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Tehnos :

Das Geheimnis des vollen Weinglases

Der eilbote besuchte den slowenischen Mulcherspezialisten Tehnos. Warum rote Geräte besonders gute Zerkleinerungsarbeit leisten, erklärte uns Unternehmenschef Anton Kisovar persönlich.

Tehnos: Das Geheimnis des vollen Weinglases

Einsatz von Front- und Seitenmulcher in Kombination.

Tehnos-Chef Anton Kisovar freut sich über die Auszeichnungen der Mulchertechnologie.

Tehnos-Chef Anton Kisovar freut sich über die Auszeichnungen der Mulchertechnologie.

Erst beim zweiten Hinschauen fällt uns ein randvoll mit Wasser gefülltes Weinglas auf, das auf dem fahrenden Mulcher steht. Der John Deere schiebt den Mulcher MU 280 LW in seiner Front über die Maisstoppeln. Am Vorgewende angekommen, ist aus dem Glas nichts verschüttet. Auch bei stehendem Traktor bleibt das Wasser im Glas bei 1.000 Zapfwellenumdrehungen am Mulchergetriebe nahezu unbewegt.

Tehnos-Eigentümer und Firmenchef Anton Kisovar freut sich über die verblüfften Zuschauer dieser Vorführung und erklärt diesen sehr ruhigen Mulcherlauf. Verantwortlich dafür ist die patentierte Anordnung der 26 Hammerschlegel auf der 10 mm starken Welle. Diese hat einen Durchmesser von 219 mm. Immer nur ein einziger der jeweils 1,4 kg schweren Schlegel befindet sich auf der Schnittlinie. Tehnos nennt dieses Patent „Low Vib“ (Wenig Vibrationen). Dank geringerer Vibrationen kann die elektronisch ausgewuchtete Welle so schneller drehen. Bei Mulchern der Mitbewerber sind 1.800 bis 2.200 Wellenumdrehungen, entsprechend einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 m/sec, üblich. Der MU 280 von Tehnos schafft es mit 61 m/sec auf 2.400 Wellenumdrehungen. Die Schlegel treffen damit die Maisstoppeln mit höherer kinetischer Energie und zerkleinern das Mulchgut gründlich unter allen Bedingungen.

Eine weitere interessante Lösung ist die besondere Konstruktion der Stützwalze des Mulchers. Ist der Untergrund sehr uneben, sollte der Abstand zwischen Mulcherstützwalze und Rotor gering sein. Bei dieser Variante des Mulchers MU profi 130 gelangt das Häckselgut durch den offenen Gehäusedeckel und landet hinter der Stützwalze. Diese Variante braucht auch weniger Kraft. Deutlich weniger Staub wirbelt man aber in der zweiten, hinteren Position der Stützwalze auf. Sie liegt hierbei 20 cm weiter hinter dem Rotor: Der Gehäusedeckel des Mulchers bleibt dabei geschlossen. Das reduziert den Staub, ein Vorteil besonders im Frontbetrieb. Zudem benötigt diese Variante auch weniger Kraft.

Die Tehnos Mulcher lassen sich einfach an- und abbauen, sind robust, einfach zu warten und bieten ein sehr attraktives Preis-/Leistungsverhältnis – dies attestierten die Kollegen der österreichischen Fachzeitschrift „Landwirt“ den Maschinen aus dem slowenischen Ort Zalec nach einem ausführlichen Praxiseinsatz.

Unternehmensstart auf dem Bauernhof

Bereits 1983 arbeitete der Maschinenbauingenieur Kisovar in der Werkstatt auf dem elterlichen Bauernhof an Landmaschinen. 1994 übernahm er dann ein slowenisches Unternehmen, das Mulcher des deutschen Herstellers Willibald in Lizenz fertigte. Heute steht die Firma Tehnos mit 17.500 m2 und 124 Mitarbeitern auf drei Beinen: Rund 60 Prozent der 15,7 Mio. Euro Umsatz bestreitet das Mulcherprogramm. Es umfasst Front- und Heckgeräte für Landwirtschaft, Sonderkulturen und kommunale Arbeiten.

Die Schlegelanordnung auf der Welle ermöglicht eine höhere Umfangsgeschwindigkeit der Schlegel.

Die Schlegelanordnung auf der Welle ermöglicht eine höhere Umfangsgeschwindigkeit der Schlegel.

Die neue 5.680 Quadratmeter große Halle steht kurz vor dem Bezug.

Die neue 5.680 Quadratmeter große Halle steht kurz vor dem Bezug.

