollen Team und Produktprogramm. Darauf sind wir stolz, wir brauchen uns nicht verstecken.“

Die eilbote-Redaktion vereinbarte zu Jahresbeginn einen Besuch in Sterdebüll. „Ich könnte ihnen diese Woche Donnerstag oder gleich morgen früh anbieten“, lauteten meine Terminvorschläge. „Morgen passt. Zehn Uhr“, stimmte Kai Petersen spontan zu.

Bereits auf dem Weg zum Stammbetrieb der Firma Petersen-Rickers, seit 1984 MF-Händler, begegnen mir Kundentraktoren. Mitarbeiter der Gemeinde Struckum demontieren aus dem Hubkorb des Frontladers ihres neuen MF gerade die Weihnachtsdekoration von den Straßenlaternen.

Der Betrieb Petersen-Rickers hat seinen Stammsitz in Sterdebüll direkt an der Straße zur Fähre nach Wyk auf der Nordseeinsel Föhr und gehört zu Bordelum. Die Küste ist nur fünf Kilometer entfernt. Bordelum ist eine touristisch geprägte Gemeinde mit 2.100 Einwohnern, Schulen und Freibad und liegt ca. 30 km südlich der dänischen Grenze. In der flachen Region dominieren Milchviehbetriebe, aber auch der Ackerbau auf den schweren Böden spielt eine Rolle.

Die Schmiede, die Kai Petersens Vater 1950 gründete, ist der Ursprung des Landmaschinenbetriebs. 1966 baute man Betrieb und Wohnhaus neu auf den heutigen Standort. 1994 folgten Neubau des Büros, 2005 und 2009 zwei Ausstellungshallen mit insgesamt 1.600 m2. Alles ist sehr aufgeräumt, die Gebäude sind top in Schuss.

Fünf Mitarbeiter, darunter eine Buchhalterin und der Chef, sowie ein Verkäufer und Werkstattpersonal haben hier ihren Sitz. „Ich muss mal kurz ein Foto schießen“, unterbricht der fast zwei Meter große Firmenchef unser Gespräch in seinem Büro. Petersen eilt nach draußen, um einen Landwirt und seinen Sohn vor dem gerade übergebenen Massey Ferguson 7726 Dyna VT zu beglückwünschen und mit dem Smart Phone ein Foto in der Wintersonne für die Petersen-Rickers Facebook-Seite zu schießen. Für Kai Petersen war Landtechnik seit frühester Jugend die Berufsperspektive. Bei der Firma Brauer, einem damaligen Deutz-Händler in Husum, absolvierte er seine Lehre zum Landmaschinenmechaniker. Danach schloss er ein einjähriges Volontariat beim John Deere-Händler Oehne in Rendsburg an, um dann 24-jährig die Meisterprüfung an der BFA in Lüneburg abzulegen. Vater Petersen übertrug 1984 dem frischgebackenen Meister die Verantwortung für den Betrieb. „Ich hatte sofort alle Freiheiten. Mein Vater und ich ergänzten uns gut. Als gelernter Schmied hatte er seinen Schwerpunkt in der Werkstatt. Meine Interessen lagen mehr im kaufmännischen Bereich. Auch das Handeln macht mir Spaß“, bekennt Petersen mit einem verschmitzten Lächeln. Die Firma entwickelte sich erfreulich. Dadurch war man im Jahr 2000 in der Lage, den befreundeten Händler Rickers zu übernehmen.

Rickers, bereits 1889 gegründet, hat seinen Standort in Wesselburen-Deichhausen. Das liegt 60 km südlich von Sterdebüll bei Heide. Hier dominiert der Ackerbau mit Sonderkulturen. Das Rickers Betriebsgelände mit 5.400 m2 ist gleich nach dem Erwerb Anfang 2000 saniert worden, Lager und Schmiede wurden neu gebaut. 2015 kamen ein neues Büro und der Ausstellungsplatz hinzu. Die Niederlassung arbeitet unter der Leitung von Stefan Forck mit weiteren fünf Mitarbeitern weitestgehend selbstständig von Sterdebüll.

Neben dem Geschäft mit Traktoren handelt Petersen-Rickers mit Fahrzeugen von Pronar, Landmaschinen von Unia sowie von niederländischen Herstellern wie Tobroco-Giant (Hof-, Rad- und Telelader), Zocon (Grünlandstriegel) oder auch Schouten (Grabenfräsen). Diese Produkte werden zumeist exklusiv in Schleswig Holstein vertrieben. Bei Gartengeräten hat man für den gewerblichen und privaten Nutzer Stiga im Programm. „Wir legen Wert auf Produkte, die man nicht an jeder Straßenecke kriegen kann“, erläutert der Firmenchef. Aber auch deutsche Lieferanten wie z.B. Strautmann, Lemken, oder auch Eckart hat man im Programm.

