Magazin Gülletechnik

Taube-Studie: :

Neue Düngeverordnung praktisch wirkungslos

Alle Fachempfehlungen wurden dem Kieler Wissenschaftler zufolge von der Politik missachtet – Obergrenzen sind auch weiterhin leicht zu überschreiten – Erlaubte Salden zu hoch – BDEW-Hauptgeschäftsführer Weyand: Weitere Nitratbelastung wird in Kauf genommen – Nachbesserungen gefordert – Neue GAP am Gewässerschutz ausrichten

Die im Frühjahr 2017 verabschiedete, neue Düngeverordnung wird nach Einschätzung von Prof. Friedhelm Taube von der Universität Kiel zu keiner nennenswerten Reduzierung der Stickstoffüberdüngung führen. Das geht aus einer Studie hervor, die Taube im Auftrag des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erstellt und die jetzt veröffentlicht worden ist. Als Hauptgrund für die erwartete Unwirksamkeit des neuen Düngerechts wird darin die „weitgehende Missachtung aller agrar- und umweltwissenschaftlichen Fachempfehlungen“ angeführt. Wie Taube dazu erläutert, ermöglichen die neuen Regelungen, dass bei gleichen Ertragswerten mitunter sogar mehr Dünger auf den Feldern ausgebracht wird als bisher. Auch lasse die neue Düngeverordnung weiterhin zu, dass die Ober- grenze von 170 kg Stickstoff pro Hektar selbst in „ohnehin gefährdeten Gebieten“ überschritten werde.

„Stumpfe“ Länderkompetenzen

Weitere Kritikpunkte betreffen laut Taube die zu geringen Mindestanrechenbarkeiten für organische Dünger, die zu hohen erlaubten Stickstoffsalden, das Fehlen einer bundeseinheitlichen Düngebedarfsermittlung für Phosphor sowie die Erteilung „stumpfer Länderkompetenzen“. In den Länderermächtigungen fänden sich „scheinbare Verschärfungen“ wie die Ermittlung des Nährstoffgehaltes von organischen Wirtschaftsdüngern oder ein sofortiges Einarbeiten von Düngemitteln, die Taube zufolge jedoch „de facto“ zum normalen Rüstzeug der wissenschaftlich basierten guten fachlichen Praxis gehören.

Schlupflöcher schließen

Nach Ansicht des BDEW-Hauptgeschäftsführers Martin Weyand hat die Politik „mit dieser halbherzigen Gesetzgebung“ eine weitere Nitratbelastung der Böden und Verschlechterung der Qualität der Grundwasserressourcen in Kauf genommen. Im Einzelnen fordert der BDEW, dass die geplante Obergrenze von 170 kg Stickstoff pro Hektar Ackerfläche künftig ohne Ausnahmen gilt. Schlupflöcher, mit denen diese Grenze bisher umgangen werde, müssten geschlossen werden. Zudem müssten die Vorgaben zur Düngebilanzierung für alle landwirtschaftlichen Betriebe gelten. Damit Böden und Gewässer sich regenerieren könnten, seien gefährdete Gebiete auszuweisen und Aktionsprogramme einzuleiten. Weyand sprach sich außerdem dafür aus, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) künftig an den Anforderungen des Umwelt- und Gewässerschutzes auszurichten.

Für Greenpeace-Landwirtschaftsreferent Dirk Zimmermann liegt die Lösung vor allem in einer Verringerung des Nutztierbestandes. Erst dann ließe sich „die massive Überdüngung“ wirksam reduzieren, erklärte er in einer Stellungnahme zu der Studie.


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