Die Begeisterung, mit der Firmenchef Kisovar seine Besucher im dynamischen Schritt durch sein Werk führt, steckt an. Laserschneider für Bleche und Rohre, robotergesteuerte Biegemaschinen, CNC-Zentren mit drei, vier und fünf Achsen, Roboterschweißanlagen, Sandstrahlkabinen, KTL-Lackierung und Pulverbeschichtung – alles befindet sich auf dem neuesten Stand. Tehnos fertigt unter anderem für die Automobil- und Flugzeugindustrie auch Kunststoffverbundteile auf höchstem Qualitätsniveau. Mein Blick fällt auf ein leicht gebogenes gut 50 cm breites Teil. Auf der einen Seite ist feines Holz, auf der Rückseite Kunststoff zu sehen. „Das ist die Vorrichtung für die Türinnenverkleidung eines Maybachs“, erläutert Kisovar. In der nächsten strikt von den anderen getrennten Halle stehen links und rechts vom Gang Spritzgussmaschinen für Kunststoff. Hier entstehen z.B. Gehäuse für Zitruspressen eines führenden Küchengeräteherstellers und andere Artikel der sogenannten „Weißen Ware“. Tehnos fertigt die komplexen Formen dafür im eigenen Werkzeugbau selbst.

Kisovar schwärmt für deutsche Fertigungs- und Werkzeugmaschinen. „Man braucht Qualität, um Qualität zu produzieren“, lächelt er. Dabei deutet er auf seine schwäbischen Hermle-Bearbeitungszentren.

Der Abstand der Stützwalze zum Rotor (A bzw. B) lässt sich verändern.

Der Abstand der Stützwalze zum Rotor (A bzw. B) lässt sich verändern.

Die Landtechnikabteilung von Tehnos produziert aktuell auf Hochtouren. Der Platz ist beengt, aber eine neue Halle mit 5.680 m2 Fläche steht kurz vor dem Bezug. Eine nagelneue Laserschneidanlage für die dreidimensionale Bearbeitung von Rohren mit bis zu 305 mm Durchmesser und 12,5 Meter Länge ist bereits installiert. Das vollautomatische Blechbearbeitungszentrum „Prima Power“ daneben mit Blechmagazin misst über 40 Meter in der Länge. „Die regelmäßigen Audits unserer Kunden aus dem Automotive- und Flugzeugbereich verlangen ständige Investitionen in unseren Maschinenpark. Sie finden hier keine Maschine, die älter ist als zehn Jahre“, berichtet Kisovar.

Beim Gespräch in seinem Büro zeigt sich, dass Kisovars Herz doch am stärksten für die Landtechnik schlägt. Gemeinsam mit der Tehnos Verkaufsleiterin für die deutschsprachigen Länder, Lidija Kovacic, besucht er alle bedeutenden Landtechnikmessen und auch Händlertage persönlich. „Gerade die deutschen Landwirte wissen viel über Technik. Ich höre ihren Verbesserungsvorschlägen zu und auch bei ihrer Kritik genau hin. Diese Erfahrungen fließen dann unmittelbar in die Weiterentwicklung unserer Geräte ein“, so der Maschinenbauingenieur.

Im Jahr 2009 war Tehnos erstmals Aussteller auf der Agritechnica. Der Exportanteil des slowenischen Unternehmens liegt heute bei über 90 Prozent, das Mulchergeschäft wuchs im letzten Jahr um 26 Prozent. „Der Händler darf mit unseren Geräten keinen Aufwand haben“, formuliert Frau Kovacic die eigenen Ansprüche. Der Verkauf läuft auch über zahlreiche private Händler in ganz Deutschland. Mit Agrom im Südwesten, Schmahl und Wüstenberg im Norden, Claas in Bayern und der RWZ in der Mitte Deutschlands hat Tehnos bereits bedeutende Vertriebspartner gefunden. „Im südlichen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg, Brandenburg, in Rheinland-Pfalz und im südlichen Nordrhein-Westfalen sind wir noch auf der Suche“, so die Vertriebsleiterin.

Die nächste Tehnos Generation steht in den Startlöchern: Kisovars Sohn Urban ist 22 Jahre alt und beendet gerade sein Maschinenbaustudium. Einen Tag pro Woche ist er im Unternehmen und präsentiert in den Ferien Tehnos auf Messen und Ausstellungen. In Zukunft wird er dafür verantwortlich sein, dass das Weinglas auf dem Mulcher immer bis zum Rand gefüllt bleibt.

Der Universalmulcher mit Doppelanbaubock.

Der Universalmulcher mit Doppelanbaubock.


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