Über mangelnden Wettbewerb braucht man sich in Sterdebüll nicht zu beklagen. „Wettbewerber, die man früher gar nicht kannte, treten heute mit in den Konkurrenzkampf. Geschäfte um jeden Preis gibt es bei uns nicht, wir müssen eine gewisse Marge erzielen. Gerade Inzahlungnahmen sind manchmal schwer durchschaubar und bergen ein finanzielles Risiko. Ein Massey hat heute einfach seinen Preis, dafür ist er richtig gut. Es gibt aber auch Käufer, die nicht bereit sind, den Preis dafür aufzuwenden. Mit MF haben wir seit über 30 Jahren einen absolut verlässlichen und fairen Partner an unserer Seite. Wohl auch deshalb genossen wir immer gewisse Freiheiten, die andere große Hersteller heute nicht mehr zulassen würden“, beschreibt Petersen die Situation.

Seit den 1980er Jahren sei die Zahl der Landwirte gefühlt um mehr als die Hälfte geschrumpft. Petersen: „Das fordert noch mehr Engagement, unsere guten und treuen Kunden zu halten und an uns zu binden.“

„Gut vier bis fünf Millionen Euro Umsatz erreichen beide Standorte von Petersen-Rickers zusammen. Wir sind gesund und investitionsbereit. Die Bilanzen der letzten zehn Jahre liegen offen, zudem gibt es als Verhandlungsbasis ein Gutachten über den Unternehmenswert“, so Petersen. Dieser Umsatz wird ohne Mähdrescher, Häcksler oder spezielle Großmaschinen erreicht. „Das Risiko ist mir zu hoch. Hier werden wir mit Serviceanforderungen konfrontiert, die wir heute noch nicht zu hundert Prozent erfüllen können!“ Sollte eventuell ein größeres Unternehmen, das den Service unterstützt, Interesse an einer Zusammenarbeit, Nachfolge oder Teilhaberschaft zeigen, wäre das Geschäft, z.B. mit Erntemaschinen, durchaus eine Option. „Auch Kleinvieh macht Mist, nicht immer sind es die großen Objekte, die Freude bereiten. Warum sollte man nicht voneinander partizipieren? Sei es im Servicebereich oder auch in vertriebstechnischer Hinsicht. Uns stehen Wege offen, von denen wir in diesem Moment noch gar nichts wissen“, so Petersen.

In jüngere Hände

Weitere strategische Investitionen, die Ideen liegen bereits in der Schublade, möchte er aber nicht entscheiden, bevor eine Nachfolgeregelung gefunden ist. Wie diese genau ausschaut, macht Petersen von Kandidaten oder auch Kandidatinnen für seinen Betrieb abhängig. Viel Wert legt er auf betriebswirtschaftliches Know-how und Freude am Verkaufen. Bei den Übergabemodalitäten, z.B. Verkauf oder Verrentung, zeigt sich der Firmeninhaber flexibel. Auch einen gleitenden Übergang der Unternehmensverantwortung kann er sich vorstellen. Es müssen auch nicht beide Standorte zusammen übernommen werden. Zusätzliche Entwicklungschancen gibt es seiner Meinung nach im Erd- und Tiefbau, diese Bereiche decken nur wenige Händler an der Westküste ab.

„Wir haben eine starke Stammkundenbasis, konzentrieren uns auf wenige, teils exklusive Lieferanten und sind mit zwei Werkstattteams und drei Servicewagen im Service sehr gut unterwegs. Wir sind frei und unabhängig – auch in unseren Entscheidungen. Das Wohl meiner Mitarbeiter, meiner Kundschaft und eine gesicherte Zukunft meiner Betriebe liegen mir sehr am Herzen“, fasst Petersen am Ende unseres Gesprächs zusammen.

Wen diese unternehmerische Herausforderung in Sichtweite der Nordseeküste reizt, hier die Kontaktadresse:

Petersen-Rickers

Kai Petersen

Mühlenweg 1

D-25852 Sterdebüll

Telefon (0 46 71) 91 05-20

Telefax (0 46 71) 91 05-24

kp@petersen-rickers.de

www.petersen-rickers.de

 

 


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