„Das Angebot von Feldrobotern wächst stetig, ebenso die Einsatzmöglichkeiten, demnach wird sich die Technik zukünftig weiter ausbreiten“, ist sich Tobias Weggel sicher – er verantwortet das FillA-Projekt an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth. Seit über 150 Jahren werden dort Landwirte und Gärtner überbetrieblich aus- und fortgebildet. Neben Anbauverfahren und Co. spielt dabei auch die Technik eine entscheidende Rolle, weshalb auch die Landmaschinenschule direkt integriert ist. Sebastian Thiem, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten, ergänzt: „In Zukunft wird es zu den Grundkompetenzen eines Landwirts gehören, Feldroboter im Praxiseinsatz zu bedienen und sich bei Störungen selbstständig helfen zu können.“
Parallel dazu wächst natürlich auch der Bedarf bei Händlern und Werkstätten, die entsprechendes Fachpersonal benötigen. Daher integriert auch die Handwerkskammer für Unterfranken die Inhalte in die Ausbildung von Land- und Baumaschinenmechatronikern, ebenfalls durch überbetriebliche Lehrgänge an der hauseigenen Fahrzeugakademie in Schweinfurt. Erfahrungen in diesem Bereich gibt es bereits: Jährlich finden zwei Digitalisierungs- und Robotikwochen im Rahmen des Meisterkurses für Land- und Baumaschinenmechatroniker statt, wobei man bereits mit der Landmaschinenschule in Bayreuth zusammenarbeitet. Nun soll das Thema auch fester Bestandteil der Lehrinhalte für Auszubildende werden.
„Über eine digitale Lernplattform können die Auszubildenden der Landwirtschaft mit denen der Landtechnik die zukünftige Zusammenarbeit an den Feldrobotern bereits in der Ausbildung üben“, so Fahrzeugakademie-Leiterin Iris Hiller. Das entspreche auch der üblichen Praxis im Berufsalltag, wo Mechatroniker und Landwirte nicht selten zusammen das Problem einer Maschine ergründen. Durch das gemeinsame Lernen soll sich zudem ein gegenseitiges Verständnis sowie eine störungsfreie Kommunikation entwickeln.
Das Ziel des zunächst auf drei Jahre ausgelegten Projektes ist die Entwicklung von Lehr- und Lernkonzepten. Einmal ausgearbeitet, könnten später auch andere Branchen das Konzept aufgreifen, verschiedene Berufe in einem Lehrgang zusammenarbeiten zu lassen. Die Plattform ist Open-Source in Moodle aufgesetzt, wodurch sich das im Projekt zu erarbeitende Gerüst auch mit Inhalten anderer Berufe füllen lasse. Die Handwerkskammer für Unterfranken sei dafür laut Hiller grundsätzlich offen. Fest eingeplant ist zudem ein KI-Partner, der auch dann für Fragen zur Seite steht, wenn der Ausbilder gerade nicht greifbar ist. Denn große Teile des Wissens bekommen die Auszubildenden nicht über klassischen Unterricht vermittelt, sondern erarbeiten es sich durch praktische Aufträge selbst, oft auch gemeinsam und künftig eben auch berufsübergreifend. Das System soll sich zudem an das individuell passende Lerntempo für jeden Schüler anpassen können.

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Üblicherweise sind Agrar-Schulen hinsichtlich Technik gut durch Leihmaschinen von verschiedenen Herstellern ausgestattet. Bei Feldrobotern gestaltet sich das jedoch schwierig.

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Von links: Sebastian Thiem (Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten), Henry Schramm (Bezirkstagspräsident), Tobias Weggel (Projektleiter Landwirtschaftliche Lehranstalten), Iris Hiller (Leiterin Fahrzeugakademie HWK), Ludwig Paul (Hauptgeschäftsführer HWK Unterfranken).
Projekt der Exzellenzoffensive
Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten haben sich dafür gemeinsam mit der Handwerkskammer um Fördergelder des Bundesinstituts für Berufsbildung im Rahmen der Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung beworben und nun die Förderzusage erhalten. 90 Prozent der Gesamtkosten von rund 1,6 Millionen Euro werden übernommen. Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken: „Es ist eine wertvolle Auszeichnung, dass wir zu den wenigen in Bayern ausgewählten Projekten der Exzellenzoffensive gehören. Das zeigt, wie wichtig die Kombination aus innovativer Technik, professioneller Didaktik und Künstlicher Intelligenz im Rahmen der Ausbildung des Nachwuchses im Handwerk gesehen wird.“ Ein erster Schritt ist nun die Anschaffung von drei Feldrobotern, deren Einsatz in Theorie und Praxis behandelt werden soll. Welche Typen schlussendlich auf den Hof kommen, wird eine Ausschreibung klären. Den Grund für die Eigenmechanisierung erklärt Projektleiter Weggel: „Normalerweise setzen Schulen wie wir auf Leihmaschinen von Herstellern, was normalerweise sehr gut funktioniert. Bei Feldrobotern gibt es allerdings kaum verfügbare Maschinen – zumindest während der Saison nicht. Da sind die wenigen Vorführer verständlicherweise bei potenziellen Kunden unterwegs. Von Oktober bis März können wir bereits Geräte bekommen, für die es dann aber keine Praxiseinsätze auf dem Feld gibt. Da wir in unserer Ausbildung aber genau darauf setzen, brauchen wir eigene Maschinen.“
Da die beiden Bildungseinrichtungen nur etwa 115 Kilometer auseinanderliegen und ein Großteil der Strecke innerhalb einer guten Stunde über die A70 zu bewältigen ist, bot sich erneut eine Kooperation an. So sollen beide Bildungseinrichtungen die drei Feldroboter künftig im Wechsel nutzen können, entsprechende Anhänger wurden in die Projektsumme bereits einkalkuliert. Die jeweilige geografische Lage begünstigt das Gemeinschaftsprojekt zudem: Bayreuth liegt auf ca. 350 Meter über NHN, Schweinfurt etwa 130 Meter tiefer, wodurch sich die jährliche Durchschnittstemperatur um etwa 1°C unterscheidet, was wiederum in einen Versatz in der Vegetationszeit von zwei Wochen resultiert. Im Idealfall kann die gleiche Feldroboter-Maßnahme also an beiden Standorten zeitlich versetzt gelehrt werden.















