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Herr Zein, wo genau befindet sich Ihr Betrieb, und wie würden Sie die klimatischen Bedingungen an Ihrem Standort beschreiben?
Unser Betrieb liegt rund 70 Kilometer östlich von Kiew, in einer flachen Landschaft auf 100 bis 120 Metern über dem Meeresspiegel. Das Klima ist gemäßigt kontinental. Wir haben regelmäßig mit langen Trockenphasen und Vorsommertrockenheit zu kämpfen. Die Niederschlagsmengen schwanken stark: 2022 hatten wir nur 450 Millimeter, 2023 waren es 615 Millimeter und 2024 rund 640 Millimeter. Die Winter bringen nicht viel Schnee, aber zeitweise Frostperioden mit Temperaturen von bis zu minus 15 Grad über mehrere Tage.
Welche Böden bewirtschaften Sie?
Unsere Flächen umfassen insgesamt 6.779 Hektar. Sie sind sehr heterogen: 37 Prozent lehmig, 33 Prozent sandig, 23 Prozent Schwarzerde und 8 Prozent torfig. Das macht die Bewirtschaftung anspruchsvoll, weil jede Bodenart andere Bearbeitungs- und Düngungsstrategien erfordert.
Wie groß ist Ihr Betrieb in Bezug auf die Schlaggröße und die Fruchtarten?
Wir bewirtschaften etwa 100 Felder mit einer durchschnittlichen Schlaggröße von 65 Hektar. Hauptkultur ist Körnermais, der auf rund 45 Prozent der Fläche steht und im Schnitt 9 Tonnen pro Hektar liefert. Sonnenblumen nehmen 25 Prozent ein, mit Erträgen von 3,2 Tonnen pro Hektar. Winterraps bauen wir auf 10 Prozent an, mit etwa 3 Tonnen pro Hektar. Winterweizen und Winterroggen kommen auf 20 Prozent, die Erträge liegen zwischen 5,5 und 8 Tonnen pro Hektar.
Wie ist der aktuelle Stand Ihrer Arbeiten?
In der ersten Augustwoche haben wir unsere sogenannte Sommerernte abgeschlossen, die bei uns etwa 2.000 Hektar umfasst. Jetzt folgen Sonnenblumen und anschließend Körnermais. Wir hoffen, die Maisernte bis Weihnachten abzuschließen. Täglich ernten wir 400 bis 500 Tonnen, an guten Tagen sogar bis zu 1.000 Tonnen. Der Engpass liegt bei der Trocknung, da wir Mais häufig mit 25 bis 18 Prozent Feuchtigkeit ernten.

Über welche Lagermöglichkeiten verfügen Sie?
Aktuell können wir rund 30.000 Tonnen Getreide einlagern. Zusätzlich nutzen wir Schlauchsilos mit weiteren 4.000 Tonnen. Unsere Gesamternte beträgt 40.000 Tonnen. Knapp zehn Kilometer entfernt befindet sich ein Bahnhof, wo wir das Getreide mithilfe von Überladewagen direkt in Eisenbahnwaggons verladen können.
Lassen Sie uns über Ihre Maschinenausstattung sprechen. Wie sind Sie in der Ernte aufgestellt?
In der Ernte setzen wir drei Hochleistungsmähdrescher ein: zwei Case IH 8250 mit Schneidwerken, 9 m für Getreide, 9,4 m für Sonnenblumen sowie einen New Holland CR 8.90. Für den Mais nutzen wir mehrere zwölfreihige Maispflücker mit 70er Reihenabstand. Diese Technik ermöglicht uns eine sehr hohe Schlagkraft und eine präzise Arbeit.
Und wie sieht Ihre Traktorflotte aus?
Wir haben über 15 Traktoren verschiedener Leistungsklassen. Die stärksten sind drei Fendt 1038 mit rund 380 PS und ein Case IH Magnum 370, die für die schwere Bodenbearbeitung und Großgeräte eingesetzt werden. Daneben verfügen wir über zwei Case IH 310, mehrere Puma-Modelle (220 und 210) und Fendt 724 für Transport, Strohpressen und Miststreuen. Für leichtere Arbeiten nutzen wir auch noch ältere MTS-Modelle. Diese Vielfalt erlaubt uns, alle Arbeiten – von der Tiefenlockerung bis zum Straßentransport – effizient zu erledigen.

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Auf dem 6.800 Hektar großen Betrieb sind drei Mähdrescher und zwei Überladewagen im Einsatz.
Welche Geräte nutzen Sie zur Bodenbearbeitung und Aussaat?
Unser Schwerpunkt liegt auf Mulchsaat mit reduzierter Bodenbearbeitung. Wir setzen einen Horsch Tiger MT (4 m), einen Bednar Terraland (4 m) und einen Bednar Versetill (7,5 m) ein. Außerdem arbeiten wir mit mehreren Pflügen, drei Kurzscheibeneggen, einer Köckling Vector (6,20 m) und einer Köckling Allrounder mit 12 Metern Arbeitsbreite.
Zur Aussaat nutzen wir eine Horsch Pronto 9 DC für Getreide sowie eine Maestro 24/70 für Mais – das sind 24 Reihen mit 70 cm Reihenabstand.
Wie sind Sie beim Pflanzenschutz und bei der Düngung ausgestattet?
Für die Düngung stehen uns drei Amazone ZA-TS 4200 und ein Amazone ZGB-Streuer zur Verfügung, außerdem ein 35-Kubikmeter-Fassauflieger für Flüssigdünger. Beim Pflanzenschutz setzen wir eine Anhängespritze Leeb 6 LT und einen Selbstfahrer PT 330 ein, beide mit 36 Meter Arbeitsbreite. So können wir große Flächen in kurzer Zeit behandeln.
Wie sichern Sie die Logistik während der Ernte?
Wir nutzen drei MAN TGX-Lkw mit 55-Kubikmeter-Mulden sowie zwei Überladewagen eines ukrainischen Herstellers mit je 40 Kubikmetern. Diese überladen direkt vom Mähdrescher auf die Lkw. Zusätzlich setzen wir Schlepper mit Anhängern ein . Das reduziert Standzeiten erheblich.

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Ein Teil der Ernte gelangt am zehn Kilometer entfernten Gleis direkt in Güterwagen.

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Der Betrieb verfügt über Lagermöglichkeiten von 30.000 Tonnen Getreide.
Wie ist die Arbeit im Team organisiert?
Insgesamt beschäftigen wir etwa 80 Personen, wobei nicht alle in Vollzeit arbeiten. Dazu zählen 14 Traktoristen, mehrere Lkw- und Teleskopladerfahrer, sechs Mechaniker und Handwerker, sowie Verwaltung, Labor, Lager und Management. Durch die Bodenreform in der Ukraine haben wir inzwischen über 3.000 Verpächter – allein die Pachtverträge zu verwalten, erfordert ein starkes Team im Hintergrund. Alle Fahrer und Erntekräfte auf dem Feld werden von der Kantine mit warmem Essen versorgt.
Können Sie Reparaturen selbst durchführen?
Ja, mechanische Reparaturen erledigen wir in unserer eigenen Werkstatt. Elektronische Probleme werden in der Regel vom Service übernommen. Die Nähe zu Kiew ist ein Vorteil, da dort viele Ersatzteile und Fachkräfte verfügbar sind – auch wenn die Lieferzeiten gelegentlich lang sind.
Welche besonderen agronomischen Herausforderungen haben Sie?
Zum einen das kontinentale Klima mit den langen Trockenphasen, zum anderen die sehr unterschiedlichen Böden. Das verlangt flexible Fruchtfolgen und auch Maschinen, die nicht zu schwer sind. Hinzu kommen Schaderreger wie die Wintersaateule. Dagegen helfen Pflanzenschutz und die Felder schwarz zu halten, also Unkraut und Ausfallgetreide nicht zu groß werden zu lassen.
Wie ist die Versorgung mit Betriebsmitteln?
Insgesamt gut. Dünger, Diesel und Pflanzenschutzmittel sind verfügbar, allerdings liegen die Düngerpreise in der Ukraine etwa zehn Prozent über dem Niveau in Deutschland.

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Zur Bodenbearbeitung und Aussaat setzt UIFK-Agro drei 1000er Fendt und einen Case IH Magnum ein.
Welche Auswirkungen haben Stromausfälle und GPS-Störungen?
GPS-Ausfälle passieren häufig nachts, meist für zwei bis drei Stunden. Sie entstehen oft durch die ukrainischen Streitkräfte, die damit anfliegende Drohnen stören wollen. Für uns bedeutet das, dass wir die Arbeit sofort einstellen müssen – in Summe haben wir dadurch bereits rund fünf Aussaattage verloren.
Bei den Stromabschaltungen war es 2022 besonders schwierig. Nach Drohnenangriffen auf die Energie-Infrastruktur hatten wir teils nur vier Stunden Strom, gefolgt von vier Stunden Ausfall. Heute ist die Lage stabiler. Zusätzlich haben wir zwei Notstromaggregate angeschafft – eines mit 100 kVA und eines mit 400 kVA – um insbesondere die Getreidetrocknung abzusichern.
Wie gehen Sie mit Kampfmitteln auf Ihren Flächen um?
In der Erntezeit finden wir immer wieder Trümmer abgestürzter oder abgeschossener Drohnen, bisher etwa zehn Stück. Besonders problematisch ist das im Mais, wo die Metallteile die Maschinen beschädigen können. Mit einer eigenen kleinen Videodrohne kontrolliere ich unsere Bestände regelmäßig auch aus der Luft. 2022 war unsere Region kurzzeitig Frontgebiet. 2023 haben wir zudem 2.000 Hektar von einem anderen Betrieb übernommen, wo wir bei der Sondierung Granaten, Handgranaten und Sprengfallen gefunden haben.
Wie wirkt sich die nächtliche Ausgangssperre von 0 bis 5 Uhr aus?
Sie schränkt vor allem das Privatleben ein. In der Bestellung und Ernte dürfen wir jedoch mit Traktoren auch nachts unterwegs sein, was für die Arbeit unerlässlich ist.
Die Fragen stellte Bernd Pawelzik
Der Interviewpartner Alexander Zein

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Alexander Zein (45) absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre in Niedersachsen und sammelte praktische Erfahrungen auf Betrieben in Deutschland und Polen. Seit 2006 ist er in der Ukraine als Produktionsleiter im Pflanzenbau tätig. 2019 übernahm Zein die Leitung der Produktionstechnik bei der UIFK Agro. Zein ist mit einer Ukrainerin verheiratet; seine Frau und die beiden Kinder leben in Deutschland.










